<< Schlink, Valentin Joseph
Schlitpacher, Johann >>
Schlippenbach
Freiherren (1768, russische Barone 1862) u. Grafen (schwedische 1654, spanische 1711) von (evangelisch)
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Leben ↑
Die aus der Grafschaft Mark und dem Herzogtum Berg stammende Familie erscheint urkundlich erstmals 1386 mit den Brüdern
Hannes, Rotger und
Herman Slippenbeke unter
westfäl. Ritterbürtigen, mit den beiden letzteren 1388/90 als Anhänger der Grafen
v. der Mark und des Erzbischofs von Köln. Im 15.
Jh. sind Mitglieder der Familie in Livland bezeugt. Die gesicherte Stammreihe beginnt mit
Johann (
erw. 1518-42), auf Bornhusen (Livland). Zahlreiche Familienmitglieder standen in
schwed.,
poln.,
preuß. und
russ. Diensten.
Christoph Karl (1624–60, s.
ADB 31) war in seiner Doppelfunktion als Kammerherr der
schwed. Kgn. Christine (1626–89) und Hofmarschall des Pfalzgrafen Karl Gustav (1622–60) an den Verhandlungen beteiligt, die letzterem 1654 die
schwed. Königswürde brachten. Karl X. erhob ihn im selben Jahr in den Grafenstand und ernannte ihn 1656 zum Kriegspräsidenten, 1657 zum Reichsrat und Präsidenten des Wismarer Tribunals. Christoph Karls Sohn
Karl Friedrich Gf. (1658–1723, s.
ADB 31) stand zunächst in
schwed., seit 1686 in
preuß. Militärdienst (1696
Gen.); 1714 wurde er zum Gouverneur von Colberg ernannt (1715
Gen. d.
Kav.).
George Christopher (1645–1717, s. Dt.halt.
Biogr. Lex.), auf Klein Sahlingen (Kurland), war Landtagsdeputierter sowie 1710 Landmarschall und 1711/12 Oberburggraf in Mitau. Sein Sohn
Carl Christoph (
† 1734) wurde
preuß. Staatsminister, Oberschenk und
Geh. Rat.
Wolmar Anton (1653–1721, s.
Dt.-
balt. Biogr. Lex.) war Oberbefehlshaber der
schwed. Truppen in Liv- und Estland (1701 Gen.major, 1708
Gen.lt.); 1715 trat er in
russ. Dienste. Nach einem Jurastudium in Königsberg (1790) und Leipzig (1791–94) und
russ. Militärdienst (1794–96) übernahm
Ulrich Frhr. (1774–1826, s.
L) die Verwaltung der väterlichen Güter in Kurland. Als Landesnotar (seit 1799) und Landrat von Pilten (seit 1807) sowie als Oberhofgerichtsrat in Mitau (seit 1818) setzte er sich für die Einschränkung der Leibeigenschaft ein. Gefördert von Zacharias Werner (1768–1823) entfaltete Ulrich ein reiches dichterisches und schriftstellerisches Schaffen. Auch
Gabriele,
geb. Baronesse
v. der Ropp (1846–1911, s.
L), verheiratet mit
Gustav Baron (1828–98), Polizeimeister in Libau, trat als Schriftstellerin hervor. Ihr Sohn
Felix Frhr. (1873–1937, s.
L) leitete die Bleisilberhütte Binsfeldhammer bei Stolberg, seit 1920 eine Bleihütte in Malaga (Spanien), wobei er eine Reihe von technischen Neuerungen einführte. Gustavs Cousin
Paul Baron (1836–1915) war
russ. Staatsrat, sein gleichnamiger Sohn (
Frhr., 1869–1933, s.
ThB;
Dt.balt. Biogr. Lex.) Maler und Radierer in Dresden und Berlin.
|Von der
gräfl. Linie widmete sich
Albert (1800–86, s.
ADB 54;
Kosch, Lit.-Lex.3) bereits während seines Jurastudiums in Göttingen und Berlin sowie seit 1830 als Verwalter des Gutes Schönermark der Dichtkunst; besonders seine Studentenlieder – wie „Ein Heller und ein Batzen“ (vertont
v. Franz Kugler) – erreichten weite Verbreitung. 1848 errichtete er Schönermark (
Kr. Prenzlau, Neubrandenburg), seit 1686 in Familienbesitz, mit Arendsee, Christianenhof, Raakow, Wilhelmshof, Wittstock und Ferdinandshorst als Fideikommiß. Seine Brüder
Karl (1795–1836) und
Wilhelm (1797–1842) dienten Prinz Karl
v. Preußen als Adjutanten. Auch Wilhelms Söhne
Karl (1830–1908, s.
L), General der Infanterie und Gouverneur der Festung Mainz,
Ferdinand (1799–1866), Generalleutnant, und
Ernst (1804–85), Generalmajor, standen in
preuß. Militärdienst, ebenso Karls Söhne
Wilhelm (1854–1917) und
Albert (1859–1934), wobei letzterer und seine Frau
Hilde,
geb. Gfn. v. Pestalozza (
* 1876, beide s.
Kosch, Lit.-Lex.3), sich auch schriftstellerisch betätigten. Ferdinands Tochter
Adelheid (
* 1833) war mit dem
preuß. Generalleutnant Georg
v. Kleist (1822–86) verheiratet. Von Ernsts Söhnen wurde
Hans (1846–1926)
preuß. Generalmajor und
Stephan (1842–1910)
k. u. k. Feldmarschalleutnant. Des letzteren gleichnamiger Sohn (
* 1907), Wirtschaftsredakteur bei der „Welt“ und dem „Rhein. Merkur“, war zuletzt im Bundesverband der
Dt. Industrie für den Bereich Umweltschutz zuständig. Sein Sohn
Alexander (
* 1938), Pianist und Komponist, gründete 1966 das „Globe Unity Orchestra“ und leitet seit 1988 das „Berlin Contemporary Orchestra“; 1994 erhielt er den erstmals vergebenen
Dt. Jazzpreis (Mangelsdorff-Preis; s. M. Kunzler, Jazz-
Lex., 1988).
Literatur ↑
Kneschke VIII;
GHdA 18 (Gfl. Häuser A III), 1958, 125 (Adelslex. XII), 2001;
–
zu Ulrich:
ADB 31;
Dt.balt. Biogr. Lex.;
Kosch, Lit.-Lex.3;
–
zu Gabriele:
Dt.balt. Biogr. Lex.;
Kosch, Lit-
Lex.3;
–
zu Felix:
C. Schiffner, Aus d. Leben alter Freiberger Bergstudenten II, 1938, S. 257-59;
ders., Die Männer d. Metallhüttenwesens, 1942, S. 143 f.;
–
zu Karl:
BJ XIII (
Tl. 1908,
L);
W. Balzer, Mainz – Persönlichkeiten d.
Stadtgesch. I, 1985
(P).Autor ↑
Franz MengesEmpfohlene Zitierweise ↑
Menges, Franz, „Schlippenbach“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
92-93
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd139803661.html