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Bahder, Karl von >>
Baggesen, Jens Immanuel
dänisch-deutscher Dichter,
* 15.2.1764 Korsör (Seeland),
† 3.10.1826 Hamburg. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Bagge Baggesen (1735–85), Kornschreiber und Wegwärter in Korsör;
M Anna,
T des Sören Möller, Schiffer in Korsör;
Gvv Jens Baggesen, Dorfschullehrer in Boböl bei Horsens;
⚭ 1) Könitz bei Bern 5.3.1790 Sophie von Haller (1787–97),
E des Dichters Albrecht von Haller, 2) Paris 28.6. (kirchlich 11.7.) 1799 Fanny (1774–1822),
T des reformierten Pfarrers und späteren Genfer Geschäftsträgers bei der französischen Republik Etienne Salomon Reybaz;
S aus 1) August Baggesen (1795–1865), Herausgeber der dänischen Werke von Baggesen und der Fragmente aus dem Nachlaß, sowie Verfasser einer Biografie des Vaters, Carl A. R.
B. (1793–1873), Pfarrer am Münster in Bern, Herausgeber des philosophischen Nachlasses von Baggesen und mit August Baggesen der Poetischen Werke in deutscher Sprache, Verfasser von Flugschriften, Aufsätzen und Predigten.
Leben ↑
Baggesen, eine leicht beeinflußbare, aber zugleich von reizbarem Subjektivismus gequälte Natur, hat für die deutsche Dichtung und Philosophie nicht nur Bedeutung gewonnen als einer ihrer eifrigsten Mittler zum Norden, er ist darüber hinaus durch seine deutschen Schriften eine der deutschen Literaturgeschichte angehörende Gestalt geworden. Nach seinem Studium in Kopenhagen trat er im Mai 1789 mit der Dichterin F. Brun und F. Cramer eine große Bildungsreise an, während der er in Eutin J. H. Voss, in Hamburg F. G. Klopstock aufsuchte und im folgenden Jahr Schiller, Ch. M. Wieland und K. L. Reinhold kennenlernte. Mit Goethe, dem sein rastloses Temperament wesensfremd blieb, kam er nicht in persönliche Berührung. Dagegen erwarb er sich um Schiller das Verdienst, daß er ihm das Stipendium des Augustenburgers vermittelte. Seine dichterische Gespaltenheit ist zunächst gekennzeichnet durch frühe Wieland- und Klopstocknachfolge. Während ihm seine „Komischen Erzählungen" in der Heimat den Ehrentitel eines dänischen Wieland eintrugen, versuchte er sich als Lyriker in Klopstockschen Oden und Elegien. Das von Voß angeregte idyllische Epos „Parthenais oder die Alpenreise" wurde, Bürgerliches mit Antikisierendem verschmelzend, seine dichterisch ausgeglichenste Leistung. In seinen humoristischen und polemischen Dichtungen bediente er sich der alten aufklärerischen Gattungen und zollte nur einmal mit der literarisch-politischen Satire „Der vollendete Faust oder Romanien in Jauer" in der Nachfolge von Tiecks „Gestiefeltem Kater" der sonst von ihm befehdeten Romantik einen Tribut. In den Streit zwischen Voß und den Heidelberger Romantikern griff er in seinem „Karfunkel oder Klingklingel-Almanach" mit so viel ätzendem Spott gegen die „angehenden Mystiker" ein, daß er sich dadurch ein karikiertes literarisches Porträt in der Gestalt des Dichters Waller in Arnims „Gräfin Dolores" zuzog. Den Ruhelosen, den eine mit C. L. Fernow unternommene Italienreise nicht zur Reife und Klärung hatte führen können, der in Paris in die Wirrnisse der Revolution geriet und danach ein Bewunderer Napoleons wurde, charakterisiert das Doppelurteil Goethes, der ihn ein „fratzenhaftes Talent“ nannte, und Schillers, der den „feurigen Genius“ allen anderen Eigenschaften seines enthusiastischen Verehrers voranstellte.
Werke ↑
Danske Vaerker ved A.
B. I-XII, Kopenhagen
21845-47; Poet. Skrifter ved A. Arlaud I-V, Kopenhagen 1889-1903; Poet. Werke in
dt. Sprache,
hrsg. v. C. u. A.
B., 5
Bde., 1836; Fragmente
v. J.
B.,
hrsg. v. August
B., 1855; Philosoph. Nachlaß,
hrsg. v. Carl
B. I-II, 1858–63;
für die Einzelausg. d. dt. Schrr. vgl. Goedeke VI, S. 161-65;
Briefe: Aus J.
B.s Briefwechsel mit K. L. Reinhold u. F. H. Jacobi, 2
Bde., 1831; L. Bobé, Efterladte Papirer fra den reventlowske Familiekreds i tidsrummet 1770-1827, VI, Kopenhagen 1903, S. 217-24, 367-446, 484-90
(Briefe an Louise Stolberg, Benedicte v. Qualen u. Amalie Münster); Timoleon u. Immanuel, Briefwechsel
zw. Friedr. Christian zu Schleswig-Holstein-Augustenburg u. J.
B.,
hrsg. v. H. Schulz, 1910; Schiller u. d.
Hzg. v. Augustenburg in Briefen,
hrsg. v. H. Schulz, 1905 (darin:
Briefwechsel zw. Schiller u. J. B.);
Bll. aus d. Stammbuch J.
B.s 1787-97,
hrsg. v. Th.
v. B. u. E. Grupe, 1893.
Literatur ↑
C. F. Cramer,
B., Kiel 1789;
K. Gutzkow,
B., in:
Btrr. z. Gesch. der neuesten
Lit., 1836;
A. Baggesen, J.
B.s
Biogr. I-IV, 1843–56;
K. Arentzen,
B. og Oehlenschläger, Kopenhagen 1870–78;
G. Brandes, Goethe u. Dänemark, in: Goethe-
Jb. 1881;
L. Schröder, Evald og
B., Kopenhagen 1884;
J. Clausen, J.
B. En Litteraer-psykologisk
|studie, ebenda 1895;
R. Petersen, J.
B. og Sofie
v. Haller, Kopenhagen 1902;
O. Zürcher, J.
B.s Parthenais, 1912;
O. E. Hesse, J.
B. u. d.
dt. Philos.,
Diss. Leipzig 1914;
L. Schmidt,
B. u. Wieland, in: Edda, 1925, S. 142-54;
C. S. Petersen-V. Andersen, Illustreret Dansk Literaturhist. II, Kopenhagen 1924, S. 715-832
(P);
Goedeke VI, 1898, S. 161-65
(W, L) u. VII, 1906, S. 694;
Dansk Leks. II, 1933, S. 15-27
(L);
zu Carl A. R. B.:
D. A. Ritz, C. A. R.
B., ein Lebens- u. Zeitbild aus d.
bern. Kirche, Basel 1884.
Portraits ↑
Gem. (Frederiksborg, Nationalhistor.
Mus.);
Kupf. v. Devrient-N. Lammo (Wien,
Nat.bibl.).
Autor ↑
Adalbert ElschenbroichEmpfohlene Zitierweise ↑
Elschenbroich, Adalbert, „Baggesen, Jens Immanuel“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
538-539
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118505904.html