<< Joos, Georg
Jordan von Giano >>
Joos, Josef
Redakteur, Politiker, Arbeiterführer,
* 13.11.1878 Winzenheim bei Colmar (Elsaß),
† 11.3.1965 Sankt Gallen. (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus alter
Eisengießerfam., d. im 18.
Jh. aus d. Niederlanden ins Elsaß, d. Schweiz u. nach Frankreich abwanderte;
V N. N., Eisengießer;
M N. N.;
⚭ 1908 Barbara Graß (1883–1939), in d.
kath.-
soz. Arbeit tätig; 7
K .
Leben ↑
J., gelernter Modelltischler, wird 1902 Lokalredakteur an der „Oberelsässischen Landeszeitung“ in Mülhausen. Seit 1903 dem Volksverein für das
kath. Deutschland in Mönchengladbach und damit der
kath.-sozialen Arbeit verbunden, tritt er in die Redaktion der Westdeutschen Arbeiterzeitung (WAZ) ein, die unter seiner Leitung (1906–19) das angesehenste Organ für die
kath. Arbeitervereine wird. In der WAZ werden durch
J. die Zielsetzungen einer
kath. Arbeiterbewegung entwickelt; sie soll dem Arbeiter den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wert des Arbeiterstandes zu Bewußtsein und bei den übrigen Ständen diesen Wert zur Anerkennung bringen (
kath. Arbeiterstandesbewegung).
1919 wird
J. Mitgl. d. Nationalversammlung, 1920-33 ist er Mitglied des Reichstags als Abgeordneter der Zentrumspartei. Als Politiker bleibt er der
kath. Arbeiterbewegung verbunden. Bei dem Zusammenschluß der
kath. Arbeiterverbände zum „Reichsverband
kath. Arbeiter- und Arbeiterinnenvereine“ 1927 ist
J. als Vorsitzender des Westdeutschen Verbands zugleich auch in der Leitung des Reichsverbands. 1928 wird er bei der Gründung der
Kath. Arbeiterinternationale deren Vorsitzender.
J. setzt die Bildungsarbeit in der Arbeiterbewegung auf breiter Basis fort. Zugleich stellt er sich in den Dienst der deutsch.-
franz. Verständigung (
franz.-deutsche Katholiken-Konferenzen) und ist führend beteiligt an den Konferenzen der internationalen Vereinigung christlich-demokratischer Parteien (Paris 1928, Berlin 1929). Nach 1933 beteiligt
J. sich am Aufbau einer kirchlich-seelsorglich orientierten Männer
|arbeit. Trotz Anfeindung durch das
NS-Regime (Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft) setzt er die Arbeit bis zu seiner Verhaftung 1940 fort. 1941-45 befindet er sich im
KZ Dachau. Nach 1945 stellt sich
J. für den Wiederaufbau der Männerarbeit zur Verfügung und ist langjähriger Vorsitzender der „Gemeinschaft der
kath. Männer Deutschlands“. Er veröffentlicht Erinnerungen von eindrucksvoller Kraft, die das Bild der
kath. Arbeiterbewegung von der Jahrhundertwende bis in die Zeit der Unterdrückung durch den Nationalsozialismus in der Sicht eines ihrer führenden Männer wachhalten. In zahlreichen Beiträgen (in Zeitungen, Zeitschriften, Sammelwerken und in Reden) tritt bei aller Zeitbedingtheit des jeweiligen Anlasses immer das Anliegen hervor, das
J. zur Lebensaufgabe geworden war und das er in der
kath. Arbeiterbewegung zur Geltung brachte, dem Arbeiter in Gesellschaft, Wirtschaft und Kirche einen Platz zu geben, der seiner Person und deren Achtung entspricht und zu einer sozialen Befriedung führt.
Werke ↑
Leben auf Widerruf, Begegnungen u. Beobachtungen im
KZ Dachau 1941-1945, 1946,
21948;
Am Räderwerk d. Zeit, Erinnerungen a. d.
kath. u.
soz. Bewegung u.
Pol.,
o. J. (1951)
(P);
So sah ich sie, Menschen u. Geschehnisse, 1958;
Die KAB in d.
Gesch. d.
christl. Arbeiterbewegung Dtld.s, 1963
(P).
Literatur ↑
O. Wachtling, Die Position
v. J.
J. i. d.
christl.-
soz. Bewegung u. i. d. Zentrumspartei
b. z. J. 1933,
Diss. Marburg 1970
(W, L);
ders., J.
J., in:
Zeitgesch. in
Lb., Aus d.
dt. Katholizismus d. 20.
Jh.,
hrsg. v. R. Morsey, 1973, S. 236-50
(W, L, P);
ders., J.
J., 1974;
Kosch. Kath. Dtld.;
W. Kosch, Biogr. Staatshdb. II, 1963;
H. Budde,
Hdb. d.
christl.-
soz. Bewegung, 1967, S. 145 f.
(P).
Autor ↑
Joachim GiersEmpfohlene Zitierweise ↑
Giers, Joachim, „Joos, Josef“,
in: Neue Deutsche Biographie
10
(1974), S.
595 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118712993.html