Lebensdaten
1871 bis 1940
Geburtsort
Znaim (Mähren)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118919717 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lederer, Hugo

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Zitierweise

Lederer, Hugo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118919717.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Eduard, Dekorationsmaler;
    M Franziska Balik;
    Anny Lauffs;
    2 S, 1 T.

  • Leben

    L. erhielt seine erste künstlerische Ausbildung 1885-88 in der Fachschule für Tonindustrie in Znaim, dann in der kunstgewerblichen Werkstätte von A. Deutschmann in Erfurt. Er wurde 1891 Gehilfe des Bildhauers Johannes Schilling in Dresden, 1892 von Chr. Behrens in Breslau und arbeitete 1893 bei dem Schilling-Schüler Robert Toberentz in Berlin (Mitarbeit an der Vollendung des Luther-Denkmals). Die ersten eigenen Plastiken bewegen sich ganz im naturalistischen Stil der Schilling-Schule und dem überspannten Historismus des ausgehenden 19. Jh. Um 1900 entwickelte sich L.s Stil unter dem Einfluß von Klinger und Hildebrand zwischen räumlicher Verdichtung („Badende“ 1897) und einansichtiger Bildhaftigkeit; doch ist die Grundtendenz zu barocker Kraft und Fülle, ja athletischer Übersteigerung früh sichtbar, darin der Berliner Begas-Schule und dem Wilhelminismus künstlerisch und ideologisch verhaftet. Seit 1900 nahm L. an den Ausstellungen der Berliner Sezession teil. Er reichte einen Entwurf für das Liszt-Denkmal in Weimar ein und erhielt 1901 den Auftrag für den Fechter-Brunnen der Univ. Breslau (Ausführung bis 1904); außerdem arbeitete er Grabmäler für bürgerliche Familien. Nachdem L. 1898 den Wettbewerb für das Bismarck-Denkmal in Düsseldorf nicht gewann (aber das die Stadt Barmen ankaufte), erhielt er im Juni 1901 von 219 Konkurrenzentwürfen den 1. Preis für das Hamburger Bismarck-Denkmal (ausgeführt bis Juni 1906, zusammen mit dem Architekten Emil Schaudt). L. führte die 15 m hohe Figur in Anlehnung an den Typus des mittelalterlichen Roland aus. Dieses Werk machte ihn zwar schnell berühmt, aber schon früh wurde auch herbe Kritik laut (Witting, Muther). Witting nannte es „ein gespensterhaftes Denkmal“ ohne substantielle Wucht. Den einmal beschrittenen Weg zu monumentalen, stilisierten Figuren nationaler Symbolik, drohender Gestik und Megalomanie verfolgte L. weiter über die Entwürfe zum Krupp-Denkmal in Essen (ab 1905), dessen Figuren den Plastiken von Metzner verwandt sind, und beteiligte sich neben R. Maison an der Konkurrenz für das Kaiser-Friedrich-III.-Denkmal in Aachen, das er 1911 auch ausführte. Er schuf 1908-10 den heroischen „Ringer“ für die Heerstraße in Berlin und erreichte mit seinem „Für Jahrhunderte“ betitelten Entwurf für das Bismarck-National-Denkmal bei Bingerbrück (am Rhein) und mit dem Entwurf für eine Bismarck-Gedenkhalle im Hunsrück die stärkste Ausprägung dieser Tendenz.

    Neben seiner Arbeit an Figuren deutschnationaler „Großmannssucht“ (W. Bode, 1921) standen ihm jedoch auch andere Möglichkeiten zur Verfügung, z. B. in seinen Porträtbildnissen. Demgegenüber sind die männlichen Symbolfiguren „Kraftprotze ohne innere Beseelung“ (Kuhn). Doch erhielt L. auf Wunsch der Stadt Hamburg den Auftrag für ein Heinrich-Heine-Denkmal (Pläne seit 1909, Ausführung 1913/14), eine gelungene Figur in Bronze, die nach dem Wunsch von Alfred Kerr den „Europäer Heine“ als Sinnenden verkörpern sollte (erst 1926 im Hamburger Stadtpark errichtet, 1942 von den Nationalsozialisten eingeschmolzen, Nachbildung von W. Otto 1982, Rathausplatz). Mit diesem Denkmal, den Figuren Fichtes und Savignys (1914) für die Berliner Universität und dem Merkurbrunnen in Frankfurt/M. (1916/17) stand L. zwischen dem Expressionismus und einem megalomanen Stil für nationale Denkmäler. Im Wettbewerb für das Gefallenen-Denkmal der Berliner Universität von 1920, Motto: „Dulce et decorum est pro patria mori“) gewann L. gegen einen Entwurf von Rudolf Belling, der das Kriegssterben in Frage gestellt hat („Wofür ?“). 1919 erfolgte die Berufung von L. an das Meisteratelier für Bildhauerei an der Akademie zu Berlin. In den Figuren und Krieger-Denkmälern, die L. seitdem schuf, verstärkten sich nationalistische Haltung und heroisierende Tendenzen seiner Kunst. In diesen Werken erkannten die nationalsozialistischen Kulturtheoretiker „Vorläufer ihres eigenen Wollens“ (R. Scholz, 1940).|

  • Auszeichnungen

    Orden Pour le mérite f. Wiss. u. Künste (1923), Maximiliansorden f. Wiss. u. Kunst (1929).

  • Werke

    Weitere W u. a. „Heimkehr 1812“ (Kriegerdenkmal in Cleve 1893);
    „Schicksal“, „Totenklage“ (beide 1896, Hamburg);
    Allegorien „Krieg“ u. „Frieden“ f. d. Ruhmeshalle Görlitz, 1899;
    Grabmäler d. Fam. Hallier in Hamburg, Roesch in Dresden, Heidemann in Köln;
    Bismarck-Denkmal in Barmen, 1898;
    - Porträts: Pfitzner, 1901;
    R. Strauss, 1908;
    Hindenburg, 1916;
    Max Dessoir, Fr. v. Unruh, 1927;
    - Stehende;
    Zwei Venenezianerinnen, 1913;
    Gefallenendenkmal d. Univ. Berlin, 1920;
    Bogenschütze, 1921;
    Denkmal d. Gefallenen d. Krupp-Werke, 1923;
    Entwurf e. Mausoleums f. Hugo Stinnes, 1925;
    Tempel f. d. Kriegs-Helden auf d. Aureus-Friedhof in Mainz, 1927;
    Baltenplatz-Brunnen in Berlin;
    Läufergruppe 1929;
    Granit-Kopf d. Ringers Peyrouse.

  • Literatur

    F. Witting, Von Kunst u. Christentum, 1903;
    F. Stahl, H. L. (= 6. Sonderh, d. Berliner Architekturwelt), 1906;
    R. Muther, Aufsätze üb. bildende Kunst, o. J., II, S. 211-19;
    Hundert Entwürfe aus d. Wettbewerb f. d. Bismarck-Nat.-Denkmal auf d. Elisenhöhe b. Bingerbrück, hrsg. v. Max Schmid, 1911;
    A. Kuhn, Die neuere Plastik, 1921;
    W. Bode, in: Kunst u. Künstler 19, 1921, S. 140 ff.;
    H. Krey, H. L. -
    e. Meister d. Plastik, 1931 (W-Verz.);
    R. Scholz, in: Dt. Kunst im Dritten Reich 4, 1940, S. 368 f.;
    K. v. Seeger, Das Denkmal d. Weltkriegs, 1930;
    Dt. Ehrenhain 1914–18, 1931;
    W. Hofmann, Die Plastik d. 20. Jh., 1958;
    P. Bloch u. W. Grzimek, Das Klass. Berlin - Die Berliner Bildhauerschule d. 19. Jh., 1978;
    Rhdb. (W, P).

  • Autor/in

    Dietrich Schubert
  • Empfohlene Zitierweise

    Schubert, Dietrich, "Lederer, Hugo" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 41 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118919717.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA