Lebensdaten
1866 bis 1942
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Pathologe
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 118650629 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Aschoff, Ludwig
  • Aschoff, Karl Albert Ludwig
  • Aschoff, L.
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Zitierweise

Aschoff, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118650629.html [22.07.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus norddeutscher Ärzte- und Apothekerfamilie;
    V Ludwig Aschoff, Geheimer Sanitätsrat;
    M Blanka Heinze;
    1895 Clara, T des Landrats Dieterichs und der Anna von Hennings;
    2 S, 3 T.

  • Leben

    A. studierte in Bonn und Straßburg und empfing nach der Promotion (1889) seine pathologisch-anatomische Ausbildung von den beiden namhaftesten Virchowschülern Friedrich von Recklinghausen in Straßburg und Johannes Orth in Göttingen. 1894 in Göttingen habilitiert, wurde er 1903 ordentlicher Professor für pathologische Anatomie in Marburg und fand 1906 an der Universität Freiburg (Breisgau) sein endgültiges Wirkungsfeld. Er war einer der bedeutendsten Vertreter der Pathologie nach Virchow, ein begeisterter und begeisternder Lehrer, der aus allen Ländern junge Mitarbeiter anzog. Sein persönlicher Einfluß trug auch wesentlich dazu bei, der deutschen medizinischen Wissenschaft nach dem ersten Weltkrieg wieder im Ausland Geltung zu verschaffen. Über 400 eigene und über 1000 Veröffentlichungen seiner Schüler sind das Ergebnis einer Arbeitsleistung, der auch die Emeritierung (1936) und körperliches Leiden kein Ende setzten.

    Seinen frühen Arbeiten folgten bald bahnbrechende Werke: 1904 entdeckte er die später nach ihm benannten Knötchen im Herzmuskel bei Gelenkrheumatismus, mit seinem Schüler Sunao Tawara beschrieb er den sog. A.-Tawaraschen Knoten und das Reizleitungssystem im Herzen (1906) und gab damit der Lehre von der normalen und krankhaft veränderten Herzfunktion eine neue Richtung. Seine grundlegenden Untersuchungen über den Lipoidstoffwechsel (mit Adami, Landau u. a.) brachten Aufschlüsse über die Genese der Atherosklerose, über die Funktion der Nebennierenrinde und über die Bildung der Gallensteine, sie führten ihn auch zu dem Begriff des endothelialen Zellsystems, das für die Erforschung vieler Probleme der Physiologie und Pathologie des Stoffwechsels und der Immunitätslage des Organismus gegenüber bakteriellen Infektionen außerordentlich wichtig geworden ist. Das Ergebnis seines Wirkens als Wehrpathologe während des Weltkrieges 1914-18 waren u. a. außer der Begründung einer bedeutenden kriegspathologischen Sammlung und der Mitarbeit am „Handbuch der ärztlichen Erfahrungen im Weltkriege“ eine Darstellung des Skorbuts als 1. Heft der neugegründeten Veröffentlichungen aus der Kriegs- und Konstitutionspathologie (mit W. Koch, 1919), Untersuchungen „Über den Engpaß des Magens“ (1918) - sie führten zu weiteren Forschungen über die Genese des Magengeschwürs -, über Gasbrandinfektionen, über Wundstarrkrampf, die die Einführung der prophylaktischen Tetanusimpfung mit veranlaßten. Neben seinen Arbeiten über Thrombose (mit von Beck u. a., 1912), über Eileiterschwangerschaft, über das Kropfproblem, über die Pathogenese der Lungenschwindsucht - deren wichtigste in die 1924 in Japan gehaltenen „Vorträge über Pathologie“ (1925) aufgenommen sind -, sind u. a. bedeutungsvoll seine Untersuchungen über die Appendicitis; seine klassische Darstellung der Wurmfortsatzentzündung hatte schon 1908 die Krankheit in ihrem ganzen Ablauf beschrieben. A.s allgemein pathologische Studien, z. B. über Entzündung, mit ihren scharfen Definitionen von Begriffen, wie Gesundheit und Krankheit, waren ebenso didaktisch wertvoll wie das von ihm herausgegebene Lehrbuch „Pathologische Anatomie“ (1908 u. ö.). - Seine Arbeit fußte auf dem morphologischen Befund, ohne auf ihm stehenzubleiben, und war von dem Streben getragen, durch eine funktionelle Betrachtungsweise den Fragestellungen des Klinikers und den Bedürfnissen des praktischen Arztes zu dienen. Neben seinen pathologisch-anatomischen Arbeiten hat A. stets auch die geschichtliche Betrachtung der Medizin beschäftigt; davon zeugen sowohl seine „Übersichtstabellen zur Geschichte der Medizin“ (1898 u. ö., später mit P. Diepgen), wie auch seine Arbeiten über das Bowermanuskript, über die Entdeckungsgeschichte des Blutkreislaufs (1938), über die Geschichte der Syphilis (1939) und über Virchows Wissenschaft und Weltgeltung (1940).

  • Werke

    Weitere W s. Kürschner, Gel.-Kal. 1931, 1940/41.

  • Literatur

    M. B. Schmidt, L. A., in: Zbl. f. Pathol. 80, 1943, S. 1-5;
    F. Büchner, Gedenkrede auf L. A., 1946 (gehalten 1943, P);
    Fischer I, 1932.

  • Portraits

    Büste v. W. Merten (Patholog. Inst. d. Univ. Freiburg i. Br.).

  • Autor/in

    Edith Heischkel-Artelt
  • Empfohlene Zitierweise

    Heischkel-Artelt, Edith, "Aschoff, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 413 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118650629.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA