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Arneth, Arthur
Leben
| Autor
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Leben ↑
Arneth: Arthur
A.
, geb. 19. Sept.
1802 in Heidelberg, †
ebendaselbst 16. Dec. 1858. Er war
seit 1823 Lehrer der Mathematik und Physik; zunächst am Institute
zu Hofwyl (Kanton Bern), dann seit 1828 als Privatdocent an der
Universität Heidelberg, seit 1838 als Professor am Lyceum
derselben Stadt. Seine schriftstellerische Thätigkeit erstreckte
sich über ziemlich verschiedene Gebiete der Mathematik. Mit seiner
"Theorie der allgemeinsten Verbindungen" (1833) und seiner
"Verwandlung der Combinationen mit und ohne Wiederholungen"
(Lycealprogramm für 1843), gehört er der sogenannten
combinatorischen Schule an. Seine Inauguraldissertation "De lineis rectis in spatiis sitis" (1828)
beschäftigt sich mit analytischer, seine "Systeme der Geometrie,
I. u. II.
Abtheilung" (1840) mit elementarer Geometrie überhaupt. Das
letztgenannte Werk gehört unbedingt zu den interessanten
Erscheinungen auf diesem Felde der mathematischen Litteratur. Es
sucht die Geometrie und insbesondere die Geometrie der Ebene als
ein organisches Ganzes hinzustellen, ohne jene Trennungen in
Planimetrie, Trigonometrie, analytische Geometrie anzuerkennen,
welche sonst aus didaktischen Rücksichten beobachtet wurden.
A.
unterscheidet vielmehr eine I.
Abtheilung: Von den Geraden und deren Lagen in der Ebene, welche
die Lehre von den Kreisfunctionen und von den Coordinatensystemen,
soweit sie zur Geometrie der Geraden gehören, umfaßt; eine II. Abtheilung: Von der Verbindung der Geraden
zu ebenen Figuren, welche die Sätze der sonstigen Planimetrie und
Trigonometrie (auch die Sätze über den Kreis mit eingeschlossen)
enthält und von den Beweismitteln der I.
Abtheilung Gebrauch macht; endlich eine
|III. Abtheilung (sie blieb ungedruckt), welche
von der Verbindung der Geraden in einer Ebene im Allgemeinen, ohne
Zweck eine geschlossene Figur zu erzeugen, also etwa von dem
Inhalte der sogenannten neueren Geometrie handeln sollte. Das
Lycealprogramm für 1853: "Zur Theorie der Zahlen und der Auflösung
der unbestimmten Gleichungen" gehört, wie der Titel zeigt, der
höheren Arithmetik an. Endlich als Historiker versuchte sich
A.
in seiner "Geschichte der reinen Mathematik in ihrer
Beziehung zur Geschichte des menschlichen Geistes", welche eine
Abtheilung der "Neuen Encyklopädie für Wissenschaften und Künste"
(Stuttgart 1852) bildet. So geistreich die Einleitung und der
erste Theil dieses Buches das Gesetz der Entwickelung des
Weltlebens im Allgemeinen behandelt, so ausführlich und für die
damaligen Kenntnisse genügend im zweiten Theile die Mathematik der
Griechen und besonders der Inder dargestellt wird, welche letztere
allein 40 Seiten des im Ganzen 291 Seiten starken Buches einnimmt,
so ungenügend ist im dritten Theile die Entwicklungsgeschichte der
Mathematik von dem J. 500 etwa bis in den Anfang des gegenwärtigen
Jahrhunderts zu sammengedrängt. Die Bemerkung, daß für diesen
ganzen dritten Theil, der doch den Hauptinhalt bilden mußte, nur
87 Seiten übrig geblieben sind, genügt um die schlechte Oekonomie
des Verfassers zu kennzeichnen. Das Buch mußte entweder mit dem
zweiten Theile abschließen, oder der dritte Theil mußte mindestens
den vier- bis fünffachen Umfang erhalten. Im ersteren Falle wäre
eine recht gute und kurze Geschichte der ältesten Mathematik
vorhanden gewesen; im zweiten Falle hätte vielleicht das aus dem
Buche werden können, was sein Titel ankündigt. Wie es aber
geworden ist, genügt es nur zum geringsten Theile den
Anforderungen welche der Laie, durch die Ueberschrist verführt, an
dasselbe zu stellen veranlaßt wird.
Autor ↑
Cantor.
Empfohlene Zitierweise ↑
Cantor, Moritz, „Arneth, Arthur“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
554-555
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd115593950.html?anchor=adb