<< Schmidt, Ernst Carl Heinrich
Schmidt, Karl >>
Schmidt, Carl
evangelischer Kirchenhistoriker, Koptologe,
* 26.8.1868 Hagenow (Mecklenburg),
† 17.4.1938 Kairo,
⚰ Kairo.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Johann Heinrich Friedrich (1830–1914), Volksschullehrer in
H.,
S d. Johann Heinrich, Büdner, u. d. , zuletzt in Ho
|hen-Viecheln;
M Elisabeth Eleonore Friederike Schneider (1839–97),
T e. Bäckers in
H.; ledig.
Leben ↑
Nach dem Elementarunterricht bei seinem Vater und dem Besuch des Gymnasium Friedericianum in Schwerin legte
S. 1887 die Reifeprüfung ab und nahm an der
Univ. Leipzig das Studium der Klassischen Philologie auf. 1888 wechselte er nach Berlin und bezog die Ägyptologie, insbesondere das Koptische, seit 1890 auch die Theologie in seine Studien ein (prägend: Adolf
v. Harnack, 1851–1930). 1892 wurde er mit einer Arbeit über die kopt. Schriften des gnostischen Codex Brucianus zum
Dr. phil. promoviert, 1899 folgte die Habilitation für Kirchengeschichte in Berlin über „Plotins Stellung zum Gnostizismus und kirchlichen Christentum“ (1901), 1909 seine Ernennung zum
ao. Professor, 1921 zum Honorarprofessor, erst 1928 zum persönl. Ordinarius (1935 emeritiert).
S.s Lehrtätigkeit umfaßte mit Ausnahme der Neuzeit die gesamte Kirchengeschichte. 1900-33 war
S. als
wiss. Beamter der Kirchenväterkommission der
Preuß. Akademie der Wissenschaften engster Mitarbeiter A. Harnacks. Seit 1895 unternahm er kontinuierlich Forschungsreisen nach Palästina und Ägypten zum Ankauf von Altertümern und Handschriften für die Berliner sowie andere
europ. Museen (allein 483 Objekte für die Berliner Papyrussammlung). Höhepunkt dieser Tätigkeit war die Identifizierung und seit 1930 der teilweise Ankauf der koptisch-manichäischen Papyri für die Berliner Papyrussammlung. Untrüglicher Sinn für Echtes und Falsches zeichneten
S. sowohl beim Erwerb von Altertümern als auch bei Textinterpretationen aus. Seine bleibende Bedeutung liegt in der erstmals systematischen Einbeziehung der kopt. Quellen in die Geschichte und Literaturgeschichte des antiken Christentums und der Gnosis. Ergebnis seiner Forschungen sind 15 Monographien und Texteditionen und
ca. 130 Aufsätze und Rezensionen, die hauptsächlich drei Themenkreise umfassen: Im Bereich der koptisch-gnostischen Literatur legte er mustergültige Editionen, Übersetzungen und Untersuchungen zu dem Codex Brucianus (1892) und zur Pistis Sophia (1894-1925) vor. Bei der apokryphen Apostelliteratur standen die Acta Petri (1903-30) und die Acta Pauli (1904 kopt., 1936
griech. mit W. Schubart) im Mittelpunkt. Zur Acta-Literatur zählt auch das Opus magnum „Gespräche Jesu mit seinen Jüngern nach der Auferstehung“ (1919). Die antiken
christl. Apokryphen sah
S. als Zeugnisse des
kath. „Popularchristentums“ und nicht als gnostisch beeinflußt an. Hinsichtlich der manichäischen Schriften ist neben der Entdeckung der Mani-Texte selbst bis heute die gemeinsam mit Hans Jakob Polotsky (1905–91) vorgelegte Akademieabhandlung „Ein Mani
-Fund in Ägypten“ (1933) bahnbrechend. Bis zu seinem Tode betreute
S. die von Polotsky und Alexander Böhlig (1912–96) besorgte Edition der Berliner kopt. Kephalaia (1935–40).
Auszeichnungen ↑
Lic. theol. h. c. (Berlin 1903);
D. theol. (Heidelberg 1908);
Mitgl. d.
Dt. Morgenländ.
Ges. u. d.
Ges. f.
KGesch.Werke ↑
W-Verz.
P. Nagel.
Bibliogr. C.
S., in:
Wiss. Zs. d. Univ. Halle 37, 1988, S. 114-29 (darin auch
Verz. d. Rezensionen
v. S.s
Schrr. u. Nachrufe).
Literatur ↑
J. Vergote, in: Chronique d'Egypte 13, 1938, S. 335-39;
C.
S. Kolloquium an d. Martin-Luther-
Univ. 1988,
hg. v. P. Nagel,
Wiss. Btrr. d.
Univ. Halle 23, 1990
(P);
H. Krause, Er starb im Lande der Pharaonen, in: Kreismosaik,
Heimatgesch. aus d.
Kr. Hagenow 2, (1989), S. 32 f.
(P);
BBKL IX, 1995 (unzulänglich, da ohne Kenntnis d. C.
S. Kolloqiums 1988 u. d.
Bibliogr. v. P. Nagel,
s. o.).
Autor ↑
Peter NagelEmpfohlene Zitierweise ↑
Nagel, Peter, „Schmidt, Carl“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
200-201
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118996207.html