Logo der Deutschen Biographie
schwarzer Menuepunkt Schnellsuche
schwarzer Menuepunkt Erweiterte Suche
roter Menuepunkt Namen A-Z
schwarzer Menuepunkt Aktuelles
schwarzer Menuepunkt Hilfe
schwarzer Menuepunkt Über das Projekt
schwarzer Menuepunkt Impressum

NDB-Artikel

<< Gauß, Friedrich Gustav     Gayer, Johann Christian Karl >>

Gautsch von Frankenthurn, Paul Freiherr (seit 1890)

österreichischer Staatsmann, * 26.2.1851 Döbling bei Wien, 20.4.1918 Wien. (katholisch)


GenealogieLebenAuszeichnungenLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Karl G. v. F. (1817–92), Polizei-Kommissär, S d. Carl, k. k. Ob.leutnant im Gen.quartiermeisterstab, u. d. Anna Csernel de Csernelháza; M Maria Beatrix (1828–1908), T d. Peter Wittek Edler v. Salzberg, k. k. Gen.taxamtsoffizial, u. d. Katharina Haunstätter; ⚭ Vöslau 1876 Helene (1854–1909), T d. Wein-Großhändlers Robert Schlumberger Edler v. Goldeck (1814–79) u. d. Sophie Kirchner; 1 S , 2 T ; N Paul Gf. v. Zedtwitz (* 1911), österr. Botschafter.

Leben  
Erzogen im Theresianum, wurde Gautsch von Frankenthurn 1873 an der Wiener Universität „sub auspiciis imperatoris“ promoviert und trat - nach kurzem Konzeptsdienst bei der niederösterreichischen Finanzprokuratur - 1874 in das kaiserlich königliche Unterrichtsministerium ein. Mit 30 Jahren bereits Direktor des Theresianums, übernahm er 2 Jahre später (1883) außerdem die Leitung der Orientalischen Akademie und war 1885-93 Unterrichtsminister unter Taaffe. Als solcher ver|mittelte er im Geiste des Reichsvolksschulgesetzes zwischen Liberalen und Konservativen. 1892 wurde er Kurator des Theresianums, 1895-97 hatte er wiederum das Unterrichtsressort im Ministerium Badeni. Nach dessen Sturz wurde Gautsch von Frankenthurn am 28.11.1897 mit der Bildung einer Übergangsregierung beauftragt, die eine allmähliche Besänftigung der aufgewühlten politischen Leidenschaften herbeiführen sollte. Seinem Beamtenministerium, in dem er den Vorsitz und das Innere übernommen hatte, waren Erfolge in dieser Richtung beschieden, doch vermochte er die Verlängerung des Ausgleichsprovisoriums mit Ungarn nicht durchzusetzen und trat, nachdem er noch eine verbesserte, provisorische Sprachenverordnung erlassen hatte, am 5.3.1898 zurück. 1899-1904 Präsident des Obersten Rechnungshofes, wurde Gautsch von Frankenthurn am 31.12.1904 wiederum als Ministerpräsident berufen. Der Widerhall, den die geplante Wahlreform in Ungarn, aber auch die russische Revolution 1905 in breiten österreichischen Volksschichten fanden, wandelte Gautsch von Frankenthurn von einem ursprünglichen Gegner zum Befürworter einer Erweiterung des Wahlrechts in der österreichischen Reichshälfte. An den durch diese Stellungnahme hervorgerufenen Widerständen ist er Anfang Mai 1906 gescheitert und danach wiederum auf den Posten eines Präsidenten des Obersten Rechnungshofes zurückgekehrt. Eine 3. Ministerpräsidentschaft (27.6.-28.10.1911) hatte nur noch episodenhaften Charakter. - Seit 1895 Mitglied des Herrenhauses (Mittelpartei) und als solches auch Mitglied der Delegationen, blieb Gautsch von Frankenthurn bis zum Tode Kaiser Franz Josephs dessen besonderer Vertrauensmann. Als einem wahrhaft altösterreichischen Beamten, bildungsfreundlich, von hohem Pflichtgefühl, außerordentlicher Korrektheit und konziliantem Wesen, lag ihm vor allem der politische „Brückenschlag“, weniger der „Durchbruch“ zu neuen Ufern|.

Auszeichnungen  
GR, Ehrenmitgl. d. Ak. d. Wiss. Wien.

Literatur  
G. Kolmer, Parlament u. Vfg. in Österreich IV/VI, 1907/10; R. Charmatz, Österreichs innere Gesch. v. 1848 bis 1907, 2 Bde., 21909; A. Czedik, Zur Gesch. d. k. k. österr. Ministerien 1861-1916, I-IV, 1917/20; Alm. d. Ak. d. Wiss. Wien 68, 1918, S. 241 f.; R. Sieghart, Die letzten J.zehnte e. Großmacht, 1932; W. A. Jenks, The Austrian electoral reform of 1907, New York 1950; M. Weyrich, P. G. Frhr. v. F., Diss. Wien 1956 (ungedr.) (reicht nur bis 1898, L); R. Ehrhart, Im Dienste d. alten Österreich, 1958; ÖBL (L).

Portraits  
Ölbild v. S. L'Allemand, 1894 (Wien, Bundesmin. f. Unterricht), v. K. Puchwalski (Wien, Österr. Rechnungshof); mehrere Lith., Heliogravuren u. Phot. (Wien, Nat.bibl.).

Autor  
Johann Christoph Allmayer-Beck
Empfohlene Zitierweise  

Allmayer-Beck, Johann Christoph, „Gautsch von Frankenthurn, Paul Freiherr“, in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 108 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd137078080.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 6 (1964), S. 108 f.
Erwähnungen: 
NDB 7 (1966), S. 83*

PND: 137078080
Artikel drucken

Index

Gautsch von Frankenthurn, Paul Freiherr

Name: Gautsch von Frankenthurn, Paul Freiherr
Namensvariante: Gautsch von Frankenthurn, Paul
Lebensdaten: 1851 bis 1918
Geburtsort: Döbling bei Wien
Sterbeort: Wien
Beruf/Lebensstellung: österreichischer Staatsmann
Konfession: katholisch
Autor NDB: Allmayer-Beck, Johann Christoph
PND: 137078080

Weitere Informationen

Informationsangebote zu

Gautsch von Frankenthurn, Paul Freiherr

PND
137078080

Normdaten
Personennamendatei (PND)
Virtual International Authority File (VIAF)

Lexika

Bibliothekskataloge und Bibliographien
Bibliotheksverbund Bayern (BVB)
OPAC der BSB München

Editionen
Pressemappe 20. Jahrhundert

Nachlässe
Kalliope