Lebensdaten
1806 bis 1864
Geburtsort
Deutenkofen bei Landshut
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Archäologe ; Numismatiker ; Kunsthistoriker ; Professor der Archäologie in München ; Politiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117312797 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Streber, Franz Seraph Napoleon
  • Streber, Franz
  • Streber, Franz Seraph Napoleon
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Zitierweise

Streber, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117312797.html [19.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Johann (1760–1827), sandizell. Ger.halter, S d. Johann Franz (1713–1802), Marktschreiber in Reisbach (Niederbayern);
    M Maria Anna (1760–1824), T d. Matthias Stegmüller;
    Ov Franz Ignaz v. S. (s. 1);
    B Ignaz (* 1803), Pfarrer in Arnbach, Schw Anna (1799–1863, Johann Baptist Stiglmaier, 1791–1844, Bildhauer, Münzschneider, Erzgießer in M., s. NDB 25);
    Koblenz 1835 Ottilie (1812–91), T d. Hermann Joseph Dietz (1782–1862), Fabr., 1816–46 Stadtrat in Koblenz, Freund v. J. v. Görres u. Cl. Brentano (s. Koblenzer Köpfe, 2002), u. d. Anna Maria Antoinette Maas (1782–1838); mind. 3 S Hermann (1839–96), Priester, Gymn.lehrer, 1879–92 Redaktor v. Herders Kirchenlex. (s. BBKL XI), Adolf (1850–1905), Offz. im bayer. Inf.anterie-Leib-Rgt. im Dt.-franz. Krieg, Verlagsbuchhändler in Freiburg (Br.) u. M., seit 1892 Teilh. d. Herder`schen Verlagsbuchhandlung, Ignaz (1854–1910), Kurarzt in Bad Tölz, HR, 2 T Emilie (1843–88, Benjamin Herder, 1818–88, Verl. in Freiburg, Br., s. NDB VIII);
    Vt Mathias Paul v. S. (1805–26), Adjunct am kgl. Münzkab. in M.

  • Leben

    Ursprünglich für das Priesteramt vorgesehen, widmete sich S. nach seiner Matura in Landshut neben dem Studium der Philosophie und Mathematik ebenda (1822/23) auch dem der klassischen Philologie in München (1823/24), danach bis 1827 dem der Theologie und Archäologie. Reisen führten ihn nach Mailand, Venedig, Dresden und Berlin. Als sein Cousin Mathias Paul v. Streber 1826 verstarb, erhielt S. eine Gehilfenstelle in dem von seinem Onkel Franz Ignaz v. Streber S. geleiteten kgl. Münzkabinett in München und verfaßte einen Katalog über 18 000 griech. Münzen und ein illustriertes „Lexicon numismatico-iconographicon“. Nach Studien in Wien (1829/30) trat er 1830 als Adjunct dem Münzkabinett bei und wurde 1831 in Erlangen mit einer Arbeit über die mittelalterlichen Stadtmünzen der Nürnberger Burggrafen promoviert. 1835 wurde er zunächst zum ao., 1840 zum o. Professor für Kunstgeschichte, Archäologie und Numismatik an der Univ. München berufen. 1841 trat er die Nachfolge seines Onkels als Konservator am Münzkabinett und als o. Mitglied der Akademie der Wissenschaften an. Spätestens seit 1839 hielt S. Vorlesungen zur antiken und neueren Kunstgeschichte, seit 1843 auch zur Ästhetik. S.s Kunstverständnis war von Schelling und Görres geprägt und weist ihn als einen typischen Vertreter der kath. Romantik aus. Durch Empfehlung von Clemens Brentano gelangte S. 1833 in den Kreis um Joseph v. Görres, wo er bald eine zentrale Rolle einnahm. S.s zweifache Bekleidung des Ephorats (1840/41 u. 1841/42) an der Phil. Fakultät und seine beiden Rektorate (1843/44 u. 1852/53) zeigen den prägenden Einfluß des Görres-Kreises auf die Münchner Universität. Zusammen mit Daniel Bonifacius v. Haneberg und Guido Görres wirkte S. seit 1842 als Testamentsvollstrecker und Verwalter des dichterischen Nachlasses Cl. Brentanos, geriet allerdings in vorübergehenden Konflikt mit dessen Bruder Christian Brentano (1784–1851), der die Eigentumsrechte an den Schriften besaß und auf eine kirchentreue Werkauswahl drängte. S. war ein führender Exponent der ultramontan-konservativen Kräfte, die sich vehement gegen preuß.-liberale Einflüsse in Bayern wehrten und dem anti-aufklärerischen Ideal einer kath. Wissenschaft folgten. 1848–56 wirkte S. zusammen mit G. Görres, Georg Phillips und Johann Nepomuk v. Ringseis als treibende Kraft und Gründungsvorsitzender des aus dem Görres-Kreis hervorgegangenen „Vereins für konstitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit“, einem Vorläufer der Zentrumsbewegung. Die politischen Ziele seines Vereins blieben unerfüllt.

    S.s wiss. Interessen umspannten die Ästhetik, Archäologie und Kunstgeschichte ebenso wie die antike und mittelalterliche Numismatik. Sein 1860/62 erbrachter Nachweis, daß die bis dahin rätselhaften sog. Regenbogenschüsselchen kelt. Münzen und nicht germ. oder röm. Ursprungs waren, ist ein Markstein der kelt. und antiken Numismatik.

    In seinen letzten Lebensjahren wehrte sich S. vergeblich gegen die Überführung bedeutender Kunstgegenstände aus dem Münzkabinett in das neugegründete Bayer. Nationalmuseum. Durch die Heirat von S.s ältester Tochter mit dem Freiburger Verleger B. Herder erhielt dieser Zutritt zu einflußreichen kath. Kreisen, sein Verlag wurde durch die Mitgift vor dem Konkurs gerettet.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1834 ao., 1841 o.).

  • Werke

    Weitere W u. a. Symbolae ad Genealogiam Burggravorum Norimbergensium Saeculi XIII, Diss. Erlangen 1831;
    Ueber d. Gorgonen-Fabel, oder Erklärung e. etrur. Bronce-Reliefs in d. Glÿptothek zu München, SB d. Bayer. Ak. d. Wiss. v. 25. 8. 1834;
    Ueber d. Stier mit d. Menschengesichte auf d. Münzen v. Unteritalien u. Sicilien, Abh. d. I. Cl. d. Bayer. Ak. d. Wiss., II/2, 1836, S. 451–55;
    Ueber d. sog. Regenbogen-Schüsselchen, ebd. IX /1, 1860, S. 1–121, u. IX/3, 1862, S. 1–186;
    Über e. gall. Silbermünze mit d. angeblichen Bilde e. Druiden, ebd. X/3, 1864, S. 1–27;
    Die ältesten burggfl. nürnberg. Münzen (. . .), 1847;
    Ueber d. Mauern v. Babylon u. d. Heiligthum des Bel daselbst, 1847;
    Rede|an d. Studirenden d. Ludwig-Maximilians-Univ. zu München, [1843];
    Ueber d. Unterrichts-Anstalten vor d. 16. Jh.,. Ein Vortrag (. . .), 1850;
    Ueber d. Aufgabe d. Kunst u. Wiss., Rede an d. Studirenden d. Ludwig-Maximilians-Univ. zu München, 1853.

  • Literatur

    ADB 36;
    M. A. Strodl, in: Hist.-pol. Bll. f. d. kath. Dtld. 55, 1865, S. 85–97;
    M. J. Müller, in: SB d. Bayer. Ak. d. Wiss. 50, 1865, S. 261–64;
    R. Glosauer, Personalbibliogrr. d. Mitgll. d. Lehrkörpers d. Phil. Fak. zu München v. 1826 bis 1850, Diss. med. Erlangen-Nürnberg 1971, S. 184 f.;
    J. Keller-Herder, in: Wissenswelten, Die Bayer. Ak. d. Wiss. u. d. wiss. Slgg. Bayerns, hg. v. D. Willoweit u. T. Schönauer, Ausst.kat. 2009, S. 171–73;
    Qu
    Bayer. HStA, München;
    Diözesanarchiv München u. Freising;
    Archiv d. Bayer. Akad. d. Wiss.;
    Archiv d. Staatl. Münzslg., München;
    Hss.abt. d. Freien Deutschen Hochstifts, Frankfurt.

  • Portraits

    Selbstbildnis in Pastell (Fam.bes.);
    Photogrr.

  • Autor/in

    Johannes Keller-Herder
  • Empfohlene Zitierweise

    Keller-Herder, Johannes, "Streber, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 524-525 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117312797.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Streber: Franz St., Neffe des obigen, als Sohn eines Patrimonialrichters zu Deutenkofen bei Landshut am 26. Februar 1806 geboren, in München nach vierzehnmonatlichem schwerem Leiden in der Nacht vom 20. auf 21. November 1864. Schon mit sechzehn Jahren absolvirte er das Gymnasium in Landshut, worauf er sich in Landshut und München dem Fachstudium der Theologie zuwandte. Ein Jahr lang betrieb er in München unter Thiersch und Kopp classische Philologie. Indessen ward er durch den Umgang mit sinem Oheim, seinem Schwager, dem Erzgießer Stiglmayer, und anderen Gelehrten und Künstlern mehr und mehr auf das Gebiet der Kunstgeschichte, Archäologie und Münzkunde geführt. Auf Wunsch seines Oheims nahm er die Stelle eines Amanuensis am kgl. Münzcabinete an, indem er gleichzeitig der Theologie entsagte, deren Studium er mit einem glänzenden Examen (1827) abschloß. 1829 begab er sich zu längerem Aufenthalt nach Wien und setzte dort das in München begonnene Studium der Archäologie und Numismatik fort. Nachdem er sich durch einen kritischen Katalog über 18,000 griechische Münzen und ein „Lexicon numismatico-iconographicon“ mit meisterhaften Zeichnungen von etwa 6000 griechischen Münzen der Münchener und Wiener Sammlung als Numismatiker bewährt hatte, brachte ihm das Jahr 1830 die Ernennung zum Adjuncten des Münchener Münzcabinets. Den Doctorgrad erlangte er im folgenden Jahre von der Erlanger philosophischen Facultät für die Abhandlung: „Symbolae ad genealogiam Burggraviorum Norimbergensium saec. XIII.“ Eine 1834 vollendete Arbeit: „Numismata nonnulla graeca“ berichtigte eine Reihe von falschen oder mangelhaften Münzbestimmungen und wurde von der Pariser Akademie mit einem Preise gekrönt. Im nämlichen Jahre wurde St. a. o. Mitglied der Münchener Akademie, 1835 a. o. und 1840 o. Professor der Archäologie an der Universität München, 1841 Nachfolger seines Oheims als Conservator des kgl. Münzcabinets. In zahlreichen, in den Schriften der Akademie veröffentlichten Abhandlungen aus dem Gebiete der altgriechischen, keltischen, mittelalterlichen Münzkunde, wobei auch für Mythologie und Geschichte manche schöne Frucht abfiel, erwies er sich durch ausgedehnte Kenntniß und Scharfsinn, durch treffende Combinationsgabe und die gewissenhafteste Durcharbeitung bis in die kleinste Einzelheit als Meister des Fachs. Einige seiner Aufsätze sind archäologischen und kunstgeschichtlichen Fragen gewidmet. Bahnbrechend war die im 9. Bande der Münchener akad. Abhandlungen (1860) veröffentlichte Untersuchung über die sogenannten Regenbogenschüsselchen, worin diese bisher räthselhaften Münzen zuerst keltischen Stämmen zugewiesen wurden. Die französische Akademie hat auch dieser Arbeit einen Preis zuerkannt. Auf dem Katheder lehrte St. Archäologie, Kunstgeschichte und Aesthetik und wirkte, ohne seine Schüler hinzureißen, durch Klarheit und Gründlichkeit. Zwei Mal trug er die Last des Rectorats, einige Jahre auch die noch drückendere des Ephorats, das unter Abel's Ministerium für die philosophische Facultät eingeführt worden war.|Seine Gründung war der Verein zur Unterstützung armer Studirender, dessen Vorstand er bis zu seiner letzten Krankheit blieb, eine Abzweigung der St. Vincentiusgesellschaft, die ihn ebenfalls zu ihren Stiftern zählte. In allen diesen Stellungen gab St. mit offener Entschiedenheit seine streng kirchliche Richtung kund. Der Papst hat seine Verdienste um die katholische Sache durch Verleihung des Gregoriusordens anerkannt. 1848 gründete er mit Gleichgesinnten den Verein für constitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit, dessen erster Vorstand er während seines achtjährigen Bestandes war und in dessen Auftrag er eine Reihe von politischen Adressen und Erklärungen verfaßte. Noch einmal griff er als Politiker 1859 zur Feder, indem er auf den Wunsch einer fürstlichen Persönlichkeit eine Denkschrift verfaßte, welche zur Errichtung von Freicorps unter dem Schutze der deutschen Regierungen aufforderte. Oesterreichs Niederlage in Italien und der Zusammenbruch des Kirchenstaats bereiteten dem Strenggläubigen und Conservativen herbe Enttäuschungen. Seit 1835 war St. in glücklichster Ehe mit einer Tochter des Fabrikanten Diez von Koblenz vermählt, eines Freundes von Görres und Clemens Brentano.

    • Literatur

      (Strodl,) Zur Erinnerung an F. St. in den historisch-polit. Blättern, Bd. 55 (1865), S. 85 f. Auszug hieraus im 27. Jahresberichte des histor. Vereins v. Oberbayern. — Nekrolog v. M. J. Müller in den Sitz.-Berichten der Münchener Akad., 1865, I, 261 ff.

  • Autor/in

    Riezler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Riezler, Sigmund Ritter von, "Streber, Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 36 (1893), S. 553-554 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117312797.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA