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Schöffer, Peter der Ältere

Stempelschneider, Buchdrucker und Verleger, * um 1435 Gernsheim bei Darmstadt, zwischen 20.12.1502 und 8.5.1503 Mainz.


GenealogieLebenLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
Eltern unbek.; 1467 Christine ( n. 1496), T d. Johannes Fust ( 1466), Verl. (s. NDB V), u. d. Grete N. N.; 4 S Gratian ( n. 1516), Johann ( 1531, Katharina N. N.), führte d. väterl. Untern. im Haus „Zum Humbrech“ in M. mit Erfolg weiter, druckte v. a. Ausgg. antiker Klassiker u. Liturgica (s. LGB2), Peter d. J. (s. 2), Ludwig ( n. 1496).

Leben  
Der Kleriker der Diözese Mainz war wohl als Student nach Paris gekommen, wo er 1449 als Schreiber erwähnt wird. Anfang der 50er Jahre kehrte er nach Mainz zurück, wo er zusammen mit Johannes Fust und Johannes Gutenberg ( 1468) am Druck der 42zeiligen Bibel arbeitete und nach jüngeren Zeugnissen zur Verbesserung der eben erfundenen Buchdruckerkunst beitrug. Als das für den Bibeldruck begründete Gemeinschaftsunternehmen auseinanderbrach, schloß sich S. Fust an, dessen Tochter er heiratete. Die Firma „Fust & Schöffer“ nutzte die ursprünglich mit Gutenberg eingerichtete Werkstatt für die Produktion wissenschaftlicher und liturgischer Bücher von höchster Qualität. Am 14.8.1457 wurde hier ein für das Stundengebet bestimmtes Psalmenbuch („Mainzer Psalter“) mit mehrfarbig gedrucktem Buchschmuck (Initialen. Fleuronnée) vollendet. Das Buch nennt in einer Schlußschrift zum ersten Mal in der Druckgeschichte Urheber, Entstehungsort und -zeit. Diesem in seiner Vollkommenheit von der Werkstatt nie wieder erreichten Buch folgten im Laufe der Zeit zahlreiche Liturgica (Psalterien, Missale). Noch S.s letzter datierter Druck vom 20.12.1502 war ein „Psalterium Maguntinum“. Bedeutend war auch die Produktion theologischer und juristischer Fachliteratur, für die S. nach dem Vorbild der zeitgenössischen Gelehrtenschriften von humanistischem Stilgefühl geprägte Gotico-Antiqua-Lettern benutzte. Die in einer solchen Schrift gesetzte 48zeilige Bibel vom 14.8.1462 enthält zum ersten Mal das „Allianzsignet“ der Gesellschafter, zwei von einem Ast herabhängende Schilde mit Handelsmarken. S. behielt dieses Signet, das von vielen Druckern nachgeahmt wurde, bei, als er durch den Tod seines Schwiegervaters (1466) zum alleinigen Inhaber der Firma wurde. Von seinem technischen Können zeugen auch die kommentierten Ausgaben, wo der Kommentar in kleinerem Grad den Text wie ein Rahmen umgibt. Große Wirkung erzielte S. mit bebilderten, teilweise auch volkssprachigen Werken. Sein 1485 erstmals erschienener „Gart der Gesundheit“ war nicht nur für Angehörige der Heilberufe gedacht. An der Veröffentlichung des Berichtes, den der Mainzer Domdekan Bernhard v. Breidenbach ( 1497) über seine Pilgerfahrt ins Hl. Land erstattete, war S. maßgeblich beteiligt (1486). Zudem druckte er für den Tagesbedarf, etwa Ablaßbriefe sowie kirchliche und staatliche Verlautbarungen.
S. kam den Wünschen seiner Kunden entgegen, indem er seine Bücher auch gebunden und mit Buchschmuck versehen lieferte. Über sein Sortiment, das er durch Drucke anderer Firmen erweiterte, gab er mit Hilfe von Plakaten („Buchanzeigen“) Auskunft. In Paris unterhielt er ein umfangreiches Bücherlager, das Anfang der 70er Jahre vom franz. Staat beschlagnahmt wurde. Die überragende Bedeutung von S.s Unternehmen war der Grund dafür, daß während des 15. Jh. in Mainz kaum andere Buchdruckereien gearbeitet haben.

Literatur  
ADB 32; J. Strieder, Fünf neu aufgefundene Briefe d. Mainzer Buchdruckers P. S., in: Gutenberg-Jb. 1933, S. 69-74; A. Ruppel, Die Nachkommenschaft P. S.s aus Gernsheim, ebd. 1937, S. 269-71; H. Lehmann-Haupt, P. S. of Gernsheim and Mainz with a list of his surviving books and broadsides, 1950, dt. Übers. mit Vorw. v. M. Estermann, 2003; K. Repgen, Antimanifest u. Kriegsmanifest, Benutzung d. neuen Drucktechnik in d. Mainzer Stiftsfehde, in: Stud. z. 15. Jh., FS Erich Meuthen, 1994, S. 781-803; L. Hellinga, P. S. and the book-trade in Mainz, in: Bookbindings and other bibliophily, 1994, S. 131-64; F. Geldner, Die dt. Inkunabeldrucker, I, 1968, S. 30-38; S. Corsten u. R. W. Fuchs (Hg.), Der Buchdruck im 15. Jh., Eine Bibliogr., 1988-1993, S. 308-12 u. 750 f.; LGB2; Lex. MA.

Autor  
Severin Corsten
Empfohlene Zitierweise  

Corsten, Severin, „Schöffer, Peter der Ältere“, in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 359 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118609947.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 23 (2007), S. 359
ADB 32 (1891), S. 213-214
Erwähnungen: 
NDB 5 (1961), S. 743*
NDB 23 (2007), S.  359*

PND: 118609947
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Index

Schöffer, Peter der Ältere

Name: Schöffer, Peter der Ältere
Namensvariante: Scheffer, Peter
Namensvariante: Schoeffer, Peter
Namensvariante: Schoeffher, Peter
Namensvariante: Schoffer, Peter
Namensvariante: Schoiffer, Peter
Lebensdaten: um 1435 bis 1502 oder 1503
Geburtsort: Gernsheim bei Darmstadt
Sterbeort: Mainz
Beruf/Lebensstellung: Stempelschneider; Buchdrucker; Verleger
Autor NDB: Corsten, Severin
Autor ADB: Linde, Antonius van der
PND: 118609947

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Schöffer, Peter der Ältere

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118609947

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