Lebensdaten
1852 bis 1890
Geburtsort
Florenz
Sterbeort
Kap Tres Puntas (Argentinien)
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Militär ; Erzherzog von Österreich
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118723006 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Johann Salvator von Österreich (bis 1889)
  • Johann
  • Johann von Österreich
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Zitierweise

Orth, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118723006.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Leopold II., Erzhzg. v. Österreich, Ghzg. v. Toskana (1797–1870, s. NDB 14), S d. Ferdinand III., Ghzg. v. Toskana (1769–1824, s. NDB V), u. d. Marie Luise Prn. v. Neapel-Sizilien (1773–1802);
    M Maria Antonia (1814–98), T d. Kg. Franz I. v. Neapel-Sizilien (1777–1830) u. d. Maria Isabella Prn. v. Spanien (1789–1848);
    Geschw Maria Isabella (1834–1901, ⚭ Franz v. Neapel-Sizilien, Gf. v. Trapani, 1827–92), Ferdinand IV., Ghzg. v. Toskana (1835–1908), Karl Salvator Erzhzg. v. Österreich (1839-92), Militär, beschäftigte sich mit waffentechn. Erfindungen (s. ADB 51), Maria Luisa (1845–1917, ⚭ Karl Fürst Isenburg-Birstein, 1838–99), Ludwig Salvator Erzhzg. v. Österreich (1847-1915), Forschungsreisender, Botaniker u. Schriftst. (s. NDB 15);
    Stief-Schw Augusta (1825–64, ⚭ Luitpold Prinzregent v. Bayern, 1821–1912, s. NDB 15);
    1889 Ludmilla (Milli) (1852–90), Balletteuse, T d. Andreas Stubel, fürstl. Salmscher Gutsangest.; kinderlos.

  • Leben

    Nach dem Verlust der Toskana kam O. mit seiner Familie nach Österreich und wurde seit 1864 am Wiener Hof erzogen. 1865 trat er als Leutnant in die Armee ein und durchlief dort die für ein Mitglied des Kaiserhauses typische Karriere; er wurde bereits 1867 Hauptmann, 1872 Major, 1874 Oberstleutnant. Unterbrochen waren diese militärischen Lehrjahre durch zahlreiche Reisen in der Monarchie wie im Ausland (u. a. 1867 Paris, 1872 Rom). 1874 trat der Erzherzog, der als fähiger Militär galt, erstmals mit Überlegungen zur Reorganisation des Heeres an die Öffentlichkeit, was zu einem ersten Konflikt mit Erzhzg. Albrecht (1817–95), seinem einstigen Vormund und nunmehrigen militärischen Vorgesetzten, und in Folge zu seiner Versetzung nach Krakau führte. 1878 nahm er als Generalmajor und Kommandant einer Infanteriebrigade am Okkupationsfeldzug in Bosnien teil, wurde 1879 Feldmarschalleutnant und 1883 Kommandant der 3. Truppendivision in Linz. Seine Kritik an der Armeeführung, insbesondere an deren veraltetem Ausbildungssystem („Drill oder Erziehung“, s. W), an der Politik des österr. Außenministers Gustav Gf. Kalnoky (1832–98), die er in anonym erschienenen Zeitungsartikeln heftig angriff, sein Engagement in Bulgarien nach dem Sturz Alexanders v. Battenberg (1857–93), dessen Krone ihm 1886 angeboten worden war, und schließlich seine Beziehung zu der Balletteuse Milli Strubel, die er auf Drängen der Familie bereits einmal beendet, dann jedoch wieder aufgenommen hatte, brachten mit sich, daß er in immer stärkeren Gegensatz zum Kaiser und dem Senior des Hauses, Erzhzg. Albrecht, geriet. Enttäuscht und isoliert bat er 1887 um Enthebung von seinem Kommando und zog sich auf seinen Besitz, Schloß Orth b. Gmunden (Oberösterreich), zurück. Das tragische Ende des Kronprinzen mag den Erzherzog in seinem Entschluß, das|Kaiserhaus zu verlassen, bestärkt haben, wenngleich kein direkter Zusammenhang zwischen den Ereignissen von Mayerling und dem Austritt bestehen dürfte. Im Oktober 1889 verließ der Erzherzog Österreich und bat den Kaiser von Zürich aus, das Kaiserhaus verlassen zu dürfen. Franz Joseph genehmigte die Bitte, jedoch mit der Auflage, daß Johann Schweizer Staatsbürger werde und die Monarchie nicht mehr betrete. Der ehemalige Erzherzog, der sich fortan nach seinem Besitz „Johann Orth“ nannte, hatte nach Ende seiner militärischen Karriere ein Kapitänspatent erworben und verließ im März 1890 von London aus an Bord seines Schiffes Europa. Nachdem er seinen Zielhafen Valparaiso nie erreichte und als verschollen galt, wurde O. 1911 vom Obersthofmarschallamt für tot erklärt, obwohl Gerüchte, er habe den Untergang seines Schiffes überlebt bzw. inszeniert, nie ganz verstummen wollten. – Der scharfsinnige und vielseitig interessierte Erzherzog – u. a. beteiligte er sich maßgeblich als Autor am sog. Kronprinzenwerk „Die österr.-ungar. Monarchie in Wort und Bild“ (1887-1902) und betätigte sich unter Anleitung von Johann Strauß Sohn auch als Komponist – war zu seiner Zeit zweifellos einer der fähigsten Köpfe seines Hauses und dank der Konsequenz und Kompromißlosigkeit, mit denen er nach seinem Austritt aus dem Kaiserhaus daranging, sein „bürgerliches Leben“ zu gestalten, einer der bemerkenswertesten.

  • Werke

    Betrachtungen üb. d. Organisation d. österr. Artillerie, 1874;
    Gesch. d. k. k. Linien-Rgts. Nr. 12 Erzhzg. Wilhelm, (1877-80);
    Drill od. Erziehung, in: Organ d. mil.wiss. Vereine 27, 1883.

  • Literatur

    F. Weissensteiner, Ein Aussteiger aus d. Kaiserhaus, 1985 (P);
    ders., Reformer, Republikaner, Rebellen, Das andere Haus Habsburg-Lothringen, 1987 (P);
    P. Wiesflecker, Stud. z. habsburg. Heirats- u. Fam.pol. im Za. Kaiser Franz Josephs I. – Austritte aus d. Kaiserhaus u. Ehen mit Bürgerlichen, Diplomarb. Wien 1989, S. 40-67;
    Die Habsburger, Ein biogr. Lex., hg. v. B. Hamann, 1988 (P);
    ÖBL.

  • Autor/in

    Peter Wiesflecker
  • Empfohlene Zitierweise

    Wiesflecker, Peter, "Orth, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 599-600 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118723006.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA