Lebensdaten
erwähnt 1468, gestorben 1502
Sterbeort
Schloß Rotenburg bei Verden
Beruf/Funktion
Bischof von Verden und Hildesheim
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135667585 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Berthold von Landsberg
  • Barthold
  • Landsberg, Berthold von
  • mehr

Orte

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Zitierweise

Berthold II., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135667585.html [25.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus niedersächsischem Adel;
    V Ulrich von Landsberg.

  • Leben

    Berthold war vor der Bischofsweihe Domherr und Domdechant in Verden und seit 1468 Koadjutor Bischof Johanns. Die Bemühungen um Behebung der seit langem bestehenden Finanznot des Bistums Hildesheim führten 1482 und 1484 zu schwersten Auseinandersetzungen mit der Stadt Hildesheim („Große Fehde“), wobei Berthold auch kirchliche Strafen anwandte. 1486 kam es zum Vergleich. Die niedersächsischen|Städte, darunter Hildesheim, schlossen sich zu Schutz- und Trutzbündnissen gegen ihre Landesherren zusammen. 1493 siegten die Städte Braunschweig und Hildesheim über Herzog Heinrich von Braunschweig bei Bleckenstedt. Ungerechtfertigte Verhängung des päpstlichen Interdikts über Bertholds Bistümer Verden und Hildesheim führte ihn 1488 nach Rom. 1500 erfolgte ein unverdientes päpstliches Interdikt über die Stadt Hildesheim, während dessen Berthold starb. - Berthold förderte das religiöse Leben (Kult der Eucharistie, der heiligen Anna und der Diözosanpatrone, Reform der Klöster von Isenhagen, Ringelheim und Grauhof) und die Kunst (Altäre von Hans Raphon, Malereien in Goslar u. a., Kurvatur des Bernwardsstabes vom Hildesheimer Goldschmied Wilhelm Saltzenhusen).

  • Literatur

    ADB II;
    H. A. Lüntzel, Gesch. d. Diözese u. Stadt Hildosheim II, 1858, S. 471-95;
    Henning Brandis' Diarium, hrsg. v. L. Hanselmann, 1896, S. 44 ff.;
    A. Bertram, Gesch. d. Bistums Hildesheim I, 1899, S. 431-52;
    R. Doebner, UB d. Stadt Hildesheim, Bd. 7 u. 8, 1881-1901.

  • Autor/in

    Konrad Algermissen
  • Empfohlene Zitierweise

    Algermissen, Konrad, "Berthold II." in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 155 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135667585.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bertold oder Bartold (von Landsberg oder Landsbergen), doctor decretorum, Licenciatus, Bischof von Verden, nachher Bischof von Hildesheim und Administrator von Verden, 1502 am Tage vor Himmelfahrt, also am 4. Mai. Seit 1464 war er, ein gelehrter Mann, ein umsichtiger Verwalter, eine humane und doch energische, imponirende Erscheinung, wie Alb. Krantz ihn schildert, Domdechant in Verden, seit 1468 wegen der Altersschwäche des Bischofs Johann III. der eigentliche Regent des Stifts als Vorständer oder commissarius; 1470 ließ das Domcapitel den geistesschwachen Johann ( 21. Juni 1472) Verzicht leisten und erwählte B., den Papst Paul II. am 18. Mai 1470 bestätigte; am 28. Oct. wurde er inthronisirt. Verden hat sich unter ihm 32 Jahre einer tüchtigen Regierung erfreut. Als im Stift Hildesheim in zwiespältiger Wahl Bertolds Vetter, der Domdechant Henning von Hus (Haus, de domo), gegen Landgraf Hermann von Hessen, den spätern Erzbischof von Köln, und darauf als dieser resignirte, gegen Balthasar von Mecklenburg, den Administrator von Schwerin, gewählt wurde, eilte B. herbei und weihete und inthronisirte jenen 1472 am 14. April mit Hülfe der Stadt Hildesheim. Eine dreijährige Fehde war die Folge, aus der Henning siegreich hervorging. Da er aber den räuberischen Stifsadel gegen sich hatte und ebenso den Domprobst Eckhard von Wenden, auch 1479 wieder in schwere Fehde mit Wilhelm von Braunschweig und Landgraf Heinrich von Hessen gerieth, so resignirte er das Bisthum zu Bertolds Gunsten, und der Rath von Hildesheim bat in Rom um Bestätigung, zugleich um Genehmigung der Bedingung, daß B. das Bisthum Verden als Administrator behalte. Der Papst bestätigte ihn 1481. Mit dem Hauptfeinde seines Vorgängers, Herzog Wilhelm von Braunschweig, und dessen Sohne Heinrich schloß er 28. Febr. 1483 einen Schutz- und Trutz-Vertrag auf 20 Jahre; derselbe führte aber nur zu Zerwürfnissen, da Wilhelm gegen den aufsässigen hildesheimer|Stiftsadel nicht hinlänglich Hülfe zu leisten schien. Als daher 1492 die Braunschweiger Fehde ausbrach, in welcher alle ringsum wohnenden Fürsten und Herren, sowie der hildesheimische Stiftsadel gegen die Stadt Braunschweig zogen, trat B. mit den Städten auf die Seite Braunschweigs; zum Danke ließ dieses ihn 3. Oct. 1493 durch 2000 Mann gegen einen beabsichtigten Ueberfall nach Alfeld geleiten. Mit der Stadt Hildesheim stand er im Ganzen gut, den Stiftsadel, namentlich die Schwichelt, konnte er nicht zur Ruhe bringen, und einer des letzteren Hauses brachte schließlich 1500 den päpstlichen Bann über die hildesheimer Kirche, nicht über B., überhaupt nicht über Personen, wie der Domdechant Oldekopp direct angibt. Das Stift sollte eine Schuld zahlen, die jener Vasall trotz des über ihn verhängten päpstlichen Bannes nicht zahlen wollte. Wegen der hildesheimer Wirren residirte B. regelmäßig in seinem Schlosse zu Rotenburg im Stifte Verden. Von hier aus nahm er den Plan Johanns III. einer näheren Verbindung zwischen Bremen und Verden in politischer Beziehung wieder auf und schloß 1493 einen Schutzvertrag zunächst auf 20 Jahre mit dem Erzstift Bremen, das von Heinrich von Schwarzburg, Bischof von Münster, administrirt wurde; doch konnte er diesen Vertrag dem Nachfolger Heinrichs, Erzbischof Johann Rode, nicht halten, da er in der Hadeler Fehde des Herzogs Magnus von Lauenburg gegen das Erzstift der schwarzen Garde 1500 den Weserübergang zu gestatten gezwungen wurde. — Als gelehrter und kunstliebender Herr hat B. das engere „Chronicon episcop. Verdensium“ (Leibnitz, Script. rer. Brunsv. II. p. 211 ss.), das stecken geblieben war, um acht Bischöfe bis auf seine Zeit vermehren lassen, dasselbe auch mit anderen Nachrichten seinem Freunde Albert Krantz für die „Metropolis“ zu verwerthen gegeben. Er selbst sammelte eine reiche Bibliothek und ließ das „Missale Bartholdi episcopi Verdensis“ oder „Ordinarius ecclesiae Verdensis“ durch Barthol. Ghotan, damals wahrscheinlich in Lüneburg, vielleicht auch Lübeck, 1480—82 in Fol. drucken. Wol auf Bertolds Veranlassung wurden vom Abt Werner (v. Dagförde) die jungen Mönche vom Kloster St. Michaelis zu Lüneburg auf Universitäten geschickt. In Hildesheim im Rittersaale befand sich seit 1483 ein Gemälde des Fegefeuers mit B. knieend zur Seite (als donator?); unter ihm und wahrscheinlich auf seine Veranlassung suchten sich die Antoniusbrüder, die schon lange vorher im Verdischen und Bremischen sammeln ließen, im Stift Verden niederzulassen; wahrscheinlich durch ihn auch versuchte man die in Hildesheim üblichen Passions- und Tafelrundenspiele in Verden einzuführen, freilich vergeblich. Sein Hauptwerk aber ist der Neubau des Schiffes vom herrlichen Verdener Dome, das er 1473—1490 vollendete. Er starb in Rotenburg am 4. Mai 1502 (nicht 5. Mai 1503) und wurde begraben im Schiffe des Domes zu Verden wahrscheinlich am 9. Mai 1502. Alle anderen Daten sind irrig. Das Necrol. Verdense hat den 9. Mai wegen der Stiftung seiner Memorie am Begräbnißtage 1529 durch seinen Verwandten, den Archidiakon, dann Dechanten, Bartold von Landsberg. Seine schöne eherne Grabplatte ist jetzt in der westlichen Vorhalle des Domes in der Wand befestigt; wahrscheinlich goß sie Heinrich Bargmann. Unter B. hatte Verden zum letzten Male selbständige Bedeutung.

    • Literatur

      Vergl. Lüntzel, Pfannkuche I (auch in der Einl.) und II; Neues vaterl. Archiv und Zeitschr. des hist. Ver. für Niedersachsen an vielen Stellen; Gebhardi, Gesch. des Kl. St. Michaelis zu Lüneburg. (Pratje) A. und N. 10. S. 253; Martini, Beitr. etc. der Bibl. des Klosters St. Michael. zu Lüneburg S. 95 (wo Ghotan zu lesen); Krause, Archiv des Stader Ver. f. Gesch. 1864 (wo die Grabplatte abgebildet).

  • Autor/in

    Krause.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krause, "Berthold II." in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 523-524 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135667585.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA