Name
Jellinek-Mercédès, Emil
Namensvarianten
Jellinek, Emil (bis 1903); Jellinek-Mercédès, Emil
Lebensdaten
1853 bis 1918
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Genf
Beruf/Lebensstellung
Geschäftsmann
Konfession
jüdischer Vater
Autor NDB
Hannes Stekl
Autor ADB
-
GND
118711970

Jellinek-Mercédès, Emil|

Geschäftsmann, * 6.4.1853 Leipzig, 21.1.1918 Genf.

  • Genealogie

    V Adolf (s. 1); B Georg (s. 2), Max Hermann (s. 4); - 1) 1874 Rachel Gogman (1854–93) aus Oran, angebt, unehelich Tochter d. franz. Marschalls Certain Canrobert, 2) Madeleine (1873–1941), T d. Jean Vincent Engler, Agent d. Compagnie Franco-Algérienne, Rat d. Dép. Oran, Bgm. v. Saida, u. d. Marie-Cathérine Pin; 2 S, 1 T aus 1), u. a. Mercédès (1889–1929, 1] Carl v. Schlosser, 1878–1932, Ministerialrat im österr. Handels- u. Verkehrsmin., 2] Rudolf Frhr. v. Weigl); 3 S, 1 T aus 2); N Walter (s. 5).

  • Leben

    In permanentem Konflikt mit den Erziehungsidealen seines Elternhauses verließ J. 1886 nach einem Disziplinarfall das Gymnasium in Sondershausen, floh 1870 aus der Handelsschule in Prag und trat in Rotkosteletz in den Bahndienst ein, aus welchem er 1872 wegen verschiedener Eigenmächtigkeiten wieder entlassen wurde. Daraufhin vermittelte ihm sein Vater eine Anstellung beim österr. Konsulat in Marokko, wo J. als Handelsagent in Tetuan und Oran sich mit vorerst wechselndem Erfolg im Tabakhandel versuchte, bald jedoch einen sicheren Instinkt für günstige kaufmännische Transaktionen entwickelte. Nach einem kurzen Aufenthalt in Wien arbeitete er 1880-84 als Vertreter einer führenden franz. Versicherungsgesellschaft in Algier und übernahm dann deren Repräsentation in Wien, wo er sich durch vorteilhafte Abschlüsse und geschickte Börsenspekulationen ein großes Vermögen erwarb. Seit Jahren hatte J. als begeisterter Automobilist die Entwicklung der Motorenindustrie verfolgt. Seit 1895 stand er in geschäftlicher Verbindung mit der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Cannstatt, 1900 trat er in ihren Aufsichtsrat ein. 1897 hatte J. näheren Kontakt mit ihrem Chefkonstrukteur Wilh. Maybach aufgenommen, der auf seine zahlreichen Anregungen hin den ersten Wagen mit den technischen Merkmalen eines modernen Automobils baute. Der „Mercedes“, benannt nach J.s Tochter, errang 1901 auf der „Woche von Nizza“ einen durchschlagenden Erfolg. J. sicherte sich das Verkaufsrecht für Frankreich, Belgien, Österreich-Ungarn sowie die USA und erzielte durch einen psychologisch geschickten Werbefeldzug und seine Verbindungen zu Finanzwelt, Wirtschaftskreisen und Hocharistokratie ausgezeichnete Verkaufserfolge und erhöhtes gesellschaftliches Prestige. Die prunkvolle Villa des „Herrn Mercédès“ in Nizza, in der auch Mitglieder regierender Häuser häufig verkehrten, wurde zum Begriff vollendeter Gastlichkeit. – 1902 stieg J. nach einem Erfolg seines Bootes auf der Nizzaer Regatta mit Daimlererzeugnissen auch ins Motorbootgeschäft ein und ließ 1905 die erste Jacht mit „Maierbug“ bauen. Daneben wirkte er weiterhin hinter den Kulissen bei Autorennen, als Finanzier und in beratenden Funktionen, doch bewogen ihn wachsende Differenzen über Produktionsmethoden 1909 zum Austritt aus der Daimlergesellschaft. Er wurde 1908 zum österr. Honorarkonsul, 1909 zum Honorar-Generalkonsul ernannt und vermittelte, als Besitzer einer Hotelkette auch in dieser Branche versiert, lukrative Aufträge an österr. Firmen. 1914 übersiedelte J. nach Ausbruch des Weltkrieges nach Genf. Seine letzten Lebensjahre wurden ihm durch eine Diffamierungskampagne verleidet. Er wurde der Spionage zugunsten der Mittelmächte beschuldigt und sein in Frankreich befindliches Vermögen wurde beschlagnahmt.

    • Literatur

      50 J. Automobilsport 1896-1946, hrsg. v. Automobilklub v. Nizza u. d. Côte d'Azur, 1957;  Die Presse v. 27.2.1949, 29.5. u. 11.9.1960;  Mercedes-Konstruktionen in 5 J.zehnten, Eine Chronik, 1951;  K. Rathke, W. Maybach, Anbruch e. neuen Za., 1953;  E. Kurzel-Runtscheiner, Erfindungen aus Österreich, 1950;  Guy Jellinek-Mercédès, Mein Vater d. Herr Mercédès, 1962 (Literatur, Porträt);  Sport-Lex., hrsg. v. G. Braunbeck, 1910;  ÖBL.

  • Autor

    Hannes Stekl
  • Empfohlene Zitierweise

    Stekl, Hannes, "Jellinek-Mercédès, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 395-396 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118711970.html
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Jellinek-Mercédès, Emil

Jellinek-Mercédès, Emil