<< Anzengruber, Ludwig
Apel, Johann >>
Anzer, Johann Baptist von
katholischer Missionsbischof,
* 16.5.1851 Weinried (Oberpfalz),
† 24.11.1903 Rom.
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Thomas Anzer (1817–72), Metzger und Bauer in Selz:
M Barbara Betz (1828–1898);
Gvv Johann Anzer (1789–1853), Bauer in Selz;
Gmv Klara (1790–1861),
T des Bauern Franz Anzer in Köttlitz und der Walburga Kraus.
Leben ↑
Anzer trat 1875 als Theologe in Steyl (Holland) in die „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“ (S. V. D.) ein, wurde Priester und kam 1879 nach China, wo der Gesellschaft des Göttlichen Wortes 1882 der südliche Teil des apostolischen Vikariates Shantung mit 158
|Katholiken zugewiesen wurde. 1885 wurde Süd-Shantung ein selbständiges Missionsgebiet und Anzer Apostolischer Vikar und Titularbischof von Telepte. Dank seiner Tatkraft gelang ihm ein rascher Ausbau der Mission, welche bei seinem Tode 26 000 Getaufte und 40 000 Katechumenen zählte. - Auf Drängen des deutschen Gesandten in Peking, M. von Brandt, entzog Anzer 1890 seine Mission dem französischen Protektorat und stellte sie unter den diplomatischen Schutz des Deutschen Reiches, was Rom billigte und China als Durchbrechung des französischen Protektoratsmonopoles begrüßte. Die Folge war eine größere Bewegungsfreiheit und Zugang zu bisher verschlossenen wichtigen Städten, wie Tsining und vor allem Jentschoufu (1896), welche Missionszentren wurden. Die Ermordung zweier deutscher Missionare (1.11.1897) gab Anlaß zu der schon längst beabsichtigten Besetzung Kiautschous seitens Deutschlands (14.11.1897). Pachtgebiet und Interessensphäre wurden 1898 zu Anzers Vikariat gezogen; Tsingtau wurde Missionszentrum. - Anzer gehört zu den bedeutendsten Missionsbischöfen Chinas im 19. Jahrhundert. Sein Ziel, die freie Verkündigung des Evangeliums, hat er mit Nachdruck gefordert, und schließlich auch erreicht. Die Verquickung der Mission mit der deutschen Ostasienpolitik, namentlich nach 1890, wurde ihm oft zum Vorwurf gemacht.
Literatur ↑
G. Warneck, Die
christl. Mission u. die überseeische Politik, 1901; P. Horbach,
A.s Chinamission in ihren Beziehungen
z. Politik, 1901; M.
v. Brandt, 33 J. in Ostasien, 3
Bde., 1901; H. Cordier,
Hist. des Relations de la Chine avec les Puissances Occidentales II/III, 1901–02; F. Nippold, Bischof
v. A., Die Berliner amtl. Politik u. d.
ev. Mission, 1905; H. Fischer, Arnold Janssen, Gründer d. Steyler Missionswerkes, 1919; Th. Grentrup, Jus Missionarium I, 1925, S. 399 f.; J. Beckmann, Die
kath. Missionsmethode in China in neuester Zeit, 1931, S. 23-25;
LThK (L).
Portraits ↑
in:
Schrr. d.
dt.-
chines. Verbandes 1, 1915; Holzschnitt in:
LIZ,
Bd. 110, 1898, S. 293.
Autor ↑
Heinrich Kroes SVDSocietas Verbi Divini (Steyler Missionare)Empfohlene Zitierweise ↑
Kroes SVD, Heinrich, „Anzer, Johann Baptist von“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
321 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd120680475.html
Anzer, Johann Baptist
Name: Anzer, Johann Baptist
Lebensdaten: 1851 bis 1903
Geburtsort: Weinried (Oberpfalz)
Sterbeort: Rom
Beruf/Lebensstellung: katholischer Missionsbischof
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Kroes SVD, HeinrichPND: 120680475