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Abeken, Heinrich Johann Wilhelm Rudolf >>
Abeken, Bernhard Rudolf
Philologe und Literarhistoriker,
* 1.12.1780 Osnabrück,
† 24.2.1866 Osnabrück (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus Osnabrücker Kauf- und Ratsherrengeschlecht;
V Johann Wilhelm Abeken (1753–1800), Großkaufmann in Osnabrück;
M Charlotte Margarethe (
* 1755),
T des Kaufmanns Christoph Klincke in Osnabrück:
Gvv Gerhard Wilhelm Abeken (1721–92), Großkaufmann;
Gmv Anna Gertrud,
T des Bürgermeisters Hermann Grosling in Helmstedt;
⚭ Christiane (
† 1855).
T des Wilhelm Ludwig von Wurmb (1740–1812) und der Wilhelmine Christiane von Hoheneck (1760–97), Hofdame der Fürstin-Regentin von Schwarzburg-Rudolstadt;
S Wilhelm Ludwig Abeken (1813–43), Archäologe, Hermann Abeken (s. 3);
N Heinrich Johann Wilhelm Rudolf Abeken (s. 2).
Leben ↑
Nach theologischen und philosophischen Studien in Jena wurde Abeken 1803 Hauslehrer bei Minister von der Recke in Berlin und erweiterte dort seinen Blick für Wissenschaft und Kunst. 1808 ging er als Lehrer der Kinder Schillers nach Weimar, 1810 als Konrektor an das Gymnasium in Rudolstadt, 1815 an das Gymnasium in Osnabrück, wo er gemeinsam mit dem Rektor die Schule reformierte und 1841 das Rektorat übernahm. Auch nach Eintritt in den Ruhestand (1863) erklärte er weiter Sophokles und Cicero. Seine literarische Tätigkeit, besonders als Rezensent, galt vorwiegend der Literaturgeschichte; die Herausgabe von Justus Mösers Schriften (10 Bände, 1842/43) war eine verdienstvolle Tat. Vorträge in Rudolstadt 1814/15, sowie in Berlin 1808 in einem Freundeskreise warben für Dante, dessen „Hölle“ er für eigene Zwecke in Prosa übersetzte. Er bekämpfte das ständige Suchen nach Allegorien in der Göttlichen Komödie und trat für ihre ethischreligiöse Auslegung ein. Abeken vertrat die klassische Bildung und den Geist Goethes.
Werke ↑
Weitere W Btr. z. Studium d. Göttl. Komödie Dantes. 1826; Cicero in seinen Briefen, 1835; Ein Stück aus Goethes Leben
z. Verständnis einzelner Werke desselben. 1845; Goethe in
d. J. 1771 bis 1775, 1861; Goethe in meinem Leben,
hrsg. v. A. Heuermann, 1904.
Literatur ↑
ADB I; Erinnerungen B. R.
A.s, mitgeteilt
v. A. Heuermann, 1895;
Heinr. Abeken. Ein schlichtes Leben in bewegter Zeit, aus Briefen zusammengestellt,
hrsg. v. Hedwig Abeken, 1898;
Goedeke IV/2, 1910, S. 469; Goethe im Briefwechsel zweier Freunde (B. R.
A. u. J. D. Gries), mitgeteilt
v. H. G. Gräf, in:
Jb. d. Goethe-
Ges. 5, 1918, S. 232-55; P.
A. Merbach, Dante in
Dtld., in: Dante-
Jb., 1920, S. 152 ff.; E. Haarmann, Üb. Mösers Art zu schaffen, mit einer Bemerkung
üb. B. R.
A.s editor. Tätigkeit, in:
HZ 140, 1929, S. 87 ff.; W. Deetjen, Ein Briefwechsel
zw. A. u. K. Immermann, in: Dante-
Jb., 1937; K. Toll,
A. üb. seine Dante-Forschung, in: Dante-
Jb., 1938; Kosch,
Lit. Lex. I
(L. W).
Autor ↑
Walter GoetzEmpfohlene Zitierweise ↑
Goetz, Walter, „Abeken, Bernhard Rudolf“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
8
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116001097.html
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Abeken, Bernhard Rudolf
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Abeken: Bernhard Rudolf
A.
, geistreicher Philolog und Litterarhistoker, geb.
1. Dec. 1780 zu Osnabrück, † 24.
Febr. 1866. Nachdem
A.
seine Gymnasialbildung in seiner Vaterstadt vollendet
hatte, bezog er 1799 die Universität Jena, um Theologie zu
studiren, wo er im Hause des berühmten Griesbach die freundlichste
Aufnahme fand. Da er außer seinem Fachstudium eifrig Philosophie
und allgemeine Studien betrieb und in Griesbach's Hause auch das
Glück hatte, mit den Heroen der deutschen Dichtkunst persönlich
bekannt zu werden, wurde er allmählich von seinem gewählten Berufe
abgezogen, zumal als er bei seinem für Poesie und Kunst so
empfänglichen Geiste schon in früher Jugend sich sehr fleißig mit
neuerer Litteratur beschäftigt hatte. Diese Richtung für
allgemeine Bildung fand weitere Nahrung durch einen längeren
Aufenthalt in Berlin, wo
A.
1802 Lehrer bei dem Minister von der Recke wurde und
in dessen Hause reiche Gelegenheit fand, mit in Wissenschaft und
Kunst ausgezeichneten Männern in näheren Verkehr zu treten. Als
seine Aufgabe in des Ministers Haus erfüllt war, ging er 1808 nach
Weimar, um die Erziehung von Schiller's Kindern zu übernehmen, und
verlebte daselbst zwei überaus glückliche Jahre, bis er 1810 zum
Conrector am Gymnasium zu Rudolstadt ernannt wurde. Fünf Jahre
später folgte er einem Rufe an das Rathsgymnasium seiner
Vaterstadt und hielt bei seiner Einführung in das neue Lehramt
eine durch Geist und Schwung ausgezeichnete Rede über die
Bedeutung und Wichtigkeit der Schule für das Leben (abgedruckt im
Osnabrücker Programm von 1867). Als zweiter Lehrer der Anstalt
stand er dem Rector H. B. Fortlage, einem ausgezeichneten
Schulmanne, bei der Reform des in der Franzosenzeit sehr
herabgekommenen Gymnasiums trefflich zur Seite und wurde nach
dessen im J. 1841 erfolgtem Tode sein Nachfolger. In den Annalen
des Schullebens steht als eine fast einzige Erscheinung da, daß
A.
auch nach seiner 1863 erfolgten Pensionirung seine
Wirksamkeit als Ehrendirector der Anstalt noch fortsetzte, indem
er sich die Erklärung des Sophokles und von Cicero's Briefen
vorbehalten hatte, welche Lehrstunden der hochbetagte Greis noch
bis wenige Wochen vor seinem Tode mit jugendlicher Frische
fortgesetzt hat. Als Schriftsteller machte sich
A.
außer zahlreichen Recensionen über Werke der deutschen
Nationallitteratur und mehreren gehaltvollen Programmen besonders
durch seine Gesammtausgabe von Justus Möser's Werken (1842—43, in
10 Bdn.) verdient, dessen hohe Bedeutung erst durch ihn zur
rechten Anerkennung gelangt ist. Außerdem verdankt man ihm die
geschätzten Schriften: "Beiträge zum Studium der göttlichen
Comödie Dante's", 1826 — "Cicero in seinen Briefen", 1835 — "Ein
Stück aus Goethe's Leben", 1848 — "Goethe in den Jahren 1771—75",
1861. —
Zwei Söhne, die sich litterarisch bekannt gemacht hatten,
gingen dem Vater im Tode voran. Ueber den jüngeren, Hermann, bekannt als
politischer und historischer Schriftsteller, s. u. S. 11. Der
ältere, Wilhelm Ludwig
A.
, geb. 30. April 1813 zu
Rudolstadt, widmete
sich unter Gerhard's Leitung der Archäologie und begab sich 1836
nach Rom, wo er sich besonders mit Studien über das vorrömische
Italien beschäftigte und auch reiches Material zu einer Mythologie
von Italien und einer Monographie über das Capitol sammelte. Zur
Ausarbeitung jedoch gedieh nur sein Werk "Mittelitalien vor den
Zeiten
|der römischen Herrschaft, nach den Denkmälern"
(1843), eine auf gründlichen Forschungen beruhende Geschichte der
etruskischen Kunst, so weit sie aus den damals bekannten
Denkmälern zu erschließen war. Durch Fieberanfälle geschwächt war
A.
im Frühjahr 1842 nach Deutschland zurückgekehrt, um
den Druck seines Werkes zu besorgen und zugleich seine Gesundheit
zu stärken; aber der Druck war kaum zur Hälfte vollendet, als er
am 29. Jan. 1843 zu München im 29. Jahre seines Lebens vom Tode
dahingerafft wurde.
Literatur ↑
Tiemann, Zum Gedächtniß des verst. Schulrathes Dr. Abeken. Osnabrück 1867.
Autor ↑
Halm.
Empfohlene Zitierweise ↑
Halm, Karl Ritter von, „Abeken, Bernhard Rudolf“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
8-9
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116001097.html?anchor=adb
Abeken, Bernhard Rudolf
Name: Abeken, Bernhard Rudolf
Lebensdaten: 1780 bis 1866
Geburtsort: Osnabrück
Sterbeort: Osnabrück
Beruf/Lebensstellung: Literaturhistoriker; Philologe
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Goetz, WalterAutor ADB:
Halm, Karl Ritter vonPND: 116001097