<< Adalbert III.
Adaldag >>
Adalbold (Adelbold, Athalbaldus, Albaldus)
Bischof von Utrecht (1010-26),
† 27.11.1026.
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| Literatur
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Leben ↑
Adalbold war um 980-90 Schüler des Bischofs Notger von Lüttich; ein Mitschüler aus dieser Zeit, Egbert von Lüttich, hat ihm
ca. 1023 die Sprichwörtersammlung „Fecunda ratis“ zugeeignet. Auch mit Heriger von Lobbes und Bern von Reichenau stand er in enger Verbindung. Um 1000 war er Scholastikus in Lüttich oder Lobbes. Während ein Kommentar zu Boethius, De consolatione philosophiae 3, 9, den er vielleicht erst als Bischof schrieb, in der Schultradition des Remigius von Auxerre steht, läßt ihn ein Brief an Silvester II. (Gerbert) als einen der besten Mathematiker seiner Zeit erkennen. Er ist aber auch zeitweilig in der Kanzlei Heinrichs II. tätig gewesen; später (nach 1018) hat er auf Grund von Thietmar eine Lebensbeschreibung des Kaisers verfaßt, die bis zum Jahre 1004 erhalten ist. Im Jahre 1007 ist Adalbold als Archidiakon von
St. Lambert in Lüttich nachweisbar. 1010 übertrug ihm der Kaiser das Bistum Utrecht, dessen Besitzungen er in Kämpfen gegen die Normannen und die lothringischen Großen, vor allem den Grafen Dietrich III. von Holland, verteidigte und zu vermehren wußte. Gegen Ende seines Lebens schloß er sich den aszetischen Idealen der cluniazensischen Richtung an und ließ von Abt Poppo von Stablo das Kloster Hohorst einrichten. Er wollte selbst Mönch werden und war schon eingekleidet, ließ sich aber bewegen, sein Amt wieder zu übernehmen. Unter ihm wurde die Martinskirche in Utrecht wieder aufgebaut.
Werke ↑
Epistola ad Silvestrum papam, in: N. Bubnov, Gerberti Opera mathematica, 1899, S. 300 bis 309; Boethius-Kommentar,
hrsg. v. W. Moll, in: Kerkhistorisch Archief 3, 1862,
S. 198-213,
Ergg. v. P. Courcelle, in: Archives d'
hist. doctrin. et litt. du moyen âge 12, 1939,
S. 126-28; Vita Henrici II imperatoris, in: MG SS IV,
S. 679-95, u. in: Migne, PL 140,
Sp. 1086-1120.
Literatur ↑
ADB I;
P.
v. d. Aa,
A. bischop van Utrecht, Groningen 1862;
W. Moll, Kerkgeschiedenis van Nederland II, 1866, S. 50 ff.;
E. Voigt, Egberts
v. Lüttich Fecunda ratis, 1889, S. IX-XVIII;
U. Berlière, in:
Dictionnaire d’Histoire et de Géographie Ecclésiastiques I, 1912,
Sp. 524 f.;
Manitius II, 1923, S. 743-45;
G. Sarton, Introduction to the history of science I, Washington 1927, S. 714 f.;
Wattenbach-Holtzmann I, S. 101-03, S. 827.
Autor ↑
Bernhard BischoffEmpfohlene Zitierweise ↑
Bischoff, Bernhard, „Adalbold“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
47
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd100935354.html
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Adelbulner, Michael >>
Adelbold, Adalbold, Athalbaldus, Albaldus
Leben
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| Literatur
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Leben ↑
Adelbold: Adalbold,
Athalbaldus, Albaldus, Bischof von Utrecht. Herkunft und
Geburt dieses merkwürdigen Mannes liegen im Dunkel; in einem
zwischen 999—1003 an Papst Sylvester II.
geschickten Werke nennt er sich juvenis.
Durch seinen Zeitgenossen Anselm v. Lüttich (s. d.) wissen wir,
daß er in der berühmten Lütticher Schule zu Notkers Schülern
gehörte. Zu Lobbes, wo er mit Heriger befreundet war, ist er wol
eher Geistlicher als Schüler gewesen. Ex
clerico Lobiensi (nach Sigebert v. Gemblours) ward er Bischof
von Utrecht. Gerbert (Sylvester II.), mit dem er in naher
Beziehung stand, nennt er seinen conscholasticus, ohne daß wir sagen könnten,
wo sich diese Genossenschaft bildete. Auch mit Berno von Reichenau
stand er in freundschaftlichem und brieflichem Verkehr; so sehen
wir ihn also inmitten der hervorragendsten Träger der großen
geistigen Bewegung jener Zeit. 1010 erhielt
A.
nach Bischof Ansfrieds Tode von Kaiser Heinrich II. den Utrechter Bischofssitz, ob unter
Mitwirkung des Capitels und päpstlicher Bestätigung, ist nicht
ausdrücklich bezeugt. Beka's Angabe,
A.
habe schon vorher am kaiserl. Hofe als proconsul eximius großes Ansehen genossen, ist
sehr wahrscheinlich, denn Heinrich II.
pflegte die Bischöfe unter den Männern seines Vertrauens zu wählen
und
A.
erscheint hinfort stets als treuer und vielfach
begünstigter Anhänger des Kaisers. Wir finden ihn sehr häufig am
kaiserlichen Hof, zu Dortmund, Paderborn, Goslar und anderwärts
(vgl. Pertz, Mon. VI. 682), auch hat er
mehrfach im kaiserl. Auftrag das Schwert ziehen müssen, das erste
Mal gegen einen Grafen Godizo von Bodegraven, der sich Räubereien
gegen das Stift erlaubt hatte und von
A.
zur Unterwerfung gezwungen ward; namentlich aber 1014,
wo er mit der Vollziehung der Reichsacht gegen die Gräfin Adela
(s. d.) und Graf Balderich betraut ward. Ein schlimmerer Krieg
entspann sich mit Graf Dietrich III. von
Holland. Dieser that durch einen neuen Zoll an der Maasmündung,
da, wo jetzt Dortrecht liegt, der stiftischen Schifffahrt und dem
Zoll zu Tiel großen Abbruch. Auf Adelbolds Beschwerde beauftragte
der Kaiser, als er 1015 das Osterfest zu Nymwegen feierte, den
Herzog Gottfried III. von Brabant und
Lothringen mit der Schlichtung der Sache. Dieser aber, mit den
Erzbischöfen von Köln und Trier, den Bischöfen von Cambray,
Lüttich u. a. ins Feld gerückt, ward von Dietrich geschlagen und
selbst verwundet und gefangen nach Dortrecht gebracht. Jetzt rieth
der immer dem Frieden geneigte
A.
selbst zum Ausgleich und nachdem Dietrich den Herzog
ohne Lösegeld freigelassen hatte, erhielt er vom Kaiser das
begehrte Gebiet um Dortrecht. — Für die innere Verwaltung seines
Stiftes hat sich
A.
sehr verdient gemacht und wußte auch vom Kaiser
wiederholt neue Begnadigungen zur Hebung der Macht und Wohlfahrt
Utrechts zu erlangen. Die abgebrannte Martinskirche zu Utrecht ist
von ihm wieder aufgebaut und 1023 feierlich eingeweiht; ebenso die
Walpurgiskirche zu Tiel, welche von den Normannen zerstört war. —
Gegen Ende seines Lebens zog er sich zeitweilig in das von
Ansfried gegründete Kloster auf dem Heiligenberg bei Amersfort
zurück, dem er auch viele Schenkungen machte. Doch nahm er den
Stab noch einmal wieder zur Hand. Nach Kaiser Heinrichs Tode
finden wir ihn auf dem Mainzer Reichstage als Gegner des zum
Könige gewählten salischen Konrads. Wahrscheinlich schon das Jahr
darauf, 1025, nicht erst 1027 ist er gestorben.
Alpertus sagt in seinem Werke De diversitate
temporum 1022, also noch vor Heinrichs II. Tode: das von ihm
über den Kaiser Berichtete habe
A.
in uno volumine beschrieben;
wol daraus schöpfte Sigebert v. Gemblours seine
|Nachricht,
A.
habe eine "Vita Henrici II."
verfaßt, und hieraus entstand in einer Handschrift des 16. oder
17. Jahrhunderts, welche die von Waitz bei Pertz, Mon. VI edirte Vita H.
enthält, die Notiz: Vita Henr. pr. imperatoris
ab Adelb. ep. Traj. ut creditur conscripta. Das Werk, eine
mit allerlei Betrachtungen verbrämte Compilation aus Thietmars Cronicon, wovon freilich nur ein Bruchstück,
der Anfang, auf uns gekommen, ist eines Mannes wie
A.
wenig würdig, wird ihm daher auch von Moll in seiner
neuesten Untersuchung (s. u.) abgesprochen. Mit noch weniger
haltbarem Grund ist ihm von den Bollandisten eine "Vita S. Walburgis" (A. S. Febr. III. 542)
zugesprochen worden. Auch um die Autorschaft einer Schrift "De Musica" (Gerbert, Script. de Mus. I. 304), steht es mißlich.
Allerdings findet sich die Handschrift vor der Schrift "De crassitudine sphaerae", die wirklich
Adelbolds Arbeit ist; aber nur die Beischrift einer jüngeren Hand
nennt auch zur Musica
A.
als Verfasser. — Die Schrift "De
crassitudine sphaerae", von Pez im Thes.
anecd. noviss. III herausgegeben, ist, wie schon erwähnt, an
Papst Sylvester II. gerichtet, also
zwischen 999—1003 verfaßt. Von lateinischen Gedichten, die
A.
zugeschrieben worden, ist uns nichts erhalten; dagegen
hat Moll noch ein Werkchen über ein Metrum des Boethius bekannt
gemacht, in welchem
A.
an der Hand der Schriften Plato's allerlei
philosophische Fragen behandelt.
Literatur ↑
Moll, Kerkeschiedenis II. 1 und 2. —
Ders., Bissch. Adelbolds commentaar op een
metrum van Boethius. im Kerkhistor.
Archief door Kist en Moll III. 161.
Autor ↑
Alberdingk Thijm.
Empfohlene Zitierweise ↑
Alberdingk, Thijm, „Adelbold, Adalbold, Athalbaldus, Albaldus“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
71-72
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd100935354.html?anchor=adb