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Schroeder, Leopold Alexander von

Indologe, Vergleichender Religionswissenschaftler, * 14./24.12.1851 Dorpat (Tartu, Estland), 8.2.1920 Wien. (evangelisch)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Julius (1808–88), Päd., Gouvernementsschuldir. (s. ADB 32; Dt.balt. Biogr. Lex.), S d. Johann Karl (1771–1840), Pastor in Lemsal (Livland), seit 1817 Propst, u. d. Amalie Katharina Weitzenbreyer ( 1812); M Marie (1817–95), T d. Johann Dietrich|v. Schrenck ( 1834), Gutsverw. in Triznovo (Gouv. Tula), dann Gutsbes., u. d. Leopoldine Freiin Clodt v. Jürgensburg; Om Alexander v. Schrenck (1816–76), Dr. phil., Mineraloge, Mitbegr. d. Dorpater Naturforscher-Ges., HR (s. ADB 32; Dt.balt. Biogr. Lex.), Leopold v. Schrenck (1826–94), Dr. phil., Zoologe, 1879 Dir. d. Anthropolog.-ethnograph. Mus. d. Ak. d. Wiss. in St. Petersburg, GHR (s. Pogg. III; Dt.balt. Biogr. Lex.); B Julius (1843–95), Dr. phil., Prof. d. Chemie an d. Forstak. Tharandt (s. Pogg. VII; Dt.balt. Biogr. Lex.), Woldemar (1850–98, , ⚭ Elisabeth, T d. Emil Mannkopff, 1836–1918, Gen.arzt, Prof. d. Med. in Marburg, s. Lb. Kurhessen), Dr. sc. nat., Photograph in D. u. Riga, 1890 o. Prof. d. Pharmakol. in Heidelberg (s. Fischer: Dt.balt. Biogr. Lex.; Drüll I), Theodor (1853–1903), Dr. med., Ophthalmologe, Dir. d. Augenheilanstalt in St. Petersburg, Wirkl. Staatsrat (s. Fischer; Dt.balt. Biogr. Lex.); – Riga 1891 Lilly (1844–1901, 1] , ⚭ 1] Karl v. Vietinghoff, 1880/81, Gutsbes.), Dichterin (s. Brümmer; Giebisch-Gugitz), T d. Eugen v. Foelkersahm, russ. Rittmeister, Vizepräs. d. balt. Domänenhofs, u. d. Marie v. Vietinghoff; 2 Stief-S, 3 Stief-T; Gvv d. Ehefrau George v. Foelkersahm (1766–1848), 1795-1805 kurländ. Rr.schaftssekr., 1829-47 Gen.gouverneur in Riga, Geh. Rat (s. Dt.balt. Biogr. Lex.); N Paul (1877–1908), Dr. phil., Chemiker in Reval u. Valdivia, Chile (s. Pogg. III, IV; Dt.balt. Biogr. Lex.).

Leben  
Nach dem Abitur 1869 studierte S. an der Univ. Dorpat seit 1870 vergleichende Grammatik, 1875/76 (mit Livonia Stipendium) Sanskrit in Leipzig bei Hermann Brockhaus (1806–77), in Jena hei Berthold Delbrück (1842–1922) und in Tübingen bei Rudolph v. Roth (1821–95). Mit einer Arbeit über die Akzentgesetze der Nominalkomposita bei Homer und im Veda wurde er 1877 in Dorpat promoviert und zum Privatdozenten für Indologie ernannt. Er lehrte dort bis 1894 und betrieb zwischendurch Studien in Berlin und Jena 1878 (mit Bopp Stipendium), in Jena 1880/81 sowie in Berlin und Wien 1890/91. Wegen der Russifikation der Univ. Dorpat folgte S. 1894 einem Ruf nach Innsbruck als Prof. für altindische Geschichte. 1899-1920 lehrte er als Nachfolger des Indologen Georg Bühler (1837–98) in Wien (1912/13 Dekan d. Phil. Fak.).
Bleibendes Verdienst erwarb sich S. durch die von Roth angeregte Edition von zwei Rezensionen des Yajurveda: die Maitrāvaṇī Saṃhitā (4 Bde., 1881–86, Neudr. 1970–72) und das Kāṭhakam (3 Bücher, 1900–10, Neudr. 1970–72). Sein besonderes Interesse galt den Naturkulten, Mysterien und Tanzfesten der Indogermanen. S. gehörte zu einer Schule, die unter den Ariern nicht nur Inder und Iraner, sondern alle Indogermanen verstand und deren Urheimat im german.-balt. Raum ansiedelte. In „Mysterium und Mimus im Rigveda“ (1908, Nachdr. 1974) behauptete S., schon in altarischer Zeit seien Mythen als Tanzdramen inszeniert worden, was H. Oldenberg ablehnte. „Uraltarisches Sagengut", wie die später christlich gefärbte Gralssage oder Lohengrin, habe durch Richard Wagners Synthese von Tanz, Musik und Dichtung seine künstlerische Vollendung gefunden. Damit sei Bayreuth die neue Kultstätte für alle arischen Stämme. Seine Schrift „Die Vollendung d. arischen Mysteriums in Bayreuth“ (1911) beeindruckte Kreise, die nach urdt. Kultformen suchten. Dagegen fand seine „Arische Religion“ (2 Bde., 1914–16) keine Akzeptanz. Die Fachkollegen vermißten Sachkompetenz, und den Wegbereitern der arischen NS-Ideologie mißfiel, daß S. „Erbfehler des arischen Stamms“ (1, S. 207) kritisierte und das Judentum hoch einschätzte, weil nur Arier und Semiten „Schöpfer großer Weltreligionen gewesen“ seien (ebd., S. 9).
S. bearbeitete zwei Dramen Kālidāsas: „Prinzessin Zofe" und „Sakuntala“, 1902 für die Bühne (nicht aufgeführt). Sein 1876 verfaßtes buddhistisches Drama „König Sundara“ wurde 1890 in Riga aufgeführt, außerdem veröffentlichte S. „Baltische Heimat-, Trutz- und Trostlieder“, 1906, zu denen eigene Gedichte gehören. Auch seine Lebenserinnerungen 1921 enthalten eigene Lyrik sowie den Bericht seiner Kaukasusreise 1905.

Auszeichnungen  
Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (korr. 1899, wirkl. 1900); Dr. theol. h. c. (1918); Staatsrat.

Werke  
Weitere W Pythagoras u. die Inder, 1884; Die Esten als Bewahrer altindogerman. Hochzeitsbräuche, 1886; Indiens Lit. u. Cultur in hist. Entwicklung, 1887, Nachdr. 1922; Die Hochzeitsbräuche he d. Esten u. einiger anderer finn.-ugr. Völkerschaften in Vergleichung mit denen d. indogerman. Völker, 1888, Nachdr. 1975; Dara oder Schah Dschehan u. seine Söhne, 1891 (Trauerspiel); Dhammapadam, 1892 (dt. Übers.); Indogerman. Wergekl, Festgruß an R. v. Roth, 1893; German. Elben u. Götter beim Estenvolk, in: SB d. Österr. Ak. d. Wiss. in Wien, phil.-hist. Kl., Bd. 153, 1906; Die Wurzeln d. Sage v. hl. Gral, ebd. 166, 1910; Bhagavadgītā, 1912 (dt. Übers.); Reden u. Aufss., vornehml. über Indiens Lit. u. Kultur, 1913; Houston Stewart Chamberlain, Ein Abriß seines Lebens, 1918; Lebenserinnerungen, hg. v. Felix v. Schröder, 1921 (W-Verz., P).

Literatur  
Radermacher, in: Alm. d. Ak. d. Wiss. in Wien, 1920, S. 228-39 (P); E. v. Schrenck, in: Balt. Bll., 1924, S. 50-59; E. Frauwallner, Gesch. u. Aufgaben d. Wiener Indol., in: Anz. d. phil.-hist. Kl. d. Österr. Ak. d. Wiss., 1961, S. 84-89; L. Poliakov, Der arische Mythos, 1993, S. 350, M. Schetelich, in: „Arier“ u. „Draviden“, hg. v. M. Bergunder u. R. P. Das, 2002, S. 45-50; Wi. 1913; DBJ II, Tl.; Dt.balt. Biogr. Lex.; Kosch, Lit.-Lex.3; V. Stache-Rosen, German Indologists, bearb. v. A. Stäche-Weiske, 1990 (P); ÖBL.

Autor  
Friedrich Wilhelm
Empfohlene Zitierweise  

Wilhelm, Friedrich, „Schroeder, Leopold Alexander von“, in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 551-552 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd117072796.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 23 (2007), S.  551-552
Erwähnungen: 
NDB 23 (2007), S. 220 in Artikel Schmidt, Wilhelm
NDB 23 (2007), S.  551 Familienartikel

PND: 117072796
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Index

Schroeder, Leopold von

Name: Schroeder, Leopold von
Namensvariante: Schroeder, Leopold Alexander von
Lebensdaten: 1851 bis 1920
Geburtsort: Dorpat (Tartu, Estland)
Sterbeort: Wien
Beruf/Lebensstellung: Indologe; vergleichender Religionswissenschaftler; Lyriker; Dramatiker; russischer Staatsrat; k. u. k. Hofrat
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Wilhelm, Friedrich
PND: 117072796

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Schroeder, Leopold von

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117072796

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