Dates of Life
1533 bis 1595
Place of birth
Hohenems
Place of death
Rom
Occupation
Kardinal ; Fürstbischof von Konstanz ; Bischof von Cassano in Kalabrien ; päpstlicher Legat zum Konzil von Trient ; Mäzen ; Graf von Hohenems
Religious Denomination
katholisch
Authority Data
GND: 122498348 | OGND | VIAF
Alternate Names
  • Markus Sittikus
  • Sitticus von Hohenems, Marcus
  • Hohenems, Marcus Sittich Graf von
  • more

Relations

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Places

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Citation

Marcus Sitticus, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122498348.html [22.05.2019].

CC0

  • Genealogy

    V Wolf Dietrich (I.) v. Ems (um 1507–1538), Landsknechtsobrist, Vogt v. Bludenz (s. ADB 13, S. 515 f.), S d. Marx Sittich (I.) (1466–1533), Landsknechtsobrist, Vogt v. Bludenz u. Bregenz (s. ADB 13, S. 512 ff.), u. d. Helena v. Freiberg;
    M Chiara (1507 - um 1560), T d. Bernadino de'Medici ( 1519) (Mailänder Fam.) u. d. Cecilia Serbelloni;
    Ov Georg Sigmund v. Ems (1494–1547), Domherr in Konstanz u. Basel (s. L);
    Om Gian Giacomo (1495–1555), Marchese di Marignano, kaiserl. General, Gian Angelo = Papst Pius IV. (1499–1565);
    B Jakob Hannibal (s. Gen. unten);
    Schw Helena ( 1586, Hans Werner v. Raitenau, 1593, Landvogt v. Burgau, kaiserl. Rat u. Obrist), Margareta ( Fortunat Frhr. v. Madrutsch, 1612); natürl. S (M Olivia Giganti aus Genua) Roberto (1566–86), Duca di Gallese, Kapitän d. päpstl. Garde u. Gouverneur d. Borgo (⚭ Cornelia, 1643, T d. Virginio Orsini, 1573, Duca di San Gemini, u. d. Giovanna [T d. Bonifazio Gaetani, Duca di Sermonetal]), T Altea ( 1619), seit 1583 Benediktinerin (Suor Giovanna) in S. Ambrogio della Massima in Rom;
    E Gian Angelo (1587–1620), Duca di Gallese ( 1] Maria, T d. Federico Cesi, 1630, Duca di Acquasparta, u. d. Olimpia Orsini, 1616, 2] Margherita, 1635, T d. Gian Angelo Gaudenzio Barone di Madruzzo [Madrutsch, 1618] u. d. Caterina Orsini;
    N Wolf Dietrich v. Raitenau (1559–1617), EB v. Salzburg, Marcus Sitticus, EB v. Salzburg ( 1619, s. NDB 16), Federico Borromeo (1564–1631), EB v. Mailand, Kardinal.

  • Life

    Unter Anleitung des Condottiere-Onkels Gian Giacomo de'Medici nahm M. zusammen mit dem älteren Bruder Jakob Hannibal an den letzten Kämpfen Kaiser Karls V. mit Frankreich teil, 1552 vor Metz und 1554/55 vor Siena, wo er eine schwere Schädelverletzung davontrug. Diese Verletzung, die Bemühungen der Mutter und des Kardinal-Onkels Gian Angelo de'Medici, schließlich wohl auch ein gefährlicher Kutschenunfall in Rom, bei dem er wie durch ein Wunder unverletzt blieb, ließen ihn die militärische Laufbahn, in der er es mit 23 Jahren bis zum Hauptmann gebracht hatte, mit der geistlichen vertauschen, als der Onkel 1559 als Pius IV. Papst wurde. 1560 wurde er Komtur des Ritterordens von Santiago und Kammerkleriker. Im selben Jahr resignierte ihm Pius IV. das Bistum Cassano in Kalabrien, schickte ihn zur Notifikation seiner Wahl als Gesandten zu Kaiser Ferdinand I. und erhob ihn am 26.2.1561 zum Kardinal. Bemühungen, ihm die Koadjutorie Erzbischof Johann Gebhards von Köln oder nach dem Tod Michael v. Küenburgs das Erzbistum Salzburg zu verschaffen, wo er Domherr geworden war, scheiterten ebenso wie der Versuch, ihn dem Konstanzer Bischof Christoph Metzler v. Andelberg als Koadjutor aufzudrängen. Immerhin wurde er im August 1561 ins Konstanzer Domkapitel aufgenommen, das ihn nach Metzlers Tod unter päpstl., kaiserl. und span. Druck, dank des Einsatzes der Nuntien Volpe und Delfino und des Schwagers und Burgauer Vogts Hans Werner v. Raitenau und offenbar unter dem Einfluß simonistischer Machenschaften am 6.10.1561 zum Bischof wählte. Pius IV. bestätigte ihn keine drei Wochen später und ernannte ihn kurz darauf zum fünften Legaten bei dem im Januar 1562 wiedereröffneten Konzil von Trient. Obwohl theologisch durchaus ungebildet und selbst von der Mission wenig angetan, erwies er sich als päpstl. Nepot, deutscher Reichsbischof und Verwandter des Trienter Bischofs und Kardinals Christoph v. Madrutsch als nicht ganz unnütz, wurde jedoch schon 1563 von Bernardo Navagero abgelöst, nachdem das Projekt, päpstl. Truppen unter seiner Legation in den 1. Hugenottenkrieg zu schicken, im Sommer 1562 bei Katharina von Medici keinen Beifall gefunden hatte. Auch die vom Papst bereits beschlossene Legation zum Regierungsantritt Kaiser Maximilians II. 1564 zerschlug sich. Dafür erhielt M. die Legation der Marken, wo er gegen das aufsässige Ascoli vorging. Mit angebahnt hat er die Hochzeit seines Bruders Jakob Hannibal mit Ortensia, der Halbschwester des Vetters und Kardinalstaatssekretärs Carlo Borromeo, die 1565 in Rom mit großem Pomp gefeiert wurde und die Eifersüchteleien zwischen den Nepotenfamilien Borromeo und Hohenems beendete. Im selben Jahr vertrat er Borromeo eine Zeitlang im Staatssekretariat, ließ sich, obwohl eigentlich kein Freund der Mönche, von ihm 1565/66 auch für die Wahl des Dominikaners Pius V. zum Papst gewinnen, hielt auf dessen Drängen 1567 in Konstanz eine der ersten Diözesansynoden im Sinne des Tridentinums ab, nachdem er sich im Jahr zuvor am Augsburger Reichstag beteiligt hatte, und begann auch mit der Visitation seines Bistums, das er jedoch seit 1569 nicht mehr betrat, sondern seinen Weihbischöfen Jakob Eliner und Balthasar Wurer und den Schweizer Nuntien überließ und 1589 wohl nicht ganz freiwillig und gegen eine Jahrespension von 18 000 Gulden an Kardinal Andreas von Österreich resignierte. Zumal in der Schweiz hat seine Vernachlässigung der in Trient eingeschärften bischöfl. Residenzpflicht Ärgernis erregt und die Los-von-Konstanz-Bewegung, im Schwäb. Reichskreis das Übergewicht des ev. Württemberg verstärkt. Dafür hat M. in Rom bei den Papstwahlen nach Pius V. – er war insgesamt siebenmal im Konklave – als Führer der Kreaturen Pius' IV. (da Borromeo sich hier eher zurückhielt und 1584 starb) eine wichtige Rolle gespielt, besonders als er 1591/92 die Wahl des strengen Giulio Antonio Santori vereitelte und so die Wahl Klemens' VIII. ermöglichte.

    An sich kein Mann der kath. Reform, bekehrte sich M., unter dem Einfluß Borromeos, mit zunehmendem Alter und unter Krankheit leidend, doch mehr und mehr. Die Priester- und Bischofsweihe hat er, seit 1562 Diakon, freilich nie empfangen. Unter Pius IV. mit Pfründen überhäuft – darunter einer Reihe von Kommenden, von denen er Mirasole bei Mailand immerhin zur Fundierung des von Borromeo eingerichteten Mailänder Collegium Helveticum zur Verfügung stellte- und auch in den folgenden Pontifikaten mit allerei Ämtern und Funktionen (Mitglied der Congregatio Germanica, Protektor des Germanikums, Legat des Patrimonium Petri) ausgestattet, wurde er einer der reichsten Männer Roms. Für seinen 1568/82 legitimierten natürlichen Sohn Roberto und dessen Nachkommen, die Herzöge von Altemps, erwarb er in und außerhalb des Kirchenstaats riesigen Grundbesitz, vor allem Gallese in Teverina mit Soriano und Bassano aus dem früheren Besitz der von Pius IV. entmachteten Carafa, das Sixtus V. 1585 zum Dukat erhob, und den „Status Tusculanus“ um Frascati, wo er in den Jahren 1573/80 von Martino Longhi die berühmte Villa Mondragone erbauen ließ (nach dem Drachen im Wappen Gregors XIII. genannt, der dort gerne seine Ferien verbrachte und 1582 die Kalenderreformbulle unterzeichnete). Longhi baute ihm ferner den Palazzo Altemps bei San Apollinare, in dem M. Antiquitäten und Bücher ansammelte, und die Kapelle der Madonna della Clemenza in Santa Maria in Trastevere, seiner letzten Titelkirche, in der er zusammen mit seinem eher mißratenen und früh verstorbenen Sohn begraben liegt. Tasso, zu dessen Mäzenen er zählte, soll zu seinem Tod sein letztes Sonett gemacht haben.

    Die Hohenemser Verwandtschaft verübelte M. die Gründung und sie enterbende Ausstattung der ital. Nebenlinie Altemps – sie besteht heute noch, während die Grafen von Hohenems 1759 ausgestorben sind. Aber M. hat von Longhi auch den Palast in Hohenems bauen lassen und vom Nepotismus nicht nur profitiert, sondern ihn auch seinerseits geübt, indem er den Aufstieg seiner geistlichen Neffen Marcus Sitticus, Wolf Dietrich v. Raitenau und Federico Borromeo förderte. Bei allen Schattenseiten ist der einstige Kriegsmann in einer Zeit des Übergangs doch einer der großen Kardinäle des 16. Jh. gewesen.

  • Works

    Constitutiones et decreta synodalia civitatis et dioecesis Constantiensis in Ecclesia cathedrali Constantiensi Kalendis Septembris et sequentibus diebus Anno Domini M.D. LXVII. statuta, edita e promulgata…, 1569.

  • Literature

    ADB 13;
    L. v. Pastor, Gesch. d. Päpste seit d. Ausgang d. MA VII-XI, 1920-27 (L);
    G. Galbiati, Un manipolo di lettere degli Altemps al Cardinale Federico Borromeo, 1940 (L, P);
    H. Metzger, Vorstud. zu e. Gesch. d. tridentin. Seelsorge-Reform im eidgenöss. Gebiet d. Bistums Konstanz, Diss. Fribourg 1952;
    R. Reinhardt, Die Beziehungen v. Hochstift u. Diözese Konstanz zu Habsburg-Österreich in d. Neuzeit, 1966 (L);
    E. Camenzind, Weihbischof Balthasar Wurer v. Konstanz 1574-98 u. d. kirchl. Reformbewegung in d. V Orten, 1968 (L);
    H. Jedin, Gesch. d. Konzils v. Trient IV, 1 u. 2, 1975 (L);
    A. A. Strnad, Die Hohenemser in Rom, Das röm. Ambiente d. jungen M. S. v. Hohenems, in: Innsbrucker hist. Stud. 3, 1980, S. 61-130 (L);
    Dictionnaire d’Histoire et de Géographie Ecclésiastiques 2, 1914, Sp. 786-91 (L);
    Dizionario biografico degli Italiani II, 1960 S. 551-57 (L). - Zu Georg Sigmund: K. H. Burmeister, Georg Sigmund v. Ems, Domherr zu Konstanz u. Basel, 1494–1547, in: Innsbrucker hist. Stud. 7/8, 1985, S. 135-50 (L).

  • Portraits

    Ölgem., 1556 (Hohenems, Schloß), Abb. b. D. Frey, Die Kunstdenkmäler d. pol. Bez. Feldkirch, 1958, Nr. 442, S. 411;
    Ölgem. u. Fresko v. Pasquale|Cati, 1588/89 (Rom, Santa Maria in Trastevere), Abb. b. H. Friedel, Die Capella Altemps in S. Maria in Trastevere, in: Röm. Jb. f. Kunstgesch. 17, 1978, S. 89-123, Abb. 4 u. 14, S. 97 u. 113;
    Medaille, 1583, Abb. b. L. Welti, Gf. Jakob Hannibal I. v. Hohenems 1530–87, 1954, Tafel 12 n. S. 202.

  • Author

    Peter Fuchs
  • Citation

    Fuchs, Peter, "Marcus Sitticus" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 129-131 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122498348.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Life

    Hohenems*)Zu Bd. XII S. 672.: Marx Sittich II. v. H., geb. am 19. Aug. 1533, am 15. Februar 1595; der Cardinal v. H. oder wie er (nach der lateinischen Form des Namens) in Italien hieß: der Cardinal von Altems, war der zweite Sohn des Freiherrn Wolfgang Dietrich (s. unten) und der Clara Medici. Er soll anfänglich wie sein Bruder Jakob Hannibal als Kriegsmann unter Johann Jakob Medici gedient haben, trat aber jedenfalls schon frühe in den Dienst der Kirche über, in welchem ihn sein anderer mütterlicher Oheim, Pius IV., gleich nach Besteigung des päpstlichen Stuhles zu hohen Würden förderte und dessen Nachfolger, auch noch Sixtus V., begünstigten. 1560 von Pius IV. zum Bischof von Cassano ernannt, brachte er Kaiser Ferdinand I, des Papstes Begrüßung dar und wurde mit seinen Brüdern und Marx Sittich III. vom Kaiser in den Reichsgrafenstand erhoben. 1561 ernannte ihn Pius IV. zum Cardinaldiakon und zugleich zum Coadjutor des gelehrten Bischofs Christoph Mezler von Constanz, der aus Verdruß über dieses Aufdrängen des jungen Mannes gestorben sein soll ( am 11. September 1561). Nun wurde H. selbst Bischof von Constanz und behielt diese Würde volle 28 Jahre neben seinen anderen Stellungen bei. Indessen ist aus seiner Verwaltung des Bisthums, wo er im Januar 1563 den Kaiser in Constanz empfing, nur Weniges zu erwähnen: die Abhaltung einer Diöcesansynode 1567, eine Restauration der bischöflichen Residenz, Ankäufe von Besitzungen für das Hochstift, wie z. B. der Herrschaft Hegne am Untersee u. dgl. Wichtiger war, daß H. die Gründung des Collegium helveticum in Mailand durch den Erzbischof Karl Borromeus (1. Juni 1579), als einer Bildungsanstalt von Geistlichen für die Schweiz und Graubünden (die Diöcesen Constanz und Cur) durch Ueberlassung seiner Probstei Mirasole im Mailändischen unterstützte. Die Hauptthätigkeit Hohenems' aber galt allgemeinen kirchlichen Angelegenheiten und seiner Stellung in Rom. Als päpstlicher Legat trat er auf am Concile zu Trient 1562, in der Mark Ancona, wo er das unruhige Ascoli unterwarf und bändigte 1564, bei Kaiser Maximilian II. 1564 und 1565. Seit dem 3. November 1565 Cardinalpriester, vom Titel St. Georgii in Velabro, 1575 vom Titel St. Maria in Transtevere, verschönerte er letztere Kirche durch großartige Bauten, erbaute sich einen prächtigen Palast bei der Kirche St. Apollinaris, wo er eine kostbare Bibliothek anlegte, erbaute die Villa Mondragone in Frascati, kaufte 1579 die Herrschaft Gallese und Soriano im Viterbischen u. s. f. Im J. 1589 resignirte er sein Bisthum Constanz zu Gunsten des Cardinals Andreas von Oesterreich. Er starb in Rom. Seinen legitimirten Sohn Robert, Markgraf von Gallese, erhob Papst Sixtus V. zum Herzoge von Gallese. Von diesem stammten die Herzoge von Gallese und Altems, deren Geschlecht 1713 in Rom erlosch.

  • Author

  • Citation

    Wyß, Georg von, "Marcus Sitticus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 514 unter Hohenems [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122498348.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA