Lebensdaten
1859 bis 1934
Geburtsort
Lötzen (Ostpreußen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Bibliothekar
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118783955 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Milkau, Karl-Friedrich
  • Milkau, Fritz
  • Milkau, Karl-Friedrich
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Zitierweise

Milkau, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118783955.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich, Schuhmachermeister in L.;
    M Henriette Marianne Bleyer;
    Königsberg (Preußen) 1894 Frieda (1870–1943), T d. Kaufm. Franz August Hagen (1836–1912) u. d. Elisabeth Hertslet; Gvv d. Ehefrau Gotthilf Hagen (1797–1884), Wasserbauing. (s. NDB VII).

  • Leben

    M. besuchte 1874-78 das Gymnasium in Rastenburg und studierte dann an der Univ. Königsberg deutsche und klassische Philologie sowie Sanskrit. Nach seinem Staatsexamen unterrichtete er bis 1887 am Altstädtischen Gymnasium in Königsberg. 1888 promovierte er über den röm. Historiker Velleius Paterculus und trat als Volontär an der Universitätsbibliothek Königsberg in den Bibliotheksdienst ein. Nach Abschluß seiner Ausbildung war er Hilfsarbeiter an den Universitätsbibliotheken in Berlin und Bonn. 1897 wurde er zum Bibliothekar ernannt und mit der Organisation der Arbeiten zur Schaffung des Gesamtkataloges der preuß. Bibliotheken betraut. Als Voraussetzung für dieses Unternehmen faßte M. die von K. Diatzko und E. Ippel ausgearbeiteten Katalogregelwerke zu den allgemein verbindlichen Preuß. Instruktionen zusammen. Das von M. vorgeschlagene Umlaufverfahren wurde Grundlage der Manuskriptherstellung.

    Nach seiner Ernennung zum Oberbibliothekar holte ihn F. Althoff 1899 als Hilfsarbeiter in das preuß. Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten. 1902 wurde er Direktor der Universitätsbibliothek Greifswald, die er besonders im Hinblick auf die Benutzbarkeit und Öffentlichkeitsarbeit reorganisierte. 1907 übernahm er die Leitung der Staats- und Universitätsbibliothek Breslau, die sich in der Zeit seines Wirkens zu einer der größten und wichtigsten Bibliotheken Deutschlands entwickelte. Mit der Ernennung zum Geh. Regierungsrat 1911 wurde er in den Beirat für Bibliotheksangelegenheiten des Ministeriums berufen, dessen Vorsitzer 1921-25 innehatte. Im 1. Weltkrieg machte er sich als Vertrauensmann des Ministeriums um den Schutz der Bibliotheken in Belgien und Nordfrankreich verdient. Durch seine standhafte Haltung in der Frage einer Auslieferung der Meermann-Philipps-Handschriften an Frankreich beeindruckte M. den damaligen Staatssekretär C. H. Becker, der ihm eine Ministerialdirektorenstelle im Kultusministerium antrug. Da M. aus konservativer Grundhaltung ablehnte, schlug er ihn 1921 als Nachfolger Adolf v. Harnacks zum Generaldirektor der Preuß. Staatsbibliothek in Berlin vor. M. vermochte es, nach der Inflation und der Währungsstabilisierung die führende Stellung dieser Bibliothek auch finanziell zu sichern. Als Vorsitzender des Bibliotheksausschusses der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft bemühte er sich, die Lücken in der ausländischen Buch- und Zeitschriftenliteratur der letzten zehn Jahre in den deutschen Bibliotheken mit mindestens einem Exemplar zu schließen. Um der Wissenschaft diese Literatur nachzuweisen, reformierte er die Berliner Titeldrucke; um sie zur Verfügung zu stellen, wurde auf sein Betreiben 1924 die erste „Deutsche Leihverkehrsordnung“ erlassen. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Tätigkeit war die Ausbildung des bibliothekarischen Nachwuchses. Nach seiner Pensionierung 1925 wurde er Honorarprofessor an der Berliner Universität und gründete dort das Bibliothekswissenschaftliche Institut (1928–34). In dieser Stellung konnte er 1928 eine erste staatliche Prüfungsordnung erwirken. Mit der Herausgabe des „Handbuchs der Bibliothekswissenschaft“ (1931-33) legte er die Grundlage für das zunächst noch stark historisch orientierte Fach. M. war der bedeutendste Vertreter seiner Generation der Berufsbibliothekare. Seine Leistungen liegen in der weiteren Öffnung der wissenschaftlichen Bibliothek für den Benutzer und in der aus der Not geborenen Organisierung eines nationalen Bibliothekssystems, um die Versorgung der Wissenschaft mit der besonders benötigten ausländischen Literatur zu gewährleisten.|

  • Auszeichnungen

    Dr. iur. h. c.

  • Literatur

    Aufsätze F. M. gewidmet, hrsg. v. G. Leyh, FS, 1921;
    F. M. z. Gedächtnis, Ansprachen, Vorträge u. Verz. seiner Schrr., hrsg. v. G. Abb, 1934 (W-Verz., P);
    A. Greguletz, F. M. (1859-1934) als Bibl.historiker, in: Zbl. f. Bibl.wesen 93, 1979, S. 5-13;
    A. Habermann u. a., Lex. dt. wiss. Bibliothekare 1925–80, 1985, S. 219 f.;
    Altpr. Biogr. II. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Berlin, Staatsbibi. Preuß. Kulturbes.

  • Autor/in

    Johannes Buder
  • Empfohlene Zitierweise

    Buder, Johannes, "Milkau, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 511 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118783955.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA