Lebensdaten
um 1430 oder 1435 bis 1486
Geburtsort
Hagenau (Elsaß)
Sterbeort
Bern
Beruf/Funktion
Berner Chronist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118755005 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schilling, Diebold
  • Diebold, Schilling
  • Diebold, Schilling, der Ältere
  • mehr

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Zitierweise

Schilling, Diebold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755005.html [22.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Nikolaus ( 1461), Gerber, Lederwarenhändler, Bürger in H., aus um 1360 aus Biel nach Solothurn zugezogenen Fam.;
    M Else Weisen (?);
    B Hans (s. 2);
    Katharina Baumgartner ( nach 1486 ?); kinderlos;
    N Di(e)bold d. J. (s. 3).

  • Leben

    S. wuchs im elsäß. Hagenau auf und kam 1456-60 als Substitut der Kanzlei in Luzern in Kontakt mit dem dortigen Gerichtsschreiber und Autor einer Chronik des Alten Zürichkriegs, Hans Fründ ( 1469). 1460-67 wirkte er in Bern als Unterschreiber, 1467-81 als Schreiber des Seckelmeisters und 1481-85 als Gerichtsschreiber. 1462 wurde er Mitglied der „Zunft zum Distelzwang“, wo er bald zum Stubenmeister avancierte; seit 1468 gehörte er dem „Rat der Zweihundert“ an.

    Am Beginn der verschlungenen Textgeschichte seiner Berner Chroniken steht die Mitwirkung an der zwischen 1468 und 1474 von Heinrich Dittlinger ( 1479) und Bendicht Tschachtlan (um 1420–93) verfaßten Berner Stadtchronik (Zürich, Zentralbibl., Ms. A 120), die wiederum auf Arbeiten Konrad Justingers ( 1438) und Hans Fründs beruht. Nur noch in der 1478 im Auftrag des Rats von Freiburg (Üchtland) entstandenen Bearbeitung Peters v. Molsheim ( um 1490) (Freiburger Chronik d. Burgunderkriege) ist S.s verlorene Kurzchronik (Kl. Burgunderchronik) greifbar, die als Vorarbeit zur „Großen Burgunderchronik“ gilt. Hinter dem 1474 erteilten Auftrag zu dieser Amtlichen Chronik steht möglicherweise der Ratsherr Tschachtlan; dessen und Justingers Chroniken entsprechen die ersten beiden Bände des dreibändigen Werks (Bern, Burgerbibl., Mss. h.h. I 1-3, Autograph, 600 Ill.) weitgehend. In den dritten, auf der 1482 abgeschlossenen, privaten „Großen Burgunderchronik“ (Zürich, Zentralbibl., Ms. A 5, Autograph, 199 Illustrationen) beruhenden Band über die Jahre 1468-80 griff Tschachtlan als amtlicher, im Sinne bern. „Staatsideologie“ wirkender Zensor ein. 1485 überarbeitete S. den ersten Band der Amtlichen Chronik im Auftrag des Altschultheißen Rudolf v. Erlach in Spiez erneut (Bern, Burgerbibl., Ms. h.h. I 16, Autograph, 344 Ill., P). Wie vor ihm Justinger fügte auch S. Urkunden und historische Volkslieder in seine Chroniken ein, die eine patriotisch-bern., die eidgenössischen Verhältnisse harmonisierende Tendenz vertreten. Als dem Text gleichberechtigte Informationsinstanz fungiert die üppige Ausstattung der Handschriften mit Illustrationen, bei denen die Mitwirkung des Autors umstritten ist. Entgegen der gängigen Forschungsmeinung dürften selbst die Bilder der „Spiezer Chronik“ nicht von der Hand des Textautors stammen (Saurma-Jeltsch gegen Zahnd). Nach S.s Tod verkaufte seine Witwe die Handschrift der „Großen Burgunderchronik“ an den Rat der Stadt Zürich, wo sie Gerold Edlibach (1456–1530) für die Abschnitte zum Burgunderkrieg in seiner „Zürcher Chronik“ nutzte.

  • Werke

    Die Gr. Burgunder Chronik d. D. S. v. Bern, „Züricher Schilling“, hg. v. Alfred A. Schmid, 1985 (Faks. u. Kommentar, Biogr. v. P. Ladner);
    Die Berner Chronik d. D. S., hg. v. G. Tobler, 2 Bde., 1897/1901;
    Berner Chronik, hg. v. H. Bloesch u. P. Hilber, 4 Bde., 1943-45 (Faks., Kommentar);
    D. S.s Spiezer Bilderchronik, hg. v. H. Haeberli u. C. v. Steiger, 1990 (Faks., Kommentar, P;
    darin auch: L. E. Saurma-Jeltsch, Die Illustrationen u. ihr Stilist. Umfeld, S. 31-71 u. U. M. Zahnd, Beschreibung d. Hs., S. 1-6).

  • Literatur

    ADB 34;
    J. Zemp, Die schweizer. Bilderchroniken u. ihre Architektur-Darst., 1897;
    E. A. Gessler, Die Schweizer Bilderchroniken d. 15. u. 16. Jh., 1941, S. 181-83;
    C. G. Baumann, Über d. Entstehung d. ältesten Schweizer Bilderchroniken, 1971;
    Die Luzerner Chronik d. D. S. aus d. J. 1513, 1972;
    R. Feller u. E. Bonjour, Gesch.schreibung d. Schweiz, 21979, S. 21-26;
    E. Walder, Von raeten u. burgern verhoert u. corrigiert, D. S.s drei Red. d. Berner Chronik d. Burgunderkriege, in: Berner Zs. f. Gesch. u. Heimatkunde 48, 1986, S. 87-117;
    HBLS;
    Vf.-Lex. d. MA2;
    Killy (W, L);
    Kosch, Lit-Lex.3 (W, L).

  • Autor/in

    Norbert H. Ott
  • Empfohlene Zitierweise

    Ott, Norbert H., "Schilling, Diebold" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 770-771 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755005.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schilling *)Zu Bd. XXXI, S. 255.: Diebold S. in Bern, Gerichtschreiber und Chronikschreiber, geboren um 1440/50, 1485, war der zweite Sohn des Niklaus S., Bürgers in Solothurn. Wie sein älterer Bruder Hans zog er nach Luzern, wo jener 1460 das Bürgerrecht erwarb und Unterschreibe (Gehülfe des Stadtschreibers) wurde, indessen Diebold, nachdem er 1456 als Lehrling, 1458 als Substitut auf der luzernischen Kanzlei gearbeitet hatte, sich 1460 nach Bern wandte und in der bernischen Stadtkanzlei in dieser Eigenschaft eintrat. Hier wurde er, spätestens 1473, Unterschreiber und 1476 Seckelschreiber (nicht: Seckelmeister), während er in der beginnenden großen Zeit der Burgunderkriege theils im Felde, bei Murten kämpfte, theils in Missionen thätig war, in welchen ihn der Rath|1473, 1474 und 1478 nach Straßburg sandte. 1481 erhielt S. das Amt des Gerichtsschreibers, das er bis zu seinem im Sommer 1485 erfolgten Tode bekleidete. Mit verdienstlichster Ausdauer beschäftigte sich S., theils aus eigenem Antriebe, theils in Aufträgen, auch mit geschichtlichen Aufzeichnungen; Arbeiten, durch welche er sich ein bleibendes Denkmal schuf. Schon vor 1474 scheint er an eine Copie der Bernerchronik von Justinger (s. A. D. B. XIV, 758) eine eigene Fortsetzung der Chronik bis zum Jahre 1469 angeschlossen zu haben. Lange Zeit verschollen, wurde dieses Werk kürzlich von Dr. Theodor v. Liebenau, Staatsarchivar in Luzern, wieder aufgefunden. Zeitlich deckt sich Schilling's Werk mit demjenigen zweier seiner bernischen Zeitgenossen, des Venners Tschachtlan und des Rathes Heinrich Dittlinger. Inhaltlich besteht mannichfache Verschiedenheit zwischen beiden Arbeiten, aber dennoch auch sichtliche Verwandtschaft. Wenn auch erst Liebenau's vorbereitete Ausgabe des Schillingschen Werkes völligen Aufschluß über das wahre Verhältniß beider geben wird, so ist jedenfalls anzunehmen, daß S., Tschachtlan und Dittlinger von ihren Arbeiten gegenseitig wußten. Denn aus einer Aufzeichnung des bernischen Historikers Emanuel Hermann ( 1664) geht hervor, daß der Rath zu Bern am 31. Januar 1474 beschloß, es sei die Chronik Berns von Justinger bis auf die Gegenwart fortzusetzen und diese Aufgabe dem (nachmaligen) Gerichtschreiber Diebold S. zu übertragen. Dieser zweite Theil des Rathsbeschlusses aber (den ersteren bestätigt auch eine Einleitung, die dem von Liebenau entdeckten Werke vorangesetzt ist) kann seine Veranlassung wohl nur in dem Umstande gehabt haben, daß die Räthe, denen auch Tschachtlan und Dittlinger angehörten, von Schilling's bereits gemachter Arbeit Kunde hatten. Den erhaltenen Auftrag führte S. mitten unter dem Geräusche und der Bewegung der jetzt anbrechenden Kriegsjahre aus. An eine neue Fassung seiner frühern Copie Justinger's und seiner eigenen Aufzeichnungen bis 1469 fügte er die Geschichte der folgenden Jahre an und hatte so schon im J. 1478 eine vollständige Geschichte Berns von den Anfängen der Stadt bis auf die Gegenwart selbst ausgearbeitet. Aber erst nachdem die Räthe diese Arbeit in der Zeit des wiederhergestellten Friedens geprüft hatten, gab ihr S., mit Benutzung der ihm gemachten Bemerkungen, ihre endgültige Gestalt und überreichte sie am St. Stephanstag zu Weihnachten (26. December) 1484 in drei Bänden dem Rathe. Von diesen drei, mit über 600 eingestreuten gemalten Bildern gezierten Bänden — jetzt Eigenthum der Stadtbibliothek Bern — enthält der erste Schilling's Ueberarbeitung von Justinger (die Jahre 1191—1421), der zweite eine Ueberarbeitung der nach Tschachtlan genannten Chronik (1423—66), der dritte Schilling's eigene Arbeit, die bernische Geschichte der Jahre 1468—78, resp. 1480. Haben die beiden ersten Bände hauptsächlich nur darum Interesse, weil ihre Abweichungen von den ihnen zu Grunde liegenden frühern Arbeiten zeigen, wie das Bestreben nach Kürze und Rücksichtnahme auf seine Auftraggeber Schillings Darstellung beeinflußen konnte, und war im dritten Theile dieses letztere Moment natürlich noch eingreifender wirksam, so daß der Werth der Chronik als unbefangene historische Quelle durch ihren amtlichen Charakter geschmälert wird, so entschädigt hierfür doch sehr die Natürlichkeit und Lebendigkeit der Erzählung. Unverkennbar spricht aus ihrem Tone die gehobene Stimmung des Volkes und seine Auffassung der Dinge in der gewaltigen Bewegung der Zeit. Mit glücklicher Eingebung folgt S. auch dem Beispiele Justinger's, indem er seiner Chronik die damaligen Volkslieder politischen Inhalts, insbesondere die Siegeslieder Veit Weber's aus Freiburg im Breisgau aus den Burgunderkriegen, einfügt. Gleichzeitig mit seiner Chronik für den Rath fertigte S. in den Jahren 1480—85 eine Bearbeitung Justinger's|und Tschachtlan's für den Altschultheißen Rudolf von Erlach in Spiez an, die mit reichem Bilderschmucke geziert ist.

    • Literatur

      B. Fetscherin, Ueber das sogen. Zeitregister von Tschachtlan, im Archiv für Schweizergeschichte X (1855), 55—61. — G. Studer, Die Berner Chronik des Konrad Justinger. Bern 1871; —
      Ders., Bernerchronik des Bendicht Tschachtlan, nebst den Zusätzen des Diebold Schilling, in Quellen z. Schweizergeschichte, Bd. I. Basel 1877. — G. Tobler, Die Chronisten und Geschichtschreiber des alten Bern, in Festschrift zur VII. Säkularfeier der Gründung Berns. Fol. Bern 1891.

  • Autor/in

    G. v. Wyß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wyß, Georg von, "Schilling, Diebold" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 715-717 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755005.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA