Lebensdaten
1766 bis 1820
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Verleger ; Kartograph
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118748017 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Reilly, Franz Johann Joseph von

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Zitierweise

Reilly, Franz Johann Joseph von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118748017.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann, kam aus Rußland nach W., Hofmeister;
    M Elisabeth N. N.;
    Katharina N. N. ( 1811);
    1 S.

  • Leben

    Nach dreijähriger unbezahlter Tätigkeit im Staatsdienst begann R. 1789 aufgrund des von seinem Vater geerbten Vermögens mit der Herausgabe kartographischer Kupferstichwerke. Vorbild dürfte Franz Anton Schrämbl (1751–1803) gewesen sein, der seit 1786 zunächst in Troppau, dann in Wien einen großformatigen Weltatlas veröffentlichte. Im Unterschied zu Schrämbl wählte R. für seinen „Schauplatz der fünf Theile der Welt“ ein handliches Kartenformat, das den Käuferwünschen eher entgegenkam und dementsprechend zu einem großen Verkaufserfolg wurde. Nachdem der Atlas bis Ende 1802 auf fast 700 Kartenblätter angewachsen war, kam es infolge der Napoleonischen Kriege zu Verzögerungen und 1806 zum Abbruch des Unternehmens. So umfaßt der „Schauplatz“ letzten Endes nur Europa, zählt jedoch mit 830 Karten bis heute zu den umfangreichsten geographischen Atlanten weltweit.

    Parallel zum „Schauplatz“ veröffentlichte R. in seinem 1792 gegründeten „Landkarten- und Kunstwerke-Verschleiß-Komptoir“ (später „Geographisches Verschleiß-Komptoir“) neben Teilausgaben seines Hauptwerkes (u. a. „Atlaß von Dtld“., 1803, 285 Karten) und Einzelkarten (insbes. zu politisch-territorialen Änderungen) eine Reihe weiterer Atlanten, u. a. den ersten österr. Schulatlas (1791/92, 42 Karten) und den großformatigen „Großen Dt. Atlas“ (1794-96, 28 Karten, eigentl. ein Weltatlas u. d. erste in Österr. erschienene komplette allg. Weltatlas) sowie den ersten Postrouten-Atlas überhaupt (Allg. Postatlas, 1799, 40 Karten). Mit seiner enormen Produktion (1789–1802 erschien mindestens eine Karte pro Woche) besaß R.s Verlag um die Jahrhundertwende eine dominierende Stellung in der aufstrebenden Wiener Privatkartographie, die Nürnberg, das zuvor führende Zentrum der Kartenherstellung im Röm.-Dt. Reich, überflügelte.

    Nach dem Tod seines Sohnes und seiner Gattin und der ihm – wohl zu Recht – zugeschriebenen napoleonfreundlichen und österreichkritischen Schrift „Sinn und Herzmann, oder Wer herrscht nun in Oesterreich?“ (1809) widmete sich R. in seinen letzten Lebensjahren hauptsächlich historischen und literarischen Arbeiten.

  • Werke

    Weitere W Diplomat. Atlas v. d. Ländern u. Landestheilen, die seit 1790 durch Friedensschlüsse v. e. Macht an e. andere abgetretten werden, 1791-98;
    Allg. Erdbeschreibung, 3 Bde., 1792/93;
    Gesch. u. bildl. Vorstellung d. Regimenter d. Erzhauses Österr., 1796;
    Gesch. u. bildl. Vorstellung d. kgl. Preuß. Regimenter, 1796;
    Atlas v. d. an Böhmen u. Mähren gränzenden Fürstenthümern Schlesiens mit d. Gfsch. Glatz, 1796;
    Bibl. d. Scherze mit e. Satyr.-allegor. Atlasse, 6 Bde., 1801;
    Geograph.-Hist. Kriegsweiser in Kupfern, 1801;
    Atlas d. moral. Welt, 1802;
    Catechism d. neuesten Erdbeschreibung, 1804, 21818;
    Bilder-Ztg. f. Kinder mit Erklärungen in sechs Sprachen, 1808;
    Skizzierte Biogrr. d. berühmtesten Feldherren Österreichs v. Maximilian I. bis auf Franz II., 1813;
    Noradin oder Feen-, Helden-, Ritter- u. Romanen-Spiegel, 1813;
    Sinngedichte in drey Büchern, 1816, 21819.

  • Literatur

    K. Wagner, Die Wiener Ztgg. u. Zss. d. J. 1808 u. 1809, in: AÖG 104, 1915, S. 218, 308 f.;
    K. Adel, Geist u. Wirklichkeit, Vom Werden d. österr. Dichtung, 1967, S. 403, 405;
    J. Dörflinger, Die österr. Kartogr. im 18. u. zu Beginn d. 19. Jh., I, 1984, S. 205-70;
    ders. u. H. Hühnel, Atlantes Austriaci, I, 1995, S. 83-116;
    Wurzbach;
    ÖBL. |

  • Quellen

    Qu Wiener Stadt- u. Landesarchiv.

  • Autor/in

    Johannes Dörflinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Dörflinger, Johannes, "Reilly, Franz Johann Joseph von" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 334 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118748017.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA