<< Adams, Carl
Adelbrecht >>
Adela
Gräfin aus sächsischem Geschlecht,
* um 950,
† vor 1021 Köln.
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
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Genealogie ↑
V Wichmann, Graf von Hamaland (um Zutphen), in Westfalen und Friesland begütert;
⚭ 1) Graf Immed, angeblich aus Widukinds Geschlecht, den Ottonen verwandt, 2) vor 997 Balderich, später Graf im Drenthegau (
† 1021);
S aus 1) Dietrich, Meinwerk, Bischof von Paderborn; 3
T.
Leben ↑
Adela war bei den Zeitgenossen berüchtigt als eine „zweite Herodias“ (Thietmar von Merseburg) wegen ihrer Untaten, mit denen sie sich und ihrem zweiten Gemahl mehrere Grafschaften am Niederrhein zu verschaffen suchte und ganz Niederlothringen jahrelang in Verwirrung brachte. Otto III. und Heinrich II. mußten wiederholt gegen sie eingreifen. Sie soll ihre Schwester Liutgard, die erste Äbtissin des von ihrem Vater gegründeten Klosters Elten bei Emmerich vergiftet, auch ihren ältesten Sohn Dietrich 1014 umgebracht haben. Auf einem Dortmunder Hoftag Heinrichs II. zum Tode verurteilt, wurde sie begnadigt, mußte aber ihren Besitz großenteils dem Bistum Paderborn überlassen, wo ihr zweiter Sohn Meinwerk seit 1009 Bischof war. 1016 ließ ihr Gemahl den billungischen Grafen Wichmann ermorden, um den linksrheinischen Hattuariergau zu gewinnen. Von Wichmanns Verwandten Herzog Bernhard von Sachsen und den Bischöfen von Münster und Utrecht niedergekämpft, hielt sie Niederlothringen noch lange durch Raubzüge in Unruhe, bis sie in Köln Zuflucht suchte und kurz vor Balderich starb. Zunächst am Dom begraben, wurde ihre Leiche bald in den Rhein geworfen, der deshalb tagelang getost haben soll.
Literatur ↑
ADB I;
S. Hirsch,
Jbb. d.
dt. Reichs unter
Heinr. II.,
Bd. 2, 1864, S. 345 ff.,
Bd. 3, 1874,
|S. 41 ff., 311 ff.;
R. Holtzmann,
Gesch. d.
sächs. Kaiserzeit, 1941, S. 461-67;
W. Reese, Die Niederlande u. d.
dt. Reich, 1942, S. 114 f.
Autor ↑
Herbert GrundmannEmpfohlene Zitierweise ↑
Grundmann, Herbert, „Adela“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
56-57
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd123798566.html
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Adela >>
Adela
Leben
| Autor
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Leben ↑
Adela: Gräfin in
Unterlothringen, um 950
geboren, war die Tochter des sächsischen Grafen Wichmann, der, in
Westphalen, Friesland und den unteren Rheingegenden reich
begütert, 966 das Nonnenkloster Elten bei Emmerich in der
Grafschaft Hamaland stiftete und mit einem Theil seiner Stammgüter
ausstattete. Wichmann hinterließ keine Söhne, aber außer
A.
noch eine ältere Tochter Liutgarde, welche als erste
Aebtissin das Kloster Elten verwaltete.
A.
, schon in früher Jugend dem, dem sächsischen und dem
kaiserlichen Hause der Ottonen verwandten Grafen Immed vermählt,
erhob nach dem Tode des Vaters Ansprüche auf mehrere dem Kloster
gestiftete Güter und gerieth deshalb mit ihrer Schwester in
Streit. Als diese bald darauf an Gift starb, hielt Jedermann
A.
für die Mörderin.
A.
bemächtigte sich der beanspruchten Güter, mußte sie
aber bald auf kaiserlichen Befehl dem Kloster zurückgeben. In
ihrer Ehe mit dem Grafen Immed hatte
A.
außer zwei Töchtern zwei Söhne geboren: Dietrich, der
dem Vater in seiner Grafschaft am Unterrhein folgen sollte, und
Meinwerk, der früh in den geistlichen Stand trat. Als
A.
ihren Gemahl verloren, vermählte sie sich nach einem
in Zügellosigkeit verbrachten Witwenstande mit dem Ritter
Balderich, einem Neffen des Grafen Gottfried, der, am unteren
Rhein angesessen, damals die Grafschaft im Attuarierlande am
linken Rheinufer inne hatte. Da Gottfried nur einen
schwachsinnigen Sohn hatte, hegte Balderich die Hoffnung, dem
Oheim in dieser Grafschaft zu folgen, sah sich aber in seiner
Erwartung getäuscht, als Gottfried eine Tochter dem sächsischen
Grafen Wichmann vermählte, einem Verwandten der Billung'schen
Herzogshäuser, der mit der unmittelbar an das Attuarierland
grenzenden Grafschaft Hamaland auf dem rechten Rheinufer belehnt
war. Dieser Wichmann sollte die Stütze von Gottfrieds schwachem
Sohne werden und bewährte sich als solche, als der Vater bald
darauf starb. Seitdem entbrannte die wildeste Fehde zwischen
Balderich und Wichmann; beide Ufer des Niederrheins wurden mit
Feuer und Schwert verwüstet. Endlich gebot König Heinrich II. Friede; in seiner Gegenwart mußten sich
die erhitzten Widersacher versöhnen. Als Wichmann darauf eine
Pilgerfahrt nach Rom antrat, benutzte
A.
die Zeit seiner Abwesenheit, um durch ihre
Verbindungen am Hofe — ihr Sohn Meinwerk, der besondere Günstling
Heinrichs II., war inzwischen Bischof von Paderborn geworden — die
Grafschaft im Attuarierlande ihrem Gemahl zu erwerben. Sobald
Wichmann von Rom zurückgekehrt war, griff er deshalb gegen
Balderich aufs Neue zu den Waffen; Jahre lang wüthete die neue
Fehde, bis endlich ein Stillstand geschlossen wurde. Inzwischen
war
A.
auch mit ihrem Sohne dem Grafen Dietrich zerfallen,
und ihr Haß steigerte sich so, daß sie endlich auf den Mord
desselben sann. Während Bischof Meinwerk Heinrich II. auf seiner Romfahrt begleitete, ließ sie
Dietrich auf seiner Burg Uplade (Hauberg bei Elten) überfallen und
tödten (7. April 1014). Balderich nahm dann sogleich von dieser
Burg Besitz und warf sich alsbald in den Kampf gegen Herzog
Gottfried, der sich damals um die Herstellung des Landfriedens in
Lothringen ernstlich bemühte. Man mochte hoffen, daß in dem
Waffengetümmel die Schandthat Adela's in Vergessenheit käme; aber
im J. 1016 wurde sie nach Dortmund vor den Richterstuhl des
Kaisers beschieden, und Bischof Meinwerk trat selbst mit den
schwersten Anklagen gegen die Mutter auf. Sie wurde des
Kindesmordes und des Hochverraths für schuldig befunden und zum
Tode verurtheilt. Der Kaiser schenkte ihr zwar das Leben, aber zur
Sühne
|ihrer Schuld mußte sie den größten Theil ihrer
Besitzungen der Kirche zu Paderborn übergeben. Balderich wurde der
Theilnahme an Adela's Verbrechen überführt und mußte in ähnlicher
Weise büßen; unfraglich verlor er auch die Grafschaft, welche er
zu Lehen getragen. Seitdem sannen
A.
und Balderich nur auf Rache an ihren zahlreichen und
mächtigen Feinden; um einen Rückhalt zu gewinnen; schlossen sie
sich eng an Erzbischof Heribert von Köln, den Widersacher Herzog
Gottfrieds, an. Der erste Schlag sollte Graf Wichmann treffen. Mit
heuchlerischen Freundschaftsbeweisen lockten sie ihn nach Uplade;
kaum hatte er der Burg wieder den Rücken gewendet, so ließ ihn
A.
— denn Balderich war inzwischen wankend geworden —
durch gedungene Mörder erschlagen (6. Oct. 1016). Die Verwandten
Wichmanns und viele Großen der Umgegend zogen darauf mit
Heeresmacht gegen Uplade. Balderich verließ flüchtig die Burg;
A.
übernahm die Vertheidigung und leitete sie eine Zeit
lang mit kühnem Muthe. Als aber auch König Heinrich II. mit einem Heere anrückte, schloß sie einen
Vertrag mit den Belagerern, welcher ihr freien Abzug gewährte.
Uplade wurde bis auf den Grund zerstört. Balderich führte seitdem
ein abenteuerndes Leben, sich in alle Parteikämpfe Lothringens
stürzend. Als Heinrich II. 1018 nach
Nymwegen kam, um die Ruhe Lothringens herzustellen, mußte auch
Balderich vor ihm erscheinen. Aber die Wuth seiner Feinde war so
groß, daß der Kaiser ihn nur mit Mühe gegen die äußersten
Gewaltthaten schützte und ihm die Möglichkeit der Flucht gewann.
Bettelnd soll er dann mit
A.
im Lande umhergezogen sein, bis ihnen Heribert zu Köln
das Gnadenbrod gewährte. Balderich starb 1121 zu Heimbach
an der Roer unweit Zülpich; er wurde im Kloster
Zypflich (zwischen Cleve und Nymwegen), welches er in den Tagen
des Glücks gestiftet hatte, bestattet.
A.
beschloß — wie es scheint, schon vor ihrem Gemahl —
ihr Leben zu Köln und wurde in der Peterskirche beigesetzt. Da die
Gebeine der Schwester- und Kindesmörderin der Stadt aber
verderblich schienen, wurden sie aus dem Grabe gerissen und in den
Rhein geworfen. Der Strom, erzählt man, habe mehrere Tage lang
wild getost, gleich als wären seine Fluthen entweiht. Adela's
fluchbedecktes Leben zeigt, welche Verwirrungen ein in Habgier,
Ehrgeiz und Rachsucht verwildertes Weib damals in Deutschland noch
anrichten konnte; es zeigt zugleich, mit welchen Gräueln sich
damals noch selbst die ersten Geschlechter der Nation befleckten.
Zum Glück war dieses furchtbare Mannweib eine vereinzelte
Erscheinung auch in jener Zeit; ihr zur Seite stehen zahlreiche
edle Frauen, jedes Ruhmes werth.
Literatur ↑
Ausführlicher ist in neuerer Zeit Adela's Leben behandelt in
der "Geschichte der deutschen Kaiserzeit" II. S. 150—158 und bei Dederich, Geschichte
der Römer und Deutschen am Niederrhein, Emmerich 1854.
Autor ↑
v. Giesebrecht.
Empfohlene Zitierweise ↑
Giesebrecht, Wilhelm von, „Adela“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
49-50
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd123798566.html?anchor=adb