<< Bartsch, Karl Friedrich Adolf Konrad
Bartsch, Zacharias >>
Bartsch, Rudolf Hans
Schriftsteller,
* 11.2.1873 Graz,
† 7.2.1952
St. Peter bei Graz. (katholisch bis 1938, dann gottgläubig).
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Leopold Bartsch, Militäroberarzt;
M Sophie,
T des Christoph Haller (1805–80) und der Theresia Hager (
† 1903);
⚭ 1) Graz 21.3.1903 Berta Koscher, 2) Graz 15.8.1939 Grete,
T des August von Noé, General, und der Helene Hölscher (1853–1930); 3
T aus 1).
Leben ↑
Bartsch besuchte die Kadettenschule in Fischau, Eisenstadt und Liebenau, danach die Militäroberrealschule in Graz, war 1895-1911 als Leutnant
bzw. Oberleutnant dem Kriegsarchiv in Wien zugeteilt, in dieser Zeit (1901–1903) außerordentliches Mitglied des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, trat 1911 als Hauptmann in den Ruhestand, wurde 1914-17 neuerdings zum Dienst ins Kriegsarchiv eingezogen und lebte seit 1918 als freier Schriftsteller. - Nach unbeachtlichen Anfängen errang Bartsch mit seinem Roman „Zwölf aus der Steiermark“ (1908) einen ungewöhnlichen literarischen Erfolg, der ihm dank einer großen, aber unkritischen Lesergemeinde trotz seiner späteren, bedenklichen Fruchtbarkeit noch lange nach dem ersten Weltkrieg gewahrt blieb. Dieses fast berühmt gewordene Werk - heute nur mehr entwicklungsgeschichtlich zu werten - schuf einen Romantypus, nach dem man Grenzen und Gefahren dieser Literaturgattung - zumindest in ihrer österreichischen Ausprägung - auffallend erkennen kann: eine lockere, in filmische Szenen aufgelöste Handlung und eine stark sentimentale, pseudoromantische Verzeichnung von Charakteren, Stimmungen und Situationen im alten Österreich, wie sie Operette, Film und Rundfunk noch heute verhängnisvoll verkitschen. In der Naturschilderung von oft bezaubernder Farbenwirkung, im Dialog geistvoll sprühend, ist er im Weltanschaulichen von einer haltlosen Oberflächlichkeit. Wenn überhaupt, dann meistert Bartsch die (historische und Künstler-)Novelle (Vom
|sterbenden Rokoko, Musikanten des Herzens), zweifellos ein Könner mit den besten Absichten, doch eine zeitgebundene Erscheinung. Versuche im Dramatischen und Lyrischen sind fehlgegangen.
Werke ↑
u. a. Ausgew. Prosa, 6
Bde., 1933. -
Romane: Zwölf aus der Steiermark, 1908 (91. Tausend 1933); Schwammerl, Schubertroman, 1912 (256.Tausend 1943); Der Flieger, Roman aus d. Serbenkrieg, 1915; Die Verliebten u. ihre Stadt, 1928; Das Lächeln d. Marie Antoinette, 1932; Ein Deutscher, 1933;
Novellen: Vom sterbenden Rokoko, 1909 (97. Tausend 1949); Bittersüße Liebesgeschichten, 1910 (80. Tausend 1948); Meisternovellen, 1923, = Festgabe
z. B.s 50. Geburtstag; Geschichten, Erzählungen: Die
Gesch. v. d. Hannerl u. ihren Liebhabern, 1913 (91. Tausend 1934); Der große alte Kater, Eine Schopenhauergesch., 1929; Besonntes Philisterium, Kleine
Gesch. aus Mozarts Freundeskreis in Salzburg, 1934;
Vermischte Prosa: Der Volkskrieg in Tirol (Das Kriegsjahr 1809,
Bd. 2), 1905; Als
Österr. zerfiel. … 1848, 1905
(anonym); Das grüne Wien, 1911; Die
steir. Landschaft (Kunst u. Natur in Bildern), 1914; Er, Ein Buch d. Andacht, 1915; Grenzen d. Menschheit (I: Der Königsgedanke, II: Der Satansgedanke, III: Erlösung, früher unter d. Titel: Er), 1923;
Dramen: Ohne Gott, Tragödie (uraufgeführt Hamburg 20.1.1915); Fernes Schiff, Schauspiel (nach J. Smith, uraufgeführt Nürnberg 18.11.1933).
Literatur ↑
Nagel-Zeidler-Castle IV, S. 1212, 1228-31;
Soergel, 1911, S. 788 ff.;
R. Hohlbaum, R. H.
B., 1923;
Th. Lessing, R. H.
B., 1927;
A. Schmidt,
Dt. Dichtung in
Österr.,
21935, S. 43, 52 f.;
E. Alker,
Gesch. d.
dt. Lit. v. Goethes Tod bis
z. Gegenwart II, 1950, S. 353 f.;
R. Teichl, Wer ist wer?, 1927;
Teichl, 1951;
H. Giebisch-L. Pichler-K. Vancsa, Kleines
Österr. Lit.-
Lex., 1948;
Kosch, Lit.-Lex. I;
Kürschner, Lit.-Kal. 1949;
Kutzbach, Autorenlex. d. Gegenwart, 1951, S. 15.
Autor ↑
Kurt VancsaEmpfohlene Zitierweise ↑
Vancsa, Kurt, „Bartsch, Rudolf Hans“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
613 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118652931.html