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NDB-Artikel

<< Schram, August     Schramm, Karl Rudolf >>

Schram, Adolf

* 23.9.1848 Falkenau, 26.4.1927 Prag.


GenealogieLebenAuszeichnungenLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
B August (s. 1); – 1881 Emanuela (1863–1926), T d. Wenzel Ferdinandi, aus ital. Fam., d. in Böhmen ansässig wurde, u. d. Aloisia N. N.; 2 S Adolf (* 1893), Dipl.-Ing. in Ludwigshafen/Rhein, Albin (* 1896), in Wien, 3 T Elsa (1883–1942, Otto Peterka, 1876–1945, Prof. f. dt. Rechtsgesch. an d. Dt. Univ. Prag, 1926/27 Rektor, s. ÖBL; Biogr. Lex. Böhmen), Louise (1886–1945, Karl Schreitter Rr. v. Schwarzenfeld, 1880–1968, Dr. iur., RA in Kaaden, dann in Dieburg, Hessen, Vors. d. AR d. Kreditanstalt d. Deutschen, Vors. d. Zentralkasse sudetendt. Genossenschaften, s. Egerländer Biogr. Lex.), Annie (* 1902, Franz Xaver Brosche, in Nürnberg); E Adolf, in Mamaroneck (New York, USA), Albin H. (* 1926), Dr. iur., in Lausanne, Armin (* 1929), Dipl.-Ing., Dr., Dir. d. Dt. Erdöl AG in Hamburg, Maria (* 1940), in Zürich, Manuela Bald, in New York, Xaver Brosche, in Nürnberg, Gertrude Schreitter v. Schwarzenfeld (Ps. Gertrude v. Schwarzenfeld) (* 1906, 1933-64 José Cochrane de Alencar, 1898–1971, brasil. Botschafter in Lissabon), Schriftst. (s. Kürschner, Lit.-Kal. 1998), Adolf Schreitter Rr. v. Schwarzenfeld (* 1907), Dr. iur.,|RA, Notar in Dieburg, Karl Schreitter Rr. v. Schwarzenfeld (* 1913), auf Kosterschan, Ing. Agr.

Leben  
August praktizierte nach dem Besuch der Realschule in Elbogen (Loket) in einem Leipziger Großhandelshaus und war danach in Prag in mehreren Betrieben, die sich mit chemischer Produktion beschäftigten, tätig. Er machte sich 1868 mit einem Kommissionswarengeschäft selbständig, im darauffolgenden Jahr übernahm er mit seiner Firma „A. Schram“ die böhm. Generalvertretung für die „Dynamit Nobel AG“ in Hamburg. In der Folge brachte er das Dynamit nicht nur nach Österreich, sondern initiierte auch den Bau der ersten Dynamitfabrik der Monarchie in Zámky bei Prag, die 1870 in Betrieb ging. Alfred Nobel, mit dem August persönlich bekannt war, sowie Konsul C. F. Carstens unterstützten dieses Unternehmen, dessen Finanzierung nur mit der Unterstützung von Augusts Vater, seinem Bruder Franz und seinem Schwager Hermann Thomae zustande kam. 1873-90 hatte S. die Prokura der Firma. 1871 errichtete er eine Düngemittelfabrik in Lissek bei Rostok (Roztoky), wo erstmals die Abfallprodukte der Nitroglycerinherstellung, Schwefel- und Salpetersäure, weiterverwertet und in der Folge zur Erzeugung u. a. von Eisenvitriol und Superphosphat verwendet wurden. Dieses Verfahren erfuhr in der Sprengmittelfabrikation allgemeine Anwendung; die Verarbeitung der Abfallsalpetersäure ähnelte dem Birkeland-Eyde-Verfahren für Stickstoffdüngemittel. Gleichzeitig nahm er die Herstellung von Eisenvitriol auf und erweiterte in den 1884 Jahren das Unternehmen um eine Schwefelsäure- und Kunstdüngerfabrik in Unterthemenau (Poštorná).
Adolf studierte nach dem Besuch der Realschule Elbogen in den 1860er Jahren Chemie an den technischen Hochschulen in Wien und Prag. Bis 1875 in der chemischen Fabrik „Adolf Jordan“ in Kralup (Kralupy nad Vltavou) tätig, trat er danach in die Firma seines Bruders als technischer Berater und leitender Chemiker ein. Nach dem Tod seines Bruders übernahm er den Betrieb und baute ihn weiter aus. 1903 erbaute er eine weitere Schwefelsäure- und Superphosphatfabrik in Prosmik (Prosmiky) nahe Lobositz a. d. Elbe (Lovosice), wodurch eines der ersten Großunternehmen der Chemieindustrie in Böhmen entstand. Maßgeblich war das Unternehmen an der Gründung eines österr. Superphosphatkartells 1897 beteiligt, das 1907 auch auf Ungarn ausgedehnt wurde.
Adolf legte besonderen Wert auf die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft, um deren Ertragssteigerungen er bemüht war. Die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft war eines seiner Hauptanliegen, wodurch er in zahlreichen Verbandsfunktionen, vorwiegend in Böhmen tätig war. Seit 1878 war er Mitglied, später auch Präsident der Österr. Gesellschaft zur Förderung der chemischen Industrie. Nach seinem Tod hatte das Unternehmen unter der Leitung seiner beiden Söhne bis in die 1930er Jahre Bestand. Die Fabrik in Lobositz, die nach 1945 verstaatlicht wurde, existiert heute unter dem Namen „Lovochemie“.

Auszeichnungen  
zu August:Ehrenbürger d. Stadt Falkenau (1891); – zu Adolf: Ehrenbürger d. Stadt Falkenau (1899); Franz Joseph-Orden (1909).

Literatur  
Die Großind. Österr. I/5, 1898, S. 415 f.; F. Hantschel, Biogrr. dt. Industrieller aus Böhmen, 1920, S. 72; A. Scheiner, Die Fa. A. Schram, Prag, zu ihrem 50jähr. Gründungs-Jub., 1918, S. 3-22 (P); 100 let výroby minerálních hnojiv v Lovosicích, Lovochemie 1904-2004, 2004, S. 10 f. (P); Wurzbach; Egerländer Biogr. Lexikon: ÖBL.

Autor  
Andrea Pühringer
Empfohlene Zitierweise  

Pühringer, Andrea, „Schram, Adolf“, in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 513-514 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/sfz116085.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 23 (2007), S.  513-514
Erwähnungen: 
NDB 23 (2007), S. 513*

PND:
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Index

Schram, Adolf

Name: Schram, Adolf
Lebensdaten: 1848 bis 1927
Geburtsort: Falkenau
Sterbeort: Prag
Beruf/Lebensstellung: Industrieller
Konfession: katholisch
Autor NDB: Pühringer, Andrea