Name
Jellinek, Walter
Namensvarianten
Jelinek, Walter; Jellinek, W.; Jellinek, Walther
Lebensdaten
1885 bis 1955
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Lebensstellung
Staatsrechtler; Verwaltungsrechtler
Konfession
evangelisch
Autor NDB
Hans Klein
Autor ADB
-
GND
118711997

Jellinek, Walter

Staats- und Verwaltungsrechtler, * 12.7.1885 Wien, 9.6.1955 Heidelberg. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Georg (s. 2); Ov Emil (s. 6), Max Hermann (s. 4); - Karlsruhe 1914 Irmgard (* 1891), T d. Alexander Wiener (1856–1922), Landeskommissär in Freiburg/Brsg., u. d. Eleonora Bolza; Ur-Gv d. Ehefrau Frdr. König ( 1833), Erf. d. Schnellpresse; Groß-O d. Ehefrau Adolf Hausrath ( 1909), luth. Theol. (s. NDB VIII); 2 S, 3 T.

  • Leben

    J. studierte die Rechte in Heidelberg, Freiburg und Berlin und promovierte 1908 in Straßburg bei P. Laband mit der Arbeit „Der fehlerhafte Staatsakt und seine Wirkungen“. 1912 habilitierte er sich in Leipzig bei Otto Mayer mit der Schrift „Gesetz, Gesetzesanwendung und Zweckmäßigkeitserwägung“ (1913). Seinen Lehrern verdankte er die wissenschaftliche Haltung, die sein Werk geprägt hat: die unbedingte Verpflichtung auf das Gesetz, die ihn später etwa der Inanspruchnahme des Rechts zur Prüfung von Gesetzen auf ihre Verfassungsmäßigkeit durch das Reichsgericht entgegentreten ließ. – 1913 wurde J. planmäßiger Extraordinarius, 1919 Ordinarius (1928/29 Rektor) in Kiel. Seine dortige Tätigkeit unterbrach der Krieg, an welchem er 1914-18 teilnahm. 1929 wurde er als Nachfolger von R. Thoma nach Heidelberg berufen. 1935-45 wurde er an der Ausübung seines Lehramtes gehindert. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs reaktiviert, erwarb sich J. große Verdienste um den Wiederaufbau der Universität Heidelberg.

    Aus seinen zahlreichen Veröffentlichungen ragt das „Verwaltungsrecht“ hervor. Neben den Werken Otto Mayers und Fritz Fleiners bildet es die dritte und zugleich die letzte große systematische Darstellung des Verwaltungsrechts des liberalen Rechtsstaats. Den modernen Leistungs- und Verteilerstaat und die mit ihm verbundenen staats- und verwaltungsrechtlichen Probleme hat J. zwar heraufkommen sehen, der „Schlichte Hoheitsverwaltung“ überschriebene Abschnitt|seines Hauptwerks beweist es. Die wissenschaftliche Durchdringung dieses neuartigen Phänomens war jedoch in der Weimarer Zeit noch nicht möglich. – Die erzwungene Muße nach 1935 nutzte J. u. a. zur Abfassung einer Preisschrift der Leidener Juristenfakultät, die 1953 unter dem Titel „Die zweiseitigen Staatsverträge über Anerkennung ausländischer Zivilurteile“ erschienen ist. Nach 1945 war J. maßgeblich an der Ausarbeitung der Verwaltungsgerichtsgesetze der Länder der amerikan. Besatzungszone beteiligt.

    • Werke

      Weitere Werke Der Schutz d. öff. Rechts durch ordentl. u. durch Verwaltungsgerichte, in: Veröff. d. Vereinigung d. Dt. Staatsrechtslehrer, H. 2, 1925;  Schöpfer. Rechtswiss. (Kieler Rektoratsrede), 1928;  Verwaltungsrecht, 1928, 31931, Nachtrag 1934, 1. Neudr. d. 3. Aufl. 1948, Nachtrag 1950, 2. Neudr. (mit Nachtrag v. 1950), 1966 (mit Vorwort v. O. Bachof). |

    • Nachlaß

      Nachlaß: Koblenz, Bundesarchiv.

    • Literatur

      Forschungen u. Berr. a. d. öff. Recht, Gedächtnisschr. f. W. J., 1955 (mit Biographie, Werkverzeichnis);  E. Jacobi, In memoriam W. J., o. J. (1955);  E. Walz, in: Archiv d. öffentl. Rechts 80, 1955/56;  E. Forsthoff, Ruperto-Carola, Mitt. d. Freunde d. Studentenschaft d. Univ. Heidelberg e. V. 7, Nr. 18, 1955, S. 16.

    • Portraits

      Phot. (Heidelberg, Kurpfälz. Mus.).

  • Autor

    Hans Klein
  • Empfohlene Zitierweise

    Klein, Hans, "Jellinek, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 394-395 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118711997.html
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Jellinek, Walter