<< Schlagintweit, Emil
Schlatter, Adolf von >>
Schlange-Schöningen (bis 1921 inoffiziell, bis Anfang d. 50er Jahre offiziell Schlange), Hans
Agrarpolitiker, Diplomat,
* 17.11.1886 Schöningen bei Stettin,
† 20.7.1960 Bad Godesberg bei Bonn,
⚰ Wuppertal. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Nachlass
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Ernst Schlange (1851–1925), auf Colbitzow (Schöningen, Pommern), Rr.gutsbes., zuletzt in Dietrichsdorf (Ostpreußen);
M Olga (1857–98),
T d. Rudolf
v. Busse (1817–90),
preuß. Oberstlt., u. d. Ida
v. Schwerdtner (1820–95);
Ur-Gvm Rudolf Maximilian
v. Busse (1783–1864),
preuß. Gen.lt. (s.
Priesdorff V,
S. 474 f.,
Nr. 1658);
Ov Ernst Friedrich Hans Schlange (1856–1922), Chirurg;
Om Konstantin
v. Busse (1820–97),
preuß. Gen.lt. (s.
BJ III,
Tl.;
Priesdorff VIII,
S. 273 f.,
Nr. 2597);
B Ernst Schlange (1888–1967), Dr. agr., Landwirt, 1932
MdR (NSDAP); –
⚭ 1913 Margarete
v. Nagy (1890–1975); 3
S Ernst-Siegfried Alexander (
* 1914),
Dipl., Hans-Joachim (1916–91),
Industriekaufm. in Rolandia/Parana (Brasilien), Horst-Dietrich (1918–90), Dr., zuletzt in Göttingen, 1
T Marie-Luise Johnsen (1921–99), Fremdsprachenkorrespondentin, zuletzt in Sᾶo Paulo (Brasilien);
E Heinrich (
* 1960),
Dr. phil.,
Hist.,
PD am Friedrich Meinecke
Inst. d.
FU Berlin;
Vt Ernst Schlange (1888–1947 in
russ. Haft),
Präs. d. Gen.direktion d.
Preuß.-Süddt. Staatslotterie.
Leben ↑
Nach dem Abitur 1906 diente
S. drei Jahre als Offizier im Jäger-
Rgt. zu Pferde
No. 2 in Langensalza
(Thür.). Darauf folgte eine Ausbildung und Tätigkeit in der Landwirtschaft. 1914-18 nahm er am 1. Weltkrieg teil, in dem er dreimal verwundet wurde. Nach Kriegsende übernahm er das väterliche Gut Schöningen, das er zu einem international anerkannten Musterbetrieb ausbaute.
Politisch engagierte sich
S. anfangs in der
DNVP, für die er 1921 in den
Preuß. Landtag und 1924 in den Reichstag gewählt wurde. Zunächst Gefolgsmann Hugenbergs am äußersten rechten Flügel dieser Partei, setzte er seit 1926 auf die pragmatische Linie des Grafen Westarp. Nachdem er 1928 den Vorsitz des
pomm. Landesverbandes der
DNVP niedergelegt hatte, verließ er Anfang 1929 mit etlichen Anhängern die
DNVP und schloß sich der Christlich-Nationalen Bauern- und Landvolkpartei an, die er bis zum Juli 1932 im Reichstag vertrat. Im Herbst 1931 ernannte ihn Reichskanzler Brüning zum Reichskommissar für die Osthilfe und Reichsminister ohne Geschäftsbereich. Als solcher strebte
S. eine Umstrukturierung der ostdt. Landwirtschaft an, indem nicht entschuldungsfähiger Großgrundbesitz in bäuerliche Siedlung überführt werden sollte. Dieses Konzept stieß bei Reichspräsident Hindenburg und dessen Umgebung auf entschiedenen Widerspruch. Die Entlassung Brünings durch den Reichspräsidenten im Mai 1932 wurde nicht zuletzt hierdurch veranlaßt. Während des „Dritten Reiches“ lebte
S. als Landwirt in Schöningen. Während des Kriegs stand er in Kontakt mit Widerstandskreisen; auf einer Ministerliste Goerdelers von 1944 war er als Ernährungsminister vorgesehen, ohne daß dies zu einer Verhaftung und Verurteilung
S.s führte.
Im Frühjahr 1945 flüchtete
S. in den Westen und gehörte im Herbst des Jahres zu einem Kreis von Politikern in Norddeutschland, die für die Bildung einer
christl. Sammelpartei warben. Im
Febr. 1946 übernahm er die Leitung des Zentralamtes für Ernährung und Landwirtschaft in der
brit. Zone. 1947-49 war er Direktor der bizonalen Verwaltung für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Frankfurt/M. In beiden Ämtern bemühte sich
S., Grundlagen für eine agrarpolitische Ordnung zu schaffen, die eine sozial verpflichtende Ernährungspolitik gestattete. Hiermit machte er sich jedoch die Bauernverbände zu Gegnern, was seine politische Karriere beeinträchtigte.
1949 für die
CDU in den Bundestag gewählt, scheiterten
S.s politische Ambitionen auf ein Ministeramt
bzw. auf das Amt des Bundespräsidenten letztlich an Adenauer, nachdem er mit Nachdruck die Bildung einer Großen Koalition gefordert und Adenauers Führungsanspruch vor der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Frage gestellt hatte. 1950 schied
S. aus dem Bundestag aus und trat in den diplomatischen Dienst über. Seit 1950 war er in London Generalkonsul, 1951-53 außerdem Geschäftsträger und 1953-55 erster bundesdt. Botschafter.
Auszeichnungen ↑
Dr. agr.
h. c. (
Landwirtschaftl. Hochschule Berlin, 1931); Gr.
BVK mit Stern u. Schulterband (1953).
Werke ↑
u. a. Führer u. Völker, 1931;
Acker u. Arbeit, 1932;
Am Tage danach, 1946;
Lebendige Landwirtsch., 1947;
–
Hg.: Im Schatten d. Hungers, 1952;
|Nachlass ↑
Nachlaß: BA Koblenz.
Literatur ↑
H. Muth, in: G. Franz u. H. Haushofer (
Hg.), Gr. Landwirte, 1970, S. 394-417
(W, P);
G. J. Trittel, H.
S., Ein vergessener
Pol. d. „Ersten Stunde“, in:
VfZ 25, 1987, S. 25-63;
ders., in: Das
Parl. Nr. 46
v. 15.11.1986 (P),
Nr. 32
v. 8.8.1987
(P);
U. Wengst,
S., Ostsiedlung u. d. Demission d.
Reg. Brüning, in:
GWU 30, 1977, S. 99-119;
J. Farquharson, The Consensus Never Came, H.
S. and the
CDU, 1945–1949, in: European History Quarterly 19, 1989, S. 353-83;
G. J. Trittel, Hunger u. Politik, Die Ernährungskrise in der Bizone (1945–1949), 1990;
Rhdb.;
Klimesch (P);
Wi. 1958;
Biogr. Lex. Weimarer Rep.;
Lex. Konservatismus (W, L);
Schumacher, M. d. R.;
Schumacher, M. d. L.;
Schumacher, M. d. B.;
Munzinger;
Biogr. Hdb. MdB;
D. Hildebrand, in:
Christl. Demokraten gegen Hitler,
hg. v. G. Buchstab, B. Kaff u. H.-O. Kleinmann, 2004, S. 438-45.
Autor ↑
Udo WengstEmpfohlene Zitierweise ↑
Wengst, Udo, „Schlange-Schöningen, Hans“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
26
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd12373181X.html