Name
Macke, August
Namensvarianten
Macke, August Robert Ludwig; アウグスト・マッケ; マッケ, アウグスト 
Lebensdaten
1887 bis 1914
Geburtsort
Meschede (Westfalen)
Sterbeort
-
Beruf/Lebensstellung
Maler
Konfession
evangelische Familie
Autor NDB
Rosel Gollek
Autor ADB
-
GND
118575864

Macke, August

Maler, * 3.1.1887 Meschede (Westfalen), 26.9.1914 Perthes-les-Hurlus (Champagne). (evangelisch)

  • Genealogie

    V August (1845–1904), Tiefbau-Ing., S d. Friedrich August, Lehrer, Kantor, Organist u. Ortsvorsteher in Seboldshausen Kr. Gandersheim, aus Bauernfam.; M Florentine (1848–1922, kath.), T d. Ernst Adolph, Bäckermeister u. Gastwirt in Velmede, u. d. Maria Florentine Lütke; Vt Helmuth (s. 2); - Bonn 1909 Elisabeth (1888–1978, 2] 1916 Lothar Erdmann, 1888–1939, Gewerkschaftler, Schriftleiter d. Zs. „Die Arbeit“ [S d. Philosophen Benno E., 1921, s. NDB IV]), T d. Kaufm. u. Fabr. Carl Gerhardt ( 1907) in Bonn u. d. Sophie Koehler; Om d. Ehefrau Bernhard Koehler, Industrieller, Kunstsammler (viele M.-Bildnisse); 2 S.

  • Leben

    Nach Schuljahren in Köln und Bonn studierte M. 1904/05 an der Düsseldorfer Akademie und wechselte 1906 an die dortige Kunstgewerbeschule zu F. H. Ehmcke über. Er war eng befreundet mit Wilhelm Schmidtbonn und Herbert Eulenberg, den beiden Dramaturgen am Düsseldorfer Schauspielhaus, wodurch sein Interesse für die Bühne geweckt wurde. Erste künstlerische Arbeiten schuf M. u. a. mit Bühnenbildern für die Inszenierung von „Macbeth“. Anläßlich einer Reise nach Paris im Sommer 1907, zusammen mit Bernhard Koehler, setzte sich M. mit dem franz. Impressionismus auseinander. Im Herbst ging er zu Lovis Corinth nach Berlin, die Arbeit in dessen Atelier sowie die nüchterne Atmosphäre der Großstadt entsprachen jedoch nicht seinem Naturell. Im Frühjahr 1908 kehrte er nach Bonn zurück. Die Familie seiner zukünftigen Frau ermöglichte ihm weitere Reisen, zunächst nach Italien, anschließend ein zweites Mal mit Koehler und Elisabeth Gerhardt nach Paris. Durch Koehler gewann er Einblick in den Pariser Kunsthandel – Durand-Ruel, Bernheim jeune – und lernte Amboise Vollard kennen. 1908/09 leistete M. seine einjährige Militärzeit ab. Auf der Hochzeitsreise 1909, wiederum nach Paris, traf er den Maler Louis Moilliet und durch ihn Carl Hofer. Bei diesem Aufenthalt scheint M. besonders durch diesen und die Fauves beeindruckt worden zu sein. Er erwog, sich für längere Zeit in Paris niederzulassen, entschied sich aber für ein Anerbieten Schmidtbonns, an den Tegernsee nach Oberbayern zu kommen. Eine umfangreiche malerische Produktion dieser Zeit spiegelt den direkten Einfluß der Fauves: gegenüber einer hellfarbigen impressionistischen Manier wie in „Sonniger Garten“ (1908) zeigt sich jetzt ein großzügiger Bildaufbau mit klar und großflächig nebeneinander gesetzten Formen und intensiven Farben, wie in „Porträt mit Äpfeln“ (1909).

    Im Januar 1910 begründete ein Atelierbesuch bei Franz Marc in München eine enge Freundschaft zwischen beiden. Gegenüber Marcs thematischer Beschränkung auf symbolhafte Tierdarstellungen behielt M. die übliche Thematik bei: Porträt, Stilleben, Interieur und Landschaft mit und ohne figürliche Staffage. Formal neue Aspekte, angeregt durch Carl Hofer und Matisse, werden in Bildern wie „Kinder mit Trommeln und Puppe“ (1910) und „Nacktes Mädchen mit Kopftuch“ (1910) deutlich. Im Winter 1910 ging M. nach Bonn zurück. Der Blick aus dem Fenster des dortigen Ateliers wurde verschiedentlich gestaltet („Marienkirche mit Häusern und Schornstein“, 1911, „Unsere Straße in Grau“, 1911). Im selben Jahr fand M.s Begegnung mit Kandinsky und den übrigen Künstlern der Neuen Künstlervereinigung München statt. Als Marc im Februar 1911 Mitglied der Vereinigung wurde, standen künstlerische und kunsttheoretische Erörterungen im Mittelpunkt der brieflichen Diskussion zwischen beiden. M. wurde um Ausstellungsbeteiligung gebeten und um Mitarbeit am von Kandinsky und Marc herausgegebenen Almanach „Der Blaue Reiter“, der bedeutendsten Programmschrift der Kunst des 20. Jh. M. ist darin mit einem Beitrag „Die Masken“ vertreten sowie mit der Reproduktion seines Bildes „Sturm“ und einer|Zeichnung. In der nach Differenzen unter den Mitgliedern der Neuen Künstlervereinigung eigenständig etablierten Ausstellung der Redaktion „Der Blaue Reiter“ im Dezember 1911 zeigte M. drei Arbeiten – ebensoviele wie Kandinsky, in der im Februar anschließenden, nur graphischen Arbeiten gewidmeten 2. Ausstellung sogar 16 Zeichnungen, nur durch Paul Klee mit 17 Exponaten übertroffen. Obwohl M.s Zugehörigkeit zum Blauen Reiter nur einen Teil seines Wesens betraf und seine kritische Distanz immer spürbar blieb, ist sein Name fest mit dieser Künstlergruppe verbunden.

    1912 nahm M. an der Sonderbund-Ausstellung in Köln teil, stellte in der Künstlervereinigung Caro-Bube in Moskau aus sowie in der Kölner Sezession und hatte eine erste eigene Kollektiv-Ausstellung in der Galerie Thannhauser in München. In seiner Arbeit wird die Abkehr von nur kurz gestreiften symbolistisch - mystisch - ungegenständlichen Tendenzen des Blauen Reiters deutlich und seine Rückbesinnung auf die der eigenen Wesensart mehr entsprechende Gestaltung von Eindrücken der sichtbaren Außenwelt. Eine persönliche Begegnung mit Delaunay anläßlich eines Besuches mit Marc in Paris führte zur Übernahme kubistischer Ideen, die von nun an bestimmend in M.s Werk wurden, ohne die gegenständliche Weltsicht zu verdrängen („Zoologischer Garten“, 1912, „Abend“, 1912). Auch die Futuristen mit ihrer Einführung der Zeit in die bildende Kunst wurden in diesem Jahr für M.s Darstellungsweise lebendiger Natur bedeutungsvoll. Für seine jetzt bevorzugten Themen wie „Spaziergang“, „Tänzer“, „Seiltänzer“, „Akrobaten“ ist der Aspekt der Kristallisation von Bewegungsabläufen von großer Bedeutung, ebenso reflektiert das Motiv der Schaufensterbilder mit gespiegelter Straßenszenerie den Einfluß Delaunays. 1913 stellte M. bei Arnold in Dresden aus sowie beiHerwarth Walden in dessen Galerie „Sturm“ in Berlin. Auch die Ausstellung der Rheinischen Expressionisten in Bonn und der Erste deutsche Herbstsalon bei Walden erhielten durch seine Mitarbeit entscheidende Impulse. Im Anschluß an diese Unternehmung übersiedelte er mit seiner Familie für längere Zeit nach Hilterfingen an den Thuner See. M.s Darstellungen aus dieser Periode – Figurengruppen unter Bäumen, Damen vor Schaufenstern und Spaziergänger im Park – gehören zu den Hauptwerken seiner Kunst, die seinen reifen Stil repräsentieren. Im Februar 1914 begleitete M. Paul Klee und Louis Moillet auf die berühmte Reise nach Tunesien. Seine Aquarelle der Tunesienreise gehören zu den bedeutendsten Zeugnissen der Kunst der Klassischen Moderne. Im August 1914 wurde M. zum Kriegsdienst eingezogen. Er fiel im September in der Champagne.

    • Werke

      Weitere Werke Schriften: Im Kampf um d. Kunst, Die Antwort auf d. „Protest dt. Künstler“, 1911; A. M. - Franz Marc, Briefwechsel, 1964.

    • Literatur

      E. Erdmann-Macke (Wwe), Erinnerung an A M., 1962; G. Vriesen, A. M. (Werkverzeichnis, Literatur), 1953, 21957 (mit Abbildung(en) zu, zum, zur Werkverzeichnis); Die Tunisreise, Aquarelle u. Zeichnungen v. A. M., 1958; H. Koch, Eine Tunisreise auf d. Spuren v. A. M., in: Medico Boehringer, 1, 1962, S. 21; L. Land, A. M., 1966; Ausst.-Kat. A. M., Aquarelle u. Zeichnungen, Westfäl. Landesmus. Münster, Kunstmus. Bonn, Kaiser-Wilhelm-Mus. Krefeld 1976/77 (Literatur); Ausst.-Kat. A. M. u. d. Rhein. Expressionisten aus d. Städt. Kunstmus. Bonn, Hannover 1978/79; Ausst.-Kat. A. M., Retrospektive z. 100. Geb.-tag, Westfäl. Landesmus. Münster. Städt. Kunstmus. Bonn, Städt. Gal. im Lenbachhaus München, 1987.

    • Portraits

      Phot., 1913, Abb. b. G. Vriesen, A. M. 1957.

  • Autor

    Rosel Gollek
  • Empfohlene Zitierweise

    Gollek, Rosel, "Macke, August" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 617-618 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118575864.html
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Macke, August