<< Haffner, Johann Ulrich
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Haffner, Paul Leopold
Bischof von Mainz,
* 21.1.1829 Horb/Neckar,
† 2.11.1899 Mainz.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Christian, Arzt;
M Marie Luise,
T d.
Ludw. Koch;
Ur-Groß-O Martin Gerbert (
† 1793), Abt
v. St. Blasien, Historiker (s.
NDB VI).
Leben ↑
1852 wurde Haffner zum Priester geweiht. Nach Promotion zum doctor philosophiae in Tübingen wurde er dort 1854 im Wilhelmstift Repetent für Philosophie, 1855-86 am Priesterseminar Mainz Professor der Philosophie, seit 1864 auch der Apologetik, 1886 Domkapitular. 1886-99 war er Bischof von Mainz (nach 9jähriger Sedisvakanz durch den Kulturkampf).
Als Mitbegründer der Görresgesellschaft und 1. Vorsitzender ihrer philosophischen Sektion wurde Haffner für die geistesgeschichtliche Aufgabe des deutschen Katholizismus von großer Bedeutung. Durch die ihm von Domdekan Heinrich vermittelte Ausrichtung auf die philosophia perennis wurde er – weniger eigenschöpferischer Philosoph – deren wortgewandter Interpret und stark beachteter Verfechter. Als Leiter des „Katholischen Broschürenvereins" (1864) und der aus diesem herausgewachsenen „Frankfurter zeitgemäßen Broschüren“ (1879) setzte er sich für das Presseapostolat und eine zeitgemäße wissenschaftliche Volksbildung ein. Im engsten persönlichen Geistesaustausch mit J. B. Heinrich und Regens Chr. Moufang bildete er mit diesen das berühmt gewordene „Mainzer Dreigestirn“, das nicht nur die Vertretung der Rechte der Kirche, sondern auch die tatkräftige Verwirklichung der christlichen Ideen im öffentlichen Leben und die Durchdringung des Wissens und aller Lebensgebiete mit dem Affekt des gläubigen Gemütes wirkungsvoll über die Diözese Mainz hinaus im ganzen deutschen Raum vollzogen hat. Philosophische und theologische Tiefe und Prägnanz, Weltweite und Geistesoffenheit, Beredsamkeit und Kontaktfähigkeit im Denken und Fühlen, sowohl den Gebildeten wie dem breiten Volk gegenüber, ließen Haffner nicht bloß vielen Geistesströmungen nachspüren, sondern sie auch deutlich machen. In seinem persönlichen Leben und in seinem gesprochenen und geschriebenen Wort verstand er es, den Geist der philosophia perennis zu verkörpern und wirksam zu machen. Haffner vermochte die ihren eigenen Gesetzen verpflichtete Vernunft sowohl als Gelehrter wie als dienendes Glied der christlichen Verkündigung bis zu dem Punkte zu führen, wo Gott als Urgrund, letztes Ziel und letzter Sinn aller Wirklichkeit sichtbar wird, wo das Wissen in den Glauben, die Philosophie in die Theologie einmündet.
Werke ↑
Der Materialismus in d. Kulturgesch., 1865;
Soz. Katechismus, 1879 (
Ps. Arthur
v. Hohenberg),
neu hrsg. v. F. Kirchesch 1925;
Grundlinien d.
Philos., 2
Bde., 1881-84;
Slg. zeitgemäßer Broschüren, 1887.
Literatur ↑
Dr. P. L.
H., Bischof
v. Mainz, Festschr. zu s. Consekration, 1886;
Dr. P. L.
H., Bischof
v. Mainz, Sein Leben u. Wirken, 1889;
Schneiderhan, in;
Katholik 95, 1915, S. 7-20;
Th. Ball, P. L.
H. als Philosoph, 1950;
A. Hagen, Gestalten aus d.
Schwäb. Katholizismus II, 1950, S. 189-221
(P);
L. Lenhart, Dr. P. L.
H., in:
Jb. f. d. Bistum Mainz 8, 1959/60, S. 11-117
(L, P).
Portraits ↑
Ölgem. (Mainz, Dom-
Mus.);
Brustbild (ungez.) mit Diözesan- u. persönl. Bischofswappen
z. Konsekration 1886,
Abb. b. Lenhart, s.
L.
Autor ↑
Ludwig LenhartEmpfohlene Zitierweise ↑
Lenhart, Ludwig, „Haffner, Paul Leopold“,
in: Neue Deutsche Biographie
7
(1966), S.
463
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116370262.html