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Arneth, Josef Calasanza
Historiker, Numismatiker und Archäologe,
* 12.8.1791 Leopoldschlag (Oberösterreich),
† 21.10.1863 Karlsbad. (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Johann Nepomuk Arneth (
† 1825), Brauereibesitzer;
M Magdalena Wiesinger (
† 1827);
B Michael Arneth (s. 3);
⚭ Weilingau 19.6.1817 Antonie, Schauspielerin,
T des Valentin Adamberger, Tenor, und der Schauspielerin Anne Jacquet;
S Franz von Arneth, Leibarzt der Großfürstin Helene, Alfred von Arneth (s. 1).
Leben ↑
Arneth studierte in Wien Geschichte, Archäologie und Numismatik, wurde 1811 Praktikant, 1813 Kustos des Wiener Münz- und Antikenkabinetts. Als Erzieher im Hause des Fürsten Dietrichstein bereiste er Deutschland, Italien und die Schweiz, dann auch Dalmatien, London und Paris. 1824-28 hielt er historische Vorlesungen an der Universität Wien und gab 1827 seine „Geschichte des Kaisertums Österreich“ heraus, die durch ihre Einführung in die Quellenkunde bemerkenswert war. Seit 1828 war er ausschließlich an den kaiserlichen Sammlungen tätig und wurde 1840 Direktor des Münz- und Antikenkabinetts. Seine Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Numismatik machten ihn zu einer anerkannten Autorität in seinem Fach. Besonders bemüht war er um die Organisation des Fundwesens und um die Errichtung der Wiener Akademie der Wissenschaften, deren Mitglied er mit der Gründung wurde.
Werke ↑
Synopsis nummorum Graecorum, Wien 1838; Synopsis nummorum Romanorum, ebenda 1842; Das K. K. Münz- und Antikenkab., ebenda 1845; Monumente d.
kaiserl. Münz- u. Antikenkab., ebenda 1849/50.
Literatur ↑
ADB I;
Alm. d.
Ak. d. Wiss. in Wien, 1851, 1858, 1884;
J. Bergmann, Pflege d. Numismatik in
Österr. III. Wien 1858, S. 45;
R. Meister,
Gesch. d.
Ak. d. Wiss. Wien, ebenda 1947;
A. Lhotsky,
Festschr. d.
Kunsthist. Mus. z. Feier d. 50jähr. Bestandes, T. 2, 2. Hälfte, ebenda 1949;
Wurzbach I.
Portraits ↑
Medaille
v. K. Radnitzky, 1851;
Ölgem. (Münzkab. Wien).
Autor ↑
August LoehrEmpfohlene Zitierweise ↑
Loehr, August, „Arneth, Josef Calasanza“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
365
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd100016642.html
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Arnim, Ludwig Joachim von >>
Arneth, Joseph Calasanza
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Arneth: Joseph
Calasanza Ritter von
A.
, Numismatiker und Archäolog, geb. zu Leopoldschlag
(Oberösterreich), † zu Karlsbald 21. Oct.
1863, war anfänglich für die Brauerei, das Gewerbe seines
Vaters, bestimmt und kam erst im 13. Lebensjahre auf Anregung des
Linzer Bischofs J.
A.
Gall in das Stift St. Florian, wo sein älterer Bruder
Michael
A.
Chorherr (sp. Prälat) war, um daselbst unter Leitung
des Philologen (5. E. Klein für die Gymnasialstudien vorbereitet
zu werden; die letzteren machte er in Linz und ging 1810 der
juridischen Studien wegen nach Wien, wo ihn die Absicht das
Wichtigste aus den Lebensbeschreibungen des Plutarch ins Deutsche
zu übertragen, in die Vorlesungen des Directors des kais. Münz-
und Antiken-Cabinets, Abbe Franz Neumann führte. Sie erweckten in
dem eifrigen Hörer eine so große Vorliebe für die archäolog. und
numismat. Studien, daß ihm der Abbe nach kurzer Zeit eine Stelle
im k. Cabinete übertragen konnte. Daneben hielt
A.
Vorlesungen über allgemeine Geschichte an einem
kleinen Collegium, das aus den Söhnen der höchsten adeligen
Familien Wiens bestand. In Folge davon wurde er als Erzieher in
das Haus des Fürsten Dietrichstein gezogen und blieb mit demselben
durch die ganze Zeit seines Lebens in freundschaftlicher
Verbindung. Nachdem er in der österreichisch-deutschen Legion die
Feldzüge von 1813 und 1814 mitgemacht und während des Wiener
Congresses durch Erklärung der kaiserl. Sammlungen mit den
hervorragendsten Zeitgenossen aller Länder in anregenden Verkehr
gekommen war, reiste er in den J. 1816 bis 1819 in Begleitung des
jungen Fürsten Joseph Dietrichstein nach Dresden, Berlin, Florenz
und schließlich nach Genf, wo er längere Zeit verweilend die
Vorlesungen ausgezeichneter Fachmänner, wie Prevost, Rossi, de
Candolle, Joh. v. Müller, Dufaure u.
A.
hörte, Nach seiner Rückkehr versah er die historische
Kanzel der Wiener Universität als supplirender Professor durch
vier Jahre (1824—1828); er gewann durch das eingehende Studium der
Geschichte eine vielseitige Anschauung der Denkmäler
|des Alterthums nach den verschiedenen Beziehungen, in
welchen diese zu dem öffentlichen Leben ihrer Zeit stehen und
wurde durch die Nebenfächer (Heraldik und Diplomatik) auf das
Studium der christlichen Archäologie geführt. Vom J. 1828 widmete
er sich ausschließlich der Administration der kais. Sammlungen,
deren Director er 1840 wurde und bis zu seinem Tode blieb. In
diese Zeit fallen seine bedeutendsten Arbeiten. Sie betreffen
nicht so sehr die rein wissenschaftliche Seite der einschlägigen
Fächer, als die Hebung und Zurichtung des litterarischen Stoffes
den sie bieten. Durch mehrfache Flüchtung während der
Franzosenkriege und bedeutende Erwerbungen nach denselben war die
Ordnung der k. Sammlungen gestört worden, ihre Uebersicht
erschwert; auch haftete dem neu entstandenen Antiken-Cabinet —
einer Schöpfung des Kaisers Franz II. —
der Charakter einer Curiositätenkammer noch sehr merkbar an.
A.
setzte sich das Ziel, die Sammlungen in der Art des
britischen Museum zu einem einheitlichen, den Forderungen der
neuen Zeit entsprechenden Institute umzubilden, um das in ihnen
enthaltene herrliche Material nicht blos für die Wissenschaft
sondern auch für Kunst und Technik nutzbar zu machen. Zugleich
sollte das neue k. Museum in directe Verbindung mit einer von ihm
und anderen hervorragenden Gelehrten (1838) angeregten, neu zu
gründenden Akademie der Wissenschaften gesetzt und überdies eine
Centralanstalt des Reiches für Leitung von Ausgrabungen,
Untersuchungen von Funden und Ertheilung von Auskünften in dieser
Beziehung werden. Allein die Zeitverhältnisse waren seinen Ideen
sehr ungünstig. Der schon 1833 vorgeschlagene Neubau der Museen
kam nicht zu Stande, ebensowenig zwei andere Programme, die er
1833 und 1842 vorlegte. Nach dem ersteren sollten die weniger
populären Sammlungen (Münzen, Gemmen etc.) in der k. Burg
verbleiben, die anderen, welche ein allgemeineres Interesse auch
in technischer und gewerblicher Beziehung erregten, (Nasen,
Terracotten, Bronzen, Sculpturen) sammt den naturgeschichtlichen
Sammlungen in denk Gebäude des unteren Belvederes vereinigt werden
und täglich offen stehen. Im zweiten Programme empfahl
A.
die Vereinigung aller Hofsammlungen in der Nähe der
Burg (am Josephsplatze) in der Art, daß die Hofbibliothek in den
Mittelpunkt käme; der davon erwartete lebhafte wissenschaftliche
Verkehr der Fachmänner sollte von selbst zur Entstehung einer bis
dahin nicht erreichten Akademie der Wissenschaften führen. Da
diese Entwürfe nicht zur Ausführung kamen, führte
A.
eine provisorische Neuaufstellung der Sammlungen
(1842—45) durch, welche die kleineren Alterthümer, nach
stofflichen Gruppen geordnet in der t. Burg beließ, die größeren,
namentlich die bisher sehr ungünstig aufgestellten Sculpturen,
Inschriften und ägyptischen Alterthümer in zusammenhängenden
Räumen des unteren Belverderes vereinigte; die Beschränktheit der
letzteren, welchen es an abgesonderten Ateliers mangelte,
verhinderte jedoch die gewünschte Ausnützung der Sammlungen für
künstlerische und industrielle Zwecke in größerem Maßstabe
gänzlich. In Beziehung auf das Fundwesen setzte
A.
wol eine Aenderung der alten Fundgesetze durch (1846),
welche die Verschleppung der Funde nicht verhindert und zudem die
an der Anstalt wirkenden Kräfte von ihrer nächsten Aufgabe
abgelenkt hatten; dagegen scheiterte die Ausbildung des k.
Cabinets zu einer Centralanstalt für das Fundwesen an dem
Widerstreben der schon bestehenden oder eben damals gegründeten
Provincial-Museen. — Nebenher richtete sich seine Thätigkeit auf
sachgemäße Publicationen der Sammlungen. Außer ihren kleineren
Beschreibungen für das besuchende Publicum — den ersten die über
sie erschienen — schrieb er einen ins einzelne gehenden
lateinischen Katalog der griechischen Münzsammlung (nahe 26000
St.), in welcher
A.
das von Neumann umgestoßene Eckhel'sche System mit
einigen wenigen Abänderungen wieder hergestellt hatte. Da sich
aber von Seite der Buchhändler gegen die
Drucklegung eines so umfangreichen Werkes über einen gerade in
jener Zeit wenig gepflegten Zweig der Archäologie Bedenken
erhoben, veröffentlichte er einen Auszug unter dem Namen "Synopsis" (1838), dem bald ein gleicher über
die Sammlung der römischen Münzen folgte; ihre praktische
Einrichtung erntete den ungetheilten Beifall der Fachgenossen.
Auch die anderen größeren und sehr wichtigen Arbeiten jener Zeit
(röm. Militärdiplome, Niello-Antipendium etc.) bewegten sich
vorzüglich um Mittheilung noch unbenützten und unbekannten Stoffes
sowol für die classische als die christliche Archäologie. Ein
gleiches Ziel verfolgen die Prachtwerke, welche
A.
nach Gründung der k. Akademie d. W. mit deren
Unterstützung über die Cameen des Alterthums, die antiken Goldund
Silberarbeiten, die Cinquecento-Cameen und Goldarbeiten von
Benvenuto Sellini in den J. 1849—1858 herausgab. Durch
unermüdliche Beschäftigung mit den Alterthümern, namentlich mit
Münzen eignete sich
A.
eine Kenntniß derselben, eine Gewandtheit und
Sicherheit. in ihrer Bestimmung und in der Beurtheilung ihrer
Echtheit an, welche ihn zu einer hochgeschätzten Autorität in
diesem Fache machten. — Vom J. 1848 scheinen zwar die
Zeitverhältnisse der Durchführung seiner Entwürfe in ihrem
ursprünglichem Umfange günstiger zu sein.
A.
selbst aber ließ sie nun fallen, nachdem er 1849 den
Neubau eines Museums abermals erfolglos angeregt hatte. Dazu
bestimmte ihn der Umstand, daß mit dem politischen Umschwung, dem
Uebergang der Monarchie von der absoluten zur constitutionellen
Regierungsform, die Sonderung zwischen dem Eigenthum des Monarchen
und dem des Staates schärfer hervortrat.
A.
ließ das klare Eigenthumsrecht des kais. Hauses auf
die Sammlungen nicht anfechten und würde doch bei einer Ausführung
der in älterer Zeit entworfenen Pläne dieses Recht manchem
Präjudiz ausgesetzt haben, was er durchaus vermeiden wollte. Doch
fand er die Genugthuung, daß gerade die neue Zeit ähnliche
Institute, wie er sie vorlängst mit dem neuen Museum in Verbindung
angeregt hatte, als selbständige und darum freilich auch größer
angelegte staatliche Einrichtungen hervorrief (1847 die k.
Akademie d. W., 1852 die Central-Commission für Erforschung und
Erhaltung der Baudenkmale, welche nothwendigerweise alsbald das
Fundwesen des Reiches in ihr Gebiet zog; 1863 das Museum für Kunst
und Industrie), und daß bei dem Programme für die Stadterweiterung
endlich auch der Neubau von Hofmuseen definitiv beschlossen wurde.
Gerade dadurch daß diese Anstalten zumeist unabhängig von Arneth's
Entwürfen zu Stande kamen, durch Anregungen von verschiedenen
anderen Seiten, beweist ihre Entstehung wie richtig seine um so
viel früher concipirten Pläne die Bedürfnisse der Zeit getroffen,
und bestätigt die Fruchtbarkeit seiner Lieblingsidee von der
möglichsten Steigerung der Wechselwirkung zwischen den
Wissenschaften und dem praktischen Leben. — Die letzten
Lebensjahre führten ihn wieder auf Reisen nach Paris, London, Rom
und Neapel, wo er Studien für seine größeren Publicationen machte.
— Der liebenswürdige und hochgebildete Gelehrte war seit 1817 mit
der k. k. Hofschauspielerin Antonie Adamberger (s. d.)
vermählt.
Literatur ↑
Joseph Ritter v. Arneth, eine biogr. Skizze von Dr. Friedrich Kenner, als Manuscript gedruckt,
Wien 1864.
Autor ↑
Kenner.
Empfohlene Zitierweise ↑
Kenner, Friedrich von, „Arneth, Joseph Calasanza“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
555-557
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd100016642.html?anchor=adb
Arneth, Joseph Ritter von
Name: Arneth, Joseph Ritter von
Namensvariante: Arneth, Joseph Calasanza Ritter von
Namensvariante: Arneth, Josef Calasanza Ritter von
Namensvariante: Arneth, Josef Ritter von
Lebensdaten: 1791 bis 1863
Geburtsort: Leopoldschlag (Oberösterreich)
Sterbeort: Karlsbad
Beruf/Lebensstellung: Historiker; Numismatiker; Archäologe
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Loehr, AugustAutor ADB:
Kenner, Friedrich vonPND: 100016642