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NDB-Artikel

<< Häberlin, Karl Friedrich     Haebler, Konrad >>

Häberlin, Paul

Philosoph, Pädagoge, Psychologe, * 17.2.1878 Kesswil Kanton Thurgau (Schweiz), 29.9.1960 Basel. (reformiert)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Jakob (1840–1922), Primarlehrer; M Sophie Bär (1850–1912); 1905 Henr. Pauline (* 1882), T d. Max Baruch (1853–1937), Sanitätsrat in Paderborn, u. d. Franziska Knabe; 3 T .

Leben  
Häberlin studierte in Basel, Göttingen und Berlin Theologie (1. theologisches Examen 1900), Philosophie, Psychologie und Biologie (Promotion 1903), war 1903-04 Lehrer an der Realschule von Basel, 1904-09 Dozent für pädagogische Fächer und Direktor des Lehrerseminars in Kreuzlingen, 1908-14 Privatdozent für Philosophie an der Universität Basel, 1914-22 ordentlicher Professor für Philosophie und Pädagogik in Bern und anschließend bis zu seiner Emeritierung 1944 in Basel. – Häberlin beschäftigte sich vor allem mit Psychologie, Pädagogik und Metaphysik. Die Hinneigung zu einer als theistische Metaphysik entworfenen Philosophie entsprach seinem Glauben an eine „absolute Wahrheit“, in deren Licht sowohl die philosophische Theorie wie auch das praktische und ästhetische Leben zu gestalten sei. Von hier aus gelangte er zur Naturphilosophie, zur Ontologie und Kosmologie (Naturphilosophische Betrachtungen, 2 Bände, 1939/40). Auf der gleichen Basis entwickelte er eine „Wesenslehre vom Menschen“, die allgemeine Anthropologie (Der Mensch, eine philosophische Anthropologie, 1941) und eine Kulturphilosophie, gegliedert in Ästhetik, Ethik und Logik (Ethik im Grundriß, 1946, Logik im Grundriß, 1947). Eine letzte Zusammenfassung seiner Forschungsergebnisse findet sich, unterbaut von einer Auseinandersetzung mit den Denkern der Vergangenheit, in „Philosophia perennis“ (1952). Weitere Werke zur Psychologie und Pädagogik (Leitfaden der Psychologie, 1937, 31949; Allgemeine Pädagogik, 1953) ergänzen und erläutern frühere Untersuchungen auf diesem Gebiet und runden das Lebenswerk Häberlins ab.
Häberlin gehört als Philosoph zu einer Gruppe zeitgenössischer deutschsprachiger Denker, die zwar erfüllt waren von der Wissenschaftsgesinnung des positivistischen Zeitalters, die aber, wie Hans Driesch, Karl Groos, T. K. Oesterreich und andere, den relativistischen und anti-metaphysischen Folgerungen des Positivismus eine Metaphysik eigner Prägung entgegensetzten. Diese Metaphysik schöpfte ihre Anregung aus je einer besonderen Wissenschaft, bei Häberlin aus der Psychologie, so daß man im Hinblick auf ihn wie auf verwandte Bestrebungen nach dem Vorschlage T. K. Oesterreichs von einer „Psychometaphysik“ sprechen kann. Eklektisch machte sich Häberlin die Gedanken früherer Philosophen von Parmenides und Plato bis Leibniz und Schleiermacher zunutze. Doch nächstverwandt waren ihm der deutsche Idealismus und die auf Dil|they zurückgehende geisteswissenschaftliche Lebensphilosophie seiner eigenen Zeit. Wie die großen Idealisten in der Nachfolge Kants ging Häberlin von einer ursprünglich gegebenen, denkend zu überwindenden Entzweiung aus. Das Dasein als Inbegriff alles Erfahrbaren steht nach ihm der praktischen Idee der Vollkommenheit entgegen. Aber diese praktisch-problematische Bestimmtheit reicht über die praktische Situation als solche hinaus – sie ist mitbestimmend auch für die ästhetische, ethische und selbst die theoretische Situation. „Gegenstand der Erfahrung und darum der Gegenstand, an welchem sich philosophische Schau vollzieht, ist das Dasein in allen diesen Situationen, sofern die Problematik der praktischen Situation sie, durchzieht'“ (Das Wesen der Philosophie. Eine Einführung 1934). Dieser an Fichte erinnernde Vorrang des Ethischen erklärt, warum sich Häberlins Anthropologie in einer Erziehungslehre vollenden mußte und warum seine pädagogischen Anregungen stärker gewirkt haben als sein sonstiges Schrifttum.

Auszeichnungen  
Kurator d. Stiftung Lucerna (1924–53), Initiant d. schweizer. phil. Ges. (1940), Mitgl. d. nat. Unesco-Komm. (1949–54). – 1963 Gründung d. Paul Häberlin-Ges. auf Schloß Lenzburg; Archiv in Rombach Kt. Aargau (Schweiz).

Werke  
W Vollst. Verz. in: Zs. f. philos. Forschung 16, 1962, S. 413-28. - Autobiograph. Schrr. in P. H., Kleine Schrr., 1948, S. 13-31; Statt e. Autobiogr., 1959.

Literatur  
R. Priß, Darst. u. Würdigung d. phil., psycholog. u. päd. Hauptprobleme P. H.s, 1932 (Diss.); Verz. d. Aufsätze u. Rezensionen von H. in: P. Kamm, Philos. u. Päd. P. H.s in ihren Wandlungen, Diss. Basel 1938, S. 463 f. (L, P); P. H., Kleine Schrr., 1948, S. 283-336 (Anhang); X. Wyder, Die Schau d. Menschen b. P. H., die phil. Ansatzpunkte s. Päd., 1955 (Diss.); Im Dienste d. Wahrheit, P. H. z. 80. Geb.tag, 1958; H. Zantop, Zwei Wege z. Philos., P. H. u. Karl Jaspers, in: Schweizer. Lehrerztg., 1959, S. 875-79; P. Kamm, P. H., ebd., 1961, S. 1065-68; Die Bedeutung d. Psychol. P. H.s f. d. Päd., ebd., 1963, S. 1137-42; W. Stegmüller, Hauptströmungen d. Gegenwartsphilos., 1960, S. 315-45; Der archimed. Punkt in d. Philos. P. H.s, in: Studia Philosophica 21, 1961, S. 214-27; A. Seiffert, in: Philosophia naturalis 6, 1961, S. 413 f.; Zs. f. phil. Forschung 16, 1962, S. 413-17; Die Welt u. d. Sein, Gegenstände e. Schweizer Philosophen, in: Bodenseebuch 39, 1964, S. 81-89; Lex. d. Päd. III, 1952 (W).

Portraits  
Ölgem. v. Paula Häberlin, 1928 (Rombach/Aargau, Archiv d. P. H.-Ges.); Büste v. S. Levy- Guggenheimer, 1955 (Basel, Privatbes.).

Autor  
Helmut Kuhn
Empfohlene Zitierweise  

Kuhn, Helmut, „Häberlin, Paul“, in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 421 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118700030.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 7 (1966), S. 421 f.

PND: 118700030
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Index

Häberlin, Paul

Name: Häberlin, Paul
Lebensdaten: 1878 bis 1960
Geburtsort: Kesswil Kanton Thurgau (Schweiz)
Sterbeort: Basel
Beruf/Lebensstellung: Philosoph; Pädagoge; Psychologe
Konfession: reformiert
Autor NDB: Kuhn, Helmut
PND: 118700030

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Häberlin, Paul

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