<< Schmitz, Christoph Maria Josef
Schmitz, Maria Johanna >>
Schmitz, Hermann
Industrieller,
* 1.1.1881 Essen,
† 8.10.1960 Heidelberg,
⚰ Darmstadt, Waldfriedhof.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Diederich (
* 1844), Fabrikarb. in Capellen
b. Moers;
M Louisa Friderica Wöhrmann (1851–1937), aus Hattingen/Ruhr;
B Dietrich,
Präs. d. American
IG, später d. General Aniline & Film Corporation (GAF);
Schw Elfriede (
⚭ Albert Gadow, 1935 Geschäftsführer d.
schweizer. Holding f. d.
amerik. IG-Gesellschaften,
IG Chemie in Basel),
Halb-Schw Mathilde (
⚭ Emil Ilgner, Major, Leiter d. Sekretariats
v. S. in Ludwigshafen); –
⚭ Ludwigshafen 1927 Margarete (1890–1980),
T d. Ernst
v. Mallinckrodt, aus Wesel,
Dr. med., Sanitätsrat; 1
S Harald (
* 1928),
Bankkaufm., 1
T Waltraut (
* 1934,
⚭ Hanfried Helmchen,
* 1933,
Dr. med.,
Prof. d. Psychiatrie an d.
FU Berlin,
Dir. d. Psychiatr. Klinik, 1979-80
Präs. d.
Dt. Ges. f. Psychiatrie u. Nervenheilkunde, 1995
o. Mitgl. d. Berlin-Brandenburg.
Ak. d. Wiss., s.
Kürschner, Gel.-Kal. 2005).
Leben ↑
S. absolvierte nach dem Abschluß der Humboldt-Oberrealschule in Essen 1898 eine kaufmännische Lehre bei der „Arenberg
AG“, besuchte 1905 die Handelshochschule in Frankfurt/M. und arbeitete seit 1906 bei der „Berg- und Metallbank
AG“ in Frankfurt. Der Industrielle Richard Merton (1881–1960) machte ihn hier zu einem seiner engsten Mitarbeiter (1916
Vorstandsmitgl.). Als Leutnant an der Front dreimal verwundet, wurde
S. 1915 in die Kriegsrohstoffabteilung des
Preuß. Kriegsministeriums berufen. Dort lernte er Wichard
v. Moellendorff (1881–1937) kennen und arbeitete an dessen sozialkonservativem Konzept einer gemeinwirtschaftlichen Ordnung mit. das zur besseren Legitimierung der Kriegswirtschaft die Vergesellschaftung von Schlüsselbereichen der Wirtschaft und die Errichtung eines Systems von Wirtschaftsräten vorsah. Die Freundschaft mit Moellendorff prägte seinen politischen Standort eher „links“ in der Nähe der
DDP und seine kritische Haltung zum Wirtschaftsliberalismus.
Als Sachverständiger der Reichsregierung bei den Versailler Friedensverhandlungen beeindruckte er Carl Bosch (1874–1940), der ihn Mitte 1919 als Finanz- und Auslandschef
|in den Vorstand der BASF holte. Diese Position nahm
S. 1925 auch bei der neugegründeten „
IG-Farbenindustrie
AG“ ein und rückte damit zu einem der mächtigsten Männer der
dt. und internationalen Finanzwelt auf. Seine Aufgabe, für die aufwendigen Forschungs- und Entwicklungsprojekte der
IG die nötigen Mittel zu beschaffen, bewältigte er mit innovativen Transaktionen im In- und Ausland sehr erfolgreich. So gelang es ihm 1929, das Beteiligungsvermögen der
IG Farben in den USA zu mobilisieren, ohne die Kontrolle darüber zu verlieren. 1930 gründete er die Europ. Stickstoffkonvention (1932–39
Präs.). Als Berater mehrerer Regierungen der Weimarer Republik erwarb er sich hohes Ansehen und war auch selbst als Finanz- und Wirtschaftsminister des II. Kabinetts Brüning im Gespräch.
Im April 1935 trat er die Nachfolge Carl Boschs als Vorstandsvorsitzender der
IG Farben an, die auf dem Gebiet der Treibstoffsynthese eine enge Symbiose mit dem
NS-Regime eingegangen war. Die führende Rolle im Vierjahresplan brachte dem Chemietrust nicht nur Vorteile, sondern schränkte auch seine unternehmerische Handlungsfreiheit ein. Obwohl 1933-45 Reichstagsabgeordneter, trat
S., der Distanz zum Regime hielt, nicht der NSDAP bei. Im Nürnberger Industriellenprozeß wurde
S. wegen „Plünderung" zu vier Jahren Haft verurteilt, in allen anderen Anklagepunkten (Verschwörung, Kriegsvorbereitung, Massenmord, Sklavenarbeit) aber freigesprochen. Nach seiner Entlassung 1950 trat er noch als Aufsichtsrat der „Deutschen Bank“ (West)Berlin (1952) und als Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates der „Rhein. Stahlwerke“ (1956) in die Öffentlichkeit.
Auszeichnungen ↑
GKR (1918);
Dr. iur. h. c. (Heidelberg 1922); Wehrwirtschaftsführer (1938);
Mitgl. d. Gr. u. d. Engeren Beirats d. Reichsgruppe
Ind. (1938–45), d. Beirats d.
Dt. Reichsbank (
Vors. d. Währungsausschusses) (1939) u. d. Vorstands d. Reichsverbandes d.
dt. Ind. sowie
Mitgl. bzw. Vors. mehrerer Aufsichtsräte
gr. dt. Untern.Werke ↑
Dtld.s Pionierarb. f. d.
internat. Chemie, in: Vierj.plan 3, 1939,
Nr. 1/2.
Literatur ↑
C. Krauch, H.
S. zu seinem 60.
Geb.tag, Von Werk zu Werk,
Jan. 1941
(P);
G. Plumpe, Die I.G. Farbenind.
AG,
Wirtsch., Technik u.
Pol. 1904-1945, 1990;
J. U. Heine, Verstand & Schicksal, Die Männer d.
IG. Farbenind. A.G. (1925–1945), 1990;
P. Hayes, Industry and Ideology,
IG Farben in the Nazi Era, New Edition, 2001
(P);
W. Abelshauser (
Hg.), Die BASF,
22003;
Lilla, MdR.
Portraits ↑
Fotos im Archiv d. BASF, Ludwigshafen, u. im Bayer-Archiv, Leverkusen.
Autor ↑
Werner AbelshauserEmpfohlene Zitierweise ↑
Abelshauser, Werner, „Schmitz, Hermann“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
252-253
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118609319.html