<< Schönberg
Schönberg, Abraham >>
Schönberg, Caspar (auch Gaspard de Schomberg)
sächsisch-französischer Diplomat, Heerführer und Politiker, Graf von Nanteuil,
* 1540 Oberschöna (Sachsen),
† 17.3.1599 Paris,
⚰ Nanteuil-le-Haudouin. (lutherisch, seit etwa 1572 katholisch)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Wolfgang (
† 1568),
Hptm. zu Rochlitz,
S d. Hans
v. Schönau (beide s.
Einl.);
M Anna
v. Minckwitz;
⚭ Jeanne de Chasteigner; 2
S u. a. Heinrich (Henri) (1575–1632), Comte de Nanteuil, Marquis d'Epinay, Surintendant des Finances, 1625 Marschall
v. Frankr. (s.
Einl.), 3
T ;
E Karl (Charles) (1601–56), Comte de Nanteuil, Marquis d'Epinay, Duc de Halluin, Marschall u. Pair
v. Frankr.
Leben ↑
Nach Studienjahren am Gymnasium Johann Sturms in Straßburg und an der
Univ. Angers kämpfte
S. seit 1562 in den
franz. Bürgerkrie
|gen mit. Nach kurzem Einsatz in hugenott. Reihen wechselte er als Hauptmann
dt. Reiterverbände in
kgl. Dienste. Nach der Schlacht von Moncontour (1569) zum Generalobersten befördert, wurde er von Karl IX. im
Sept. 1572 mit der Aufgabe betraut, gegenüber den Reichsfürsten die Vorgänge der „Bartholomäusnacht“ zu rechtfertigen.
S. zählte auch zu den diplomatischen Wegbereitern der 1573 erfolgten Wahl Heinrichs von Valois zum König von Polen. Bereits 1580 erscheint
S. in
kgl. Instruktionen als Mitglied des Staatsrats (Conseil d'État et privé). Als entschiedener Monarchist setzte er sich für die Versöhnung zwischen Heinrich III. und seinem Cousin Heinrich von Navarra ein. Von Heinrich IV. übernommen und 1591 in den Rang eines Feldmarschalls erhoben sowie mit dem Gouvernement der Marche betraut, führte
S. dem ersten Bourbonen überlebenswichtige Truppen und Hilfsgelder für seinen Krieg gegen Spanien und die
kath. Liga zu. Offenbar zählte er auch zum Kreis der einflußreichen Berater, die Heinrich IV. 1593 zu seiner Konversion zum Katholizismus bewogen. Nach der Einnahme von Paris 1594 wurde
S. zu einem der acht Verantwortlichen für die Verwaltung der Staatsfinanzen bestimmt. Mit Unterstützung des ihm eng befreundeten Jacques-Auguste de Thou (1553–1617) handelte er 1597 mit den Reformierten Vorbedingungen für das Edikt von Nantes aus.
S. war aufgrund seiner diplomatischen Erfahrung und seiner Kenntnisse der politischen und territorialen Verhältnisse des Reiches wichtig für die Kommunikation des
franz. Königs mit den
dt. Reichsfürsten. Auch wenn sein Versuch scheiterte, das reichs- und kaisertreue Kursachsen in ein Bündnis mit dem
franz. Königtum gegen Spanien zu führen, so ebnete er doch Wege zu einer dauerhaften Verständigung zwischen den
franz. Königen und der habsburgkritischen Reichspartei. Als das
franz. Königtum während der Religionskriege sein diplomatisches Monopol vorübergehend einbüßte – die Bürgerkriegsparteien verfügten über eigene Informations- und Unterstützungsnetzwerke – war
S. für Karl IX. und Heinrich III. auch deshalb unersetzlich, weil er seine bewährten Kommunikationskanäle im Reich zu nutzen verstand. Man übertrug ihm die Zuständigkeiten für
dt. Truppen im
kgl. Sold und stattete ihn mit weitreichenden Vollmachten aus.
Während seiner 36jährigen Karriere als landfremder Aristokrat im Dienste dreier
franz. Könige wurde
S. durch bedingungslose Loyalität und besondere Vertrauenswürdigkeit zu einem schwer zu entbehrenden politischen Verantwortungsträger.
S. verkörperte beispielhaft eine Form
dt.-
franz. Kooperation im diplomatisch-militärischen Bereich und begründete einen über zwei weitere Generationen bestehenden, politisch erfolgreichen
franz. Zweig des
sächs. Adelsgeschlechts.
Literatur ↑
F. W. Barthold, in:
Hist. Tb.,
hg. v. F.
v. Raumer,
NF 10, 1849, S. 165-362;
A. Fraustadt,
Gesch. d.
Geschl. v. S., I,
21878, S. 419-88
(P);
J. Boucher, in: Histoire et dictionnaire des Guerres de religion,
hg. v. A. Jouanna
u. a., 1998;
F. Beiderbeck, Zw. Rel.krieg, Reichskrise u.
europ. Hegemoniekampf, Heinrich IV.
v. Frankr. u. d.
prot. Reichsstände, 2005;
M. Sahrer
v. Sahr
v. Schönberg
u. a., Die
Gesch. d.
Fam. v. S.,
Ausst. d.
v. Schönbergschen Stiftung, 2004,
bes. S. 22.
Portraits ↑
Skulptur auf Grabmal in Nanteuil,
Abb. in: Fraustadt (s.
L).
Autor ↑
Friedrich BeiderbeckEmpfohlene Zitierweise ↑
Beiderbeck, Friedrich, „Schönberg, Caspar“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
387-388
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/sfz115199.html