<< Schroeder, Leopold Alexander von
Schröder, Johann Heinrich Kurt Theodor Freiherr von >>
Schröder (zum Teil preußische Freiherren 1868, 1904 u. 1905, österreichische Ritter 1876, mecklenburgischer Adel 1904)
Schröder (zum Teil preußische Freiherren 1868, 1904 u. 1905, österreichische Ritter 1876, mecklenburgischer Adel 1904)
Kaufleute, Bankiers und Reeder. (lutherisch)
Leben ↑
Anthon (1697–1784), der Sohn eines Tabakfabrikanten in Verden/Aller, zog 1722 nach Quakenbrück; er wurde Stammvater der Kaufmannsdynastie
S. Von seinen fünf Söhnen ging
Johan (1726–87) nach Bremen und gründete dort die Firma „
Joh. Schröder &
Co.“.
Bernhard Hinrich (1728–1811) und
Anthon Engelbert (1734–97) blieben als Weinhändler (B. H. & A. E. Schröder) in Quakenbrück.
Christian Matthias (1742–1821,
⚭ Louise, 1755–1813,
T d. Samuel Dietrich Mutzenbecher, 1697–1759,
Kaufm. in Hamburg) und
Johann Friedrich (1745–95) waren die Begründer des Hamburger Handelshauses „Christian Matthias Schröder &
Co.“ (seit
ca. 1767). Die zahlreichen Nachkommen dieser Brüder gründeten wiederum Firmen, nicht nur in Bremen, Quakenbrück und Hamburg, sondern auch in Triest, London, Liverpool, Amsterdam, Le Havre,
St. Petersburg, Riga und schließlich auch in Übersee (Rio de Janeiro, Lima, New Orleans). Die
S. betrieben Im- und Export, sie tätigten Bankgeschäfte und wurden Schiffseigner; sie beförderten
dt. Auswanderer nach Brasilien, die dort am Matthiasfluß 1851 Schrödersort begründeten, das heutige Joinvile. Das Familiennetzwerk war eng. Heiraten unter den Angehörigen der einzelnen Zweige waren nicht ungewöhnlich. Zentrale des
S.schen Wirtschaftsimperiums wurde zu Beginn des 19.
Jh. Hamburg. 1799, während der großen Wirtschaftskrise, wählte man Christian Matthias in den Senat, 1816 wurde er Bürgermeister. 1821 wurde sein gleichnamiger Sohn
Christian Matthias (1778–1860) zum Senator gewählt. Auch zwei Enkel des Weinhändlers Bernhard Hinrich ließen sich in Hamburg nieder:
Bernhard Hinrich (1816–49) und
Rudolph (1821–87), beide in Quakenbrück geboren, gründeten 1846 in der Hansestadt die Firma „Schröder
Gebr. &
Co.“, die sich unter ihren Nachkommen zu einer der angesehensten Hamburger Privatbanken entwickelte. 1968 schloß sie sich zusammen mit den Firmen „Münchmeyer &
Co.“, Hamburg, und „Friedrich Hengst &
Co.“, Frankfurt, zu „Schröder, Münchmeyer, Hengst &
Co.“; 1983 erfolgte der Konkurs.
Johann Heinrich (John Henry)
Frhr. v. S. (1784-1883,
preuß. Frhr. 1868, s.
ADB 32;
Hamburg. Biogr. II;
⚭ Henriette
v. Schwartz, 1798–1889), der Sohn von Christian Matthias, ging 1802 zu seinem Bruder
Johann Friedrich (1780–1852) nach London und wurde 1804 zunächst dessen Partner in der seit 1800 bestehenden Firma „J. F. Schröder &
Co.“, vorwiegend tätig im Zuckerhandel. 1817 gründete er in London die eigene Firma „J. Henry Schröder &
Co.“; 1819 etablierte er sich auch in Hamburg („J. H. Schröder &
Co.“, seit 1826 „Schröder, Mahs &
Co.“) und 1839 wurde eine dritte Firma in Liverpool gegründet, die sich
v. a. auf das Baumwollgeschäft mit den USA konzentrierte. Johann Heinrich (John Henry) wohnte abwechselnd in London, in Hamburg und auf seinen 1846 erworbenen
meckl. Gütern Groß- und Klein-Schwansee. Das Vermögen, das er bei seinem Tode hinterließ, wurde auf 60
Mio. Mark geschätzt. Er war ein großer Wohltäter und erbaute das 1850 gegründete, heute noch existierende Schröderstift mit Wohnungen für unbemittelte Frauen gebildeter Stände. Der Hamburger Senat zeichnete ihn 1869 mit der Großen Hamburg. Ehrendenkmünze in Gold aus, in Hamburg wurde die Schröderstiftstraße (1858) und der Schröderstiftsweg (1972) nach seiner Stiftung benannt.
Johann
Heinrich (Henry) (1825–1910,
preuß. Frhr. 1868,
engl. Baronet 1892, s.
Hamburg. Biogr. II;
⚭ Eveline Schlüsser, 1828–1900), der Sohn Johann Heinrichs (John Henrys),
engl. Staatsbürger seit 1864, wurde der Nachfolger seines Vaters als Chef der
Fa. „J. Henry Schröder &
Co.“ in London, die er stark vergrößerte. Auch er war ein großer Wohltäter: In London wurden die Christus-Kirche, das
Dt. Seemannsheim, das
Dt. Waisenhaus, das
Dt. Hospital und die Arbeiterkolonie in Libury Hill von ihm gestiftet
bzw. unterstützt. Seine reichhaltige Gemälde- und Skulpturensammlung vermachte er der Hamburger Kunsthalle (
preuß. Roter Adler-Orden I.
Kl., 1903).
Zunächst Partner (seit 1895), dann Nachfolger Heinrichs (Henrys) als Chef der
Fa. „J. Henry Schröder &
Co.“ in London wurde Rudolph
Bruno Frhr. v. S. (1867-1940,
preuß. Frhr. 1904, s.
Hamburg. Biogr. II;
⚭ Emma Deichmann). Er war ein Sohn von Rudolph (
⚭ Clara, 1829-1910,
T d. Johann Heinrich
Frhr. v. Schröder,
s. o.). Der Bruder Brunos,
Rudolph Frhr. v. S. (1852-1938,
preuß. Frhr. 1905) leitete seit 1884 die väterliche
Fa. „Schröder
Gebr. &
Co.“ in Hamburg. Die Firmen tätigten gemeinsam umfangreiche Salpeter- und Finanzgeschäfte. In London war Bruno 1905 Mitbegründer des Anglo-German Union Club; er stiftete 1909 einen Lehrstuhl für
dt. Philologie in Cambridge. Nach dem Krieg wurde die Verbindung zu Hamburg wieder aufgenommen. 1923 gründete Bruno die „J. Henry Schröder Banking Corporation“ in New York. 1926 wurde sein Sohn
Helmut|(1901-69) Teilhaber des Unternehmens, das seit 1957 als
AG unter dem Namen „Schröders“ zu den führenden Investmentbanken und Vermögensverwaltern gehört; Helmut war bis 1965 Vorstandsvorsitzender. 1923 gründete Bruno die „Rudolph und Clara-Stiftung“ zur Unterstützung hilfsbedürftiger Familienmitglieder, 1925 folgte die „Freiherr Bruno von Schröder-Stiftung“ für einen größeren Kreis von Bedürftigen; beide Stiftungen bestehen bis heute. 1929 erhielt Bruno die Große Hamburg. Ehrendenkmünze in Gold, die
Univ. Hamburg verlieh ihm 1937 den
Dr. med. h. c. Neben Kaufleuten, Bankiers und Reedern brachte die weitverzweigte Familie
S. auch Gutsbesitzer, Landwirte, Ingenieure, Gelehrte, Verleger und Juristen hervor. Zu den Urenkeln von Bürgermeister Christian Matthias zählt der Rechtsanwalt Carl
August (1855–1945, s. Meyers Gr. Konversations-
Lex. 61913, J.-
Suppl. 1911-1912;
W), der 1910-18 Bürgermeister von Hamburg war. Urenkel von Johann Heinrich (John Henry) waren Marion
Janet Isabel (1886–1976), Gründerin des Verlags „Marion
v. Schröder“, und
Kurt (1889–1966), Teilhaber des Kölner Bankhauses „J. H. Stein“ (
s. u.).
Schröder, Johann Heinrich Kurt Theodor Freiherr von