Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Grafen von Lechsgemünd ; süddeutsches Adelsgeschlecht
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 139774963 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mittersill, Grafen von
  • Pinzgau, Grafen von

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Zitierweise

Lechsgemünd, Grafen von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd139774963.html [23.09.2017].

CC0

  • Leben

    Süddeutsches Adelsgeschlecht (Grafengeschlecht), hauptsächlich genannt nach der „Stammburg“ Lechsgemünd (= Lechsend gegenüber der Lechmündung bei Donauwörth; weitere Benennungen bes. nach Harburg, Möhren, Frontenhausen/Niederbayern, Mittersill, Pinzgau, Windisch-Matrei/Osttirol, Graisbach). Die Herkunft dieses Geschlechts ist weitgehend ungeklärt; die von Genealogen konstruierte Herkunft von den „Schweinfurter Markgrafen“ ist bislang ebensowenig beweisbar wie eine angeblich mit den Scheyern-Wittelsbachern gleiche Abstammung.

    Die erste Erwähnung der L. bezieht sich auf die Schlacht bei Mellrichstadt 1078. Bruno erwähnt in seinem Buch vom Sachsenkrieg, daß ein Heinricus de Lechesmundi in dieser Schlacht (in den Auseinandersetzungen des Investiturstreits) auf der Seite des Königs gefallen sei und daß er zu den „principibus nobilissimis“ gehört habe. Somit wird sichtbar, daß die L. im Augenblick ihres ersten Auftretens in den Quellen schon ein besonders edles und mächtiges Geschlecht waren. Dies wird ergänzt durch die Tatsache, daß sie damals bereits über eine „Stammburg“ verfügten. Heinrichs Vater Konrad (= Kuno I.) überlebte seinen Sohn lange; er wird 1091 erstmals erwähnt, und zwar in Verona ebenfalls in der Begleitung Heinrichs IV.; er war vermählt mit Mathilde, der Tochter des mächtigen schwäb. Grafen Rudolf von Achalm und Schwester der Gründer des Klosters Zwiefalten. Durch diese Heirat erhielten die L. die Herrschaft Winterthur (Schweiz), die sie offenbar aber nur kurzfristig halten konnten.

    Wichtiger war die frühe Herrschaftsausdehnung der L. im Gebiet der Mündung des Lechs und östlich seines Unterlaufs, was sicherlich im Interesse des Königs lag, der 1081 das nahe Donauwörth (Herrschaftszentrum der Manegolde) eingenommen hatte. 10 km weiter nördlich gründeten sie (oder erbten sie von den Achalmern) am Zugang zum Riesbecken und an der Fernstraße Augsburg—Donauwörth—Würzburg-Dänemark die Burg Harburg, nach der sie sich ebenfalls zeitweise (bis 1138) nannten. 1137 nennt sich Otto ferner nach der Burg Möhren b. Treuchtlingen, ebenfalls an einer wichtigen|Verkehrsverbindung gelegen. – Ähnliche Verkehrs- und Herrschaftsfunktionen hatten die L. seit dem beginnenden 12. Jh. in den mittleren Ostalpen, wo sie gerade an wichtigen Verkehrs- und Paßstrecken begütert waren. Schon 1111/25 konnte Gf. Heinrich II. dem Bischof von Brixen die wichtige Burg Leisach b. Lienz (am Schnittpunkt des Drautals mit der Alpenpassage Pinzgau-Felbertauern-Iseltal-Plöckenpaß-Venedig) übergeben. Seither besaßen sie ferner nördlich des Tauernkammes die Gfsch. Oberpinzgau (wohl als Lehen des Hzgt. Bayern) und nannten sich Grafen von Pinzgau oder Grafen von Mittersill (Hauptort des Oberpinzgaus, an der genannten Verkehrsroute über den Felbertauern nach Venedig). Ihr umfangreicher alpiner Eigenbesitz (bes. die Herrschaften Windisch-Matrei und Lengberg) reichte vom Oberpinzgau und Felbertauern im Norden bis zum Defreggengebirge in Osttirol. – Im frühen 12. Jh. gewannen (oder erbten) die L. eine weitere Grafschaft oder Herrschaft, nach deren Zentrum sie sich ebenfalls nannten: Frontenhausen in Niederbayern (östlich der Isar). 1208 kam diese Grafschaft an die Herren von Leonsberg, Teile davon fielen später an das Hochstift Regensburg und an die Wittelsbacher. Seitdem setzte der Niedergang der L. ein. In der ersten Hälfte des 13. Jh. verloren sie auch ihre Besitzungen im Alpenbereich. 1248 soll ihre Stammburg Lechsgemünd zerstört worden sein; vorher schon hatte sich Berthold I. gelegentlich nach der benachbarten (im 12. Jh. einem anderen Geschlecht gehörenden) Burg Graisbach genannt. Im Zentrum des Interesses der L. steht jetzt der Raum nördlich der Donau. Trotz der Konzentration der territorialbildenden Kräfte auf die Gfsch. Graisbach verstärkt sich der Niedergang des Geschlechts im 13. Jh. zusehends. Schon Berthold I. galt als Unruhestifter. Unter Berthold II. begannen 1283 die Irrungen mit Bayern. Als Gf. Berthold III. von Graisbach-L., der tief verschuldet war, zwischen 1302 und 1304 seine vom Reich lehnbare Grafschaft an die Grafen von Hirschberg verkaufen mußte, war aus dieser offensichtlich (mit staufischer Hilfe) sehr ausgedehnten Grafschaft bereits ein Landgericht geworden. Mit Berthold III. starb 1324 das Geschlecht aus (sein Sohn Berthold IV. starb bereits ein Jahr vor ihm). Den Titel Graf von Graisbach übernahm der Gemahl seiner Schwester; sein Neffe Berthold von Neifen, Graf von Marstetten und Graisbach war der bekannte Statthalter Ludwigs des Bayern.

    Die L. stellten zwei Bischöfe: Burkhart von Utrecht (1099–1112) und Konrad IV. von Regensburg (1204–26). Gf. Heinrich II. gründete 1133 gemeinsam mit seiner Gemahlin und seinem Sohn Volkrad die Zisterze Kaisheim bei Donauwörth als Hauskloster und Grablege, ein Jahrhundert später, 1241, gründete sein Nachkomme Berthold das Zisterzienserinnenkloster Niederschönenfeld südlich der Donau.

  • Literatur

    J. A. v. Reisach, Gesch. d. Grafen v. L. u. Graisbach, in: Hist. Abhh. d. Kgl. bayer. Ak. d. Wiss. II, 1813, S. 349-460; C. Trotter, Über d. Abstammung d. Grafen v. Frontenhausen, in: Altbayer. Mschr. 15, 1919/20, S. 17 ff.; A. Diemand, Die Harburg im Ries, 1930; E. v. Guttenberg, Gau Sualafeld u. Gfsch. Graisbach, in: Jb. f. fränk. Landesforschung 8/9, 1943, S. 110-218; F. Tyroller, Die Grafen v. L. u. ihre Verwandten, in: Neuburger Kollektaneen-Bl. 107, 1953, S. 9-62; ders., Genealogie d. altbayer. Adels im HochMA, in: Genealog. Tafeln z. mitteleurop. Gesch., hrsg. v. W. Wegener, 1962 ff., S. 257-68; H. H. Hofmann, Gunzenhausen-Weißenburg (Hist. Atlas), 1960; H. Hoffmann. Die Urkk. d. Reichsstiftes Kaisheim 1135-1287, 1972; W. Störmer, Früher Adel, Stud. z. pol. Führungsschicht im fränk.-dt. Reich vom 8. bis 11. Jh. II, 1973, S. 290-301; J. Lauchs, Die Stiftungsurk. d. Zisterzienserklosters Kaisheim, in: Grundwiss. u. Gesch., Festschr. f. Peter Acht, 1976, S. 78-85.

  • Autor

    Wilhelm Störmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Störmer, Wilhelm, "Lechsgemünd, Grafen von" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 32 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd139774963.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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