Name
Friedrich Wilhelm II.
Namensvarianten
Friedrich Wilhelm II. von Preußen; Frederick William <II., Prussia, King>; Friderich Wilhelm <II., Preußen, König>; Fridericus Guilelmus <II., Borussia, Rex>; Fridericus Guilielmus <II., Borussia, Rex>; Friedrich Wilhelm <Preußen, König>; Friedrich Wilhelm <der Liebreiche>; Friedrich Wilhelm <von Hohenzollern>; Fryderych Wilhelm <II., Prusy, Król>; Fryderyk Wilhelm <II., Prusy, Król>
Lebensdaten
1744 bis 1797
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Potsdam
Beruf/Lebensstellung
König von Preußen
Konfession
evangelisch
Autor NDB
Hans Haussherr
Autor ADB
v. Hartmann.
GND
11869362X

Friedrich Wilhelm II.

König von Preußen, * 25.9.1744 Berlin, 16.11.1797 Potsdam, Berlin, Dom. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Prinz Aug. Wilh. v. P. ( 1758, s. NDB I); M Louise Amalie (1722–80), T d. Hzg. Ferd. Albrecht II. v. Braunschweig-Lüneburg-Bevern (1680–1735, s. ADB VI); Ov Kg. Friedrich d. Gr. ( 1786, s. NDB V); 1) 1765 ( 1769) Elis. Christine (1746–1840), T d. Hzg. Karl I. v. Braunschweig-Lüneburg ( 1780), 2) 1769 Frieder. Luise (1751–1805), T d. Landgf. Ludwig IX. v. Hessen-Darmstadt ( 1790); morganatisch Ehen: a) 1787 Julie v. Voß (1766–89), b) 1790 Sophie Gfn. v. Dönhoff (1768–1834, s. NDB IV*); Verbindung mit Wilhelmine (1753–1820), seit 1794 Gfn. v. Lichtenau, T d. Trompeters Elias Encke; T aus 1) Friederike (1767–1820, 1791 Prinz Friedrich v. Großbritannien u. Hzg. v. York, 1763–1827), 4 S, 2 T aus 2) Kg. Frdr. Wilh. III. v. P. ( 1840, s. NDB V), Ludwig (1772–96), preuß. Gen.Major (s. Priesdorff II, S. 413, P), Heinr. (1781–1846), preuß. Gen. d. Inf. (s. ADB XI; Priesdorff III, S. 265 f., P), Wilh. (1783–1851), preuß. Gen. d. Kav., Gouv. d. Bundesfestung Mainz (s. ADB 43; Priesdorff III, S. 267-72, P), Wilhelmine (1774–1837, Kg. Wilh. d. Niederlande, 1772-1843), Augusta (1780–1841, Kf. Wilh. II. v. Hessen, 1847); S v. Julie v. Voß: Gustav Adolf Gf. v. Ingenheim (1789–1855), preuß. WGR; 1 S, 1 T v. Gfn. Dönhoff: Frdr. Wilh. Gf. v. Brandenburg ( 1850), preuß. Staatsmann (s. NDB II), Julie Gfn. v. B. ( Hzg. Ferd. v. Anhalt-Köthen, 1769–1830, s. ADB VI); 4 K v. Gfn. Lichtenau.

  • Leben

    F. wurde auf seinen Beruf ungenügend vorbereitet, da Friedrich der Große sehr wenig von|seinem Neffen hielt. Zu den Staatsgeschäften wurde er daher nicht herangezogen. Allerdings gab schon der Prinz durch seine Liebschaften Anlaß zu mancherlei Ärgernis. Während des Bayerischen Erbfolgekrieges trat er einem Kreise von Offizieren und Staatsbeamten nahe, die zu dem erneuerten Orden der Rosenkreuzer gehörten und einer betont christlichen Theosophie huldigten. 1781 ließ er sich als Bruder Ormesus in den Orden aufnehmen. Seitdem begannen Johann Christoph Wöllner und H. R. von Bischoffwerder entscheidenden Einfluß auf den Thronfolger und späteren König auszuüben.

    Am 17.8.1786 bestieg F. den Thron, umjubelt von einem Volke, das in allen Ständen unter der Härte des alten Friedrich gelitten hatte. Von dem neuen König strahlten echte Güte und gewinnendes Wohlwollen aus, er erfreute seine Umgebung gern durch Gnaden und Geschenke. Seine Unlust zu arbeiten und sein Mangel an politischer Einsicht traten vorerst wenig in Erscheinung. Er besaß ein lebhaftes Gefühl für seine königliche Würde, das selbst in seinen Liebesaffären und vor den Geistererscheinungen nicht ganz versagte.

    Auf den Rat der beiden vertrauten Freunde, die scharfe Kritik an der friderizianischen Staatspraxis übten, wurden im Generaldirektorium Änderungen eingeführt, die verhaßte Regie aufgehoben und das Oberkriegskollegium begründet. Die von Friedrich dem Großen vorbereitete Rechtsreform wurde 1794 durch die Veröffentlichung des „Allgemeinen Landrechtes für die Preußischen Staaten“ vollendet. Es war ein bedeutender Schritt zum Rechtsstaat. Die diskretionäre Gewalt des Königs und die ständische Ordnung blieben bestehen. In der Religionspolitik setzte sich F. in Widerspruch zu dem aufgeklärten Geist des großen Königs. Seine rosenkreuzerische Umgebung hatte es ihm zur Pflicht gemacht, das wahre Christentum in Kirche, Schule und Literatur wiederherzustellen. Chef des geistlichen Departements und des Oberschulkollegiums wurde Wöllner, der am 7.7.1788 das nach ihm benannte Religionsedikt zeichnen und im gleichen Jahre ein Zensuredikt folgen ließ. Das Religionsedikt verhieß allen Religionsparteien und Sekten volle Duldung, verpflichtete aber die Geistlichkeit der Landeskirche und die Lehrer auf die Bekenntnisschriften der Reformationszeit. Das Edikt und die nachfolgenden Erlasse wurden so rigoros gehandhabt, daß sie auch in den kirchlichen Kreisen Widerspruch weckten, die mit dem Freidenkertum Friedrichs ebensowenig einverstanden gewesen waren wie jetzt mit der von Wöllner und Bischoffwerder geführten Bigotterie F.s.

    Mit der Lockerung des friderizianischen Staatswesens erblühte neues gesellschaftliches und kulturelles Leben. Die Akademie der Wissenschaften wurde durch Zutritt deutscher Gelehrter und Schriftsteller reformiert. Das Schulwesen wurde 1787 einem eigenen Oberschulkollegium unterstellt. Seminare für Schullehrer wurden gegründet und die Dotation für die Universitäten Halle und Königsberg beträchtlich erhöht. In der bildenden Kunst setzte sich mit Langhans' Brandenburger Tor (1788–91) und Schadows Quadriga ein strenger und zugleich bewegter Klassizismus durch. Der König pflegte die Musik Mozarts und des jungen Beethoven, seine Kapelle errang sich europäischen Ruf. Musikalische Dilettanten fanden sich seit 1790 in der Singakademie zusammen. Schließlich kam Iffland 1796 als Direktor des Königlichen Nationaltheaters nach Berlin.

    In der Außenpolitik vermochte F. das Ansehen nicht zu behaupten, das Preußen unter Friedrich II. im In- und Ausland gewonnen hatte. Die auswärtigen Angelegenheiten wurden die ersten Jahre noch durch den Minister Hertzberg geleitet, dem es unter Ausnutzung von inneren Wirren in Holland gelang, 1788 ein Bündnis mit England und Holland zu schließen. Während des russisch-österreichischen Türkenkrieges unterstützte Preußen den Aufstand in den österreichischen Niederlanden und versprach ungarischen Unzufriedenen Hilfe. Als sich Österreich nach seinen Erfolgen Belgrad einverleiben wollte, ließ F. mobilmachen. Doch kam es nicht zum Kriege, weil Hertzberg gestürzt, Bischoffwerder der wichtigste außenpolitische Berater des Königs wurde und sich der neue Kaiser Leopold II. mit der Konvention von Reichenbach 1790 auf den Status quo im Südosten verpflichtete, während Preußen auf die Unterstützung der Aufständischen verzichtete.

    Während der Vorbereitung des Krieges gegen das revolutionäre Frankreich konnte sich Preußen aufgrund alter Hausverträge die hohenzollernschen Markgrafschaften Ansbach und Bayreuth einverleiben. Mehr als der Kaiser fühlte sich F. zum Kampf für die Wiederherstellung der Monarchie in Frankreich berufen, wobei er zusammen mit Österreich und Rußland polnisches Land zu gewinnen hoffte. Auf der Kampagne in Frankreich 1792 begleitete er die Truppen persönlich, erlebte die leichten ersten Erfolge, exponierte sich bei der Kanonade von Valmy und nahm an dem schrecklichen Rückzug teil, in dem die|Armee in Regen und Schlamm, durch Krankheit und Hunger fast vernichtet wurde. Das traf das Selbstgefühl des Königs tief. Der Fortgang des Feldzugs oblag einer Armee, die mehr zu Frankreich als zu den Verbündeten neigte, und stand im Schatten der Polnischen Frage. Im Januar 1793 schlossen Rußland und Preußen den Vertrag über die 2. Polnische Teilung, wobei Preußen Danzig und Thorn sowie das großpolnische Land zwischen Westpreußen und Schlesien erhielt. Eine tiefe Verstimmung Österreichs war die Folge.

    Im März 1794 brach in Polen ein Aufstand aus. Die Gesundheit des Königs war schwer erschüttert und Preußen dem gleichzeitigen Krieg im Osten und Westen nicht gewachsen. Im Januar 1795 schlossen Rußland und Österreich allein den Vertrag über die 3. Teilung und forderten Preußen Monate später in beinahe ultimativer Form zum Beitritt auf. Dabei konnte die Provinz Südpreußen um Warschau vergrößert und aus Litauen und Masowien die Provinz Neuostpreußen gebildet werden. Inzwischen hatte sich F. zum Sonderfrieden mit Frankreich drängen lassen, der am 5.4.1795 in Basel zustande kam. Preußen schied damit aus der Koalition aus und überließ den Franzosen das linke Rheinufer. Dafür gewann es die Neutralität Norddeutschlands. Auf diese Weise stand Preußen den Stürmen der folgenden Jahre in völliger Isolierung gegenüber.

    F. hat mehr Länder erworben als sein Vorgänger, aber Kriegführung und Politik offenbarten Schwäche und Zerfahrenheit.

    • Literatur

      ADB VII;  A. Ernstberger, Österreich-Preußen v. Basel bis Campoformio 1795–97, I, Prag 1932;  E. Ruppel-Kuhfuß, Das Gen.direktorium unter d. Regierung F. W. II., 1937;  W. Real, Von Potsdam nach Basel, 1958;  DW 12135, 12140-48, 12256-73.

    • Portraits

      Gem. v. J. H. Schmidt, Abb. in;  Propyläen-Weltgesch. VII, 1930 (Foto-Marburg);  Pastellgem., Abb. in: U. Christoffel, Dt. Kunst 1650–1800, 1923; P in Priesdorff II.

  • Autor

    Hans Haussherr
  • Empfohlene Zitierweise

    Haussherr, Hans, "Friedrich Wilhelm II." in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 558-560 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd11869362X.html

Friedrich Wilhelm II.

  • Leben

    Friedrich Wilhelm II., König von Preußen, war als der älteste Sohn des Prinzen August Wilhelm, ältesten Bruders Friedrichs II., am 25. Septbr. 1744 in Berlin geboren. Die Mutter, Louise Amalie, Prinzessin von Braunschweig, war eine Schwester der Gemahlin Friedrichs II. Die königliche Ungunst, welche nach dem unglücklichen Rückzug der Armee aus Böhmen 1757 den Vater getroffen, begleitete auch nach dessen schon 1758 erfolgten Tode den nunmehrigen Prinzen von Preußen. Friedrich wandte seiner Erziehung nur geringes Interesse zu. Bis 1764 bildeten der geistig sehr begabte und anregende Schweizer Nikolaus Beguelin, vordem Professor am Joachimsthal'schen Gymnasium, und ein Oberstlieutenant v. Brede des Prinzen Umgebung; 1762 ließ ihn der König ins Hauptquartier nach Breslau kommen; er behielt ihn während der Belagerung von Schweidnitz bei sich; 1769 und 70 befand sich F. W. in Friedrichs Begleitung bei dessen Zusammenkünften mit Joseph II. in Neiße und Mährisch-Neustadt. Vorträge, die dem Prinzen de la Haye de Launay, Roden und Wöllner über die Verwaltungspraxis des Landes hielten, unterrichteten ihn nur oberflächlich. — Eine 1765 vollzogene Verheirathung mit Elisabeth Christine, der Tochter des Herzogs Karl von Braunschweig, Schwester des Feldmarschalls Karl Wilhelm Ferdinand, wurde bereits 1769 durch Richterspruch getrennt; die Prinzessin erhielt Stettin zum Wohnorte angewiesen, sie starb erst 1840. — Eine bald nach Lösung der ersten Ehe geschlossene zweite Verbindung des Prinzen mit Friederike Louise, Tochter des Landgrafen Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt, wurde für ihn kein fesselnderes Band, obwol sie ihm zahlreiche Nachkommenschaft gab. Die Maitresse Wilhelmine Enke, Tochter eines Mitglieds der königl. Capelle, auf Andringen Friedrichs II. dem Kammerdiener Rietz ohne Trauung verbunden und unter der späteren Regierung Friedrich Wilhelms zur Gräfin Lichtenau erhoben, genoß andauernd maßloses Vertrauen und tiefgreifenden Einfluß. Sie war, wenn auch ohne wirkliche Erziehung und Bildung, doch geistig reich begabt, dabei F. W. innig ergeben, zugleich aber intrigant und herrschsüchtig. — Die äußere Erscheinung des Prinzen imponirte: eine hohe Gestalt, männliche Schönheit und Würde gewann ihm die Herzen; sein Antlitz trug edle Züge und einen Ausdruck freundlichsten Wohlwollens. Ritterlichen Muthes und gutherzigen Sinns war er idealen Regungen sehr zugänglich, er hatte Verständniß für Kunst und namentlich für Musik; Mozart und Beethoven erfreuten sich seiner Gunst; seine Capelle unter Righini und Himmel hatte europäischen Ruf. Er war nicht ohne Urtheil und hatte mannigfache Kenntnisse; er dachte besser als er sprach; indessen jeder Zucht entgangen, die von anstrengender Arbeit ausgeht, ohne charaktervolle Selbständigkeit den verführenden und verflachenden Einflüssen einer ungezügelten Sinnlichkeit erlegen, fehlten ihm Spannkraft und Consequenz; er ermüdete rasch und war den Ansprüchen einer nachhaltigen und eingehenden Thätigkeit nicht gewachsen. Während des baierischen Erbfolgekriegs hatte Friedrich II. sich ihm zugänglicher bezeigt; 1780 sandte er ihn mit einer vertraulichen Mission zur Kaiserin Katharina nach Petersburg. Die Anknüpfungen Oesterreichs, die Joseph eben persönlich dort aufgenommen hatte, schienen im Interesse Preußens eines Gegengewichts zu bedürfen; die Kaiserin erwies indessen dem Prinzen wenig Aufmerksamkeit, der Zweck seiner Reise wurde nicht erreicht. Friedrich fühlte sich unangenehm berührt; er sah mit Besorgniß auf seinen Nachfolger und auf dessen Umgebung und gab dieser Gesinnung wiederholt entschiedenen Ausdruck. —

    Preußen hatte durch Friedrich eine Machtstellung inmitten des europäischen Staatengebildes erhalten, die an sich in keinem Verhältniß weder zu der Ausdehnung seiner Grenzen, noch zu seinen inneren Hülfsmitteln stand. Die Zusammenfassung der letzteren, ihre sparsamste und abgemessenste Verwendung, wie sie der König selbst mit unermüdlicher Umsicht handhabte, hatten die Grundlage gebildet, auf welche gestützt seine persönliche Größe so wunderbares leisten konnte. Die weitere Leitung des überaus centralisirten Staatsmechanismus nahm die persönliche Tüchtigkeit des Regenten zur Voraussetzung; wurden Abänderungen oder Fortentwicklungen nothwendig, so waren dieselben auf das behutsamste in die Wege zu leiten; namentlich die äußere Politik und das Heer forderten die folgerichtigste Durchführung der maßgebend gewesenen Grundsätze, sollte nicht das Scheiden des persönlichen Genius, wenn nicht sofort, doch in nicht allzu ausgedehnter Frist, als eine Schädigung der Machtschätzung Preußens empfunden werden. Nachdem F. W. am 17. August 1786 den Thron bestiegen, konnte er als Erbe seines Vorgängers und begünstigt durch die Verhältnisse in den nächsten Jahren den ihm anvertrauten Staat eine kaum erwartet glänzende Stellung einnehmen sehen; es blieb ihm aber nicht vorenthalten, auch noch Zeuge des wesentlich von seiner Eigenthümlichkeit bedingten Rückgangs der überkommenen preußischen Größe zu werden. —

    Zunächst ging des Königs Bemühen dahin, nach allen Richtungen Gnadenbeweise zu spenden, Härten zu mildern und unliebsam empfundene Einrichtungen zu beseitigen. Eine übermäßige Zahl von Standeserhöhungen wurden in allen Provinzen verkündet; die unter dem Namen Regie errichtete französische Verwaltung der indirecten Zölle wurde durch ein besonderes Departement mit deutschen Beamten ersetzt; die Generaltabaksadministration und die Kaffeebrennerei-|Anstalt wurden aufgehoben, einige Durchgangszölle vermindert, Verkehrserleichterungen bewilligt; es geschah einiges für Wegebau und Canalisirung. Um aber vollständig andere und richtigere Principien in die Finanzwirthschaft Preußens einzuführen, wie dies nothwendig schien, und wie es von kundigster Seite empfohlen wurde (Mirabeau, Lettre remise à Fr. G. II roi regnant de Prusse le jour de son avénement au trône, 1787), dazu fehlten dem Könige Willenskraft und auch wol die Organe, welche seine Thätigkeit zu beleben gehabt hätte. Man tappte hier- und dorthin, regte Wünsche an und befriedigte wenig. — Die Armeeverwaltung, die Friedrich II. vor allen anderen selbst in Händen gehabt hatte, wurde einem Ober-Kriegs-Collegium übertragen; der Herzog von Braunschweig und der General v. Möllendorf traten an seine Spitze. Wenn nun auch zweckmäßige Abänderungen in der Bekleidung angeordnet, Kasernen gebaut, Bataillone leichter Truppen errichtet, wohlwollende Verfügungen für eine bessere Behandlung der Mannschaft erlassen wurden, ein Dienstreglement seinen Abschluß, das Ersatz- und Cantonwesen bestimmtere Regelung erhielt, so begann doch die einheitlich geforderte Anspannung aller Kräfte in der Armee, die vom Könige selbst ihren Ausgang empfangen hatte, allmählich abzunehmen. — Am wohlthätigsten schien Friedrich Wilhelms Einwirkung zu Gunsten deutscher Wissenschaft und Bildung sich geltend zu machen. Die Berliner Akademie ward deutschen Schriftstellern zugänglich, Immanuel Kant fühlte sich wohl unter des Königs Regiment, 1787 wurde das Ober-Schulen-Collegium errichtet; Seminare für Schullehrer entstanden, die Universitäten Halle und Königsberg erhielten reichere Dotationen. Indessen gelangte man auch hier und namentlich auf kirchlichem Gebiete bald zu Anordnungen, die ungeschickt und plump getroffen wie durchgeführt, lebhaften Unwillen hervorriefen. Wöllner, früher Prediger, dann Gutsbesitzer, genoß das Vertrauen Friedrich Wilhelms schon vor der Thronbesteigung; er hatte in Gemeinschaft mit Bischoffswerder die Neigung des Prinzen zu phantastischer Andächtelei und zu alchymistischen Projecten benutzt, um ihm die Bekämpfung der Irrthümer, welche unter dem Aushängeschilde der Aufklärung innerhalb der protestantischen Kirche vermeintlich die Grundwahrheiten des Christenthums bedrohten, als bedeutsame Regentenpflicht darzustellen. Wöllner war jetzt zum Minister, Bischoffswerder zum Generaladjutanten ernannt worden; unter ihrem Einfluß erschien am 9. Juli 1788 das Edict über das Religionswesen; am 19. December folgte das über die Büchercensur; 1791 wurde die geistliche Examinations-Commission in Berlin gebildet; 12 entsprechende Commissionen in den Provinzen waren ihr untergeordnet. Ueberall war den Neologen der Krieg erklärt, ohne daß die büreaukratisch-absolutistisch gefärbten Maßnahmen im Stande gewesen wären, weder religiös-kirchliches Leben noch gesunde wissenschaftliche Erörterung zu fördern. — In Bezug auf die auswärtige Politik hatte Herzberg, der Minister Friedrichs II., schon 1779 dem Thronfolger eine eingehende Denkschrift über die Lage und die Aufgabe Preußens überreicht; er hatte sich damit das Vertrauen desselben gewonnen. Herzberg vertrat die Grundsätze des politischen Gleichgewichts; er war der ausgesprochene Gegner Oesterreichs, wie es vom Fürsten Kaunitz geleitet, seit 1756 im Vertragsverhältnisse mit Frankreich, jetzt unter Joseph II. auch Rußland zu sich herübergezogen hatte, die Türkei zu bekriegen im Begriff war und die weitgehendsten Pläne verfolgte. Als F. W. zur Regierung gelangt war, fehlte es ihm nicht an dem Ehrgeize, die Geschäfte nach eigenem Ermessen leiten zu wollen; er hörte neben dem Minister auch andere Personen: es bildete sich um ihn bald ein Kreis von Vertrauten, die ohne durchschlagenden Einfluß doch die von Herzberg angestrebte einheitliche Leitung störten und paralysirten.

    Der König war bereits als Prinz den deutschen Entwicklungen mit lebhaftem Interesse gefolgt; die Verstimmung, welche das Vorgehen Josephs sowol bei den geistlichen, wie bei den weltlichen Reichsständen hervorgerufen hatte, war ihm nicht entgangen. Karl August von Weimar hatte ihn den Verhandlungen und Bestrebungen nahegeführt, welche unabhängig von dem später zu Stande kommenden Fürstenbunde mit letzterem die gleichen Zwecke verfolgten. War doch selbst die Rede davon gewesen, die Wahl eines römischen Königs auf F. W. zu lenken. Als dann Friedrich II., veranlaßt durch den Plan Josephs, Baiern gegen Belgien einzutauschen, den Abschluß des Bundes betrieb, hatte der Prinz sehr eifrig in gleichem Sinn nach den verschiedensten Seiten gewirkt. Um so lebhafter beschritt er als König den schon früher eingehaltenen Weg; es war ihm erwünscht, sich auf demselben mit Herzberg zu begegnen; wo sich nur die Gelegenheit bot, suchte man dem Bunde weitere Ausdehnung zu gewinnen. Indessen fehlte es an der durchgreifenden Consequenz, um, von demselben ausgehend, eine kräftigere Gestaltung der deutschen Verhältnisse in die Wege zu leiten; vergebens trieb Karl August von Weimar zu entschiedenerem Vorgehen, entwarf man am Kurfürstenhofe von Mainz bestimmtere Pläne. F. W. war wol momentan lebhaft von den Ideen einer Wiedergeburt des Gesammtvaterlandes erfaßt; dagegen betrachtete Herzberg den Fürstenbund nur als Mittel, die Machtstellung Preußens gegen Oesterreich zu heben; die durch ihn zu erstrebende Belebung des beinahe erloschenen deutschen Gemeingeistes lag ihm nicht am Herzen; auch bestand im Bunde selbst zu wenig Einigkeit, um rasch zu Resultaten gelangen zu können. Judem beschäftigten den König gerade jetzt die holländischen Wirren und boten anscheinend Gelegenheit, in einem engeren Anschluß an die Seemächte größere Vortheile für Preußens Politik zu erlangen. — Der Erbstatthalter der vereinigten Niederlande, Wilhelm V., war mit der Schwester Friedrich Wilhelms vermählt. Die feindselige Haltung Josephs hatte die Generalstaaten 1785 zu Abmachungen mit Frankreich getrieben, die ihre Spitze wesentlich auch gegen England kehrten. Die gegenoranische Partei, die damit zu erneueter Macht gelangt war, forderte jetzt von Holland aus in offener Auflehnung eine Beschränkung der vom Erbstatthalter ausgeübten Rechte. Französische und englische Politik bekämpften sich auf niederländischem Boden. F. W. hatte zunächst nur einen vermittelnden Einfluß geltend gemacht; als ihm aber 1787 die Sicherheit seiner Schwester bedroht erschien, entschloß er sich unter Annäherung an England zu einem bewaffneten Einschreiten. Ein Truppencorps von 24000 Mann unter den Befehlen des Herzogs von Braunschweig überschritt am 13. Septbr. die holländische Grenze. Sein Erscheinen genügte, um die Befugnisse des Erbstatthalters wieder anerkannt und ihn nach dem Haag zurückkehren zu sehen; Frankreich, das Miene gemacht hatte, gegen Preußen aufzutreten, wurde von England aus zu der Erklärung bestimmt, daß es auf weitere Rüstungen verzichte. Am 15. April 1788 wurde zwischen F. W. und der Republik ein Bündnißvertrag abgeschlossen, der allerdings keine directen Vortheile gewährte — der König hatte selbst auf Ersatz der durch die Expedition erwachsenen Kosten verzichtet — der aber gemeinsam mit einem am 13. Aug. mit England vereinbarten, den kräftigsten Rückhalt in den sich immer weiter verzweigenden Verwicklungen mit Oesterreich und Rußland zu geben versprach. — Lebhaft angeregt, hatte F. W. die Verbindung mit England zum Mittelpunkt seiner Politik gemacht; sie verstärkte sein Ansehen nach allen Seiten. Schweden, das den Krieg gegen Rußland aufgenommen hatte, behütete des Königs Einfluß vor einem Angriffe Dänemarks; in Polen suchte man seine Unterstützung; selbst Sardinien und die Schweiz blickten auf ihn, als auf den Schiedsrichter in Europa. Herzberg faßte das durch die Tripleallianz für Preußen gewonnene Uebergewicht in voller Großartigkeit auf; er strebte, zu Abmachungen zu gelangen, welche den gesammten Osten umfassen, dauernde Verhältnisse herstellen und Preußen in Danzig und Thorn die noch immer versagten Stützpunkte für seine dortige Machtstellung zuwenden sollten. In diesem Sinne führte er die Allianz zu Gunsten der Pforte in die Schranken, bekämpfte aber gleichzeitig Oesterreich in Brabant, wo er der Empörung Aufmunterung und moralische Unterstützung angedeihen ließ, in Lüttich, wo er gegen den Bischof für dessen Unterthanen eintrat, in Ungarn, wo er sich mit der Opposition in Verbindung setzte. Den kriegerischen Erfolgen gegenüber, welche die österreichischen und russischen Heere 1789 gewonnen hatten, brachte der preußische Gesandte Diez in Constantinopel am 20. Januar 1790 ein Bündniß mit der Türkei zum Abschluß; die preußische Kriegserklärung gegen Rußland und Oesterreich wurde in Aussicht gestellt, wogegen die Pforte sich verbindlich machte, selbst keinen Frieden einzugehen, ohne Preußen, Polen und Schweden mit einzuschließen. Man beschäftigte sich mit Plänen größester Tragweite. Ein unerwartetes Ereigniß veränderte Alles; am 20. Februar starb Joseph, sein Bruder Leopold wandte sich, den Einfluß des Fürsten Kaunitz bei Seite schiebend, direct an F. W. Der entgegenkommende Schritt fand um so freundlichere Aufnahme, als man sich der unbedingten englischen Unterstützung nicht mehr sicher fühlte. Bischoffswerder, von ausgesprochener Vorliebe für Oesterreich und von Doctrinen bestimmt, die zu denen Herzberg's entschiedenen Gegensatz bildeten, förderte die gewonnene Annäherung. Vorerst zerschlugen sich freilich eingeleitete Verhandlungen; preußische Truppencorps wurden in Schlesien und in Litthauen zusammengezogen; der König ging selbst nach Schlesien zur Armee; Feindseligkeiten schienen nicht mehr fern. Auf den im Juni zu Reichenbach ihren Anfang nehmenden Conferenzen bezeigte sich Oesterreich wol entgegenkommend, aber Luchesini berichtete aus Warschau, daß dort die preußischen Vorschläge auf Schwierigkeiten stießen: ähnliches verlautete von Seiten Englands und Hollands; die vorzugsweise betriebene Gewinnung Danzigs verstimmte; Oesterreichs Haltung wurde zurückhaltender. Der König, unwillig und ungeduldig, drang in Herzberg, einfach den "status quo stiricte" zu verlangen; er glaubte damit den Forderungen Oesterreichs, welche Gebietsabtretungen der Türkei im Auge hatten, am besten zu begegnen; er fürchtete von Leopold nur hingehalten zu werden. Herzberg bestand noch längere Jeit auf seinen Ideen, mußte dann dem aufwallenden Verlangen des Königs weichen. Oesterreich acceptirte jenen status; am 27. Juli wurde die Convention von Reichenbach unterzeichnet; Preußen hatte alle wesentlichen Ansprüche, welche es früher vertreten, aufgegeben; Oesterreich war der Gefahr einer Ueberwältigung durch Preußen glücklich entgangen; F. W. verpflichtete sich sogar in Uebereinstimmung mit den Seemächten, die im Aufstande befindlichen belgischen Provinzen wieder unter die Herrschaft Oesterreichs zurücktreten zu lassen. Die zusammengezogenen Truppencorps wurden aufgelöst; der König kehrte unter dem Jubel Berlins dorthin zurück; in Wirklichkeit hatte er von der Glorie, die ihn noch jüngst umgab, erhebliches eingebüßt. — Leopolds geschickte Hand hatte den Ausgang für weitere Thätigkeit gewonnen; ohne daß das Gewicht des jetzt erblassenden Fürstenbundes seiner Wahlcapitulation Zugeständnisse abgewonnen, wurde er am 9. October zum Kaiser gekrönt; österreichische Truppen setzten den Bischof von Lüttich in seine Rechte wieder ein; die belgischen Niederlande wurden rasch unterworfen. Als sein Vorgehen bedenkliche Differenzen mit den Mächten der Tripleallianz hervorzurufen drohte, als seine Zurückhaltung beim Abschluß des zugesagten Friedens mit der Pforte mißtrauisch machte und zu sehr ernsten Auslassungen Veranlassung gab, wandte er sich von neuem an F. W. Dieser, bald günstig umgestimmt, sandte Bischoffswerder und Manstein in größester Heimlichkeit nach Wien; der Einfluß Englands war ihm unbequem geworden, er wünschte den bevorstehenden Erbanfall der fränkischen Fürstenthümer auf keine Schwierigkeiten stoßen zu sehen, hoffte auch wol nunmehr durch österreichische Unterstützung Danzig gewinnen zu können. Es kam zu sehr eingehenden Auseinandersetzungen, aber noch nicht zu Abschlüssen; Oesterreich zögerte, seine Verbindung mit Rußland aufzugeben. Andererseits wies die Hartnäckigkeit, mit welcher Rußland seine Pläne gegen die Türkei verfolgte und andauernd eine Einigung mit Oesterreich erstrebte, auf eine Belebung der Tripleallianz hin. F. W. rüstete zu einem Kriege gegen Rußland; Englands Minister erklärten sich bereit, eine Flotte in die Ostsee schicken zu wollen. Als jedoch das Parlament sich gegen den Krieg aussprach, mußten die gemeinsamen Pläne zu Boden fallen. Ueberall zeigte sich Schwanken. — Die Vorgänge in Frankreich gaben den unbestimmten Richtungen entschiedenere Directiven; bislang hatte sich das übrige Europa von den Verwicklungen, in welche dort das Königthum und die bevorrechteten Classen mit dem tiers état gerathen waren, unberührt gehalten; selbst die Klagen der deutschen Stände, welche im Elsaß geschädigt worden, hatten wol Proteste und Beschwerden des Reichs und des Kaisers hervorgerufen, gaben aber keine Anregung zu wirklich einengenden Schritten. Erst die gewaltsame Zurückführung des Königs von seiner Flucht und die Suspension der königlichen Gewalt verschafften der Meinung das Uebergewicht, die Sache Ludwigs sei die Sache aller Souveräne. In diesem Sinne hatte sich Leopold am 6. Juli 1791 von Padua aus geäußert und hiermit nirgends bereitwilligeren Anklang gefunden, als bei F. W. Das lebendigste Mitgefühl und der Abscheu vor den Scenen, die die königliche Gewalt in den Staub getreten, überwanden den letzten Rückhalt, welcher einer unbedingten Einigung mit Oesterreich noch widerstrebt hatte. Mit Ungestüm drang der König in dasselbe, den Frieden mit der Türkei abzuschließen; der zum zweiten Male geschickte Bischoffswerder bot, noch über seine Befugnisse hinausgehend, alles auf, um zu einem vorläufigen Allianz- und Garantievertrage zu gelangen. — Die Revolution in Frankreich pacificirte den Orient. Der Friede von Szistowa gelangte unter dem Einfluß Preußens am 4. August zum Abschluß; trotz der Stipulationen des Reichenbacher Vertrages gewann Oesterreich Gebietsabtretungen von der Türkei, ohne die beanspruchte Ausgleichung für Preußen zu vermitteln; das letztere gab seine Verbindung mit der Pforte auf; diese aber erklärte die von England und Preußen unterstützten Friedensvorschläge Rußlands für annehmbar, sodaß auch dorthin eine sichere Basis für Verhandlungen gewonnen war. Fast gleichzeitig trat Kaunitz mit einer gegen die Revolution gerichteten Denkschrift hervor; sie empfahl nicht die Zurückführung Frankreichs auf seine alten Zustände im Sinne der Emigranten, wol aber die gemeinschaftliche Einwirkung aller Mächte zu Gunsten eines mit dem übrigen Europa homogenen Königthums. F. W. stimmte in accentuirtester Weise zu; er meinte, die Denkschrift würde unwirksam bleiben, wenn nicht eine bewaffnete Aufstellung Nachdruck gäbe; er forderte für die im Elsaß geschädigten Stände Gerechtigkeit und wünschte für die einzuleitenden Schritte die Theilnahme Englands. — Um das angebahnte gute Vernehmen zwischen Oesterreich und Preußen zu befestigen, veranstaltete Bischoffswerder die Zusammenkunft der Souveräne beim Kurfürsten von Sachsen am 25. August in Pillnitz; sie kamen mit ihren Thronerben. Bischoffswerder drang auf den endlichen Abschluß seines Vertragsentwurfs; der österreichische Staatsreferendar Spielmann verwies auf weitere Erörterungen. Der König war ganz belebt von dem Gedanken freundschaftlichsten Anschlusses; er ließ auf des Kaisers Wunsch den Plan, die fränkischen Markgrafschaften gegen die Lausitz zu vertauschen, sofort fallen und redete gemeinsam mit dem Kaiser dem Kurfürsten von Sachsen zu, die ihm von polnischer Seite gebotene erbliche|Königskrone anzunehmen. Leopold blieb der behutsame Träger der gemeinsamen Politik Frankreich gegenüber; Graf d'Artois und Calonne erreichten nur, daß die beiden Monarchen jene überaus vorsichtige Declaration vom 27. August unterzeichneten, welche der Graf nicht im Einklange mit ihrem Willen bekannt machte und der er eine aggressive Deutung gab, welche der Absicht, in der sie verfaßt war, nicht entsprach. — Es lag zu Tage, daß mit der factisch vollzogenen Wandlung der preußischen Politik der Träger der früheren Richtung, Graf Herzberg, seine Stellung nicht aufrecht erhalten konnte. Schon während und nach Abschluß der Verhandlungen von Reichenbach hatte sich F. W. verletzend gegen den Minister geäußert; Alvensleben und Schulenburg-Kehnert waren neben ihm und Finkenstein zu Ministern im auswärtigen Departement ernannt worden; andere ihre Spitze gegen Herzberg kehrende Maßnahmen folgten; er trat definitiv zurück. In späteren Jahren versuchte er noch einmal, den König für seine Ansichten zu gewinnen; er wurde aufs herbste zurückgewiesen. — In Paris hatte momentan die einem Königthum zugewandte Majorität der Nationalversammlung die auf dem Marsfelde versammelte Menge niedergeworfen (am 17. Juli 1791); Ludwig nahm die neue Constitution an; an Stelle der constituirenden war am 1. October eine legislative Versammlung getreten. Der Eifer Friedrich Wilhelms wich einer kühleren Anschauung; Anträge zu thätigerem Eingreifen schob er bei Seite. Der Kaiser stimmte dem bei; Leopold sah es als einen politisch gebotenen Schachzug an, die Annahme der Verfassung durch Ludwig als eine freiwillige zu betrachten; die Intervention sollte für den Fall vorbehalten bleiben, daß keine dauernde Sicherung für die Würde der Krone zu gewinnen wäre. F. W. wollte keinen Schritt weiter gehen als der Kaiser. — Mittlerweile hatte jedoch die Partei der Jakobiner die Decrete gegen die Emigranten und gegen die unbeeidigten Priester durchgesetzt, Ludwig versagte seine Bestätigung, seine Lage wurde eine sehr kritische. Marie Antoinette drang bei ihrem Bruder auf eine Intervention durch einen Congreß, dem eine starke bewaffnete Macht an der Grenze, ohne dieselbe zu überschreiten, Gewicht gäbe. Kaunitz war gegen einen Congreß, dagegen gewann Ludwig durch eine an die europäischen Mächte gerichtete Aufforderung von neuem Friedrich Wilhelms Interesse; die früher an Oesterreich gerichteten Anträge sich zu gemeinsamen Schritten zu verbinden, wurden wieder aufgenommen; sie führten dazu, daß an Stelle der Bischoffswerder'schen Präliminarien am 7. Febr. 1792 ein Defensivvertrag abgeschlossen wurde; er versprach die gegenseitige Garantie der Besitzungen beider Mächte, auch in einem besonderen Artikel die gemeinsame Behandlung der polnischen Angelegenheiten. Kaunitz ließ nun eine entschiedener lautende Note nach Paris ergehen; sie brachte den den Frieden anstrebenden Minister Delessart zum Sturz, die republikanische Opposition zu voller Herrschaft. Dumouriez wurde Minister, nach erneuertem Notenwechsel erfolgte am 20. April die Kriegserklärung Frank' reichs gegen Oesterreich. In Wien, wo, nach dem frühen Tode Leopolds, Franz zur Regierung gelangt war, berieth Bischoffswerder die militärischen Operationen; seine Instruction drang auf Gleichheit der beiderseitigen Anstrengungen, dem Herzog von Braunschweig sei der Oberbefehl zu übergeben, eine Entschädigung für die nothwendigen Aufwendungen sollte in der Besitznahme von Jülich und Berg erfolgen. Man unterhandelte noch, als die Franzosen am 29. April 1792 die niederländische Grenze überschritten. — F. W. hatte 50000 Mann ins Feld gestellt; die gemeinsame Action sollte gegen die Maas dirigirt werden. Franz wurde in Frankfurt zum Kaiser gekrönt. F. W. hatte die durch Vertrag vom 2. Decbr. 1791 Seitens des kinderlosen Markgrafen Christian Friedrich cedirten fränkischen Fürstenthümer Ansbach und Baireuth in Augenschein genommen; es|war ein Erwerb von 160 □ Meilen mit 385000 Einwohnern. Hochbeglückt eilte er zum jungen Kaiser nach Mainz. Glänzende Feste empfingen beide. Des Königs Leutseligkeit entzückte alle Welt. Conferenzen führten, im Gegensatz zu Kaunitz, Erwägungen herbei, die den früher eingehaltenen Standpunkt weit hinter sich ließen; Rußlands Auftreten in Polen reflectirte auf dieselben; der Plan Oesterreichs, Baiern gegen die Niederlande einzutauschen, eventuell die Niederlande durch französische Provinzen zu vergrößern, derjenige Preußens, Elsaß und Lothringen für das pfälzische Haus zu gewinnen, wurden gegen einander abgewogen. Kaunitz, der bis zuletzt eine friedliche Einwirkung anstrebte, Frankreich regeln, aber nicht schwächen wollte, trat zurück; zu definitiven Abmachungen gelangte man nicht. Das Manifest des Herzogs von Braunschweig wurde vereinbart; zugleich aber war in Frankreich Ludwig der Gefangene der durch die Factionen jeder Unabhängigkeit beraubten legislativen Versammlung geworden; die Commune gebot unbeschränkt. — F. W., der über Coblenz zur Armee gegangen war, eröffnete seiner Seits die Feindseligkeiten am 11. August mit der Besetzung von Sierk; Longwy capitulirte am 23. August, Verdun am 2. Sept.; die Vereinigung mit den Oesterreichern war erreicht. An der Maas hatte man stehen bleiben wollen; die Nachrichten aus Paris jedoch und die rasch erzielten Erfolge bestimmten zu weiterem Vorgehen; der König hoffte sich unvergänglichen Ruhm zu erwerben. Dabei hielt er sich die Emigranten fern; er verwarf ihren Antrag, den Grafen von der Provence zum Regenten von Frankreich zu proclamiren. Die französische Position bei Grandpré wurde umgangen; Dumouriez retirirte auf St. Ménehould; Kellermann und Beurnonville rückten mit Verstärkungen heran; die französischen Truppen zeigten mehr Haltung, als erwartet war. Anhaltender Regen erschwerte die preußischen Operationen, die Verpflegung unterlag Schwierigkeiten. Die Kanonade von Valmy am 20. Septbr. lähmte das preußische Selbstgefühl, obwol Dumouriez andern Tags seine Stellung räumte. Der König wünschte Fortführung des Angriffs, der Herzog verwies auf das Umsichgreifen von Krankheiten, auf den Mangel an Munition; in der Armee überwog ein Gefühl der Enttäuschung. Es kam zu Verhandlungen, die Manstein führte; die Nachrichten aus Paris nahmen jede Hoffnung auf den erwarteten Umschlag zu Gunsten der Monarchie; Dumouriez zeigte verlockend die Vortheile, welche eine Trennung Preußens von Oesterreich und ein Separatvertrag des letzteren mit Frankreich bieten würden. F. W., obwol damals schon nicht ohne Verstimmung gegen seinen Bundesgenossen, der in seinen Rüstungen hinter seinen Versprechungen zurückgeblieben war, verwarf entschieden solche Gedanken. Indessen war der Rückzug angetreten, bald beschleunigt; die österreichischen Truppen zogen nordwärts ab, Verdun und Longwy wurden wieder geräumt, der König ging unter stetem Verhandeln mit den Abgesandten des Convents nach Luxemburg zurück. — Die militärisch geringen, moralisch aber enormen französischen Erfolge reflectirten nach allen Seiten; Custine besetzte, fast ohne Widerstand zu finden, Mainz und Frankfurt, Montesquiou vereinigte die sardinischen Landschaften Savoyen und Nizza mit Frankreich, Dumouriez rückte mit 80000 Mann nach Belgien, schlug die Oesterreicher bei Jemappes und unterwarf das ganze Land mit Lüttich, Limburg, Geldern und Aachen. — Das Selbstgefühl Friedrich Wilhelms war aufs äußerste erschüttert, sein Mißtrauen gegen Oesterreich wuchs, der Gedanke fand Platz, man habe Preußen nur sich engagiren lassen, um Spielraum für eigensüchtige Bestrebungen zu gewinnen, auch war mit der Vereitelung der Rettung Ludwigs der hauptsächlichste Anreiz geschwunden, welcher der Theilnahme am Kriege Richtung und Aufschwung gegeben. Unwillkürlich trat Preußen die politische und militärische Leitung des Krieges an Oesterreich und an England ab. Das letztere war, nachdem ihm|der Convent am 1. Febr. 1793 den Krieg erklärt hatte, mit Holland der Coalition beigetreten. F. W. beschäftigten mehr und mehr die Verwicklungen in Polen; es lag nicht fern, dort die Entschädigung für die im Kriege gegen Frankreich gebrachten Opfer und die Compensationen für die den anderen Mächten eventuell zuwachsenden Erwerbungen zu suchen. Er war von Luxemburg nach Coblenz gegangen; sein Erscheinen hatte der mit dem Vordringen Custines erwachsenen Panik ein Ziel gesetzt; er war dann gegen Frankfurt vorgerückt, das Rüchel mit hessischen Truppen erstürmte. Während des Winters hielt er dort Hof; er gewann sich die Liebe der Bevölkerung, verkehrte in den Häusern der reichen Patrizier und überraschte durch die Kenntnisse, die er im Gespräch entwickelte. Auch sein Eifer für den Krieg war, nachdem Oesterreich Concessionen den polnischen Plänen gegenüber gemacht, der revolutionäre Charakter der französischen Kriegführung in nacktester Weise sich darstellte, aufs neue erwacht. Er verhieß seine kräftigste Mitwirkung und verstärkte die Armee erheblich. Der Feldzugsplan wurde im December erneuert; Conferenzen, an denen der König persönlich Theil nahm, folgten im Februar. Als erste Unternehmung sollte die Befreiung von Maestricht ins Auge gefaßt werden; der König drang auf schleunige Ausführung. Der Entsatz gelang auch am 1. März 1793 durch Clerfait; die Franzosen wichen hinter die Maas zurück. Dumouriez trat mit dem Plane einer Contrerevolution hervor; F. W. durch Tauenzien, den Bevollmächtigten im Hauptquartiere Coburgs, davon unterrichtet, stimmte lebhaft zu und trieb, auch nachdem Dumouriez gescheitert war, zur Ausbeutung der günstigen Chancen. — Am Rhein war Mainz im April eingeschlossen, die Armee deckte die Belagerung; am 22. Juli kam eine Capitulation zu Stande. Die gesammte Armee des Mittelrheines war somit verfügbar geworden, die Preußen unter dem Herzog von Braunschweig, die Oesterreicher unter Wurmser. Von allen Seiten trafen Nachrichten ein, die zu weitgreifendenden Operationen aufforderten; in Belgien hatten Coburg und York bei Famars gesiegt, sie hatten Condé und Valenciennes genommen; die Spanier machten Fortschritte in den Pyrenäen, in der Vendée waren 60000 Royalisten unter Waffen; der Süden Frankreichs widerstand der in Paris zur Herrschaft gelangten Bergpartei. Dazu lieferten die Rüstungen des nun auch in den Krieg eingetretenen Reiches Verstärkungen für die Coalitionsheere. — Indessen fand der günstige Moment nicht die entsprechende Ausnutzung. Coburg war mit seinen Plänen, die Herstellung der politischen Ordnung und den Frieden durch Begünstigung der widerstehenden Elemente in Frankreich und unter Zusicherung seines Besitzstandes zu erlangen, nicht durchgedrungen; in Wien hatte der Abschluß preußisch-russischer Verhandlungen über die Erwerbung polnischer Provinzen den höchsten Unwillen wachgerufen; Thugut trat als Leiter der auswärtigen Angelegenheiten ins Amt; seine Intriguen, seine eigensüchtige Politik, die für Oesterreich neben dem Eintausche Baierns Vergrößerungen im Elsaß und Flandern anstrebte, zugleich aber Erwerbungen für Preußen in Polen zu hindern suchte, verschob das eigentliche Ziel des Krieges. Die englisch-österreichische Armee in Belgien theilte sich, an die Stelle einer kräftigen Offensive traten langsam vorschreitende Belagerungen von Plätzen, die man sich dauernd gewinnen wollte. Französischer Seits dagegen erfolgte am 23. August das Aufgebot in Masse, der Wohlfahrtsausschuß regierte, Carnot trat in die Leitung der Militärangelegenheiten; ein Umschwung der gesammten Kriegführung bereitete sich vor. — Auch unter Friedrich Wilhelms Augen hatten die Dinge bald einen anderen Charakter angenommen; die Heeresleitung erlahmte wie in den Niederlanden; Wurmser erging sich in einer größeren Zahl von Unternehmungen, bei denen die preußische Unterstützung fehlte; der König wollte sich angesichts der Nachrichten aus Wien nur noch als Hülfsmacht angesehen wissen; auch finanzielle Bedrängnisse machten sich ihm fühlbar; die Partei des Friedens und der Lossagung von Oesterreich, vertreten durch Manstein, Luchesini, Haugwitz, erhob immer entschiedener ihr Haupt; die Stimmungen des Königs wechselten hin und her. Rasch aufflammend wollte er gegen die Saar operiren; die Oesterreicher poussirten ein Vorgehen gegen das Elsaß; auch hiermit erklärte er sich einverstanden. Der Vormarsch begann, die preußischen Corps erreichten die Stellung von Pirmasens; man machte Halt; Thugut'sche Depeschen, die Graf Lehrbach aus Wien überbrachte, hatten verstimmt; indessen als die Franzosen angriffen, und am 14. September geschlagen waren, verlangte der König eifrig, man solle verfolgen und war unwillig, als der Herzog von Braunschweig unthätig blieb. Von neuem wurde der Plan gegen das Elsaß aufgenommen; die preußischen Corps operirten auf dem rechten Flügel, Kalckreuth vertrieb den Feind aus dem Lager von Blieskastel, Hohenlohe vermochte ihn zum Verlassen des Hornbacher Lagers; er wich überall hinter die Saar zurück. Der König war bei Neuhornbach persönlich so weit vorgeritten, daß man um seiner Sicherheit besorgt wurde — da am 29. September verließ er allen überraschend die Armee; die polnischen Angelegenheiten forderten sein persönliches Eintreten; er ging über Frankfurt nach dem neuerworbenen Südpreußen. —

    F. W. hatte lange Zeit eine Polens Erhaltung günstige Politik verfolgt; während des Krieges Rußlands und Oesterreichs mit der Türkei suchte er in Polen eine Verstärkung für die seinerseits eingenommene Position; er hatte am 29. März 1790 ein Vertheidigungsbündniß mit der Republik abgeschlossen; es fehlte nicht an Freundschaftsversicherungen; auch der Partei der Patrioten war mannigfach Vorschub geleistet. Alles dies erfolgte aber unter der Voraussetzung dauernder Beeinflussung sowol, wie der gehofften Abtretung von Danzig. und Thorn. Der Beschluß des Reichstags vom 3. Mai 1791, welcher aus Polen eine im Hause Kursachen erbliche Monarchie machen wollte, bezeugte indessen die Hingabe an eine österreichische Protection. F. W. sprach nun wol zu jenem Reichstagsbeschlusse seine Zustimmung aus, es ließ sich jedoch die Anschauung, daß eine Consolidirung Polens unter Oesterreichs Schutze Preußens Interessen beeinträchtigen werde, nicht zurückdrängen. — Als dann Katharina von Rußland, der die Beendigung des Türkenkrieges durch den Frieden von Jassy freie Hand gegeben, die Klagen der unzufriedenen Aristokraten gern benutzend, eine Intervention vorbereitete, erwiderte Luchesini, der preußische Gesandte, auf die Frage, was der Reichstag bei der drohenden Gefahr thun solle, in Verleugnung des des Bündnißvertrages, daß die polnische Nation selbst ihre Lage zu bedenken und Maßregeln für ihre Sicherstellung zu ergreifen haben würde. F. W. im Westen gebunden, durfte sich nicht im Osten kriegerisch engagiren; hier darauf angewiesen, Preußens Interessen in Mitten der aggressiv vorgehenden Mächte Rußland und Oesterreich zu wahren, konnte er nicht anders, als den eine friedliche Lösung bietenden Ausweg einer neuen Theilung Polens betreten. Verwickelte Verhandlungen in Petersburg und Wien hatten Abmachungen in diesem Sinne zum Ziel. — Mittlerweile hatte Stanislaus von Polen die Targowitzer Conföderation unterzeichnet und sich vollständig vom Reichstage losgesagt; russische Truppen besetzten Warschau; Katharina schaltete über das Land wie über ein erobertes. Nachdem preußischerseits mit ihr Einigung gewonnen, überschritt auch Möllendorf die Grenze und occupirte den an Preußen abzutretenden Landstrich; eine Erklärung vom 6. Januar 1793 rechtfertigte die Maßnahmen mit den demokratischen Grundsätzen der patriotischen Partei und der Nothwendigkeit bei der Fortsetzung des Krieges gegen Frankreich sich im Osten gegen dieselben Tendenzen sichern zu müssen, die im Westen bekämpft würden. Am 23. Januar wurde in Petersburg, nachdem die Vorgänge in Frankreich Englands Widerspruch verstummen gemacht, der neue Theilungsvertrag zwischen Rußland und Preußen unterzeichnet; ein Gebiet von über 1000 □ Meilen war gewonnen, außerdem Danzig und Thorn; das vierfache erwarb Katharina. Die Preußen zugefallenen Landschaften erhielten den Namen Südpreußen, Danzig und Thorn wurden Westpreußen einverleibt. — Den vollzogenen Abtrennungen fehlte noch die Anerkennung des in Grodno versammelten polnischen Reichstags. Der Abgeordnete Katharinas, General Sievers, kam bald zum Ziel; Preußen gegenüber zögerte man. Der Gesandte Buchholz wurde hingehalten und das um so mehr, als Sievers den preußischen Bemühungen seine Mitwirkung vorenthielt. F. W. befahl zu den kräftigsten Maßnahmen überzugehen, Möllendorf erhielt dahin zielende Befehle; eben damals durch die Stellung, welche Thugut genommen, Oesterreich entfremdet, sah er in den polnischen Weigerungen nur österreichische Einflüsterung; sein persönliches Erscheinen sollte die Entscheidung beschleunigen. Indessen hatte Sievers noch vor des Königs Eintreffen auf die Weisung der Czarin sein Verhalten geändert; unter den von ihm geübten Drucke war am 25. September die erstrebte Anerkennung auch der preußischen Erwerbung erfolgt. So hoffte denn F. W. den Verwicklungen, welche ihm die Freiheit des politischen Handelns wesentlich entwunden hatten, doch noch möglichst günstige Resultate abgewonnen zu haben; er vergaß bald, daß gleichzeitig Rußland ganz unverhältnißmäßig und zum Theil auf Kosten Preußens Stärkung und Einfluß zugewachsen waren. Er eilte nach Berlin, wo lebhafte Huldigungen anfangs November seine Rückkehr feierten. — Bevor der König das Heer im Westen verlassen, hatte er dem Herzog von Braunschweig den Befehl ertheilt, die Oesterreicher immerhin zu unterstützen, die Truppen jedoch nicht in ernstliche Unternehmungen zu verwickeln. Landau war von preußischen Abtheilungen eingeschlossen; Wurmser hatte die Weißenburger Linien erstürmt, hoffte Straßburg zu gewinnen. Mittlerweile waren Pichegru und Hoche an die Spitze der französischen Heere gestellt; Hoche griff den Herzog in seiner Stellung von Kaiserslautern an, wurde am 29. und 30. November geschlagen. Da aber eine Ausnutzung des Sieges nicht stattfand, so warfen sich die vereinten Kräfte der Franzosen auf Wurmser, zwangen ihn bei Philippsburg über den Rhein zurückzugehen und machten damit auch die preußische Position unhaltbar; die Belagerung von Landau wurde aufgehoben, der Herzog bezog Winterquartiere zwischen Rhein und Nahe. Die Frucht des ganzen Feldzugs war nahezu verloren; die Mißstimmung der Cabinete von Wien und Berlin war bis in die Kreise der Commandirenden gedrungen; der Herzog verlangte seine Rückberufung; sie erfolgte im Januar 1794; Möllendorf trat an seine Stelle. — F. W. gab sich dem Gefühle hin, daß er in einen Krieg ohne Ausgang verwickelt und daß er nicht im Stande sei, nach Erschöpfung der bereiten Staatsmittel dem Lande neue Lasten aufzuladen. Noch verschmähete er jede Annäherung an Frankreich, er blieb aber dabei, den Krieg auf eigene Kosten nicht weiter führen zu wollen. Es mußte indessen vor allem England daran liegen, Preußens Mitwirkung der Coalition zu erhalten; es suchte einen Subsidienvertrag zu Gunsten Preußens zu Stande zu bringen. Der König griff lebhaft zu; noch einmal war das alte Feuer für den Kampf gegen die Revolution aufgelodert; kaum vermochten Manstein und Luchesini zu mäßigen. Indessen erhob Oesterreich Schwierigkeiten, seine Pläne näherten sich mehr und mehr denen Rußlands. F. W. entrüstet, befahl am 11. März 1794 den Abmarsch seiner Armee nach dem Osten; nur das vertragsmäßige Contingent von 20000 Mann sollte am Rhein verbleiben; auf des englischen Unterhändlers Malmesbury dringendes Mahnen zögerte Möllendorf mit der Ausführung der erhaltenen Ordre. Im letzten Augenblicke schlossen England und Holland am 19. April im Haag allein mit Haugwitz ab; Preußen verpflichtete sich,|gegen die Zahlung von Subsidien 62400 Mann aufzustellen und zu verwenden; auf welchem Kriegstheater, darüber sollte militärische Abrede entscheiden. Der König war bald derartig von der Idee der Erneuerung einer kräftigen Kriegführung hingenommen, daß nur der Blick auf die Wendung, welche die Dinge gerade damals in Polen genommen, ihn davon abhalten konnte, zur Armee nach dem Westen zu gehen. Im Weiteren legte dann aber die gesammte antiösterreichische Partei ihr Gewicht für die Ansicht ein, daß nicht an der französischen, sondern an der polnischen Grenze die wesentlicheren Interessen Preußens engagirt seien; kaum gelang es Haugwitz zu verhindern, daß der Haager Vertrag nicht sofort wieder gebrochen wurde. — Mollendorf eröffnete den Feldzug am 23. Mai mit der zweiten siegreichen Schlacht bei Kaiserslautern, war dann aber nicht zu bewegen, zu gemeinsamen Operationen in den Niederlanden die Hand zu bieten. Das preußische Hauptquartier war ein Sammelpunkt von Politik treibenden Intriganten geworden; in engster Verbindung mit den Parteien in der Umgebung des Königs war es leicht, sich dem schwankenden Willen desselben zu entziehen. Es kam denn auch im Lauf des Sommers dahin, daß als die Weigerung Möllendorf's, nach den Niederlanden zu marschiren, gegen das Andringen Englands von F. W. aufrechterhalten wurde, die Seemächte die Subsidien nicht mehr zahlten, der Haager Vertrag somit wirklich in sich zusammenfiel. — Der Verlaus des Feldzuges in Belgien, welcher nach der Schlacht bei Fleurus die Engländer hinter die Schelde, die Oesterreicher hinter den Rhein zurückrief, während die preußische Armee ruhig an der Lauter stand, minderte allerseits das Vertrauen zu Preußen. Die dritte Schlacht bei Kaiserslautern, zu der sich Hohenlohe aufraffte, konnte hierin um so weniger etwas ändern, als ihr kaum 5 Wochen später am 23. Oct. die Räumung des linken Rheinufers folgte. —

    Des Königs ganze Aufmerksamkeit war den bedenklichen Vorgängen in Polen zugewandt worden. Koscziusko hatte in Krakau am 24. März die Fahne der nationalen Erhebung aufgesteckt; am 17. April war die russische Besatzung von Warschau überfallen; kaum gelang es dem russischen Bevollmächtigen, sich mit wenigen Truppen auf eine preußische Abtheilung zurückzuziehen; die Insurrection verbreitete sich über das ganze Land. F. W. hatte nicht ohne Zeitverlust bedeutende Kräfte mobilisirt, er begab sich mit seinen älteren Söhnen zur Armee nach Oberschlesien und rückte gegen Krakau vor. Koscziusko wurde am 6. Juni bei Szczekoczyn geschlagen, Krakau am 15. besetzt. Indessen fehlte es an einer nachdrücklichen Verfolgung der erlangten Vortheile, erst am 13. Juli gelangte man vor das in der Eile befestigte, von Koscziusko vertheidigte Warschau. Verhandlungen mit Rußland verzögerten energische Schritte, auch Oesterreich trat mit Ansprüchen hervor; nachdem der günstige Moment zum Sturm versäumt war, wurde eine Belagerung nothwendig. Sie war mit ungenügenden Kräften begonnen; bei den Russen stieß man auf Mißwollen. Diversionen der Polen beengten. Am 6. September hob F. W. die Belagerung auf und bezog ein Lager bei Chrzonowice. Er war im hohen Grade verstimmt, auch körperlich sehr angegriffen; am 18. September kehrte er nach Berlin zurück; Graf Schwerin übernahm den Befehl über die Truppen; sie waren in einer größeren Zahl von Detachements auseinander gezogen; es fehlte nicht an Verlegenheiten. Als dann Suworow mit der russischen Armee anrückte, überall siegte, Praga am 4. November erstürmte, Warschau besetzte, fiel das ganze Uebergewicht der die Entscheidung gebenden Macht Rußland zu. Es half nichts, daß Schwerin kriegsgerichtlich abgeurtheilt wurde; der Glanz der preußischen Waffen war hier wie am Rhein wesentlich getrübt. — Katharina hatte die Verhandlungen über eine Theilung auch des letzten Rests von Polen wieder eröffnet. Mit dem von ihr geförderten dauernden Engagement der Mächte im Westen war der Osten zu|einem ihrer Willkür kaum noch bestrittenen Terrain geworden. Dem entsprechend beschleunigte die Abwendung Preußens vom Kriege gegen Frankreich den Abschluß Rußlands mit Oesterreich. Im Vertrage vom 3. Januar 1795 war über die polnischen Lande verfügt, dabei Preußens Antheil ohne sein Zuthun karger als der der anderen gegriffen. Zugleich war eine geheime Declaration unterzeichnet, ein Schutz- und Trutzbündniß zur Eroberung und Vergrößerung; die gemeinsamen Pläne gegen die Türkei waren wieder aufgenommen; Oesterreich erhielt Erwerbungen im Venetianischen zugesagt. F. W. wurde aufgefordert, dem Theilungsvertrage beizutreten; seiner durch Tauenzien in Petersburg übermittelten Weigerung folgten lang hingezogene Verhandlungen. Rußland und Oesterreich versagten schließlich jede Erörterung; man sah sich vor kriegerische Eventualitäten gestellt. Endlich am 24. October 1795 unterzeichnete Tauenzien den bezüglichen Vertrag mit Rußland; mit Oesterreich gelangte man erst am 21. October 1796 zur Vertragsvollziehung. Die Erwerbung bestand in einem Gebiet von 900 □ Meilen mit Warschau; der Territorialzuwachs erhielt den Namen Neuostpreußen. —

    Noch vor diesem Abschlusse im Osten war auch im Westen ein entscheidender Schritt geschehen; der Friede mit Frankreich war zur Thatsache geworden. Schon im August 1794 hatten sowol Luchesini wie Möllendorf den König dringend gebeten, in Verhandlungen zu treten. F. W. zögerte wol; als aber die Verhältnisse sich immer bedenklicher gestalteten, wurde das Gefühl, er müsse sich unter jeder Bedingung diesem zehrenden Kriege entziehen, das endlich bestimmende. Auf dem Rückwege von Polen begriffen, schickte er Luchesini nach Wien, um von Oesterrreich vertragsmäßig ein Hülfscorps für den polnischen Krieg zu fordern, zugleich aber wegen eines gemeinsamen Friedens mit Frankreich zu sondiren. Möllendorf erhielt den Befehl, ernste Gefechte zu vermeiden; nach dem Rückzuge der Armee aufs rechte Rheinufer wurde sogar ein Theil derselben nach dem Osten in Marsch gesetzt. Auch einzelne deutsche Reichsstände drängten zum Frieden. Noch einmal brachte indessen die Eroberung Hollands durch Pichegru den König zum Schwanken; im Februar 1795 fanden Besprechungen statt, in denen von Wiederaufnahme der Feindseligkeiten die Rede war; die Nachrichten aus Petersburg ließen bald in die andere Stimmung zurückkehren. Der Sturz Robespierre's lieh einen willkommenen Vorwand, das Widerstreben, mit der Republik zu verhandeln, zum Stillschweigen zu bringen. Nach verschiedenen Anläufen traten erst Harnier, dann Golz und nach dessen Tode Hardenberg in Basel mit französischen Bevollmächtigten in Unterhandlung. Man einigte sich nicht allzuschwer, und trotz eines an den Reichstag in Regensburg ergehenden kaiserlichen Commissionsdecrets vom 10. Februar 1795 wurde unter der drängenden Befürwortung von Haugwitz am 15. April der Friede von Basel ratificirt. F. W. hatte danach alle seine Truppen, einschließlich seines reichsständischen Contingents von der kriegführenden Armee zurückzuziehen; seine überrheinischen Lande blieben vorläufig in französischen Händen; den anderen Reichsständen war der Anschluß an die Friedensstipulationen offen gehalten; in geheimen Artikeln verpflichtete sich der König, weder gegen Holland, noch gegen irgend ein anderes von französischen Truppen besetztes Land Feindseliges zu unternehmen; Frankreich versprach dagegen, eine Entschädigung Preußens für seine linksrheinischen Lande bei dem allgemeinen Friedensschlusse zu vertreten, auch eine bestimmte am 17. Mai festgestellte Demarcationslinie innezuhalten. Wol hätten es die inneren Zustände Frankreichs damals möglich gemacht, durch entschiedene Haltung die Rettung des linken Rheinufers für Deutschland durchzusetzen; österreichische Eigensucht begegnete sich mit preußischer Erschlaffung; beiden war das schmerzliche Opfer zur Schuld zu stellen. — Der |König und seine Rathgeber verstanden es nicht, den einseitig geschlossenen Frieden auch einseitig auszunutzen. Ein schwächlicher Versuch, die Friedensvermittlung für die sämmtlichen außerösterreichischen Reichsstände zu übernehmen und damit sich an ihre Spitze zu stellen, scheiterte am Reichsgutachten vom 3. Juli, das die Festhaltung der Reichseinheit für Friedensunterhandlungen als unerläßlich erklärte. Der „unverhohlene“ Widerstand Oesterreichs trieb Preußen immer mehr in die Isolirung; in Deutschland erwuchsen Entfremdung und Erbitterung; Oesterreich galt für den Vertreter der deutschen Rechte dem Reichsfeinde gegenüber, Preußen verfiel der Verurtheilung, daß es seine Mitstände eigensüchtig verlassen habe. —

    Diesen Anschauungen leisteten die Maßnahmen vollen Vorschub, welche, als der Krieg jetzt ins Innerste des Reichs vordrang, die allgemeine Bedrängniß benutzend, von den neuerworbenen durch Hardenberg regierten fränkischen Markgrafthümern aus gegen die Rechte schwäbischer Stände in Anwendung gebracht wurden. Die Stadt Nürnberg sollte die preußische Landeshoheit anerkennen; preußische Truppen besetzten die Stadt; erst die Erfolge des Erzherzogs Karl, welche die Franzosen bis hinter den Rhein zurücktrieben, bewirkten die Räumung. Andere fränkische Kreisstände gelangten weniger zu ihrem vermeintlichen Recht, sie wandten sich mit ihren Klagen an den Kaiser und an den Reichstag; der erstere versuchte eine Erledigung dadurch, daß er sich auf des Königs persönliche Gesinnungen berief, die "das Gepräge der Redlichkeit und der entschiedenen Gerechtigkeitsliebe" trügen; die Kurfürsten schlossen sich dem an. Eine größere Zahl von Streitschriften ging hin und her, ohne daß F. W. die Maßnahmen seiner Behörden anderweitig regelte. Der Landeserwerb, den diese Reunionen zu Wege brachten, wog die mit ihnen verbundene Einbuße an Achtung und Sympathie nicht auf. — Erfolgreicher war der König in Norddeutschland; Frankreich hatte gedroht, von Holland aus das Kurfürstenthum Hannover zu besetzen. Eine Armee von 40000 Preußen, Hannoveranern und Braunschweigern rückte unter preußischem Oberbefehl an die Demarcationslinie; die norddeutschen Stände, selbst Sachsen, näherten sich Preußen. Neue Verhandlungen mit Frankreich brachten dem Norden volle Sicherung, führten aber zu einem Vertrage vom 5. August 1796, in welchem der König die Abtretung des linken Rheinufers, vorbehaltlich der Schadloshaltung durch Säcularisirung geistlicher Stände, definitiv zusagte. Der Gedanke eines förmlichen Bündnisses mit Frankreich lag nicht fern. — Friedrich Wilhelms Gesundheit zeigte sich nach dem polnischen Feldzuge mehr und mehr erschüttert; die Schläge, unter denen Oesterreich und der Süden Deutschlands litten, erregten bei ihm nur noch das Gefühl der Genugthuung, daß Preußen durch den eingegangenen Separatfrieden vor ähnlichem gesichert schien. Die Friedensverhandlungen von Campo Formio führten es ihm jedoch vor Augen, daß Frankreich den Widerstreit Oesterreichs und Preußens nur zu eigenem Vortheile ausnutzte. Am 3. Juli 1797 hatte er unter Haugwitz' Einfluß von neuem das Princip der Entschädigung der weltlichen Fürsten durch Säcularisirungen anerkannt. Frankreich eilte vermittelst dieser Erklärung Oesterreich zu bestimmen, in die geheimen Artikel des Friedenstractats die Zusage einer gemeinsamen Ablehnung jeder Neuerwerbung Preußens niederzulegen. F. W. hiervon erfahrend, war aufs heftigste erregt; als er kurz vor seinem Tode den Abgesandten des Kaisers Paul empfing, am 30. October, geschah es mit der bestimmten Hoffnung, im Anschlusse an Rußland ein Gegengewicht gegen Frankreich und Oesterreich zu finden. —

    Die inneren Zustände Preußens waren nicht glücklicher geworden; die Sittenlosigkeit der höheren Stände hatte bis in die Kreise der Beamten hinein wuchernd um sich gegriffen; das Streben nach Besitz um jeden Preis fand in|den neuen polnischen Provinzen, wo confiscirte Güter und Domänen theils verschenkt, theils verschleudert wurden, ungehinderten Spielraum; eine Jagd nach Stellen war eröffnet. Der König trug den neuen Landestheilen unzweifelhaft lebhaftes Wohlwollen entgegen; es fehlte ihm aber die kräftig eingreifende Hand von Oheim und Großvater; Organisation und Verwaltung waren in die Hände der Provinzialminister wie Hoym gegeben. Der von Friedrich II. gesammelte Staatsschatz war verausgabt, man fühlte sich finanziell in hohem Grade beengt; selbst die verhaßte Tabaksadministration hatte wieder eingeführt werden müssen. F. W. hatte einem allgemeinen Gesetzbuche, das sein Vorgänger zu bearbeiten angeordnet hatte, ganz besonderes Interesse zugewendet. Er sah es als ein von ihm persönlich gefördertes Werk an, als im März 1791 die Vollendung bis zur Veröffentlichung gediehen war. Wenn auch die Vorliebe Friedrich Wilhelms für den Adel nicht ohne Einfluß geblieben, so erschienen doch wesentlich Grundsätze adoptirt, welche die französische Umwälzung zur Anerkennung zu bringen ursprünglich bestrebt gewesen war. Als nun aber diese zu voller ausschreitender und abschreckender Herrschaft gelangte, konnte es nicht ausbleiben, daß die gewichtigsten Bedenken gegen die thatsächliche Einführung des Gesetzbuchs laut wurden; es gelang erst nach Ausmärzung der anstößigen Bestimmungen demselben vom 1. Juni 1794 an unter dem Titel "Allgemeines Landrecht für die preußischen Staaten" Gesetzeskraft zu verschaffen. In das Leben des Volks fanden die neuen Principien erst sehr allmählich Eingang. Auslassungen ministerieller Willkür, wie namentlich Wöllner's, entgegenzutreten, war der König viel zu wenig persönlich unabhängig; ja, er selbst wich von den niedergelegten Grundsätzen ab, wenn er in der Zerbonischen Angelegenheit anfangs 1797 ohne Einhaltung irgend welcher Proceßformen Cabinetsjustiz übte. Das Verfahren gegen den Prediger Schulz von Gilsdorf und gegen die denselben freisprechenden Kammergerichsräthe sprach noch lauter in gleichem Sinne. Er duldete es, daß im entschiedensten Gegensatz zum Landrecht das Religionsedict aufrecht erhalten blieb. — Und wie es hier an Consequenz und Ernst mangelte, so entbehrte das private Leben Friedrich Wilhelms andauernd jeden sittlichen Gehalts. Die Verbindung mit der Lichtenau hatte nach und nach einen mehr freundschaftlichen Charakter angenommen; sie hatte ihm zwei Kinder geboren; ein Sohn, Graf von der Mark, starb früh; die Tochter, Gräfin Marianne von der Mark, heirathete 1797 den Erbgrafen Friedrich von Stolberg-Stolberg, ward von ihm geschieden und ging später noch eine zweite und dritte Ehe ein. Der König hielt bis zu seinem Ende die Gewohnheit fest, jeden Abend bei der Maitresse zuzubringen, selbst als ihn die Reize noch anderer Frauen in Fesseln geschlagen hatten. Schon als Prinz hatte er um die Neigung einer Hofdame, eines Fräuleins v. Voß, geworben; sie willigte, durch die Gemahlin des Königs und durch die Gegner der Lichtenau bestimmt, nach längerem Zögern in eine durch Trauung an die linke Hand scheinbar legalisirte Verbindung. Es war in aller Welt Munde, daß das Consistorium die Doppelehe unter Berufung auf ein Gutachten Melanchthon's zu Gunsten Philipps von Hessen für zulässig erklärt habe. Auch fand sich der Geistliche, der die Quasi-Ehe einsegnete. Nach der Geburt eines Sohnes wurde das Fräulein zur Gräfin Ingenheim erhoben; sie starb schon im März 1789. Indessen bereits im April 1790 ging der König eine gleiche Verbindung mit einer anderen Hofdame der Königin ein, mit der Gräfin Sophie Dönhof. Auch hier verrichtete der Hofprediger Zöllner die Trauung. Die Gräfin strebte nach politischem Einfluß, ihre Versuche, die Lichtenau und Bischoffswerder zu beseitigen, endeten mit ihrer Verbannung vom Hofe im Juni 1792. Sie gebar zwei Kinder, den nachherigen General und Ministerpräsidenten Grafen Brandenburg, und eine Tochter, bekannt geworden als Gemahlin des|Herzogs Ferdinand von Anhalt-Köthen; sie convertirte mit ihm zum Katholicismus. —

    Bedrückend und erschlaffend fühlte der König den Niedergang seiner früher überaus kräftigen Gesundheit. Besuche des Bades Pyrmont, wo 1796 und 97 glänzend Hof gehalten wurde, hatten die Entwicklung einer tödtlichen Krankheit nicht aufhalten können. Körperlich und geistig gebrochen sah er auf eine Regierung zurück, die nach kurzem Glanze das Scheitern vieler wohlgemeinter Bestrebungen gebracht hatte. Er verschied nach schweren Leiden, von der Lichtenau gepflegt, am 16. November 1797. Er hinterließ eine Tochter erster Ehe, Friederike, vermählte Herzogin von York, sodann aus zweiter Ehe den Nachfolger Friedrich Wilhelm III. und die beiden jüngeren Prinzen Heinrich und Wilhelm, ferner zwei Töchter, Wilhelmine, Gemahlin des Erbprinzen von Oranien, und Auguste, dem Erbprinzen von Hessen-Kassel vermählt; ein vierter Sohn, Ludwig, im Alter dem Kronprinzen folgend, war nicht lange vor dem Könige gestorben. Die Königin überlebte ihn um mehrere Jahre.

  • Autor

    v. Hartmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hartmann, von, "Friedrich Wilhelm II." in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 685-700 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd11869362X.html?anchor=adb

Friedrich Wilhelm II.

Objekt/Werk(nachweise)

Friedrich Wilhelm II.