Name
Barthel, Johann Kaspar
Namensvarianten
-
Lebensdaten
1697 bis 1771
Geburtsort
Kitzingen
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Lebensstellung
katholischer Theologe; Kirchenrechtler
Konfession
katholisch
Autor NDB
Friedrich Merzbacher
Autor ADB
v. Schulte.
GND
118849506

Barthel, Johann Kaspar

katholischer Theologe und Kirchenrechtler, * 10.6.1697 Kitzingen, 8.4.1771 Würzburg.

  • Genealogie

    V Georg Barthel, Bürger, Fischer und Schiffer in Kitzingen; M Catharina.

  • Leben

    B. wurde nach seinem Studium in Würzburg 1717 Mag. phil. und 1721 Repetitor jurium bei den Hofpagen. Nach der Priesterweihe (1721) versah er seit 1722 eine Kaplanstelle am Juliusspital, wurde aber 1725 zur Ausbildung nach Rom geschickt, wo Kardinal Prosper Lambertini (nachmaliger Papst Benedikt XIV.)|sein Lehrer war und er 1727 zum Dr.jur. promovierte. Fürstbischof Christoph Franz von Hutten übertrug B. 1727 die Professur des Kanonischen Rechts in der juristischen Fakultät Würzburg, die B. bis zu seinem Tode innehatte. Zahlreiche Ehrungen wurden ihm zuteil. 1738 wurde B. auf Weisung des Fürstbischofs Friedrich Karl von Schönborn als Kanoniker beim Stift Haug in Würzburg aufgenommen, wo er die sog. „Doktorspfründe“ erhielt. Dort erlangte er 1743 den Rang eines Kapitulars, 1754 die Würde des Dekans und die hohenlohische Vogtei im Dorfe Versbach (Landkreis Würzburg) als Mannlehen. - Die Wirksamkeit B.s als Lehrer war allgemein anerkannt. Seine gediegenen kanonistischen Abhandlungen zeichnen sich zum Unterschied zur älteren scholastischen Betrachtungsweise durch ihre historisch-pragmatische Methode aus. Er gilt mit Recht als Begründer einer neuen Schule unter den katholischen deutschen Kanonisten. In gewisser Hinsicht stand er dem Febronianismus nahe.

    • Werke

      u. a. Theses ex universa theologia, 1725; De decimis, 1729; De appellationibus extrajudicialihus, 1730; De jure asyli, 1733; De justitia belli Inter principes christianos, 1734; De jure et jurisdictione abbatum, 1736; Dissertatio historicocanonico-publica de Pallio, Würzburg 1753; Opera juris publici ecclesiastici ad statum Germaniae aecomodatum, Bamberg 1756.

    • Literatur

        ADB II;  Hurter III, 2 1892, S. 192 f.;  J. F. Schulte, Die Gesch. d. Qu. u. Lit. d. Canon. Rechts III/1, 1880, S. 183 ff., Nr. 108;  F. X. v. Wegele, Gesch. d. Univ. Würzburg I. 1882;  Ph. E. Ullrich, Reihenfolge d. Kapitulare u. Vikare d. Stiftes Haug zu Würzburg v. J.1691-1803, Arch. d. Hist. Ver. v. Unterfr., Bd. 31, 1888, S. 122 f. (W);  Stinzing-Landsberg III, 1898, S. 368 f., Noten S. 235 f.;  H. Raab. J. K. B.s Stellung in d. Diskussion um die Concordata nationis Germanicae, = Herbipolis Jubilans, 1200 J. Gesch. d. Bistums Würzburg. Festschr., 1952;  LThKEnc. Catt. II, 1949;  L. Just, in: Dict. de droit canonique, Paris 1935-37 ff., II, Sp. 206 f. – Qu: Material im Staatsarchiv Würzburg.

    • Portraits

      in d. Frhr. v. Lipperheideschen Kostümbibl. d. Kunstgewerbe-Mus. Berlin, Kat.-Nr. 5613; Stich v. J. J. Haid (Kupf.-Kab. Dresden).

  • Autor

    Friedrich Merzbacher
  • Empfohlene Zitierweise

    Merzbacher, Friedrich, "Barthel, Johann Kaspar" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 607 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn118849506.html

Barthel, Johann Kaspar

  • Leben

    Barthel: Johann Kaspar B., geb. zu Kissingen 10. Juni 1697 als Sohn eines Bürgers und Fischers, † 8. April 1771. Er studirte zu Würzburg am Jesuiten-Gymnasium von 1709—1715, wo er in das Clericalseminar daselbst eintrat. 1721 wurde er Priester und Pagenhofmeister, 1723 Kaplan am Juliusspital. Vom Fürstbischof Christoph von Hutten wurde er nach Rom geschickt, um sich im sogenannten Studio des damaligen Secretärs der Congregatio Concilii Prosper Lambertini (später Benedict XIV.) in der kirchlichen Rechtspraxis auszubilden. Mit einem schönen Zeugnisse des Genannten vom 16. April 1727 versehen, kehrte er zurück, als Doctor juris utriusque, wurde Seminar-Regens und Professor des Kirchenrechts an der Universität, 1728 geistlicher Rath, am 31. Mai 1729 Doctor der Theologie, 1738 auch Canonicus am Collegiatstifte Haug, 1744 wirklicher Geheimerath, resignirte 1748 als Regens, war thätig bei Schlichtung des Streites zwischen Würzburg und Fulda, 1754 Prokanzler der Universität und am 5. März 1754 Dechant in Haug. Er war als Lehrer höchst bedeutend, seine nachgeschriebenen Vorlesungen circulirten abschriftlich auch an vielen auswärtigen Orten; sein Streben war, das Fundamentale in der Kirche vom Unwesentlichen zu scheiden auf historischer Grundlage, weshalb er offen die pseudoisidorische Fälschung lehrte, dem Staate gerecht zu werden, als echter deutscher Mann für die Concordate gegen die Uebergriffe der Curie einzutreten, die scholastische Methode zu bekämpfen, das selbständige Recht des Episkopats zu vertheidigen. B. stand bei den Protestanten ebenfalls in hohem Ansehen. Wegen kirchenfeindlicher Ansichten denuncirt, setzte er in einem (von Ruland veröffentlichten) "Promemoria" an seinen Lehrer Benedict XIV. vom J. 1751 offen seine Ansichten und Methode auseinander. Er darf als der Erste bezeichnet werden, der sich auf dem Gebiete des Kirchenrechts von der hergebrachten Methode in Deutschland lossagte. Von seinen Schriften (vgl. Adelung) sind bemerkenswerth: "De Pallio" 1753; "Opuscula jurid. varii argumenti", 1771; "Opera jur. publ. eccles. ad statum Germ. accomodata", 1780.

    • Literatur

      Weidlich, Jetztleb. Rechtsgelehrten in Teutschland. I. 28. — Ant. Ruland im Chilianeum, Bd. I. (Würzb. 1862) S. 495 ff.

  • Autor

    v. Schulte.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schulte, von, "Barthel, Johann Kaspar" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 103 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn118849506.html?anchor=adb

Barthel, Johann Kaspar

Barthel, Johann Kaspar