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NDB-Artikel

<< Beer, Georg Josef     Beer, Johann >>

Beer (Behr), Görg

Architekt, * Bönnigheim, (nach Grabstein) 15. oder (nach Totenbuch) 17.7.1600 Stuttgart.


GenealogieLebenLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
1) Bönnigheim 18.9.1552 Susanna Pfayt ( 1582), 2) Stuttgart Witwe des Christoph Dirr; Nachkommen ritterschaftlicher Amtleute und Bürgermeister in Bönnigheim.

Leben  
Beer wurde 1576 durch Herzog Ludwig von Württemberg als Nachfolger des alternden A. Tretsch zum obersten Leiter des fürstlichen Bauwesens berufen. Vielleicht wurden die Beziehungen durch Tretschs Mitarbeiter M. Berwart geknüpft, der 1556-64 das herzogliche Schloß in Brackenheim baute. Frühere, die Berufung nach Württemberg rechtfertigende Arbeiten Beers sind nicht bekannt. 1578 nahm er den zwanzigjährigen H. Schickhardt als Mitarbeiter an, der ihn bei allen Bauten unterstützte und später sein Nachfolger wurde. - Beers Hauptwerk ist das 1581-93 errichtete Stuttgarter Lusthaus, ein zweigeschossiger Bau mit einer Brunnenhalle, deren Netzgewölbe auf 27 Säulen ruhte, im Untergeschoß und einem 57,6 m langen, 20,3 m breiten, 15,7 m hohen tonnengewölbten Saal im Obergeschoß. Der Zweigiebelbau mit hohem Satteldach war, nach dem Muster des Prager Belvedere, unten von einem Laubengang mit vier Ecktürmen umgeben, der einen Söller trug, zu dem an den Langseiten doppelläufige, auf einen erkerartigen Podest mündende Freitreppen führten. Anregung boten die dem Künstler wohl bekannten Freitreppen der Rathäuser in Bern, Mülhausen und Molsheim. Lusthaus und Lustgarten galten als Meisterwerke der deutschen Re|naissance. 1750 zum Theater umgebaut, später wiederholt verändert, fiel es 1902 einem Brand zum Opfer. Seine Reste wurden 1904 in den Stuttgarter Anlagen wieder aufgebaut; die Büsten des Bauherrn und seiner Vorfahren bewahrt heute das Schloß Lichtenstein, weitere Ausstattungsteile das Stuttgarter Landesmuseum. - 1586 baute Beer sein Wohnhaus an der Calwerstraße. Als Landbaumeister errichtete er 1588-93 das zur Fürsten- und Adelsschule bestimmte Collegium illustre in Tübingen, einen um einen rechteckigen Hof gruppierten Vierflügelbau mit Ecktürmen und schöner Stiftungstafel. 1590 leitete er den Wiederaufbau der abgebrannten Stadt Schiltach, 1592 lieferte er Pläne für den Kirchturm in Thieringen bei Balingen, 1592-95 entstand nach seinem Entwurf an Stelle des alten Abtshauses das Jagdschloß in Hirsau, ein stattlicher Bau mit hohen Giebeln und großen Sälen, der 1692 von den Franzosen eingeäschert wurde.

Literatur  
ADB II; W. Bäumer, Das ehemalige Lusthaus in Stuttgart, 1869; A. Klemm, Württ. Baumeister u. Bildhauer, in: Württ. Vjhh. f. Landesgesch. 5, 1882, S. 141 ff.; ders., Üb. d. Nachfolger d. fürstl. Baumeisters Tretsch, ebenda, 12, 1889, S. 91 ff.; W. Lübke, Die Renaissance in Dtld. I, 2 1882, S. 336 ff.; K. Walcher, Die Skulpturen d. Stuttgarter Lusthauses auf d. Schloß Lichtenstein, 1886; ders., Die schönsten Porträtbüsten d. Stuttgarter Lusthauses, 1887–92; B. Pfeiffer, Der Meister d. Lusthauses u. seine Heimat Bönnigheim, in: Schwäb. Merkur, Nr. 498, 25.10.1902; J. Baum, Kat. d. Kgl. Altertümerslg. in Stuttgart III, 1917, S. 266; W. Fleischhauer, Die Malereien im Stuttgarter Lusthaus, in: Württ. Vergangenheit, Festschr. d. Württ. Gesch.- u. Altertums-Ver., 1932; A. Wintterlin, G. B., in: J. Meyer, Allg. Künstler-Lex. III, 1885, S. 281 ff.; ThB.

Portraits  
Bildnisbüsten (Württ. Landesmus. Stuttgart).

Autor  
Julius Raum
Empfohlene Zitierweise  

Baum, Julius, „Beer, Görg“, in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 735 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118869728.html

ADB-Artikel

<< Beer, Franz     Beer, Georg Joseph >>

Beer, Georg

 LebenAutorLiteraturZitierweise

Leben  
Beer: Georg B. (bei Zeitgenossen auch Behr), Architekt, † 17. Juli 1600 zu Stuttgart, wurde um das J. 1575 vom Herzog Ludwig von Würtemberg zu seinem Baumeister bestellt. Er hatte den Hauptantheil bei der Errichtung des berühmten Neuen Lusthauses in Stuttgart, aus dessen oberstem Giebelfeld sein steinernes Brustbild mit Maßstab und Zirkel in den Händen auf den Schloßplatz herunterschaute. Nach den vorhandenen Beschreibungen und Abbildungen war dieser gegen 1593 vollendete Prachtbau eine der herrlichsten Schöpfungen der deutschen Renaissance, großartig angelegt, durchaus gediegen und höchst sinnreich in allem Constructiven, voll Phantasie in der decorativen Ausstattung der Architektur. Leider ließ denselben nach mancherlei früheren Veränderungen König Wilhelm in den Jahren 1845—1846 bis auf die Umfassungs- (d. h. die äußeren Sarg-) Mauern abtragen, in welche der Hauptkörper des jetzigen Theaters hineingezwängt wurde. Zwischen 1588—1592 erbaute B. das ansehnliche Collegium illustre, jetzt Wilhelmsstift in Tübingen. Bei diesen und anderen Bauten hatte er einen geistesverwandten Gehülfen und Schüler an dem jungen Heinrich Schickardt (s. d.).

Literatur  
Lübke, Gesch. d. d. Renaissance S. 328 ff.

Autor  
Wintterlin.
Empfohlene Zitierweise  

Wintterlin, „Beer, Georg“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 248 unter Beer, Georg [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118869728.html?anchor=adb

Quelle/Vorlage: 
NDB 1 (1953), S. 735 f.
ADB 2 (1875), S. 248 unter Beer, Georg

PND: 118869728
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Index

Beer, Görg

Name: Beer, Görg
Namensvariante: Behr, Görg
Namensvariante: Beer, Georg
Namensvariante: Behr, Georg
Lebensdaten: erwähnt 1576, gestorben 1600
Sterbeort: Stuttgart
Beruf/Lebensstellung: Baumeister; Architekt
Konfession: keine Angabe
Autor NDB: Baum, Julius
Autor ADB: Wintterlin
PND: 118869728

Weitere Informationen

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Beer, Görg

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118869728

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