Lebensdaten
1855 bis 1916
Geburtsort
Schweidnitz
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Mediziner
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 118738380 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Neisser, Albert

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Neisser, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118738380.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Moritz (1820–96, ev.) aus Halle/Saale, Dr. med., Geh. Sanitätsrat, Arzt in B. u. Charlottenbrunn, S d. Adolf Benjamin (eigtl. Aron Benjamin Katscher) (1766–1839) aus Neisse (Oberschlesien), Kaufm. in Katscher (Oberschlesien), u. d. Katharina Breit (1774–1842);
    M Louise Lossen (1819–55), T d. Simon Kremser (1775–1851) aus Zülz, Hofagent u. Fuhrunternehmer in Berlin, u. d. Amalie Bloch (1784–1853, Wwe d. Wolf Frhr. v. Adlersthal);
    Halb-B Gustav (1862–1918), Dr. iur., Stadtrat in B. (s. Gen. 4);
    1883 Toni (1861–1913), Philanthropin (s. Schles. Lb. I, 1922; NDB XI*), T d. Julius Kauffmann (1828/29-90), KR in Tannhausen (Schlesien) (s. NDB XI*), u. d. Anna Friedenthal ( 1881); Ov d. Ehefrau Salomon Kauffmann (1824–1900), Textilindustrieller (s. NDB XI); kinderlos;
    Vt Walter (s 2);
    N Max (s. 3), Hans (s. 4)

  • Leben

    N. besuchte das humanistische St. Maria-Magdalena-Gymnasium in Breslau und studierte seit 1872 an der dortigen Universität Medizin, mit Ausnahme eines klinischen Semesters in Erlangen. 1877 legte er das Staatsexamen ab und wurde mit einer Arbeit über die Bandwurmerkrankung promoviert. Seine Lehrer waren neben dem Internisten Anton Biermer Rudolf Heidenhain, Julius Cohnheim, Carl Weigert und C. J. Salomonsen. Anschließend arbeitete N. zwei Jahre als Assistent des Dermatologen Oskar Simon (1845–82) an der neugegründeten Breslauer Hautklinik. 1880 habilitierte er sich, 1882 übernahm er als ao. Professor die Leitung der Klinik und wurde 1907 o. Professor.

    1879 gelang N. die bahnbrechende Entdeckung des Erregers der Gonorrhoe (Tripper), den er „Micrococcus“ nannte. Paul Ehrlich gab diesem Mikroorganismus später den Namen „Gonococcus“ (Neisseria gonorrhoeae, Neisser-Diplokokken). Die Aufklärung der Ursache dieser Geschlechtskrankheit steht im Zusammenhang mit der sich in dieser Epoche rasch entwickelnden Bakteriologie, die neue Nachweisverfahren und Mikroskopietechniken bereitstellte. Im selben Jahr unternahm N. eine Forschungsreise nach Norwegen, um dort mehr als 100 Leprafälle zu studieren. Mit einer speziellen Färbemethode konnte N. den schon 1873 von dem norweg. Bakteriologen G. H. A. Hansen beobachteten Leprabazillus nachweisen und diesen als krankheitsverursachendes Prinzip eindeutig identifizieren. 1892 wurde die von N. mitgeplante neue Breslauer Hautklinik eröffnet, die sich zu einem Forschungszentrum von internationalem Ruf entwickelte. Weitere intensive Arbeitsgebiete N.s waren die Lupus-Erkrankungen, wobei er erstmals auf eine Abgrenzung tuberkulöser und nicht-tuberkulöser Formen hinwies, und die Syphilis. Ohne deren Ursache klären zu können, lieferte er doch wesentliche Beiträge zum Infektionsmodus durch Versuche mit Affen, die er in Java (1905/07) durchgeführt hatte. Als umstritten galten damals Antisyphilisserum-Versuche am Menschen, die erstmals Gegenstand eines Gerichtsverfahrens waren. Meilensteine der Syphilisdiagnostik waren seine mit August v. Wassermann (1866–1925) durchgeführten Studien, die 1906 zu einer Nachweisreaktion für Syphiliserreger im Blutserum führten (Wassermann-Reaktion). Neben der Diagnostik, Therapie (Salvarsan) und Verhütung (Prostituiertenproblem) von Geschlechtskrankheiten beschäftigte sich N. noch mit anderen Hauterkrankungen (lichenoider Vitiligo, Urtikaria, Hauttumoren, Hautinfektionen, Psoriasis, Hautpilzerkrankungen, Pemphigus, Ekzem). 1888 gründete er die Deutsche Dermatologische Gesellschaft und 1902 die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Aus N.s Schule ging eine große Zahl bedeutender Dermatologen hervor.|

  • Auszeichnungen

    Geh. Medizinalrat; Leopold-Orden (1903); Kronenorden (1911); Albrecht-Orden (1912); Roter Adlerorden III Kl. (1913); Mitgl. d. Reichsgesundheitsrats (1916).

  • Werke

    Die Echinokokkenkrankheit, Diss. Breslau 1877;
    Über e. d. Gonorrhoe eigenthümliche Micrococcenform, in: Cbl. f. d. med. Wiss. 28, 1879, S. 497-500;
    Über d. Aetiologie d. Aussatzes, in: Jber. d. Schles. Ges. f. vaterländ. Kultur 57, 1880, S. 65-70;
    Die Mikrokokken d. Gonorrhoe, in: Dt. med. Wschr. 8, 1882, S. 279-83;
    Meine Versuche z. Übertragung d. Syphilis auf Affen, ebd. 30, 1904, S. 1369-73;
    Die chron. Infektionskrankheiten d. Haut, in: H. W. v. Ziemssen (Hg.). Hdb. d. speciellen Pathol. u. Therapie 14, 1883, S. 560-723;
    Über d. Leukoderma syphiliticum, in: Vj.schr. f. Dermatol u. Syphilis 15, 1883, S. 491-508;
    Pathologie d. Ekzems, in: Archiv f. Dermatol. u. Syphilis 1, 1892 Suppl., S. 116-61;
    Weitere Mitt. üb. d. Nachweis spezifischer luetischer Substanzen durch Komplementverankerung, in: Zs. f. Hygiene u. Infektionskrankheit 55, 1906, S. 451-77 (mit A. Wassermann, C. Brück u. A. Schlucht);
    Über d. Bedeutung d. Lupuskrankheit u. d. Notwendigkeit ihrer Bekämpfung, 1908;
    Syphilis u. Salvarsan, 1913;
    Die Geschlechtskrankheiten u. ihre Bekämpfung, 1916.

  • Literatur

    J. Jadassohn, in: Arch. f. Dermatol. u. Syphilis 123, 1916, S. IX-LXIV (P, W);
    J. Schäfer, A. N., 1917;
    G. Olpp, in: Hervorragende Tropenärzte in Wort u. Bild, 1932, S. 290-94;
    K. Bochmann, in: Heilberufe 7, 1955, S. 179;
    A. Stühmer, in: Dermatol. Wschr. 131, 1955, S. 214-216;
    T.-M. Vogelsang, The Hansen-Neisser Controversy, 1879–1880, in: Internat. Journal of Leprosy 31, 1963, S. 74-80, 32, 1964, S. 330 f.;
    S. Schmitz, A. N., Leben u. Werk auf Grund neuer, unveröff. Qu., 1968 (P W);
    H. Schwarz, in: Investigative Urol. 8, 1971, S. 478-480;
    F. Wasiks, A. Scholz u. G. Sebastian, Erinnerungen an A. N., in: Hautarzt 31, 1980, S. 328-33 (P);
    O. Helfer u. R. Winau, Männer u. Frauen d. Medizin, 1986, S. 134 (P);
    Ch. Andree, A. N.s Bedeutung f. d. Dermatologie, in: Schles. Btrr. z. Entwicklung d. Wiss., hg. v. E. G. Schulz, voraussichtl. 1998;
    BLÄ;
    DSB.

  • Autor/in

    Eberhard J. Wormer
  • Empfohlene Zitierweise

    Wormer, Eberhard J., "Neisser, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 51-52 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118738380.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA