Lebensdaten
1830 bis 1888
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe ; Professor der Theologie in Halle
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 101788622 | OGND | VIAF: 52065873
Namensvarianten
  • Riehm, Eduard
  • Riehm, Eduard Karl August
  • Riehm, August
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Zitierweise

Riehm, Eduard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd101788622.html [20.09.2020].

CC0

  • Leben

    Riehm **)Zu Bd. XXVIII, S. 554.: Eduard R., geb. am 20. December 1830 zu Diersburg bei Offenburg in Baden, wo sein Vater (nachmals Decan in Pforzheim) damals|als Pfarrer wirkte, am 5. April 1888. Auf dem Salon bei Ludwigsburg vorgebildet, bezog R. zuerst die Universität Heidelberg, wo er von Ullmann und namentlich Hundeshagen, sodann Halle, wo er von Hupfeld nachhaltige Anregungen empfing. Vom December 1853 ab wirkte er als Stadtvicar in Durlach, vom August 1854 ab als Garnisonsprediger in Mannheim und habilitirte sich im Sommer 1858 für das Fach der alttestamentlichen Theologie in Heidelberg. 1861 zum außerordentlichen Professor ernannt, siedelte er im August 1862 in gleicher Eigenschaft nach Halle über. 1866 trat er nach Hupfeld's Tode als Ordinarius in die Facultät ein. Als solcher entwickelte er 22 Jahre hindurch eine höchst vielseitige und erfolgreiche Thätigkeit. 1881 bekleidete er das Rectorat der Universität. Seit 1878 gehörte er der sächsischen Provinzialsynode, 1885 dem Vorstand derselben, sowie der Generalsynode an. Nicht minder erfreute sich die Redaction der „Theologischen Studien und Kritiken“, sowie die Hallesche Commission für die Revision der Luther'schen Bibelübersetzung seit 1865 seiner eifrigen Mitarbeit. Dagegen lehnte er wiederholt ehrenvolle Berufungen ab (so 1867 nach Leipzig, 1879 als Generalsuperintendent von Westpreußen, sowie nach Tübingen). Am 5. April 1888 erlöste ihn der Tod von schweren Leiden zu Giebichenstein bei Halle, wo er seit 1865 ein eigenes Haus bewohnte. Vermählt war R. zuerst seit 1855, dann nach dem Tobe seiner ersten Gattin (im December 1866) seit 1868; mit der Wittwe betrauerten acht Kinder seinen frühen Heimgang.

    Die theologische Richtung Riehm's war die der sogen. Vermittlungstheologie, sofern nämlich unter der letzteren das lautere Streben verstanden wird, unbestechlichen Wahrheitssinn in allen wirklich wissenschaftlichen Fragen mit schlichter, aufrichtiger Frömmigkeit in allen Glaubensfragen, sowie mit dem regsten Interesse für die praktischen Ziele der evangelischen Kirche zu vereinigen. Auf der schönen Harmonie zwischen den streng wissenschaftlichen und den kirchlichen Interessen beruhte die Besonnenheit und Milde des Urtheils, die ihn in hohem Maße auszeichnete und zu einem Manne des allgemeinen Vertrauens machte.

    Von den Schriften Riehm's beziehen sich auf das alte Testament: „Die Gesetzgebung Mosis im Lande Moab“ (1854). Diese Untersuchung über das Deuteronom, in welcher R. die einstige selbständige Existenz dieses Gesetzbuchs sowie die Spuren seiner Abfassung im 7. Jahrhundert nachwies, wird noch heute als ein wichtiger Beitrag zur Pentateuchkritik anerkannt. Dasselbe gilt von Riehm's Kritik der epochemachenden Schrift von Graf über die geschichtlichen Bücher des Alten Testaments (1866) in den Theologischen Studien und Kritiken 1868, S. 350 ff., sowie (nach einer Replik von Graf in Merx' Archiv 1869) 1872, S. 283 ff. R. hatte das Verdienst. Graf zu einer consequenteren Verfolgung des eingeschlagenen Weges zu nöthigen. Er selbst ist ihm allerdings nicht auf diesem Wege gefolgt, hat sich vielmehr gegen die gesammte weitere Entwicklung der Pentateuchkritik, wie sie durch Kuenen, Wellhausen u. a. erfolgte, ablehnend verhalten. Ferner gehören hierher“ Ueber die besondere Bedeutung des Alten Testaments für die religiöse Erkenntniß und das religiöse Leben der christlichen Gemeinde“ (1864); „De natura et notione symbolica Cheruborum“ 1864; die Besorgung der 2. Auflage von Hupfeld's Commentar über „Die Psalmen“, 1867—71, 4 Bde., mit werthvollen Zuthaten; „Die messianische Weissagung“ (zuerst in den Studien und Kritiken 1865 und 1869, dann Gotha 1875; 2. Aufl. 1885; englisch von Jefferson, Edinburg 1876), eine Behandlung des schwierigen Gegenstandes, die ebenso den Forderungen historischer Kritik, wie dem theologischen Interesse gerecht wird; „Das erste Buch Mose in revidirtem Text“ 1873; Vorarbeit für die revidirte Lutherbibel; „Der Begriff der Sühne im Alten Testament“ (Halle'sches Osterprogramm von|1876, auch abgedruckt in den Studien und Kritiken von 1877), eine werthvolle biblisch-theologische Untersuchung, in welcher R. gegen Ritschl die Bedeutung des Opfers im Alten Testament als einer Deckung des Sünders vor dem Zorn Gottes erweist; „Der biblische Schöpfungsbericht" (1881; ursprünglich ein Vortrag); „Religion und Wissenschaft“ (Rectoratsrede von 1881; abgedruckt in den Studien und Kritiken von 1882). Eine große Zahl von sorgfältigen Artikeln Riehm's enthält endlich auch das seit 1875 von ihm herausgegebene, 1884 beendete „Handwörterbuch des Biblischen Altertums für gebildete Bibelleser“ (Bielefeld und Leipzig, 2 Bde., mit zahlreichen Illustrationen). Die Vorlesungen Riehm's über „Einleitung in das Alte Testament“ wurden 1889 von A. Brandt, die über „Alttestamentliche Theologie" 1889 von K. Pahncke (beide in Lieferungen) herausgegeben. Dem neutestamentlichen Gebiet gehört an die überaus eingehende Darstellung des „Lehrbegriff des Hebräerbriefs“ (1858—59, 2 Bde.; 2. Aufl. 1867); endlich dem biographischen Gebiet: „Herm. Hupfeld, ein Lebens- und Charakterbild“ (1867) und „Zur Erinnerung an Dr. C. B. Hundeshagen“ (Studien und Kritiken 1874 und besonders).

    • Literatur

      Vgl. auch J. Köstlin, Zum Gedächtnis D. Ed. Riehms (Theol. Stud. und Krit. 1888, Heft 4) und A. Kamphausen im Evang. Gemeindeblatt für Rheinl. und Westfalen, 15. April 1888.

  • Autor/in

    E. Kautzsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kautzsch, Emil, "Riehm, Eduard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 30 (1890), S. 72-74 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101788622.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA