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NDB-Artikel

<< Gauß, Carl Joseph     Gautsch von Frankenthurn, Paul Freiherr >>

Gauß, Friedrich Gustav

Geodät, * 20.6.1829 Bielefeld, 26.6.1915 Berlin.


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Joh. Phil., Kleinhändler in Bielefeld, S d. Bauern Joh. Herm, in Heepen; M Joh. Sophie, T d. Leinenhändlers Anton Henr. Christoph Westermann; B Friedrich (* 1831), Gymnasialprof., Mathematiker (s. Pogg. IV); 1) N. N., 2) 1856 Elise Henriette Brune; 3 S (jung ), 1 T aus 2); E Hans-Heinr. Gobbin ( 1947), Dr.-Ing., Hrsg. einiger Tafelwerke s. Gvv.

Leben  
Nach Schulbesuch bis zur Primareife, einjähriger Ausbildung an der Provinzialgewerbeschule und 1½jähriger praktischer Tätigkeit legte Gauß 1848 in Minden die Feldmesserprüfung ab. 1858 wurde er, nachdem er 10 Jahre an dem in Napoleonischer Zeit begonnenen und mit dem preußischen Grundsteuergesetz von 1839 zum Abschluß gebrachten rheinisch-westfälischen Grundsteuerkataster gearbeitet hatte, zur Vorbereitung entsprechender Einrichtungen in den 6 östlichen Provinzen Preußens in das preußische Finanzministerium berufen. Auf Grund einer Aufsehen erregenden Denkschrift, die der damals 30jährige Sekretär und Kalkulator 1859 dem Finanzminister vorlegte, wurde ihm, als 1861 das Grundsteuergesetz für die östlichen Provinzen erging, die Bearbeitung der technischen Aufgaben beim Aufstellen des Katasters übertragen. Dank seinem Organisationsgeschick und seiner Arbeitskraft brachte er das Werk mit einem eigens herangebildeten Personal von 3400 Köpfen unter geschickter Verwertung vorhandener Karten in der unvorstellbar kurzen Zeit von 3½ Jahren zu Ende, woraufhin er 1868 zum Geheimen Rechnungsrat, 1872 zum Generalinspektor des Katasters (mit der Stellung eines Vortragenden Rates) ernannt wurde. Nach der Eingliederung von Schleswig-Holstein, Hannover und Hessen-Nassau waren auch dort Kataster zu errichten; jedoch wurden zur Sicherung des Grundeigentums erheblich höhere Anforderungen an die wissenschaftlichen Grundlagen und die Genauigkeit der Vermessungswerke gestellt. Im Zuge dieser 1877 zu Ende gehenden Arbeiten entstanden unter anderem Gauß' bekannte Logarithmentafeln und die „Trigonometrischen und polygonometrischen Rechnungen in der Feldmeßkunst“. Als die Miquelsche Steuerreform der 90er Jahre die Grund- und Gebäudesteuern den Gemeinden zuwies und für den Staat die Ergänzungssteuer vom beweglichen und unbeweglichen Vermögen einführte, entwickelte der inzwischen (1892) zum Wirklichen Geheimen Oberfinanzrat ernannte Gauß als 3. große Aufgabe seines Lebens neue Wege zur Schätzung der Grundstücke, die Wissenschaft und Praxis später als richtungweisend erkannt haben. Daß er bei der Pensionierung (1905) Wirklicher Geheimer Rat (also „Exzellenz“) wurde, ist bei seinem Werdegang als ganz besondere Auszeichnung anzusehen. Wenn er auch das mathematische Genie seines großen Namensvetters C. F. Gauß nicht besaß, so darf er doch mit seinem Lebenswerk, das sich mit dessen geodätischen Arbeiten ein wenig überschnitt, neben diesem wohl genannt werden|.

Auszeichnungen  
Dr. phil. h. c. (Straßburg 1899).

Werke  
Die Gebäudesteuer in Preußen, 1866, 41907; Fünfstellige vollst, logarithm. u. trigonometr. Tafeln, 1871, 411-4201961; Fünfstellige logarithm.-trigonometr. Tafeln f. Dezimalteilung d. Quadranten, 1873, 41-431960; Die trigonometr. u. polygonometr. Rechnungen in d. Feldmeßkunst, 1876, 42 Bde., 1922; Die Teilung d. Grundstücke, 1878, 51909; Polygonometr. Tafeln, 1893, 21921; Die Ergänzungssteuer in Preußen, 1894; Fünfstellige vollst, trigonometr. u. polygonometr. Tafeln f. Maschinenrechnen, 1901, 11-151944.

Literatur  
A. Christiani, Festschr. z. 50j. Dienstjubiläum d. F. G. G., in: Allg. Vermessungsnachrr. 11, 1899, Sonder-H. (P); O. Koll, in: Zs. f. Vermessungswesen 28, 1899, S. 66-86 (P); F. Sukow, ebd. 58, 1929, S. 482-502 (P); P. Werkmeister, Lex. d. Vermessungskde., 1943.

Portraits  
Plakette, Abb. in: Allg. Vermessungsnachrr. 21, 1909.

Autor  
Walter Großmann
Empfohlene Zitierweise  

Großmann, Walter, „Gauß, Friedrich Gustav“, in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 108 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd122604504.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 6 (1964), S. 108

PND: 122604504
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Index

Gauß, Gustav

Name: Gauß, Gustav
Namensvariante: Gauß, Friedrich Gustav
Lebensdaten: 1829 bis 1915
Geburtsort: Bielefeld
Sterbeort: Berlin
Beruf/Lebensstellung: Geodät
Konfession: keine Angabe
Autor NDB: Großmann, Walter
PND: 122604504

Weitere Informationen

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Gauß, Gustav

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122604504

Normdaten
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