Lebensdaten
1855 bis 1914 oder 1915
Geburtsort
Oftringen Kanton Aargau
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Zoologe
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 119435861 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lang, Arnold

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Zitierweise

Lang, Arnold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119435861.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf (1824–89), Baumwollmühlenbes., S d. Bernhard u. d. Maria Bär;
    M Rosina Zürcher;
    Meyrier 1887 Jeanne Mathilde (1862–1922), T d. Notars August Alphons Bachelin in Neuenburg u. d. Maria Clerc; Verwandter Auguste Bachelin (1830–90), Historien-, Genre- u. Landschaftsmaler (s. ThB; HBLS, P);
    1 S, 2 T.

  • Leben

    L. verließ 1873 das Gymnasium in Aarau noch vor Erreichung der Maturität, um sich an der Univ. Genf bis 1874 unter Carl Vogt und J. Müller-Argoviensis zoologischen und botanischen Studien zu widmen. Diese setzte er 1874-76 in Jena unter Ernst Haeckel und Ed. Strasburger fort. Nach einer Übersetzung von Lamarcks Philosophie zoologique wurde er 1876 in Jena zum Dr. phil. promoviert. Im Mai des gleichen Jahres habilitierte er sich an der Univ. Bern als Privatdozent für Zoologie. 1878 weilte er mehrere Monate an der Zoologischen Station in Neapel und war dann dort 1879-85 als Beamter tätig. Seit Ende 1885 war er als Assistent und Privatdozent bei E. Haeckel in Jena. 1886 wurde er der erste Inhaber der dort mit Hilfe der Stiftung (300 000 Mark) von Prof. Paul v. Ritter, Basel, errichteten „Ritter-Professur für phylogenetische Zoologie“. Im August 1889 wurde er als o. Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie an die Universität und als Professor der Zoologie an die VI. und VII. Abteilung des Eidgenöss. Polytechnikums in Zürich berufen, im Nov. 1889 übertrug man ihm auch die Direktion der zoologischen Sammlungen. 1898-1900 war er Rektor der Universität.

    Das Forscherleben von L. konzentrierte sich auf drei Wirkungsstätten: Neapel, Jena und Zürich. Als Schüler Vogts in Genf wurde er von Haeckels Genereller Morphologie so beeindruckt, daß er seine Studien in Jena fortsetzte. So hörte er Haeckel zu einer Zeit, da der Kampf für oder gegen Darwin am heftigsten tobte. Die in Jena an L. gestellten enormen Arbeitsanforderungen schufen die Voraussetzungen für seine wissenschaftlichen Leistungen. Durch seine Übersiedlung nach Neapel wurde die historische und rein spekulative Forschungsrichtung, die ihn zunächst gefangen hatte, bald von speziellen morphologischen Problemen verdrängt. In Neapel verfaßte er eine der ersten großen Monographien der Station (Die Polycladen des Golfes von Neapel und der angrenzenden Meeresabschnitte, Fauna und Flora des Golfes von Neapel, 11. Monogr., 1884), womit er sein wissenschaftliches Ansehen fest begründet hatte, als er 1885 wiederum zu Haeckel nach Jena kam. Die Zeit der Jenenser Ritter-Professur wurde für ihn besonders glücklich. Der Zoologie fehlte damals noch eine grundlegende Zusammenfassung und kritische Durcharbeitung der zahllosen Einzelbeobachtungen der vergleichenden Anatomie der wirbellosen Tiere, wie sie C. Gegenbaur schon für die Wirbeltiere geschaffen hatte. L. schrieb nun sein großes „Lehrbuch der vergleichenden Anatomie der wirbellosen Tiere“ (4 Bde.: Protozoa/Vermes, Arthropoden, Mollusken, Echinodermen, 1888–94; engl. 2 Bde. 1891/96; franz. 3 T., 1891/98), die letzten 2 Teile vollendete er in Zürich. Mit diesem Werk erschloß er für die Spezialforschung unzählige neue Wege.

    L.s Interesse in Zürich galt nur anfänglich der vergleichenden Anatomie der wirbellosen Tiere. Als späte Früchte der Neapeler Zeit reiften noch seine Auffassungen über die Verwandtschaft segmental gegliederter Tiere und über die Herkunft des Blutgefäßsystems. Gegen Ende des 19. Jh. begannen experimentelle Arbeitsmethoden die Zoologie zu beherrschen, was L. nicht verborgen blieb: „Eine Hauptaufgabe des neuen Jh. wird die gründliche weitere Erforschung der treibenden Faktoren der Artwandlung sein, vor allem auf experimentellem Wege und in Verbindung mit der fortschreitenden physikalisch-chemischen Erforschung des Lebens“. L. stürzte sich mit Feuereifer auf das Gebiet der experimentellen Vererbungslehre. Klassisch wurden seine Kreuzungsversuche mit Hain- und Gartenschnecken (Über Vorversuche zu Untersuchungen über d. Varietätenbildung von Helix hortensis Müller u. H. nemoralis L., in: Festschr. z. 70. Geb.tag v. E. Haeckel, 1904). Von seinem letzten wissenschaftlichen Unternehmen „Die experimentelle Vererbungslehre in der Zoologie seit 1900“, das er als Festgabe zur Einweihung der Neubauten der Univ. Zürich vorbereitete, konnte nur noch der 1. Band 1914 erscheinen.

    Groß war L. als Forscher wie auch als Lehrer und Organisator. Als er nach Zürich berufen wurde, traf er im Zoologieunterricht unerfreuliche Verhältnisse an; Laboratorien und praktische Kurse mußte er erst schaffen, L. wurde zum Organisator für die Schaffung des Neubaues der Zürcher Universität. Im Herbst 1913 konnte das neue Biologiegebäude bezogen werden. Daneben übernahm er eine Reihe verantwortungsvoller Ämter beim Zürcher Unterrichtswesen und erwarb sich bleibendes Andenken durch die Gründung einer Witwen- und Waisenkasse (1901) sowie einer Pensionskasse (1904) der Professoren. Am 18.4.1914 wurde die neue Universität ohne den am 15.4. wegen seiner Erkrankung zurückgetretenen L. eingeweiht. Die erste Feier in der Aula der neuen Universität am 3.12.1914 galt schon seinem Gedächtnis.|

  • Auszeichnungen

    Dr. rer. sc. h. c. ETH Zürich (1914): Dr. iur. h. c. Univ. Zürich (1914); Mitgl. u. Ehrenmitgl. zahlr. Ges. u. Akademien.

  • Werke

    Weitere W Btrr. zu e. Trophocoeltheorie, 1903;
    E. Haeckel als Forscher u. Mensch, Zum 70. Geb.-tag E. Haeckels, 1904 (Festrede in Zürich);
    Hdb. d. Morphol. d. wirbellosen Tiere, 1912;
    Aus meinem intimen Schuldbuch, in: Festschr. z. 80. Geb.-tag E. Haeckels II (Hrsg. H. Schmidt), 1914, S. 259-64.

  • Literatur

    K. Hescheler, Aus d. Leben u. Wirken v. A. L. (Btrr. v. E. Haeckel u. H. Eisig), 1916 (P);
    J. Winteler, in: Wissen u. Leben VIII, 1915, S. 319-25;
    Hdwb. d. Naturwiss. VI, 21932;
    G. Wichler, E. Haeckel, s. Entwicklung, sein Wesen, in: SB d. Ges. Naturfreunde Berlin, 1934, S. 28-69 (P);
    Die Univ. Zürich 1833-1933, 1938, S. 784;
    E. Fueter, in: Gr. Schweizer Forscher, 1944, S. 302 f. (L, P);
    A. Kühn, A. Dohrn u. d. Zool. s. Zeit, in: Pubbl. Stazione Zoologica di Napoli, Spl. 1950 (250 S.);
    E. Kuhn-Schnyder, in: Lb. a. d. Aargau 1803-1953, Bd. 65, 1953, S. 391-97 (W, P);
    G. Uschmann, Gesch. d. Zool. u. d. zoolog. Anstalt in Jena 1779-1919, 1959;
    ders., in: Dict. of Scientific Biogr. VIII, 1973;
    HBLS;
    DBJ I (Tl.);
    Kürschner, Gel.-Kal.

  • Portraits

    Büste v. K. Burkhardt (Univ. Zürich, Biologiegebäude).

  • Autor/in

    Emil Kuhn-Schnyder
  • Empfohlene Zitierweise

    Kuhn-Schnyder, Emil, "Lang, Arnold" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 529 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119435861.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA