<< Gruber, Max Franz Maria Ritter von
Gruber von Menninger, Ignaz Freiherr >>
Gruber, Otto Heinrich Franz Anton Ritter von (bayerischer Personaladel 1915)
Geodät und Bildmeßfachmann,
* 9.8.1884 Salzburg,
† 3.5.1942 Jena. (konfessionslos)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Max (s. 1);
M Julie
v. Aichinger;
⚭ München 1911 Elsie (
* 1888),
T d. Richmond Lennox u. d. Helene Caemmerer; 1
S (früh
†), 4
T .
Leben ↑
Gruber studierte an der Technischen Hochschule München 1 Semester Maschinenbau, ging 1904 an die Universität Berlin, um zu Mathematik und Naturwissenschaften umzuschwenken (Planck, von Richthofen), und kehrte über Würzburg 1906 nach München zurück. Hier hörte er an Universität und Technischer Hochschule Mathematik, Physik, Astronomie und Geographie (Röntgen, Sommerfeld, Seeliger, Drygalski, Finsterwalder) und schloß mit den Staatsexamina und dem Probejahr seine Ausbildung für das höhere Lehrfach ab. 1911 wurde er Assistent bei H. Ebert am Physikalischen Institut der Technischen Hochschule München. Gletschervermessungen, die der begeisterte Alpinist und Sportsmann auf Anregung von S. Finsterwalder im Auftrage des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, anfangs unter Professor A. Blümcke, später selbständig, schon als Student in den Ötztaler Alpen vorgenommen hatte, nützte er für seine Promotionsarbeit aus (doctor philosophiae 1911). Schon bei diesen Arbeiten benutzte Gruber den 1908/09 entwickelten Orel-Zeiss'schen Stereoautographen, und 1913 trat er in die Stereographik Gesellschaft mit beschränkter Haftung Wien ein, wo er unter anderem an Kartierungen für die österreichische Landesaufnahme teilnahm. Während des 1. Weltkrieges wurde Gruber zeitweise als Führer eines Photogrammetertrupps im Westen und in Mazedonien eingesetzt. Nach Kriegsende berechnete er den Zusammenschluß der Geodätischen Netze von Bayern und Österreich und reichte als Habilitationsschrift die Bearbeitung des Beobachtungsmaterials ein, das die Pamir-Expedition des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins von 1913 ihm anvertraut hatte (Habilitation 1919). Vorübergehend tat er Schuldienst und hielt Vorlesungen über angewandte Mathematik und Geodäsie an der Technischen Hochschule München. Nachdem er schon seit 1919 als auswärtiger Mitarbeiter von Zeiss und der damit verbundenen Stereographik Gesellschaft mit beschränkter Haftung München und als wissenschaftlicher Leiter bei dem Konsortium Luftbild GmbH-Stereographik GmbH München tätig gewesen war, ging er 1922 ganz zu Zeiss nach Jena. Ein Ruf an die Technische Hochschule Stuttgart 1925 auf den Lehrstuhl für Geodäsie brachte die Zeit höchster Schaffenskraft. Der enge Kontakt mit Zeiss kam der vorbildlichen Ausrüstung des Institutes zugute. 1930 zwangen gesundheitliche Rücksichten zur Rückkehr nach Jena zu Zeiss, wo Gruber die wissenschaftliche Leitung der Abteilungen für geodätische Instrumente und für Bildmeßgeräte übernahm.
Grubers Hauptverdienste liegen auf dem Gebiete der Bildmessung. Durch vielseitige Ausbildung war er befähigt, die Theorien der Verfahren und der Instrumente zu entwickeln und – als unerreichter Praktiker – die Methodik für ihre Anwendung zu erarbeiten. Er war maßgeblich beteiligt an der Ausgestaltung des Stereoplanigraphen von W. Bauersfeld, an dem Bau der erfolgreichen Serie der selbstfokussierenden Entzerrungsgeräte, die erst die Herstellung von Luftbildplänen möglich machten, und an der Weiterentwicklung der Radialtriangulation und der räumlichen Aerotriangulation zur Überbrückung festpunktloser Räume. Er war ein hervorragender Lehrer und hat durch Schulungskurse (Internationale photogrammetrische Wochen, mit C. R. Hugershoff) und Lehrschriften zur Verbreitung der Verfahren und Geräte in alle Welt beigetragen. Als Meisterleistungen galten die Auswertung der Luftbilder von der Arktisfahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ (1931) und die noch schwierigere Bearbeitung der Aufnahmen der Deutschen Antarktischen Expedition (1938/39)
|Auszeichnungen ↑
Mil.-Max-Joseph-Orden (1915).
Werke ↑
Weitere W u. a.
Der Hochjochferner im J. 1907,
Diss. Münch 1911;
Topogr. Ergebnisse d. Pamirexpedition d.
Dt. u.
Österr. Alpenver. 1913, in:
Internat. Archiv f. Photogrammetrie 6, 1919-23, S. 156-81;
Der Stereoplanigraph d.
Fa. Carl Zeiss, Jena, in:
Zs. f.
Instrumentenkde. 43, 1923, S. 1-16;
Einfache u. Doppelpunkteinschaltung im Raum, 1924;
Über d. Bau
v. Entzerrungsgeräten, in: Bildmessung u. Luftbildwesen 2, 1927, S. 10-19;
Fortschritte d. Aerotriangulation,
ebd. 3, 1928, S. 141-50;
Btr. zu Theorie u. Praxis
v. Aeropolygonierung u. Aeronivellement,
ebd. 10, 1935, S. 127-41, 167-90;
Kniffe u. Pfiffe
b. d. Bildorientierung in Stereoauswertegeräten,
ebd. 13, 1938, S. 17 ff., 73 ff.;
Photogrammetr. Ausrüstung d. „Graf Zeppelin“ auf d. Arktisfahrt 1931, Auswertungsmethode u. bisherige Ergebnisse, in: Petermanns
Mitt.,
Erg.-H. 216, 1933, S. 68-77;
Horizontbilder u. ihre Verwendung, in: Photogrammetria 3, 1940, S. 61-70;
Das Wohltat-Massiv im Kartenbild, in: Die
Dt. Antarkt. Expedition 1938/39,
Wiss. u. flieger. Ergebnisse I. 1942, S. 157-230. -
Hrsg.: Ferienkurs in Photogrammetrie, 1930 (
franz.,
span.,
engl.,
chines. Überss.).
Literatur ↑
G. Heß, in: Photogrammetria 5, 1942, S. 35-41
(W);
R. Burkhardt u. K. Rube, in: Bildmessung u. Luftbildwesen 17, 1942, S. 41-52
(W, P);
R. Bosshardt, in: Schweizer.
Zs. f. Vermessungswesen u. Kulturtechnik 40, 1942, S. 169-71
(P);
K. Schwidefsky, S. Finsterwalder, W. Schneider, G. Förstner, in: Luftbild u. Luftbildmessung,
Nr. 26, 1943, S. 1-56
(ausführl. W-Verz., P);
Pogg. VI, VII a.
Autor ↑
Franz Manek Empfohlene Zitierweise ↑
Manek, Franz, „Gruber, Otto Heinrich Franz Anton Ritter von“,
in: Neue Deutsche Biographie
7
(1966), S.
178 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd130368768.html
Gruber, Otto Ritter von
Name: Gruber, Otto Ritter von
Namensvariante: Gruber, Otto Heinrich Franz Anton Ritter von
Lebensdaten: 1884 bis 1942
Geburtsort: Salzburg
Sterbeort: Jena
Beruf/Lebensstellung: Geodät; Bildmeßfachmann
Konfession: konfessionslos
Autor NDB:
Manek, FranzPND: 130368768