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<< Bosch.     Bosch, Robert >>

Bosch, Carl

Chemiker, Techniker, Industrieller, * 27.8.1874 Köln, 26.4.1940 Heidelberg. (evangelisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Carl (1843–1904), Inhaber eines Installationsgeschäfts in Köln; M Paula (1851–1930), T des Julius Emil|Liebst und der Maria Adolph; Ov Robert s. (2); Köln 1902 Else Schilbach; 1 S, 1 T.

Leben  
Bosch studierte 1894/96 Maschinenbau und Hüttenkunde an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg, 1896/98 Chemie in Leipzig, wo er 1898 bei J. Wislicenus in organischer Chemie promovierte. Er wurde 1899 Chemiker bei der Badischen Anilin- und Soda-Fabrik in Ludwigshafen/Rhein, 1919 Vorsitzender ihres Vorstandes, 1925 Vorsitzender des Vorstandes und 1935 Vorsitzender des Aufsichts- und Verwaltungsrats der IG-Farben-Industrie AG. 1937 wurde er als Nachfolger Max Plancks Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Er war mehrfacher Ehrendoktor, Professor und Geheimer Kommerzienrat.
Bosch vereinte in seinem Schaffen chemische Forschung mit der Kraft technischen Gestaltens. Er zeichnete sich aus durch tiefe wissenschaftliche Bildung, technischen Wagemut, geschäftlichen Scharfblick und aufrechte Gesinnung. Seine Hauptleistung ist die technische Durchführung der von F. Haber aufgefundenen katalytischen Hochdrucksynthese von Wasserstoff und Stickstoff der Luft zu Ammoniak als Grundlage der Herstellung von Salpetersäure und von zahlreichen Düngemitteln (1908–13). Die technischen Schwierigkeiten, die Bosch bei der Entwicklung der Erfindung zu einem großtechnischen Verfahren entgegentraten, waren bei den außergewöhnlich hohen Drucken und Temperaturen, die es zu meistern galt, und bei der Suche nach einem brauchbaren, billigen Katalysator ungemein groß. Die Bedeutung der von ihm geschaffenen Industrie des synthetischen Ammoniaks erhellt besonders aus folgenden Zahlen: 1913 belief sich die deutsche Stickstoffeinfuhr auf rund 200 Millionen Reichsmark; 1928 steht dem bereits eine Ausfuhr im Werte von rund 307 Millionen Reichsmark gegenüber. Die Errichtung der Stickstoffwerke Oppau und Leuna sind vornehmlich Boschs Verdienst. Seine Arbeiten an der Ammoniak-Synthese wirkten fördernd auf die nachfolgenden Aufgaben der Hochdrucktechnik wie die Methanolsynthese, die Kohlehydrierung (synthetische Treibstoffe) und die Erzeugung des synthetischen Kautschuks (Buna). 1931 erhielt Bosch zusammen mit F. Bergius den Nobelpreis „auf Grund ihrer Verdienste um die Entwicklung chemischer Hochdruckmethoden“.
Bosch nahm 1919 an den Friedensverhandlungen in Versailles als Sachverständiger teil. In den Verhandlungen über die Auslegung des Versailler Vertrags sah er seine Hauptaufgabe darin, die deutsche chemische Großindustrie vor der Zerschlagung zu retten. Am Zusammenschluß der großen deutschen Farbenfabriken zur IG-Farben-Industrie AG 1925 war Bosch maßgebend beteiligt. Als Vorsitzender des Vorstands war er der eigentliche Leiter dieses Großunternehmens, das er zur Blüte führte.

Werke  
Üb. d. Kondensation v. Dinatriumacetondicarbonsäurediäthylester mit Bromacetophenon, Diss. Leipzig 1898; Üb. d. Entwicklung d. chem. Hochdrucktechnik beim Aufbau d. neuen Ammoniakindustrie, Nobelpreisvortrag, in: Chem. Fabrik, Jg. 6, 1933, S. 127-42; s. a. Pogg VI.

Literatur  
G. Thierer, Chronik u. Stammbaum d. Fam. B., 1921; Les prix Nobel en 1931, Stockholm 1933, S. 25-32, 73 f. (P); Angewandte Chemie, Bd. 47, 1934, S. 593 f.; ebenda 53, 1940, S. 285; W. Gaus, in: Zs. f. Elektrochemie, Bd. 40, 1934, S. 611 f. (P); R. Kuhn, in: Die Naturwiss., Bd. 28, 1940, S. 481-83 (P); M. Pier, in: FF, Bd. 16, 1940, S. 187; Stahl u. Eisen, Jg. 60, 1940, S. 421 f. (P); F. Lappe, in: VDI-Zs., Bd. 84, 1940, S. 405 f. (P); A. Mittasch, Gesch. d. Ammoniaksynthese, 1951; K. Holdermann, C. B., 1953 (W, L, P).

Autor  
Friedrich Klemm
Empfohlene Zitierweise  

Klemm, Friedrich, „Bosch, Carl“, in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 478-479 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd11866204X.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 2 (1955), S. 478-479
Erwähnungen: 
NDB 2 (1955), S.  479*
NDB 23 (2007), S. 252 in Artikel Schmitz, Hermann
NDB 23 (2007), S.  782 in Artikel Schwander, Rudolf

PND: 11866204X
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Index

Bosch, Carl

Name: Bosch, Carl
Lebensdaten: 1874 bis 1940
Geburtsort: Köln
Sterbeort: Heidelberg
Beruf/Lebensstellung: Chemiker; Techniker; Industrieller; Nobelpreisträger für Chemie (1931)
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Klemm, Friedrich
PND: 11866204X

Weitere Informationen

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Bosch, Carl

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11866204X

Normdaten
Personennamendatei (PND)
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