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Adolf III. >>
Adolf II.
Graf von Holstein, gefallen 1164 bei Demmin (Pommern), begraben Minden.
Genealogie
| Leben
| Literatur
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Genealogie ↑
V Adolf I.;
⚭ Mechthilde von Schwarzburg;
S Adolf III.
Leben ↑
Als zweiter Sohn ursprünglich zum Geistlichen bestimmt und gelehrt erzogen, wurde Adolf an Stelle seines gefallenen Bruders zur Herrschaft berufen. Er war ein treuer Anhänger der Welfen und holte sogleich deutsche Kolonisten aus seiner Grafschaft, aus Westfalen, Friesland und Holland in die neueroberten, verwüsteten Slavengebiete Ostholsteins und wurde so der erste norddeutsche Fürst, der im Verein mit Adel und Geistlichkeit die dann von Heinrich dem Löwen in größerem Maßstab aufgenommene Ostkolonisation betrieb. Er baute die zerstörte Siegeburg (Segeberg) wieder auf und errichtete das darniederliegende Bistum Oldenburg wieder, das mit den Slavenaposteln Becelin (bis 1154) und Gerold (1154–64) besetzt wurde. Er begründete Lübeck als erste deutsche städtische Siedlung an der Ostsee, mußte allerdings die Stadt an Heinrich den Löwen abtreten. Adolf fiel in dessen Dienst bei der Niederwerfung des mecklenburgischen Slaventums. Über die Tätigkeit Adolfs auf dem Gebiete der Kolonisierung und Christianisierung Ostholsteins besitzen wir, was in der Geschichte der ostdeutschen Kolonisation ein sehr seltener Fall ist, nähere chronikalische Nachrichten in der Slavenchronik des Pfarrers Helmhold (herausgegeben von B. Schmeidler,
31937), deren Zuverlässigkeit zu Unrecht angezweifelt worden ist.
Literatur ↑
ADB I;
Westf. Lb. V/1, 1935;
V. Pauls u. O. Scheel (
Hrsg.),
Gesch. Schleswig-Holsteins III, 1. u. 2. Lieferung, 1934 ff.;
R. Kötzschke u. W. Ebert,
Gesch. d. ostdt. Kolonisation, 1937;
O. Brandt,
Gesch. Schleswig-Holsteins,
41949.
Autor ↑
Heinz MaybaumEmpfohlene Zitierweise ↑
Maybaum, Heinz, „Adolf II.“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
78
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd129153028.html
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Adolf II.
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Adolf II.: von
Schauenburg, Graf von
Holstein, 1128—64,
des Vorigen zweiter Sohn, ursprünglich dem geistlichen Stande
bestimmt und daher der gelehrten Bildung der Zeit theilhaftig, so
daß er Lateinisch und Slavisch verstand, trat an seines gefallenen
Bruders Stelle in das väterliche Erbe ein. Einige Jahre unter
mütterlicher Vormundschaft, hatte er bei seinem ersten Auftreten
wenig Glück. Der dänische Prinz Magnus, der Mörder seines Vetters,
des schleswigschen Herzogs Kanut Laward, hatte den zur Rache
seines Vasallen herangezogenen Kaiser von Deutschland zu gewinnen
gewußt und bedrängte nun den in Schleswig eingeschlossenen Bruder
des Ermordeten, Erich. Dem bedrohten Schleswig eilte der
Holsteiner gegen die Dänen zu Hülfe, wich aber mit seinen wenig
geschulten Schaaren vor der überlegenen Kriegserfahrung des
feindlichen Heeres eilig über die Eider zurück. Auch die nächste
Zukunft brachte ihm einen schweren Wechsel des Geschicks. Kaiser
Konrad III. hatte dem mächtigen Welfen
Heinrich dem Stolzen das eine seiner beiden Herzogthümer, Sachsen,
abgesprochen und es dem Markgrafen von der Nordmark Albrecht dem
Bären übertragen. Treu seinem Eide wich mit seinem Lehnsherrn der
Vasall. Die Grafschaft Holstein kam an Heinrich von Badewide Indeß
erweckte die über den widerstrebenden Herzog verhängte
Achtserklärung und die Einziehung auch des zweiten Herzogthums dem
von der Kaisermacht so schwer betroffenen Reichsfürsten und als er
1142 starb, seinem Sohne, Heinrich dem
Löwen, so wirksamen Beistand der in ihren Interessen bedrohten
Mitfürsten und Vasallen, daß der Kaiser einen Vergleich mit der
Wiederherstellung des jungen Welfen in sein Herzogthum Sachsen
erkaufte. Nunmehr erlangte auch
A.
II. nicht nur die von
Heinrichs Mutter bestrittene Wiedereinsetzung in seine Grafschaft,
sondern auch die Belehnung mit dem während seiner Vertreibung
eroberten Wagrien, sammt der Insel Fehmarn, während der Eroberer
Heinrich von Badewide mit dem Polaben-Lande abgefunden wurde. Die
Besiedelung dieses slavischen Gebietes, das nach Kanut Lawards
Tode noch einmal eine blutige Restauration des Heidenthums
gesehen, eben dadurch aber auch einen vernichtenden Rachekrieg
seiner westlichen Nachbaren herausgefordert hatte, mit vorwiegend
niederdeutschen auch holsteinischen Anbauern, die rasche
Germanisirung desselben und die dauernde Befestigung der
christlichen Religion, eine nicht unbedeutende Mehrung der Kunst,
ist vorzugsweise Adolfs II. Werk. Seine
Mitarbeiter waren Adel und Geistlichkeit, denen auch hier mit
einem großen Theile von Grund und Boden die Aufgabe der
Christianisirung und Germanisirung als eigenes Interesse zufiel.
Die Wiedererbauung der zerstörten Siegeburg auf dem schon von
Lothar befestigten Alberg, die Neugründung der Stadt Lübeck in
ihrer alten festen und günstigen Lage zwischen Trave und
Wackenitz, die von Hartwig von Bremen ohne Adolfs Wissen verfügte
Wiedererrichtung des Bisthums Oldenburg, von ähnlichen Gründungen
in Schwerin und Ratzeburg gestützt, Kirchenbauten in Oldenburg und
Plön, kurz die ganze folgenreiche missionarische Thätigkeit des
Slavenapostels Becelin bis 1154 und seines Nachfolgers Gerold, der
Eutin zur Stadt erhob, bis 1164 gehört der Regierung dieses Grafen
an. Nicht blos Wagrien, auch Holstein und Stormarn mit ihren eben
so räuberischen wie gastfreien Bewohnern, welche der Chronist
Helmold mit wilden Waldeseln vergleicht, empfanden die sittigenden
Einwirkungen christlichen Geistes. In gleichem, religiösen wie
nationalen Sinne war
A.
auch unter der Fahne seines Lehnsherrn außerhalb
seines Landes thätig. 1147 zur Zeit des zweiten Feldzuges, als
Heinrich der Löwe das christliche Schwert gegen die näheren
Ungläubigen an seinen Grenzen wandte, sah sich
A.
seinerseits zuerst von dem bisherigen
Bundesgenossen und Freunde, dem Obotriten-Fürsten Niklot, durch einen
räuberischen Ueberfall der niederdeutschen Ansiedlungen in Wagrien
angegriffen und begnügte sich, durch rasches Aufgebot eines Heeres
den Feind zum Abzuge zu nöthigen. 1149 war er an Heinrichs Zuge
gegen die Dithmarschen betheiligt, welche 1145 ihren Grafen
erschlagen hatten und nun dem mächtigen Herzog sich beugen mußten.
Eine Folge davon war, daß ein dithmarsischer Flüchtling, Etheler,
Aufnahme und Unterstützung bei dem Dänenkönig Sven suchte und
fand, der durch Aufwiegelung des mächtigen holsteinischen Adels
den Grafen
A.
in die Arme seines Gegenkönigs Kanut trieb. Kanuts
Unzuverlässigkeit brachte bei Schleswig den eigenen Bundesgenossen
in große Gefahr. Ein eiliger Rückzug an die Eider und ein
entschlossener Widerstand daselbst führte zu einem friedlichen
Abkommen. Die unbotmäßigen Ritter brachte Herzog Heinrichs
Eingreifen zum Gehorsam zurück. Das Einvernehmen mit ihm glaubte
A.
auch mit der Abtretung des aufblühenden Lübeck (1158)
nicht zu theuer zu erkaufen, das des Lehnsherrn Neid erregt hatte
und von Heinrich in jeder Weise gehoben, seit 1163 auch Sitz des
Eutiner Bisthums, rasch eine hervorragende Stellung unter den
norddeutschen Städten gewann. 1159 zog
A.
im Gefolge seines Lehnsherrn mit Kaiser Friedrich
Barbarossa nach Italien, nahm an der Belagerung von Crema Theil
und kehrte nach Einnahme der Stadt mit seinem Lehnsherrn zurück.
Bald danach (1162) erneuten sich die Kämpfe mit den unruhigen
Slaven, in denen Niklot seinen Tod fand. Wieder griffen (1163)
seine Söhne Pribislav und Wratislav zu den Waffen und als
Wratislav sich hatte gefangen geben müssen (1164), setzte
Pribislav allein den Kampf fort. Gegen ihn bot Heinrich unter
andern Vasallen auch
A.
von Holstein und Reinald von Dithmarschen auf. In
einem jener unvermutheten Ueberfälle, in denen sächsische
Tapferkeit von slavischem Ungestüm überrascht zu werden pflegte,
fielen beide Grafen bei Demmin mit heldenmüthiger Enschlossenheit,
wurden aber von den Ihrigen durch ein siegreiches Blutbad gerächt,
das auch im Mecklenburgischen die Lebenskraft des Slaventhums
gebrochen hat.
Autor ↑
Jansen.
Empfohlene Zitierweise ↑
Jansen, K., „Adolf II.“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
106 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd129153028.html?anchor=adb
Adolf II.
Name: Adolf II.
Namensvariante: Adolf II. von Schauenburg
Namensvariante: Adolf von Schauenburg
Lebensdaten: erwähnt 1128, gestorben 1164
Beruf/Lebensstellung: Graf von Holstein und Stormarn; Gründer von Lübeck
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Maybaum, HeinzAutor ADB:
Jansen, K.PND: 129153028