<< Becher.
Becher, Ernst Siegfried >>
Becher, Erich
Philosoph,
* 1.9.1882 Reinshagen bei Remscheid,
† 5.1.1929 München. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Ernst Becher, Volksschullehrer;
M Hulda,
T des Peter Daniel Küpper (1821–62), Schleifer, und der Amalie Tesche (1829–80);
Gvv Johann Christian Becher (1822–1895), Maurer;
Gmv Regina Nuvertne (1830–1873);
B Ernst Siegfried Becher (s. 2), Erwin Becher (
† 1944), Universitätsprofessor für innere Medizin, Hellmut Becher, Professor für Anatomie in Münster; ledig.
Leben ↑
Auf dem Realgymnasium zu Remscheid zogen den jungen Becher die Naturwissenschaften, die Mathematik und die Sozialwissenschaften am meisten an. Diesen Fächern widmete er sich sowohl in den Jahren des Hochschulstudiums an der Universität Bonn (1901–04), das er mit der Promotion zum
Dr. phil. und dem Staatsexamen für das höhere Lehramt abschloß, wie auch während der Assistentenzeit an der landwirtschaftlichen Akademie in Bonn-Poppelsdorf und am philosophischen Seminar der Universität bei B. Erdmann. Die Einflüsse J.
St. Mills, G. Th. Fechners und seines Lehrers
B. Erdmann förderten Bechers originales philosophisches Denken, das in der Habilitationsschrift „Philosophische Voraussetzungen der exakten Naturwissenschaft“ (1907) klar zum Ausdruck kommt; mit der Kritik an den positivistischen Deutungen E. Machs und W. Ostwalds ist dort eine kritischrealistische Grundlegung von Physik und Chemie versucht. „Die Grundfrage der Ethik“ (1907) rechtfertigt die Gewissensethik und das Prinzip der allgemeinen Glückseligkeitsförderung. Den Bonner Privatdozenten (1907–1909) beschäftigten scheinbar weit auseinanderliegende psychologische und naturphilosophische Einzeluntersuchungen, die aber alle im Dienste der Klärung zweier philosophischer Grundprobleme, nämlich des Leib-Seele- und des Lebensproblems, standen. Unter dem Zwang der Tatsachen wandte sich Becher vom psychologischen Parallelismus und vom biologischen Mechanismus ab und der Wechselwirkungslehre und dem Vitalismus zu (
vgl. „Gehirn und Seele“, 1911).
1909 wurde Becher als Nachfolger E. Meumanns an die Universität Münster berufen, wo er auch pädagogische Vorlesungen hielt und seine „Erziehung zur Menschenliebe und Helfersystem" konzipierte. Die „Naturphilosophie" (1914 in Hinnebergs „Kultur der Gegenwart") und „Weltgebäude, Weltgesetze, Weltentwicklung" (1915) verarbeiten die für die Weltanschauung wichtigsten Erkenntnisse der damaligen Naturwissenschaft zu einem Bild der Gesamtnatur, fundieren dieses erkenntniskritisch und vervollständigen es durch Hypothesen. In „Die fremddienliche Zweckmäßigkeit der Pflanzengallen" (1917) stellte Becher die Hypothese von dem überindividuell Seelischen auf, das in die Einzelorganismen als zweckmäßig führender Lebensfaktor hineinwirkt und diese zu Lebensgemeinschaften höherer Ordnung verbindet. In der Münchener Zeit - Becher wurde 1916 als Nachfolger O. Külpes auf den Lehrstuhl für Philosophie und Psychologie berufen und war seit 1924 ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften - entstanden als reifste Werke die „Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften“ (1921), eine Theorie insbesondere der Realwissenschaften, die sich mit H. Rickert und W. Windelband auseinandersetzt, und die „Einführung in die Philosophie“ (1926), welche die Grundlinien des Becherschen Systems enthält: Eine kritisch-realistische Erkenntnislehre, die sich auf die Regelmäßigkeit des Weltgeschehens und das Vertrauen auf die menschliche Wahrnehmung und Erinnerung stützt, führt zur induktiven Metaphysik als der Realwissenschaft vom Gesamtwirklichen mit seinen vier Schichten, Materie, Leben, Seele, Geist, von der dann wieder die altruistisch-eudaimonistische Ethik getragen wird.
|Werke ↑
Einführung in d.
Philos.,
21949 (mit Vorw.
v. Hedwig Becher u. Anhang
v. A. Wenzl); Selbstbiogr., in: Die
Philos. d. Gegenwart in Selbstdarst. I,
21923, S. 21-48
(P).
Literatur ↑
A. Fischer, E.
B.s Entwicklung u. Stellung in d.
Philos. d. Gegenwart, in: E.
B.,
Dt. Philosophen, 1929
(vollst. W-Verz., P);
P. Luchtenberg, E.
B., in: Kantstudien,
Bd. 29, 1924, S. 275-90;
K. Huber, E.
B.s
Philos., 1931;
ders., E.
B. als Psychologe, in: Archiv f. gesamte
Psychol. 89, 1933, S. 671-93;
E. Thöne, E.
B. als Vertreter d. Eudaimonismus, 1933;
Ziegenfuß I, 1949.
Portraits ↑
Büste (Vorraum d. Psycholog.
Inst. d.
Univ. München).
Autor ↑
Aloys WenzlEmpfohlene Zitierweise ↑
Wenzl, Aloys, „Becher, Erich“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
688 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116099453.html
Becher, Erich
Name: Becher, Erich
Lebensdaten: 1882 bis 1929
Geburtsort: Reinshagen bei Remscheid
Sterbeort: München
Beruf/Lebensstellung: Philosoph
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Wenzl, AloysPND: 116099453