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NDB-Artikel

<< Becker, Johann Baptist     Becker, Julius Maria >>

Becker, Johann Philipp

Radikaler Politiker und Publizist, * 19.3.1809 Frankenthal (Rheinpfalz), 7.12.1886 Genf.


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Schreinermeister; 1827; 22 K, u. a. Gottfried Becker (1827–67), Redakteur in Nordamerika, Offizier im Sezessionskrieg, Georges Becker (1834–1928), Dr. h. c. der Universität Genf, Musikschriftsteller.

Leben  
Nach unabgeschlossener Progymnasialbildung wurde Becker Bürstenmacher und machte schon als junger Handwerker die pfälzische Stadt Frankenthal zu einem Mittelpunkt demokratisch-kleinbürgerlicher Geheimbündelei und Agitation. 1831 schloß er sich an den pfälzischen Volksmann Ph. J. Siebenpfeiffer an, wurde Korrespondent des von Siebenpfeiffer herausgegebenen „Westboten“, gründete einen Zweigverein des „Deutschen Preßvereins“, trat 1832 auf dem Hambacher Fest als Redner für Volksbewaffnung auf und wirkte unablässig in verdeckter Propaganda, betätigte sich in Geheimbünden und bei kühnen Gefangenenbefreiungen (u. a. J. Venedey und Siebenpfeiffer). Selbst durch Polizei und Gerichte vielfach verfolgt und zur Aufgabe seines Handwerks genötigt, zog Becker sich 1838 in die Schweiz zurück, wurde ansässig in Biel, einer Sammelstätte flüchtiger Revolutionäre, und nahm führenden Anteil an der schweizerischen Schützenvereinsagitation und am Sonderbundskrieg 1847 (Divisionsadjutant unter Ochsenbein). In der Revolution 1848/49 suchte er die direkten republikanischen Volkserhebungen durch Freischarenzüge aus der Schweiz zu unterstützen: im Frühjahr 1848 durch Teilnahme am badischen Aufstand; im Frühjahr 1849 durch (unausgeführte) Abmachungen mit der sizilianischen Revolutionsregierung; dann im Dienste der badischen Revolutionsregierung, wo Becker sich als Befehlshaber der 5. Division der aufständischen Armee in dem Sieg bei Hirschhorn und in einer Reihe von Rückzugsgefechten militärisch gut bewährte. Ein von ihm in Biel herausgegebenes republikanisches Organ „Evolution“ (ursprünglich „Revolution“) konnte nur in elf Nummern (Januar bis März 1849) erscheinen.
In den folgenden Jahren machte Becker sich in Genf ansässig und betrieb seitdem wechselnd Handelstätigkeit, Schriftstellerei und seit 1860 auch wieder unausgesetzt politische Agitation, als „Veteran" der Revolution der „Alte Becker" genannt, von großer vitaler Kraft und immer frischer Initiative, organisatorisch begabt, politisch und literarisch gewandt, freilich gedanklich flach vulgär-aufklärerisch. 1860 warb er in Genua für Garibaldi, unterstützte diesen in Neapel, schlug aber Angebote des Königreichs Italien aus. In seinen Bestrebungen nach Republikanisierung der Völker setzte er sich zunehmend für die aus der „Sektenstellung" des Kommunismus hervordrängende Arbeiterbewegung ein (Verbindung mit F. Engels seit 1849, mit K. Marx seit 1860). Er nahm 1864 in London an der Gründung der „Internationalen Arbeiterassoziation“ (1. Internationale) teil, gründete die erste Sektion derselben in Genf und leitete seit 1867 in Genf das Zentralkomitee der „Sektionsgruppe deutscher Sprache“ der Internationale, der deutsch-schweizerischen, österreichischen u. a. deutsche Sektionen angeschlossen wurden. Als ihr Organ gab er in Genf 1866-71 die (als Quelle für die Geschichte der Arbeiterassoziation sehr ergiebige) Zeitschrift „Der Vorbote“ (in sechs Jahrgängen) heraus. Mit|Bakunin gehörte er auch zu den Begründern der „Allianz der sozialistischen Demokratie", stellte sich jedoch in deren Konflikt mit dem Generalrat der Internationale seit dem Winter 1869/70 auf die Seite des „Zentralisten" K. Marx gegen den „Anarchisten" Bakunin, wohl mehr um der disziplinierten Einheit als um der Theorie willen. Nachdem seine deutsche Sektionsgruppe durch die Begründung der Sozialdemokratischen Partei in Zürich und das Ende der Internationale zerfallen war, hat Becker sich in den letzten Lebensjahren noch an der Begründung des „Parti des travailleurs Suisses“ der französischen Schweiz beteiligt und für diesen die Zeitung „Le Précurseur“ (Genf 1877–81) herausgegeben.

Werke  
u. a. Gesch. d. süddt. Mai-Revolution d. J. 1849, Genf 1849 (mit Ch. Esselen); Wie u. wann?, ebenda 1862; Polen, d. Diplomatie u. d. Revolution, ebenda 1863; Die Internat. Arbeiter-Assoziation u. d. Arbeitseinstellung in Genf, ebenda 1868; Briefe: W. Kohut, Ferd. Lassalle, 1889; J. Ph. B., Aus meinen Erinnerungen, hrsg. v. R. Rüegg, in: Volkskal. „Der Republikaner“, Zürich 1878; G. Jaeckh, Die Internationale, 1904; Briefe … an F. A. Sorge u. a., 1906; s. a. Gesamtkat. d. preuß. Bibl. XIV/2, 1939, Sp. 511 f., u. H. Rosenberg, Die nationalstaatl. Publizistik Dtld.s II, 1935.

Literatur  
F. Engels, Dem Gedächtnis f. Ph. B.s, in: Sozialdemokrat v. 17.12.1886, Zürich; W. Blos, Vom alten B., in: Die neue Zeit 5, 1887; R. Rüegg, Aus Briefen an J. Ph. B., ebenda 6, 1888; Biogr. d. alten Veterans d. Freiheit J. Ph. B., Zürich 1889; A. Maag, J. Ph. B. v. Biel u. d. dt. Helvet. Legion, in: Basler Ztschr. f. Gesch. 3, 1904; R. Rjasanoff, Zur Biogr. v. J. Ph. B., in: Archiv f. Gesch. d. Sozialismus 4, 1913; ders., Bukuniana, ebenda 5, 1914; ders., Die Auswärt. Politik d. alten Internationale, in: Die Neue Zeit 33, 1915; K. Marx-F. Engels, Briefwechsel II-IV, Moskau 1929 ff.; V. Valentin, Gesch. d. dt. Revolution 1848–49, Bd. 2, 1931; G. Mayer, F. Engels, Bd. 2, Den Haag 1934 (benützt d. ehemals im Archiv d. SPD befindl. Nachlass. v. B.); La Grande Encyclopédie V, Paris 1889, S. 1116; HBLS II, 1924.

Autor  
Karl Griewank
Empfohlene Zitierweise  

Griewank, Karl, „Becker, Johann Philipp“, in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 717 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116104198.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 1 (1953), S. 717 f.

PND: 116104198
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Index

Becker, Johann Philipp

Name: Becker, Johann Philipp
Lebensdaten: 1809 bis 1886
Geburtsort: Frankenthal (Rheinpfalz)
Sterbeort: Genf
Beruf/Lebensstellung: Radikaler Politiker; Publizist
Konfession: keine Angabe
Autor NDB: Griewank, Karl
PND: 116104198

Weitere Informationen

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Becker, Johann Philipp

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