Lebensdaten
1900 bis 1975
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Zeichner
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 127920471 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fips (Pseudonym)
  • Rupprecht, Philipp
  • Fips (Pseudonym)
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Zitierweise

Rupprecht, Philipp, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd127920471.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann, Former, S d. Michael, Sattlermeister in Engelthal b. N., u. d. Anna Waldrab;
    M Johanna, T d. Philipp Bach, Sattlermeister, u. d. Anna Stressenreuther;
    1) Buenos Aires 1921 Erna, aus Berlin, T d. Ernst Blom, Fotograf, u. d. Pauline Schröder, 2) Nürnberg 1930 Berta, T d. Karl Engelhard u. d. Katharina Stöcklein;
    1 S, 2 T aus 1), 1 S aus 2).

  • Leben

    R. wanderte 1920 von Nürnberg nach Buenos Aires aus, wo er sich – amtlichen Quellen und Selbstzeugnissen zufolge – längere Zeit als Kellner durchschlug, bevor er als Zeichner zu arbeiten begann. In Texten aus der NSZeit wird seine damalige Beschäftigung mit „Wildwestreiter“ angegeben. 1925 kehrte R. mit seiner Familie aus Argentinien nach Nürnberg zurück. Nach eigener Darstellung führte ihn ein Auftrag der sozialdemokratischen „Fränkischen Tagespost“, während eines Gerichtsverfahrens Zeichnungen von Julius Streicher (1885–1946), dem späteren NSDAP-Gauleiter, anzufertigen, mit diesem zusammen. Im Dez. 1925 erschien unter dem Pseudonym „Fips“ eine erste Karikatur in Streichers antisemitischem Hetzblatt „Der Stürmer“. 1926/27 versuchte sich R. als Herausgeber der Zeitschrift „Die Lupe“, daneben arbeitete er auch für andere Zeitschriften. Hauptsächlich war R. jedoch für den „Stürmer“ tätig; für diesen lieferte er bis 1945 Hunderte von Zeichnungen, die z. T. auch in Faltblättern und anderen Veröffentlichungen, wie etwa der „Deutsche Presse“, nachgedruckt wurden.

    Wie kein anderer bildender Künstler stellte R. sein Zeichentalent in den Dienst der nationalsozialistischen Rassenideologie. Zwar griff er dabei auf überkommene antisemitische Stereotypen zurück, schuf aber mit dem sprichwörtlich gewordenen „Stürmerjuden“ den künstlerischen Ausdruck der Entmenschlichung dieser Minderheit. Darüber hinaus kam seine Gesinnung auch in den von ihm verfaßten Textbeiträgen für den „Stürmer“ zum Ausdruck. Speziell für Kinder illustrierte er das von Ernst Hiemer (1900–74) verfaßte und 1938 im Stürmerverlag erschienene Buch „Der Giftpilz“. 1938 siedelte R. mit seiner Familie nach München über. Wie schon in Nürnberg arbeitete er auch hier als Gebrauchsgrafiker und betätigte sich gelegentlich als Holzschnitzer. Bei Kriegsbeginn kurzzeitig zur Marine eingezogen (Signalgast auf e. in Wilhelmshaven stationierten Minensuchboot im Okt. 1939), wurde R. offenbar wegen des propagandistischen Wertes seiner Arbeiten vom Kriegsdienst freigestellt und kehrte nach München zurück; später zog er von dort nach Assling (Lkr. Ebersberg).

    Nach Kriegsende wurde R. verhaftet und verbüßte im Internierungslager Eichstätt eine dreieinhalbjährige Haftstrafe. Die Berufungskammer für Oberbayern bestätigte 1949 das Urteil der Spruchkammer Ebersberg von 1947, wonach R. als Hauptschuldiger einzustufen sei, und verurteilte ihn zu insgesamt zehn Jahren Arbeitslager. Am 23.10.150 us dem Arbeits- und Festhaltelager Eichstätt entlassen, lebte er danach als Kunstmaler und Dekorateur in Starnberg und München.

  • Werke

    Weitere W Juden stellen sich vor, 1934 (mit 24 Karikaturen);
    Originalzeichnungen f. d. „Stürmer“ im StadtA Nürnberg, Bestand E 39 Anhang.

  • Quellen

    Qu Der Stürmer. Nürnberger Wochenbl. z. Kampf um die Wahrheit, hg. v. J. Streicher, Nürnberg [1.] 1923, 1 (Mai) – 18 (Nov.); 2. 1924, 1 (März) – 23. 1945, 8 (22. Febr.); StadtA Nürnberg. Bestand C 21/III Nr. 1331, C 21/VII Nr. 132 (P). C 36/I Nr. 324, S. 409-13, E 39 Nr. 2379/1, E 39 Anhang Nr. 663/1-2; StA München, SpkA K 1479.

  • Literatur

    R. Bytwerk, Julius Streicher, The Man Who Persuaded a Nation to Hate Jews, 1983;
    F. Hahn, Lieber Stürmer, Leserbriefe an d. NS-Kampfblatt 1924-1945, e. Dok. aus d. Leo Baeck Inst. New York, 1978;
    Arnd Müller, Das Stürmer-Archiv im StadtA Nürnberg, in: VfZ 32, 1984, S. 326-29;
    Quellen d. Hasses, Aus d. Archiv d. „Stürmer“, 1933-1945, hg. v. H. Froschauer u. R. Geyer. Ausst.kat. StadtA Nürnberg, 1988;
    K. Fleming, Karikaturisten-Lex., 1993 (unter „Fips“);
    A. Heider, Art. „Stürmer“, in: Enz. NS.

  • Autor/in

    Gerhard Jochem
  • Empfohlene Zitierweise

    Jochem, Gerhard, "Rupprecht, Philipp" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 282-283 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd127920471.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA