Winkler, Johannes

Lebensdaten
1897 – 1947
Geburtsort
Bad Carlsruhe (Oberschlesien)
Sterbeort
Braunschweig
Beruf/Funktion
Raumfahrtpionier ; Ingenieur
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 120676125 | OGND | VIAF: 306237226
Namensvarianten

  • Winkler, Johannes
  • Winkler, J.

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Zitierweise

Winkler, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120676125.html [04.01.2026].

CC0

  • Winkler, Johannes

    | Ingenieur, Raketenpionier, * 29.5.1897 Bad Carlsruhe (Oberschlesien), † 27.12.1947 Braunschweig, ⚰Braunschweig, Friedhof Querum. (altlutherisch)

  • Genealogie

    V Robert ( 1917), Tischlermeister in B. C.;
    M Rosina Dude;
    7 Geschw ;
    1926 Elisabeth (* 1889), T d. Georg Froböß (1854–1917), aus Breslau, 1880 altluth. Pastor in Alt Kranz (Lkr. Glogau) u. 1886 in Schwirz (Lkr. Namslau), 1896 Kirchenrat in Breslau, 1906 Dir. d. luth. Oberkirchenkollegiums in Preußen (s. NDB IV*; DBJ II; RGG³; BBKL II; Schles. Pfarrerbuch XI), u. d. Elisabeth Berndt;
    2 T Dietlinde|(* 1927), Elisabeth Sabine (* 1929);
    Gvv d. Ehefrau Adolf Froböß ( 1857), Kaufm. in Breslau, Gvm d. Ehefrau Christoph Bernd(t) (1833–1916), 1863 altluth. Pastor in Alt Kranz, 1875 in Wernigerode, 1884 in Hehlen (s. Schles. Pfarrerbuch XI).

  • Biographie

    W.s Erziehung wurde durch den in seiner Familie fest verwurzelten altluth. Glauben bestimmt. Früh durch Unterricht in Gitarre, Klavier und Harmonielehre gefördert, musizierte er später im Familienkreis und in der Kirchenarbeit. Von Technik und Astronomie seit seiner Kindheit fasziniert, festigten die utopischen Romane Jules Vernes und Otto Willi Gails (1896–1956) sein Interesse an der Weltraumfahrt. Nach den Besuchen der Volksschule in Bad Carlsruhe und seit 1909 der Realschule in Oppeln wechselte er auf das Gymnasium in Liegnitz, das er 1915 als Kriegsfreiwilliger mit dem Reifezeugnis für die Prima verließ (Abitur 1918). Im März 1916 wurde er schwer verwundet, so daß sein Bein zeitlebens verkürzt blieb. W. studierte auf Wunsch seiner Mutter ev. Theologie an den Universitäten Breslau und Leipzig (1. theol. Examen 1922). Im Okt. 1922 ging er als Vikar nach Witten/Ruhr.

    Nach der Lektüre von Hermann Oberths (1894–1989) Buch „Die Rakete zu den Planetenräumen“ wandte sich W. der Raketentechnik zu, blieb aber bis 1929 Rendant (Finanzverwalter) der Ev.-Luth. Kirche in Preußen, wohnhaft in Breslau. Seit Jan. 1927 veröffentlichte er die „Deutsche Jugendzeitung“, die im Juli 1927 unter dem Namen „Die Rakete“ zum Organ des neugegründeten „Vereins für Raumschiffahrt–VfR“ wurde. W., der als 1. Vorsitzender des VfR fungierte, publizierte in dieser Zeitschrift grundlegende Artikel zu Fragen der Weltraumfahrt sowie zur Theorie des Strahlmotors, wie er seine Raketentriebwerke nannte. Er beschäftigte sich v. a. mit theoretischen Überlegungen zum Wärmeübergang von Flüssigkeiten in Gasen, ersten Berechnungen zur Gasdissoziation und zur Bündelung von Flüssigkeitstriebwerken. Diese Beiträge begründeten W.s Ruf als Raketenpionier. Parallel zu den theoretischen Überlegungen unternahm er 1928 Versuche mit Flüssigkeitstriebwerken an der TH Breslau.

    Darüber hinaus baute er mit dem Breslauer Modell- und Segelflug-Verein Modelle, die mit Pulverraketen ausgestattet waren. Aufgrund dieser Erfahrungen reichte er 1927 ein Gebrauchsmuster für ein Schnellflugzeug beim Reichspatentamt Berlin ein. Wegen finanzieller Probleme mußte das Erscheinen der Zeitschrift „Die Rakete“ Ende 1929 eingestellt werden; Oberth löste W. im Nov. 1930 als Vereinsvorsitzender ab.

    Seit Sept. 1929 in der Forschungsanstalt der Junkers-Werke in Dessau als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig, testete W. bis März 1931 verschiedene Flüssigkeitstriebwerke mit Benzin, Blaugas (Leuchtgas), Flüssigsauerstoff und Stickoxydol. Der größte gemessene Schub betrug 250 kp. Der Start der ersten europ. Flüssigkeitsrakete „HW 1“ erfolgte am 14.3.1931. Mit Hugo A. Hückel (1899–1947) konstruierte W. ein zweites Modell (HW 2), dessen Start auf der Frischen Nehrung (Ostpreußen) im Okt. 1932 mißlang. 1933 veröffentlichte er einen Teil seiner theoretischen und praktischen Ergebnisse in Werner Brügels Buch „Männer der Rakete“.

    Nach kurzer Arbeitslosigkeit war W. seit Sommer 1933 wieder bei den Junkers-Werken in Dessau beschäftigt. Bis 1935 führte er hier Versuche mit Flüssigsauerstoff und flüssigem Methan fort. Danach widmete er sich der Bündelung von Triebwerken bis zu einer Gesamtleistung von 1000 kp. 1939 wechselte W. als Mitarbeiter in die Luftfahrtforschungsanstalt nach Braunschweig, wo er zum Leiter der Abteilung Strahlenantrieb aufstieg. 1933–39 förderndes Mitglied der SS und seit 1937 Mitglied der NSDAP, wurde er 1947 im Entnazifizierungsverfahren als „Mitläufer“ eingestuft.

    W., der bis zu seinem Tod als Angestellter und später auf Honorarbasis für die Royal Airforce tätig war, faßte 1947 in dem 1981 von der Dt. Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt veröffentlichten Bericht „Compound Rockets, Zusammengesetzte Raketen“ und dem unpublizierten Bericht „Neuere Verfahren zur Berechnung der Dissoziation der Verbrennungsgase in Raketen“ seine technischen Errungenschaften zusammen.

  • Auszeichnungen

    |Benennung e. Mondkraters (1970);
    Ehrentafel, Braunschweig u. Dessau (1980).

  • Werke

    Weitere W div. Art., in: Die Rakete, u. a. Die Gasturbine in ihrer Bedeutung f. d. Raumschiffahrt, ebd. 1, 1927, H. 12, S. 159–62;
    Was kostet d. Weltraumschiff, ebd., S. 170 f.;
    Rückstoß-Diagramm e. Feuerwerksrakete, ebd. 2, 1928, H. 1, S. 3–5;
    Der Triebkörper d. Raumschiffes aus Raketenelementen, ebd., H. 2, S. 25–27;
    Der Strahlmotor, 1989;
    Patente u. a. Elektr. Belichtungsmesser f. beliebig dunkle Objekte, DE 702213, 1940;
    Nachlaß: Archiv d. Dt. Mus., München;
    Hermann-Oberth-Raumfahrtmus., Feucht.

  • Literatur

    |H. Körner, Stärker als d. Schwerkraft, v. Werden u. v. d. Zielen d. Raumfahrt, 1960, S. 113–23;
    R. Engel u. I. Sänger-Bredt, The Development of Regeneratively Cooled Liquid Rocket Engines in Austria and Germany, 1926–42, in: First Steps toward Space, Proceedings of the First and Second Hist. Symposia of the Internat. Ac. of Astronautics, hg. v. F. C. Durant u. G. S. James, 1974, S. 217–46;
    W. Bü|deler, Gesch. d. Raumfahrt, 1979;
    R. Engel, A Man of the First Hour, J. W., in: Hist. of Rocketry and Astronautics, Proceedings, hg. v. Å. I. Skoog, 1990, S. 271–84;
    R. Guder, Astris, zu d. Sternen, Der Raketenpionier J. W., 2002;
    W. Both, K. Rohrwild u. R. Sagner, The Corr. between the Rocket Pioneers J. W. and Hugo Hückel, ebd., hg. v. H. Mayer, 2018, S. 207–34;
    R. Sagner, J. W. in d. Junkers-Werken u. d. Dessauer Raketen, 2022 (P);
    Lex. Naturwiss.;
    Qu Briefe u. Mss. (Privatarchiv).

  • Porträts

    |Photogrr. (Archiv d. Dt. Mus., München u. Privatarchiv).

  • Autor/in

    Reinhard Sagner
  • Zitierweise

    Sagner, Reinhard, "Winkler, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 247-249 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120676125.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA