<< Dörffel, Georg Samuel
Döring, David von >>
Dörfler, Peter
katholischer Priester, Dichter, christlicher Archäolog, Pädagoge,
* 29.4.1878 Untergermaringen bei Kaufbeuren,
† 10.11.1956 München.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus alter Allgäuer Bauernfamilie, Ahnherr Paul Derfler wanderte nach dem 30-jährigen Krieg aus Südtirol ein;
V Matthias (1842–1922), Bauer
u. Bgm. in Waalhaupten,
S des Bauern
u. Vorstehers Johannes in Waalhaupten (der Vorsteher im „Ungerechten Heller“ I),
u. der
Kath. Ruft aus Aufkirch;
M Maria (1837–1909),
T des Wagnermeisters Kasimir Heckel in Beckstetten
u. der Maria-Viktoria Weiher aus Pforzen.
Leben ↑
Der phantasiereiche Landbub mit dem Hang zur schönen Literatur überragte im Deutschen bereits seine Mitschüler am Augsburger Gymnasium Sankt Stephan. Die „Deutschen Gaue“ und der Umgang mit ihrem Herausgeber Chrstn. Frank (Kaufbeuren) nährten ihm den Sinn für die Heimat, für die geschichtliche Sprache der Landschaft und des Volkstums. Auf elterlichen Wunsch wurde Dörfler 1903 katholischer Priester, herangebildet in München, und rang sich bald zu tiefer Berufsauffassung durch. Nach seinen Kaplansjahren (Steingaden 1903/04, Lindenberg [Allgäu] 1905/06), in denen schon die poetische Leidenschaft erwacht war, studierte er 1906/07 als Stipendiat des Campo Santo Teutonico in Rom christliche Archäologie. Auf Wanderungen durch Italien gewann er endgültig sein „Weltbild der Perspektive in die Vergangenheit hinein“. Aus familiären Rücksichten verzichtete er auf das Angebot weiterer Freijahre als Vicerektor am C.S.T., erwarb sich das theologische Doktorat (München 1909), wirkte abermals seelsorgerlich (Mindelheim 1910, Landsberg/Lech 1911-15), dann fast 35 Jahre (1915–49) als Direktor des Münchener Marien-Ludwig-Ferdinand-Kinderheims. Hier entfaltete Dörfler, der bereits seit 1911 zu den Hauptmitarbeitern des „Hochland“ zählte, trotz schwerster gesundheitlicher Störungen (Pemphigus), vor allem als Epiker seine große literarische Tätigkeit, die im ganzen deutschen Sprachgebiet einen breiten und tiefen Erfolg erzielt hat (Gesamtauflage über 1 Million). Aus seiner unablässig drängenden Gestaltungskraft sind mit zunehmender Reife, Erfahrung und auf
|großen Reisen (Ägypten, Vorderasien) erworbener eigener Anschauung weiträumige Kompositionen aus der Geschichte Schwabens und des altchristlichen Ostens hervorgegangen.
Das Werk des Erziehers und des Dichters erwuchs in wechselseitiger Befruchtung aus dem einheitlichen Grunde eines ursprünglichen Schöpfertums. Er erfüllte seine karitativ-pädagogische Anstalt mit dem Geiste familiären Zusammenhalts in Zucht und Freudigkeit. Seine im tiefsten Sinne priesterliche, der Heilung der Dinge zustrebende Natur, dazu eine humanistisch-kirchlich geformte Christlichkeit bestimmten auch das geistige, den Räumen und Zeiten offene Lebenswerk mit seinem Reichtum an Bildlichkeit, Wärme des wüchsigen Lebens und auf das Ewige trauender Weisheit. Der Erzähler, der oft wie am häuslichen Herde plaudert, ist auch der Gestalter mehrbändiger Dichtungen, die von eindringendem historischen Wissen gesättigt und in markiger, blühender Sprache Wahrheit, Kunst und Leben aus einem Gusse sind.
Werke ↑
u. a. Als Mutter noch lebte, 1912; Die Anfänge d. Heiligenverehrung (
Diss. München 1909), 1913; La Perniziosa, 1914; Der ungerechte Heller, 1922; Am Eichentisch, 1927,
erw. Neuausg. u. d. T. Des Vaters Hände, 1931,
Neubearb. 1956; Die Schmach des Kreuzes, 2
Bde., 1927/28,
Neubearb. u. d. T. Heraklius, 1950; Apollonia-Trilogie, I. Die Lampe d. törichten Jungfrau, 1930, II. Apollonias Sommer, 1931, III. Um d. kommende Geschlecht, 1932; Von Sitte
u. Sprache, 1933; Dichtung
u. Gesch., 1935; Die Allgäu Trilogie, I. Der Notwender, 1934, II. Der Zwingherr, 1935, III. Der Alpkönig, 1936; Albertus Magnus, 1941; Der Urmeier, 1940; Niklaus
v. Flüe, 1953; Hubertus, Legende 1956;
zahlr. Aufs, im „Hochland“ 1915-56,
u. a. Das dritte Reich (12.
Jg. 1915); Jesu Kindheit i. d. Legende (14.
Jg., Dez. 1916);
Joh. Schrott zu
s. 100. Geburtstag (22.
Jg., 1924/25, 3. II.); Der Glaube Konstantins
d. Gr. (38.
Jg. 1940/41, 1. H.).
Literatur ↑
Alman., P.
D. z. 50.
Geb. tag, 1928;
J. Mumbauer, P.
D. u. d. Erneuerung d.
hist. Romans, in:
Lit. Handweiser 64, 1928;
M. Dietrich, P.
D., ein Schwäb. Epiker, in: Die neue
Lit., 1934, H. 7 (
Bibliogr. v. E. Metelmann);
J. Michels, P.
D., e. Dt. Dichter, 1936
(mit ausgewählten Pressestimmen);
J. Nadler,
Lit. Gesch. d.
dt. Stämme IV,
41941, S. 426 f.
(P);
F. Braig, P.
D., Antike
u. Christentum in
dt. Landschaft, in: Stimmen d. Zeit 134, 1938;
ders., P.
D.,
ebd. 160, 1957
(W);
J. Bernhart, Amico defuneto, Brief an P.
D., in: Hochland, 48.
Jg., 1956;
ders., in: Lb. Bayer. Schwaben VI
(in Vorbereitung);
Kosch, Lit.-Lex.;
O. Heuschele, Gedenkwort f. P.
D., in:
Jb. d. Dt.
Ak. f. Sprache
u. Dichtung in Darmstadt. 1955, S. 131-441
(W). – Qu.: Nachlaß im Marien-Ludwig-Ferdinand-Kinderheim München.
Portraits ↑
Tiefrelief
v. K. Baur (Marien-Ludwig-Ferdinand-Kinderheim); Totenmaske
v. dems. (
ebd.); Epitaph
v. dems. (Alter Neuhauser Friedhof München).
Autor ↑
Joseph BernhartEmpfohlene Zitierweise ↑
Bernhart, Joseph, „Dörfler, Peter“,
in: Neue Deutsche Biographie
4
(1959), S.
31-32
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118680080.html