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Schlitpacher (Slitpacher, Schlickpacher, Schlippacher, Johannes de Weilheim), Johann (Johannes)

Benediktiner, Ordensreformer, Verfasser geistlicher Schriften, * 4.7.1403 Schongau (Oberbayern), 24.10.1482 Melk (Niederösterreich), Melk (Niederösterreich).


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Ulrich ( 1413); M Dorothea ( 1413); Vt (?) Ulrich v. Weilheim, 1456 als Augustinerchorherr in Dießen/Ammersee bezeugt.

Leben  
Nach dem frühen Tod der Eltern bei Verwandten in Weilheim aufgewachsen, besuchte S. die dortige, 1421-23 die Ulmer Lateinschule und immatrikulierte sich 1424 an der Univ. Wien. Seit 1429 Magister regens in der Artistenfakultät, studierte er nebenbei Theologie. Gastvorlesungen im benediktinischen Reformkloster Melk (1434) führten zu Klostereintritt (1435) und Profeß (1436). Bildung und Reformeifer befähigten ihn zur Übernahme von Leitungsfunktionen in Melk – zweimal als Vikar, dreimal als Prior –, v. a. aber zu Visitation und Reformierung anderer Benediktinerklöster: St. Ulrich und Afra in Augsburg (1441/42), Ettal (1442/43), Kleinmariazell (1446/47). 1451/52 visitierte er im Auftrag des päpstl. Legaten Nikolaus von Kues 52 Konvente. Noch in seinen beiden letzten Lebensjahrzehnten wirkte S. in mehreren Klöstern als Reformprior – so in Formbach (1465), Göttweig (1468/69), Ebersberg (1474), Ettal (um 1475) – und nahm an Verhandlungen über eine Union der Klöster der Melker, Kastler und Bursfelder Observanz (1465–72) teil.
Kernpunkte einer geforderten Erneuerung im Bereich des Mönchtums waren für S. theologische Bildung, Studium der Hl. Schrift, Befolgung der Benediktsregel und verinnerlichte Frömmigkeit. Diesen Anliegen galt seine praktische Reformtätigkeit ebenso wie sein schriftstellerisches Werk, das (nach frühen Arbeiten zu den Artes) ein Kompendium der Moraltheologie (nach Nikolaus v. Dinkelsbühl), Bibel- und Regelkommentare, Predigten und Schriften zur mystischen Theologie umfaßt. Mnemotechnisch konzipierte Verskompendien im Umkreis von Moral, Bibel und Regel traten als Studienstützen hinzu. Der monastischen Reform verpflichtet waren auch vier kurze, ihm zugeschriebene dt.sprachige Werke, von denen allerdings nur eines, ein Beichttraktat, für S. gesichert ist. Von seiner reichen reformerischen und (kontrovers-)theologischen Korrespondenz sind etwa zwei Dutzend Briefe greifbar; ganz erhalten hat sich die von S. angelegte Sammlung von über 100 an ihn gerichteten Schreiben, die ihn in regem geistigen Austausch mit führenden Theologen der Zeit (Bernhard v. Waging, Konrad v. Geisenfeld, Vinzenz v. Aggsbach) zeigen.

Werke  
Prosa: B. Pez, Bibliotheca ascetica, VIII, 1725, Neudr. 1967 (Autobiogr. v. 1478, W, S. 631-40; Ber. über d. Ref.versuch in Ettal 1442–13, S. 647 f.); M. Kropff, Bibliotheca Mellicensis, 1747 (Autobiogr. v. 1467, S. 439 f.); I. Zibermayr, J. S.s Aufzeichnungen als Visitator d. Benediktinerklöster i. d. Salzburger Kirchenprovinz, in: MIÖG 30, 1909, S. 258-79; – Briefe: V. Redlich (s. L), S. 196 f., 211-14, 216; |F. Hubalek, Aus d. Briefwechsel d. J. S. v. Weilheim, Diss. Wien 1963; H. Rossmann (s. L), S. 372, 377; A. Groiß (s. L), S. 306-56 (S.s Hausstatuten); – Verse: Compendium humane salvationis, 1473 (L. Hain, Repert. bibliographicum, 1826-38, Nr. 14929); Dictamen brevissimum de naturis 19 animalium, in: N. Henkel, Stud. z. Physiologus im MA, 1976, S. 52 f.; – Bibliogr.: mehr als 40, z. T. autograph überlieferte, meist uned. Werke S.s sind verzeichnet im Vf.-Lex. d. MA2.

Literatur  
E. Vansteenberghe, Autour de la docte ignorance, 1915, Neudr. 1992; V. Redlich, Tegernsee u. d. dt. Geistesgesch. im 15. Jh., 1931; H. Rossmann, Der Mag. Marquard Sprenger in München u. seine Kontroversschrr. z. Konzil v. Basel u. z. myst. Theol., in: Mysterium d. Gnade, FS J. Auer, 1975, S. 350-411; G. Ellegast, Die Anfänge e. Textkritik z. Regel d. hl. Benedikt in d. Kreisen d. Melker Reform (15. Jh.), in: Stift Melk, Gesch. u. Gegenwart 3, 1983, S. 8-91; M. Brück, Profeßbuch d. Klosters Melk (1. T. 1418-1452), ebd. 4, 1985, S. 161-77; M. Niederkorn-Bruck, Die Melker Reform im Spiegel d. Visitationen, 1994; H. Tersch, in: ders., Ôsterr. Selbstzeugnisse d. SpätMA u. d. Frühen Neuzeit (1400–1650), 1998, S. 72-82; A. Groiß, Spätma. Lebensformen d. Benediktiner v. d. Melker Observanz vor d. Hintergrund ihrer Bräuche, 1999; B. K. Vollmann, in: Lech-Isar-Land, 2001, S. 3-21; Vf.-Lex. d. MA2 (W, L); Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L); BBKL (L); LThK3; Lex. MA.

Autor  
Benedikt Konrad Vollmann
Empfohlene Zitierweise  

Vollmann, Benedikt Konrad, „Schlitpacher, Johann“, in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 93-94 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd100966446.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 23 (2007), S. 93-94
Erwähnungen: 
NDB 19 (1999), S. 274 in Artikel Nikolaus Seyringer von Matzen

PND: 100966446
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Index

Schlitpacher, Johannes

Name: Schlitpacher, Johannes
Namensvariante: Slitpacher, Johann
Namensvariante: Schlickpacher, Johannes
Namensvariante: Schlitppacher, Johannes
Namensvariante: Johannes de Weilheim
Lebensdaten: 1403 bis 1482
Geburtsort: Schongau (Oberbayern)
Sterbeort: Melk (Niederösterreich)
Beruf/Lebensstellung: Benediktiner; Ordensreformer; Reformtheologe; Verfasser geistlicher Schriften
Konfession: katholisch
Autor NDB: Vollmann, Benedikt Konrad
PND: 100966446

Weitere Informationen

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Schlitpacher, Johannes

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100966446

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